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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-16 · 7 (16.2.1900) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
7 (16.2.1900)
Date
1900-02-16
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 130 Br. Bloch's Wochenschrift. 'Nr. 7 ich, er sei gerettet. (H!) Nach dem Obersten kam der Major. Auch ihm sprach ich von den Klagen gegen de Solanges. Der Major war sehr väterlich. Er trat an das Bett meines Sohnes und sagte ihm: „Die Stimmung ist gut? (!!!) Besser wohl als die Deiner Mutter. Nur Muth. Es wird schon bester gehen Man wird Dir einen längeren Urlaub geben." Ach! Es war ein Urlaub für die Ewigkeit. Und diese Officiere mutzten das wissen! Der Stabsarzt hatte mir selbst keine Hoffnung mehr gelaffen. Warum verhörten sie nicht de Solanges, ehe mein Sohn in diesen Zuftand gekouimen war; warum l i e tz e n s i e i h u n i ch t h o l e n, u m ihn mit meinem Sohne zu confrontiren? Man hätte sofort einen Soldaten arretirt, auf dem die Beschuldigung lastete, einem Kameraden zwanzig Sous gestohlen zu haben. Diesen Wachtmeister, der mein Kind umgebracht hatte, cittrte man nicht sofort. Man hat mir meinen Sohn getödtet. Da, meine Herren (zur Jury gewendet), da ist seine Photographie. Sieht er aus wie ein kranker Mensch? Als ich meinem Sohne einen Umschlag machte, bemerkte ich in der Höhe der Brustwarzen einen Flecken, dick wie.eine Geschwulst und hart. Ich fragte ihn, was er da habe. Einen Hufschlag, gab er zur Antwort. Ich fragte weiter, wie er dazu gekommen sei. In der Reitbahn, sagte er. Der Lieutenant Bremond d'Ars habe ihn aufheben laffen und ihn ins Lazareth geschickt, daß man ihn massirte. Aber man habe nichts gethan, denn fein Dienstbuch habe keinen Krankheitsvcrmerk getragen. Ich sprach anch zu der Krankenwärterin vo.i dem Huffchlage, aber sie erwiderte, es fei nichts, es fein fchon vorüber. Nach dem Tode meines Sohnes erhob ich sofort Beschwerde beim Obersten. Ich erinnerte ihn an die Unterhaltung, die wir gehabt hatttn, an die förmlichen Anschuldigungen gegen Solanges und den Hufschlag. In feiner Antwort fchrieb mir Herr Oberst de Lestapis, er werde eine Untersuchung anstellen. Er sagte mir nicht (wie später), mein Schmerz habe mich Unsinn denken lassen, noch daß die Scene sich nicht abgespielt habe. Damals hätte er gegen meine Erzählung protestiren können. Aber seine Ableugnungen sind erst vierzehn Tage später gekommen. Man hoffte, ich werde schweigen und man werde mich als verrückt hin st eilen können. Aber, wenn mein Herz auch gebrochen ist, mein Verstand ist klar und mein Gedächtniß genau. Und ich komme immer wieder darauf zurück. Mein Kind geht am 29. zur Untersuchung. Man sagt, es habe einen Muskelschmerz. Am 1. muß er den Sprungritt mitmachen, am 2. bricht der Abceß durch und eine infectiöse Pneumonie beginnt." Niemand wird diese Aussage einer unglücklichen Mutter ohne tiefste Bewegung lesen. Es ist weit gekommen in Frankreich. Allgemein wird das 31. Dragonerregiment in Epernay „als ein Pestheerd des Antisemitismus" angesehen. Nur die Behörden wissen Nichts davon und haben alle Beweisanträge abgelehnt. Die Jury freilich scheint doch den Eindruck im Volke selbst gefürchtet zu haben, denn sie billigte dem Angeklagten mildernde Umstände und dem Kläger nur einen Franken Schadenersatz und die Insertion des Urtheils in zehn Blättern zu. Aber zu Ende ist die Sache mtt diesem Urtheil hoffentlich noch nicht. Kronstadt, 4. Februar. (Johann von K r o n st a d t.) Der russisch-orthodoxe Priester Johann von Kronstadt hat dieser Tage seinen 70. Geburtstag gefeiert und bei dieser Gelegenheit eine große Anzahl von Adressen erhalten, die russische Juden ihm glückwünschend darbrachten. Priester Johann ist allezeit ein aufrichtiger Freund der Juden gewesen, hat sich in Kronstadt der armen und verfolgten Juden aufs herzlichste angenommen, hat auf eigene Kosten jüdische Schulen eingerichtet und wiederholt Beiträge zum Bau von Synagogen gezeichnet. Im Ausland ist Priester Johann durch seine Berufung an das Sterbelager Alexanders III. bekannt geworden. Vermischtes. Wien. (Kundmachung). Freitag den 16. Februar a. c. Abends und Samstag den 17. Februar a. c. Früh wird Herr Moriz L ö w y, Obercantor in Großwardein im Leopoldstädter Tempel Probevorträge halten. Beginn des Gottesdienstes: Frettag Abends, um 5 Uhr 30 Min., Samstag Früh, um 8 Uhr 30 Minuten. Wien. (Trauung.) Sonntag, den 18. Februar, 3 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel IX., Müllnergasse die Trauung des Herrn Ignaz Bober aus Krakau, Sohn des. bekannten Kammerrathes Herrn Jacob Bober, mit Fräulein Rosa Moses, Tochter des Herrn M. Moses, statt. Wien. (T r-a h n n g.) Vergangenen Donnerstag den 8 d. M. mit 3 Uhr Nachmittags fand im Tempel XV., Turnergaffe, die Trauung des Fräulein Margarethe Hecht, Tochter des in weitesten Kreisen hochgeschätzten, langjährigen Directors im Freiherr Max Springer'schen Knabenwaisenhause Herrn Alexander Hecht, mit Herrn Med.