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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-16 · 7 (16.2.1900) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
7 (16.2.1900)
Date
1900-02-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 7 Dr. Blvch's Wochenschrift. Seite 129 jährlichen Zinsen die Unterhaltung des Grabes seines auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe bestatteten Sohnes Casimir Muttermilch zu besorgen und den verbleibenden Rest an hiesige Arme zu vertheilen. Der am 8. März 1899 verstorbene Großhändler Herr Joseph Steinharter vermachte der Gemeinde testamentarisch die Summe von Mark 3000 mit der Bestimmung, diesen Betrag für den Ankauf oder die Errichtung eines israelitischen Waisenhauses in München zu verwenden, bis dahin aber die Zinsen aus dem Stiftungscapital zu admassiren. Mit Schreiben vom 16. December 1899 rief Herr Antiquar Ludwig Rosenthal die „Therese Oettingersche Stiftung" mit einem Betrage vom Mark 500 zu dem Zwecke ins Leben, aus den Zinsen des Stistungscapitals das Grab der am 24. December 1893 gestorbenen Frau Therese Oettinger zu unterhalten und den verbleibenden Rest zu wohlthätigen Zwecken zu verwenden. Die am 28. November 1890 gestorbene Frau Privatin Sara Deller hat der hiesigen Cultusgemeinde ein Legat von Mark 500 zugewendet mit der Bestimmung, daß dasselbe zu wohlthätigen, von den Erben zu bestimmenden Zwecken verwendet werden solle. Dem Anträge der Erben entsprechend wird mit dem Legate die „Sarah Deller'sche Stiftung" mit der Bestimmung ins Leben gerufen, die alljährlichen Zinsen der hiesigen israelitischen Wohlthätigkeitscasse zuzuwenden. Paris. (Emile Zola über Zionismus.) Die hebräische Verlagsgesellschaft in Warschau hat kürzlich die hebräische Uebersetzung eines Zola'schen Romanes herausgegeben. Dieses Buch wird mit einer Biogruphie des berühmten Schriftstellers eingeleitet, und der Verfasser der Biographie, N. Sloschtsch aus Odessa, hat im Aufträge der Berlagsgesellschaft das Buch Herrn Emile Zola persönlich überreicht. Die Unterhaltung, die er bei dieser Gelegenheit mit dem großen Romancier gepflogen, bezog sich in erster Reihe auf den Zionismus. Emile Zola erzählte, daß er über diese Frage vielfach mit Bernhard Lazare gesprochen hatte, und meinte: „Meine Ansicht von dieser Bewegung kann durchaus nicht von Werth sein, denn ich habe sie nicht studirt und kenne ihre Zwecke nicht. Ich kann nur als Outsider sprechen, und als solcher halte ich sie für sehr utopistisch. Der Zionismus erscheint mir wie eine Art von Kreuzzug. Die Juden in Westeuropa haben sich mehr oder weniger ihren Nachbarn assimilirt und stehen in ihrer Denkungs- und Auffassungsart ihren Glaubensgenossen in anderen Ländern viel fremder gegenüber als ihren Nachbarn in Frankreich. Wie können sie darauf rechnen, Alle zu vereinen? In Wahrheit ist doch trotz gewissen politischen und socialen Druckes die Stellung der Juden in Ländern wie Frankreich nicht schlecht, und schließlich sind sie doch Franzosen. Was sollte sie denn dazu veranlassen, ihre Heimat aufzugeben und in ein wüstes Land nach Asien auszuwandern? Die Religion? Davon besitzen sie zu wenig, um sich von ihr einen Kreuzzug aufzwingen zu lassen, und ihre nationalen Gefühle gehören Frankreich. In anderen Ländern ist es ebenso. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein aus so verschiedenen Elementen zusammengesetztes Volk vereint werden kann, und noch dazu in Asien. Ich weiß nicht sehr viel von Palästina. Ich hatte einmal die Absicht, nach Palästina zu reisen, ein Vierteljahr zu bleiben und zwei Novellen zu schreiben; eine sollte in der Zeit der Begründung des Christenthums, die zweite in unseren Tagen spielen, und die sollte das Leben der verschiedenen religiösen Secten in Palästina schildern. Ich sprach mit dem Maler Tissot über diesen Plan; er kennt Palästina genau und hat dort viele Landschaftsbilder gemalt, und er hat mir abgerathen. Er sagte mir, daß das Land öde und verlassen ist, und daß eine lange Zeit dazu nöthig wäre, es wieder zu beleben. Trotzdem kann ich das Gefühl nur billigen, das Sie veranlaßt, einen Ruheplatz für Ihr Volk aufrichten zu wollen. Ich verstehe auch sehr gut, daß die ungünstig situirten Juden den Versuch machen, ihre Lage zu verbessern, und wenn das möglich wäre, würde ich dem Plan durchaus nicht entgegen sein. Aber ist es dnrchführbar, daß ein Volk von acht bis zehn Millionen Menschen, selbst für den edelsten Zweck, in ein fremdes Land geht! Und was sollte die französischen Juden und ihres Gleichen veranlassen, fortzugehen und das Los ihrer Brüder in fremdem Land zu theilen? — Selbst wenn es gelänge, alle Juden zusammenzubringen, was würde aus einer so seltsamen Mischung zu erlangen sein? Welche Sprache würde sie einen? Ich glaube doch nicht, daß Sie daran denken, eine Monarchie zu etabliren. Was für ein Geist gehört dazu, in kurzer Zeit eine Wüste in civilsirtes Land zu verwandeln! Das Bestehen einer jüdischen Nation würde Leute meines Schlages wie eine alte Legende anmuthen. Eine jüdische Nation, ein jüdisches Land, das Wiederaufleben der heiligen Sprache: alle diese Dinge müßten uns wie ein Wunder Vorkommen!" Auf den Einwand seines Besuchers, daß die Zionisten nicht alle Juden zugleich nach Palästina zu bringen beabsichtigen, und daß mit der Einrichtung von Colonien ein Anfang gemacht werden solle, sagte Emile Zola: „Was Sie nun aussprechen, ist ein ganz anderes Ding, und auf diesem Weg kann Ihr Vorhaben sich vielleicht verwirklichen. