Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-23 · 8 (23.2.1900) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
8 (23.2.1900)
Date
1900-02-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021331-3021340--09661-3034101
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

■■hmiwi niin«n«BreT»iBaaaafo*i 11 um Seite 146 Dr. Block s Wochenschrift. gegen mich gerichteten Artikel entdecke, der mich wider Willen zu einer kurzen Entgegnung zwingt. Ich habe diesen Herrn weder angegriffen, noch seinen Artikel citirt; ich habe blos mit Bezug auf die Quacksalbereien für die galizischen Juden bemerkt, daß Anatome noch keine Operateure, wie Doctoren der Philosophie noch keine Philosophen sind, ohne eine bestimmte Person zu bezeichnen oder gar zu nennen. Darauf, präsentirt sich Herr Dr. Tuch und sagt: „Sie haben meine Polemik mit Herrn Dr. Salz nicht gelesen, sonst hätten Sie den Gegenstand nicht weiter behandelt. Sie kennen die Verhältnisse in Galizien nicht." Nein wahrlich, ich habe Herrn Tuch's Polemik nicht gelesen, da ich mir eine viel bessere Zeitverwendung weiß und fühle mich auch nicht durch den Vorwurf der Unkenntnisse galizischer Verhältnisse sonderlich getroffen. Eßi Mann, der wie ich 40 Jahre Aecretär einer galizischen Handelskammer war, der nicht blos Statistik gelesen, sondern auch gemacht und fortwährend in industriellen, commerciellen und agricolen Kreisen verkehrte und deffen statistische Arbeiten wiederholt prämiirt wurden, kennt die Verhältnisse des Landes doch wohl besser als Jemand in Hamburg, der den Kranken brieflich behandelt und der galizischen Misere jüdische Colonien verschreibt, für welche man den jüdischen Großgrundbesitzern ihre Güter um hohe Preise abkaufen möge. Arme Juden, wenn ihr auf die Wirkung dieses Mittels warten müßtet, würde Euch viel eher der Tod erlösen, als Eure westlichen Brüder! Ich habe meinen Artikel „Interne und externe Colonisation" nochmals geprüft und nehme nicht einen Satz zurück, den ich dort schrieb und bleibe überzeugt, daß wohl mit großen Opfern eine oder zwei jüdische Colonien in Galizien geschaffen werden können die im besten Falle das Elend um etwa ein kleines Tausend herabmindern würden — eine ausgiebige Hilfe wären sie jedoch nicht! Meran, 12. Februar. Leo Herzberg-Fränkel. Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten. Wien, Februar. Der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten hielt am 18. d. M. seine Generalversammlung ab anläßlich des Eintrittes in das 60. Vereinsjahr. Der geräumige Sitzungssaal des israelitischen Cultusvorstandes bis aus das letzte Plätzchen besetztund viele Spätergekommene fanden keinen Einlaß mehr. Als Gäste waren erschienen: Reichsrathsabgeordneter W r a b e tz, Gemeinderath von Dorn als Delegirter des Niederösterreichischen Gewerbevereines, Oberrabbiner Dr. G ü d em a n n, Cultuspräsident kais. Rath Heinrich KI i n g e r, Bezirksvorsteher Schwanzar und O e r l e y vom Alsergrund, Hoftath Migerka, Regierungsrath K u l k a, kais. Rath Franke als Delegirter der Niederösterreichischen Handels¬ und Gewerbekammer, Baron Wilhelm Königswarte r, in Vertretung der Baron Hirsch-Stiftung und David Ritter v. Gutmann, Dr. Wechsberg und Vertreter fast aller humanitären Vereine. Die Generalversammlung wurde vom Vicepräsidenten des Vereines, Gemeinderath Zifferer, mit einer warmen Ansprache eröffnet. Aus dem Einlauf sind hervorzuheben: Begrüßungsschreiben vom ungarischen israelitischen Handwerksverein in Budapest, vom Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag, vom Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien und vom Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender. Entschuldigt haben ihre Abwesenheit: Centralgewerbe-Jnspector Muhl, Baron Albert Rothschild und Gustav Baron Springer, kais. Rath Wilhem Pollak, David von G u t m a n n u. s. w. Weiters wurde zur Keuntuiß gebracht, daß von Herrn Max und Frau Jda von G u t m a n n zum Andenken des Herrn Wilhelm von Gutmann eine Stiftung im Betrage von 40.000 Kronen und von Herrn Ober-Jnspector Felix Reiser eine Kaiser-Jubiläumsstiftung im Betrage von 1800 Kronen dem Vereine gewidmet wurde, letztere zum speciellen Zweck für Reisestipendien für Vereinszöglinge. Freudige Ueberraschung bereitete eine Zuschrift des Barons Nathaniel