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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-23 · 8 (23.2.1900) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
8 (23.2.1900)
Date
1900-02-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Vir. 8 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 14-', christlichen Lager! Ein Pfarrer wurde vor dem Kreisgerichte in Cilli zu 6 Monaten schweren Kerkers verurtheilt. Es war nicht wegen politischen Vergehens, sondern wegen eines schweren Sittlichkeitsverbrechens und Verleitung zu falscher Aussage. Oh, diese Frommen! -i- * * Eine Rede des „Juden" Lucian Brunner, gehalten in dem von der „jüdischen" Freimaurerloge „Demokratia" gegründeten „B(J)udapester" Demokratenclub, sticht dem „Vaterland" in die Nase. Es nennt den Vortrag „gaistreich". denuncirt ihn, daß er „gegen die Dynastie"^gesprochen habe und fragt, warum man solche Juden nicht nach Judapest abschiebt? Herr Lucian Brunner verwahrt sich entschieden gegen die Verdächtigung und seine Berichtigung wird vom „Vaterland" wieder benützt, um von „jüdischer" Discreditirung der Monarchie zu sprechen u. dergl. m. Herr Brunner ist Mannes genug, sich des „Vaterland" zu erwehren und bedarf nicht unserer Assistenz. Wir gewähren sie auch nicht ihm, wir treten nur gegen die Tendenz des „Vaterland" auf, seine Denunciationen gegen die Juden als solche zu richten. Wir haben Juden in antipatriotischer Haltung nicht kennen gelernt, wohl aber haben wir von Ariern, Christen und — sogar von Pfarrern — reden gehört, welche sehr lebhaft an der irredentistischen Bewegung in Südtirol betheiligt sein sollen. Vielleicht möchte dort das „Vaterland" christlichen Patriotismus und christliche dynastische Treue studiren? Wie das Hanptorgan der englischen Katholiken über den Ritualmord denkt. Das „Tadlet" hat seiner Zeit einen Artikel gebracht, worin gegen den Glauben, daß Juden Morde zu rituellen Zwecken begehen, entschiedene Verwahrung eingelegt wird. Dieser Artikel veranlaßte einen in Rom lebenden Engländer Mr. Kenyon, der offenbar im Banne des antisemitischen „Osservatore Romano“ steht, eine Zuschrift an das „Tablet" zu richten, in welcher er unter Berufung auf einen, dem Priesterstande angehörigen Gewährsmann, die Stichhältigkeit der schändlichen Beschuldigung zu rechtfertigen sucht. Daraufhin richtete der englische Oberrabbiner Dr. Adler in einem offenen Briefe, der ebenfalls im „Tablet" Aufnahme fand, die Aufforderung an Mr. Kenyon, seinen Gewährsmann zu nennen oder seine Verleumdung zurückzuziehen. Mr. Kenyon hüllte sich wohlweislich in Stillschweigen. Nun schrieb Dr. Adler neuerdings an das „Tablet", um die Handlungsweise des Mr. Kenyon als das zu kennzeichnen, was sie ist, als einen Act böswilliger Verleumdung und der Feigheit. Das „Tablet" selbst bringt an bevorzugter Stelle eine Ergänzung zu diesem Briese indem es schreibt: „Angenommen, ein bekanntes Mitglied der jüdischen Gemeinde hätte die Katholiken dieses Landes angeklagt, von einer antienglischeu Verschwörung, die mit dem Kriege in Südafrika in Verbindung stünde, Mitwiffenschaft zu besitzen und daß Cardinal Vaughan einen Brief an das „Jewish Chronicle" geschrieben hätte, worin er unfern Verleumder auffordert, seine Anklage zurückziehen oder den Beweis zu erbringen, auf dem sie beruhe. Was würde Mr. Kenyon sagen, was würde jeder rechtlichdenkende Mensch sagen, wenn unser Ankläger dann zum Stillschweigen Zuflucht nähme und sich weigerte, seine Worte zurückzunehmen oder zu beweisen. Wir überlassen es dem Herrn Kenyon, sich die Epitheta, die einer solchen Haltung am besten angemessen wären, zu wählen. Und wird das, was im Falle eines jüdischen Anklägers ungebührlich wäre, im Falle eines Katholiken erträglich '? „Der Oberrabbiner hat im gegenwärtigen Falle genau das geschrieben, was wir schreiben würden, wenn die Verhältnisse umgekehrt wären. Was uns anbelangt, so können wir nur unser Bedauern ausdrücken, daß durch das Medium unseres Blattes (The Tablet) so unbegründete Anklage erhoben wurde und versichern den Oberrabbiner, daß wir niemals dem Briefe Mr. Kenyon's die Oeffentlichkeit unserer Spalten geliehen hätten, wenn wir seine Weigerung, das Zeugniß, auf das er sich verließ, vorzulegen, hätten voraus sehen können. Uebrigens lassen wir alle diese Geschichten über Ritualmord fahren, indem wir die bündigen Worte des Cardinals Manning zu unseren eigenen machen: „Wir glauben nicht an solche Gespenster!" Kammerpräsident Herrenhausmitglied Josef Wohanka über die Judenexeeffe in Böhmen. Der Präsident der Prager Handelskammer hat in seinem Rechenschaftsbericht Gelegenheit ergriffen, über die letzten