Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 7 (16.2.1900)
- Date
- 1900-02-16
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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'irr. 7 Br. Bloch's Wochenschrift. Seite 131 Kreisen großer Beliebtheit. Die äußerst lebhafte Nachfrage nach Karten zu diesem Feste rechtfertigt die Schlußfolgerung, daß auch dieses Fest, gleich feinen Vorgängern, sich elegant und animirt gestalten wird. Wien. (Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten in Wien). Der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten hält am 18. Februar l. I., halb 11 Uhr Vormittags im Sitzungs-Saale der israel. Cultusgemeinde (l. Seitenstettengasse 4) anläßlich des 60jährigen Vereins-Bestandes eine General-Versammlung mit folgender Tages-Ordnnng ab: 1. Erstattung des Rechenschaftsberichtes über die Vereinsthätigkeit. 2. Antrag auf Aenderung der Statuten. 3. Wahl des Vorstandes. 4. Eventualia. Jägerndorf. Hier starb Herr Israel Böhm im 78. Lebensjahre. Der Verstorbene gehörte zu den ältesten Geschäftsleuten der Stadt und erfreute sich als solcher allgemeiner Achtung. Nachod. (T raun n g.) Am 5. März findet im Tempel in Brünn die Trauung des Fräulein Olga Kafka. Tochter des Industriellen Herrn Leopold Kafka, mit dem Fabrikanten Emil G l a ß in Proßnitz, statt. Der Brautvater Herr Leopold Kafka erfreut sich als Mitglied der hiesigen städtischen Gemeinde- Repräsentanz und des Cultnsvorstandes allgemeiner Sympathien und Werthschätzung. MährisH-Ostrau. Der israelitische Wohlthätigkeitsverein hielt seine diesjährige Generalversammlung, unter dem Vorsitze der Präsidentin, der Frau Lina K r a s n y, und des Delegirten der Cultusgemeinde, Herrn Professors Schwarz, ab. Der von der Schriftführerin Frau Spira erstattete Rechenschaftsbericht wies ein erfreuliches Wachsen des Vereines und eine immermehr umfassende Thätigkeit desselben auf. Der von der Cassierin Frau Johanna Bell^k vorgelegte Cassebericht weist an Einnahmen durch Mitgliederbeiträge 866 fl., an Spenden 809 fl., an Erträgniß des Wohlthätigkeitsballes 311 fl. und des Wohlthätigkeits-Kinderfestes 2020 fl. auf. Das Vereinsvermögen beträgt gegenwärtig 3000 fl., davon ist der Betrag von 2000 fl. in der Mährisch Östrauer Sparcasse als unantastbares Stammvermögen anzulegen. Ferner wurde beschlossen, die frühere Vicepräsidentin, Frau Dr. W e ch s b e r g, in Würdigung ihrer Verdienste um den Verein zum E h r e n m i t g l i e d e zu ernennen. Nachdem der Vorsitzende im Namen der Cultusgemeinde den Functionärinnen des Vereines für ihre mühevolle und erfolgreiche Thätigkeit den Dank und die Anerkennung ausgesprochen hatte, wurde die Versammlung geschlossen. Prag. Mit Erlaß der Statthalterei wurde Herrn Siegfried G r ü n b e r g e r in Ober-Cerekwe die Rabbinats-Dispens für Böhmen ertheilt. Budapest. (D r e i v i e r t e l Stunden im Brunne n.) Ein aufregender Vorfall ereignete sich kürzlich in S i l a g y - S o m l y o. Das neunjährige Söhnlein des Rabbiner-Stellvertreters Schönberger sollte aus dem Brunnen des Spiritusfabrikanten Weinberger Wasser schöpfen. Unglücklicher Weise riß die Kette und der Knabe stürzte in den 15 Meter tiefen Brunnen hinab. Ein Augenzeuge dieser schrecklichen Sceue, der Taglöhner Samuel Marion, ließ sich, rasch entschlossen, an dem hängengebliebenen Theil der Kette ebenfalls in den Schacht hinab und erfaßte mit der Linken den in dem sechs Meter tiefen Wasser für einen Augenblick auftauchenden Knaben. Mehr als dreiviertel Stunden lang hielt sich der Taglöhner, mit der einen Hand den Knaben festhaltend und mit der andern an die Kette geklammert, in dem Brunnen, bis endlich Hilfe kam und Bride aus der gefährlichen Lage befreit wurden. Grätz. Der seit dem Jahre 1875 als Kreistags- Abgeordneter seiner Heimatstadt fungirende Stadtrath H e r z f e l d wurde in gemeinschaftlicher Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten-Bersammlung e i n st i m m i g auf sechs Jahre wiedergewählt. Bromberg. Der eiste Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Stadtrath L. A r o n s o h n, ist zum C o m m e r c i e n r a t h ernannt worden. Sydney. Es ist nicht uninteressant, daß auch hier ein Jude es ist, der iu deu Fragen des Thierschutzes eine führende Rolle