Rothschild, in welcher er Mittheilung von einer dem Vereine im Hinblick auf dessen ersprießliches, verdienstvolles Wirken gewidmeten Spende von 20.000 Kronen machte, was von der Versammlung mit hohem Beifall zur Kenntniß genommen wurde. Hierauf verlas der verdienstvolle Schriftführer Herr Doctor Reis den Rechenschaftsbericht, in welchem in großen Ulnrissen die Genesis des Vereines geschildert und die Aufmerksamkeit aus die „beschämend e" Thatsache gelenkt wird, daß es dem Vereine an Mitteln fehle, und daß häufig deshalb die Aufnahme von Zöglingen sistirt werden müsse. Die im elegischen Tone gehaltene Schilderung der prekären Lage des Vereines verfehlte nicht, aus die Anwesenden den tiefsten Eindruck zu machen und allgemeiner Beifall machte sich vernehmbar, als Dr. Reis seinen mit Fleiß und Sachkenntniß verfaßten Bericht beendet hatte. Hierauf ergriff Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n das Wort zu einem eindringlichen Appell an die Anwesenden und die Mitglieder der Cultus-Großgemeinde Wiens überhaupt, dem eine verdienstvolle, humanitäre Wirksamkeit cultivirenden Vereine die materiellen Behelfe reichlich zuzuwenden. Dr. G ü d e m a n n betonte weiters, daß die Thätigkeit des Vereines ein lebendiger Protest gegen die Beschuldigung der Antisemiten sei, als wollten sich die Juden der manuellen Arbeit entziehen und schon deshalb sei es dringend geboten, dem Vereine die thatkräftigste Förderung zu widmen. Die in warmem Tone und zum Herzen sprechende Rede. Dr. Güdemann's war von nachhaltiger Wirkung und erzielte großen Beifall. Hierauf begrüßte Cultuspräsident kais. Rath K l i n g e r die Versammlung namens der israelitischen Cultusgemeinde, welche bereitwillig dem Vereine die Gastfreundschaft erwiesen und versicherte demselben die sympathischeste Förderung und Unterstützung, was mit allgemeiner Zustimmung dankend quittirt wurde. Nachdem noch Bezirksvorstand I. S ch w a n z a r und Kammerrath Franke begrüßende Ansprachen gehalten, ergriff Hofrath M i g e r k a das Wort, um in längerer Rede der Ueberzeugung Ausdruck zu verleihen, es werden im Hinblick auf die humanitäre Thätigkeit und sichtbaren Erfolge, dem Vereine derart reichliche Mittel zufließen, daß er in die Lage kommen dürfte, allen Anforderungen gerecht werden zu können. Namens der ehemaligen Zöglinge des Vereines, die derzeit als zünftige Meister ein Handwerk ausüben, sprach Herr F r i e d m a n n warme Worte des Dankes und versicherte, daß dieselben mit allem Eifer und Pflichtreue sich der ihnen zugewiesenen Aufgabe unterziehen werden, die Zöglinge in den Werkstätten zu inspiciren. Bethausvorstand Bettelheim versicherte, er habe sich persönlich Ueberzeugung verschafft, der Jugendgottesdienst werde von den Zöglingen zahlreich besucht, gehe in würdiger Weise vor sich und daß namentlich die Exhorten volles Verständniß finden. Baron Königswarter dankte namens seiner Familie für die dem Andenken seines Vaters und Großvaters erwiesenen Ehrungen und versicherte, daß auch er persönlich dem Vereine seine vollsten Sympathien zuwenden werde. Herr Bernhard Pollak, Gesellschafter der Firma Herm. Pollak's Söhne, machte die Mittheilung, daß er den von der Firma bisher geleisteten Jahresbeitrag von 25 Gulden auf 200 Gulden erhöhe. Diese großherzige Munificenz wurde mit lebhafter Acclamation aufgenommen und es wäre zu wünschen, daß dieses Beispiel vielseitig Nachahmung fände. Seitens eines Vereinsmitgliedes wurde der Wunsch ausgesprochen, die ehrwürdige Geistlichkeit, welche in der Versammlung in so würdiger und ausgezeichneter Weise durch Ober- - rabbiner Dr. Güdemann vertreten sei, möge gleich diesem die schönen Ziele und idealen Zwecke des Vereines von der Kanzel fördern und ferner der Antrag gestellt, daß auch den Vereinsorganen, namentlich dem verdienstvollen Vereinssecretär Herrn B a ch r a ch für deren erfolgreiche ersprießliche Thätigkeit Dank und Anerkennung der Generalversammlung votirt werde, was mit lebhafter Zustimmung ausgenommen wurde. Um den Beitritt neuer Mitglieder in den Verein zu erleichtern, wurde eine Aenderung der Statuten angenommen, dahingehend, daß von weiters ab bei neu eintretenden Mitgliedern auf die Einzahlung zum Capitalfonde Umgang genommen werden könne.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.