-Dr. Gottlieb Stern in feierlicher Weise statt. In dem dichtgefüllten, festlich beleuchteten Tempel bemerkte man den Cultusvorsteher Herrn Gottlieb Taussig, den Bethausvorstand mit dem Obmanne Herrn S. Steiner, die Vorsteher der Chewra-Kadischa, die Herren Sachs, Salzer, Böhm, Dr. Beck in Vertretung des Baron Springer, das Gesammtpersonale des Hauses Springer und viele Andere. Herr Rabbiner Dr. Jonathan Wolf richtete an das Brautpaar eine Ansprache, in welcher er besonders auf den vorzüglichen Charakter und den idealen Beruf des Brautvaters und die Tugenden der Mutter hinwies. Die Traunngsfunction erhielt durch die Mitwirkung der Waisenzöglinge, welche unter Leitung ihres Lehrers Schneider im Chore in trefflichster Weise mitsangen, erhöhte Weite. Verkündeten doch die hellen Stimmen kindlichen Dank dem verdienstvollen Director, der mit seiner hingebungsvollen Gattin, Vater und Mutterstelle vertritt. E. P. Wien. Bei dem am 7. d. M. in den Räumen der Hofburg stattgehabten Ball bei Hofe, war auch Herr Albert Freiherr von Rothschild erschienen. Wien. (Recitation Grün.) Am Donnerstag, den 22. d. M., findet im Saale Ehrbar, um halb 8 Uhr Abends, eine Akademie statt, an der musikalische Kunstkräste Mitwirken. Zum Schluffe trägt Recitator Eduard Grün mehrere classische Dichtungen vor, so , Belsazar" von Heine, „Judith Simos" von Jos. Kis, „Sulamith" von Schöneich-Carolath u. v. A. Piöcen- Karten sind an der Cassa zu haben und verspricht der Abend einen interessanten Verlauf. Wien. Sonntag am 11. d. M. fand um 5 Uhr Abends im Beth-Hamidrasch-Talmud-Thora, II., Malzgasse 16, ein Bortrag des Herrn Professor Moriz Antscherl statt. Derselbe wählte zu seinem Thema: „Das Leben und Wirken Raschi's" und verstand es, durch Inhalt und Form seiner Vortragsweise, seine aufmerksam lauschenden Zuhörer zu fesseln. Es sei ihm hiefür namens des Vorstandes des genanntes Vereines die wärmste Anerkennung ausgesprochen. Auf allseitiges Verlangen versprach Herr Professor Antscherl auch fernerhin die Biographien anderer großer Männer Israels zum Vortrag bringen zu wollen und wird der Vorstand des Vereines diese Vorträge den P. T. Mitgliedern und Publikum rechtzeitig bekanntgeben. Wien. Der rühmlichst bekannte Talmudist und hebräische Schriftsteller Marcus Weißmann Chajes, ll., Zwerggasse 5, begeht Sonntag, 11. März l. I. seinen 70. Geburtstag. Derselbe feierte im vorigen Jahre die goldene Hochzeit. Hoffentlich werden alle Freunde und Förderer der jüdischen Literatur an diesem Jubiläum theilnehmen, und auch wir gratuliren dem gefeierten Hochgelehrten auf's Herzlichste. Wien. Der langjährige und allenthalben beliebte Arzt Dr. S. P l o h n vom Hotel Semmering starb vor einigen Tagen und wurde unter großen Ehrenbezeugungen auf dem Central-Friedhofe beerdigt, wo ihm Oberrabbiner Dr. Güdemann einen wohlverdienten Nachruf als Menschenfreund widmete. Obercantor Singer mit dem Chore fungirte bei der Liturgie in ergreifender Weise. Wien. (Gesellschaft für S a m m l u n g u n d Conservirung von Kunst- und hi st arischen Denkmälern des I u d e n t h u m s). Sonntag den 25. d. M., veranstaltet diese Gesellschaft einen Vortrags-Abend, an welchem Herr k. k. Hofschauspieler und Oberregisseur, Adolf Ritter von S o n n e n t h a l, der I. Vicepräsident der Gesellschaft, Heinrich Heine's „Rabbi von Bacharach" zur Vorlesung bringen wird, hieraus gelangen voni Liedersänger Eduard Gärtner mehrere Lieder, deren Text ebenfalls von Heine herrühren, zur Aufführung. Die Kartenausgabe zu dem hochinteressanten Abend, welcher im kleinen Musikvereinssaal abgehalten wird, erfolgt vom 18. bis i n c l. 22. d. M., und zwar Sonntag von 10—12 Uhr Vormittags, an Wochentagen von 2—4 Uhr Nachmittags im Bureau der Gesellschaft, I., Rathhausstraße 13, Hochparterre links, woselbst sich auch das reichhaltige jüdische Museum befindet, welches jeden Samstag von 11—1 Uhr Mittags zur freien Besichtigung geöffnet ist. Wien. (Geschlossene M a s k e n r e d o u t e.) Der wohlthätige Geselligkeitsclub „Eichenlaub" veranstaltet am 17. d. M. im Prachtsaale des „Hotel Continental" eine „Geschlossene Maskenredoute", deren Reinerträgniß wohlthätigen Zwecken zufließt. Die Veranstaltungen dieses wohlthätigen Clubs erfreuen sich Dank der hingebungsvollen Thätigkcit der Clubleitung in besten

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