Judeuexcesse in Böhmen ein scharfes Wort der Verurtheilung zu sprechen und an die Urheber der Excesse eine Absage zu richten. Der Präsident fügte hinzu: „Wie in jedem Lande sich den Volksbewegungen Elemente anschließen, die unter dem Deckmantel nationaler Begeisterung ihre niedrigen Jnstincte befriedigen wollen, so geschah dies auch bei einigen im October v. I. stattgefundenen Demonstrationen. „Besitzfeindliche Bestrebungen wurden zur That und die mit der geschichtlichen Tradition des böhmischen Volkes unvereinbare religiöse Unduldsamkeit fand Anhänger und Bethätiger. „Diese Vorkommnisse, die auch in anderen Ländern des In- und Auslandes nicht vereinzelt dastehen, wurden mißdeutet und hiefür das ganze böhmische Volk verantwortlich gemacht." „Man hätte aber doch meinen sollen, daß bei möglichst scharfer und harter Verurtheilung der sehr bedauerlichen Excesse doch dafür nur die wirklich Schuldigen verantwortlich gemacht werden, man hätte dies umso eher meinen sollen, als die berufenen Vertreter des böhmischen Volkes gegen diese Excesse energische Verwahrung eingelegt, die Bevölkerung zum Frieden, zur Achtung vor dem Gesetze ermahnt und aufgefordert haben, selbst jeden Versuch, die confessionelle Freiheit und den confesfionellen Frieden in unserem Lande zu untergraben, mit aller Energie zu bekämpfen." „Trotzdem fand mau den traurigen Muth, für diese Excesse die ganze böhmische Nation, die daran gar keinen Antheil hatte, verantwortlich zu machen, ein Vorgehen, das scharf verurtheilt werden sollte Die erwähnten Excesse haben aber auch Handel und Production in den betreffenden Gegenden nicht wenig geschädigt, indem die Furcht vor Wiederholung derselben lähmend einwirkte, ja in manchen Gegenden den Handel geradezu auf eine Z-it zum Stillstände brachte." Die „Götter" der Arier. Herr Dr. Podlipny, der enitrohnle Lueger in.» böhmischen Schnürrock, wandte sich beim Anbruch des neuen Jahrhunderts mit einem Dankesgruß an die Russen. „Ich erlaube mir dem russischen Volke au der Schwelle des zwanzigsten Jahrhunderts meine aufrichtigsten Glückwünsche zu übermitteln. Mögen die Gebete der ganzen Welt rasch den Himmel erreichen, daß die Idee des allgemeinen Friedens, den die christlichen Seelen anstreben, sich. verwirkliche, daß der erhabene Traum des großen Czars des heiligen Rußland sich verwirkliche, daß Gott Se. Majestät belohne, ihm Segen und Gnade spendend. Möchten die vereinigten Gebete der ganzen slavischen Welt den Himmel erreichen, daß alle Zweige der slavischen Familie sich kräftigen sollen, dass das A 2 sl)t i g e r u s s i s ch e B o l k a n d e r S p i tz e a l l e r s l a v i s ch e n V o lF e r ununterbrochen, mit der Fackel der C i v i l i s a t i o n, t>e§ Friedens und der Freibeit in der Hand, vorwärts marschieren soll". „Die Deutschen beten ihren Gott, den G o t t d e r Gewalt u n d d e r M a ch t dir, wir Gzechen glauben aber an unseren Gott, den G o t t d e r Wahrheit und d e r M e n s ch e n l i e b e. Wir glauben an die Gerechtigkeit der Geschichte und honen, aus dem Wege ehrlicher Zlrbeit unser Ziel ui erreichen. Wir, der äußerste Schntzdamm des Slaventhnms. halten seit den ersten Jahrhunderten die Hochsluth des feindseligen Stromes aus. Nach jahrhuiidertlangein Kampfe, als unsere Todtengräber wähnten, uns schon zu den Tobten zählen zu dürfen, haben wir unsere Muttersprache gerettet und stellen nun ans den Beinen, hoffen auch, daß wir mit Gottes Hilfe für immer w. bleiben werden! Während dieses schweren Kampfes diente uns die Clvilisation der Brüderlichkeit als Stütze und als Duelle unserer eigenen Wiedergeburt. An der Schwelle des neuen Jahrhunderts wäre es undankbar, sich der moralischen Stütze nicht zu erinnern, welche Rußland uns aus dem Gebiete der (Zivilisation erwiesen hat. Wir schulden ihm dafür ewige Dankbarkeit." Da haben wir es also klipp und klar: „Die Deutschen beten ihren Gott an", „wir Czechen glauben aber an unseren Gott!" Was sind wir Juden doch für inferiore Geschöpfe, welche noctz immer an dem alten Aberglauben festhalten, daß alle Menschen Brüder sind von Einem Gott geschaffen! Und haben die Helden von Polna, Holleschau und Wsetin in der That den „Gott der Wahrheit" angerusen?' L. S, Eine Entgegnung. Ich habe mir vorgenommen, während meines Aufenthaltes in Meran möglichst wenig zu schreiben und mich noch weniger zu ärgern. Es ist eine Sünde, sich dieser schönen Natur zu entziehen und in ihrem Frieden Krieg zu führen oder Duelle auszufechten. Da kam die Nummer 6 der „Oesterreichischen Wochenschrift" nachgeschickt, in der ich einen von einem Herr Dr. T u cl)

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