spielt. Mr. John I. Cohen, Mitglied des Parlaments, hat ein Gefitz eingebracht und seinen Zweck erreicht, welches den Schutz der Thiere vor Grausamkeit zur Aufgabe hat. Es ist erfreulich, daß auch in dieser Frage der Humanität die Juden an der Spitze stehen. Chicago. Die Frauenemancipation hat wieder einmal eine schöne Blüthe getrieben, die übrigens in unsere Reformsynagogen gar nicht so übel paßt. Am 24. December predigte Miß Sadie American in dem Tempel Sinai, dem Gotteshause des bekannten Ultrareformers Dr. Hirsch. Letzterer war abwesend und die Miß vertrat ihn. Ob die Dame sich nicht etwa geirrt und eine Rede für die Weihnachtsbescherung gehalten hat? Feuilleton. Reiseerlebnisse in Galizien. Mone: .Und wenn der Mensch in seiner Qunl uenlutnmi <8ad mir ein Goti zu sagen, was ich leide." VI. In Zaleszczyki besuchte ich, sowie ich mich nur einigermaßen wiedergefunden hatte, unsere vor einigen Jahren hier gegründete Schule. Ich hatte meine Freude an den großen Fortschritten, die hier in verhültnißmäßig sehr kurzer Zeit erzielt wurden. Wenn man das aus den allertiefsten Schichten sich rekrutirende Kindermateriale, wie es in unsere Schulen tritt, beobachtet und es daun nach wenigen Jahren Schulbesuches wieder sieht, so glaubt man nicht anders, als daß hier Wunder geschehen seien. Gänzlich verwildert, anstatt einer Sprache uuarticnlirte Töne, verwahrlost in abschreckender Weise, mit kranken Köpfen, zerrissenen und zerschlissenen Kaftans, aus deren klaffenden Rissen der nackte Körper blickt ... so treten die meisten dieser Kinder in diese Schulen der Barmherzigkeit ein. — Man sehe sich aber diese selben Knaben nach nur zwei- oderdreijährigem Schulbesuch wieder an. Welche Wandlung! Das sind jetzt prächtige, wohldisciplinirte, g sittete. saubere Knaben, die Einen mit Augen anschauen, aus Venen Intelligenz, Wißbegierde und ein gewisses stolzes Empfinden leuchten. Das Pensum meiner diesmaligen galizischen Reise war, erledigt und ich durfte endlich an die Heimkehr denken. Doch zwischen Lipp' und Kelchesrand! : will sagen, zwischen Zaleszcyki und Wien, einer Distanz von über 1000 km. kann Einem noch mancherlei in den Weg treten. Bor dem Schulgebäude in Kolomea verabschiedete ich mich von Jossel. Er war weich gestimmt und sprach in flehendem Ton: „Gnädiger Herr, vergesset nicht, daß Jossel stets zu Eurem Dienste steht, und daß wir zwischen Zaleszczyki und Czortkow noch ziemlich viele Gemeinden haben, die sehnsüchtig darauf warten, noch Schulen errichtet zu bekommen. Nicht wahr, der gnädige Herr wird bald wieder kommen? — Es wird ja nicht immer soviel Schnee fallen und die Wege werden nicht immer so unfahrbar sein, dafür werden sich die Leute unserer Gegend und Jossel immer unbändig freuen, Euch zu bewillkommnen. Nicht wahr, Ihr kommt bald wiederum um neue Schulen zu gründen?" „Gewiß, Jossel", versicherte ich, „wenn uns Gott das Leben schenkt und die Mittel für neue Schulen ausreichen." „Der liebe Gott und der Baron Hirsch werden schon helfen," beruhigte Jossel. Jossel fuhr langsam von dannen, und ich begab mich in die Schulkanzlei. Hier fand ich unterschiedliche Briefe und zwei eben erst aus verschiedenenen Städten eingelaufene Depeschen vor. Der Inhalt der beiden Depeschen lautet bedrohlich und bekümmerte mich so sehr, daß ich mich entschloß, - mich ungesäumt an die gefährdeten Orte zu begeben. Die eine Drahtnachricht lautete nämlich dahin, daß in dem Städtchen X., in welchem wir längst alle der Einführung der Schule in den Weg gelegten Hindernisse beseitigt glaubten und sämtliche Vorbereitungen zur Eröffnung der Schnle bereits getroffen hatten, plötzlich wieder eine wilde Agitation gegen dieselbe in Scene gefitzt worden sei, so daß kein jüdischer Hauseigenthümer sich getraue, sein Local für die Schule zu vermiethen. Weit Schlimmeres noch meldete die zweite Depesche: In dem Städtchen Y. bestand seit einer Reihe von Jahren eine Schule, welche sich nach und nach prächtig entwickelt hatte und nunmehr von fast sämmtlichen schulpflichtigen jüd. Kinder» des Ortes frequentirt wurde. Der Gründung dieser Schule aber war ein heftiger Kampf vorausgegangen. Die Bevölkerung, welche, weit entfernt eine ideale zusein, in dem nachbarlichen Gefängnißhause weit mehr als irgend eine der anderen Ort-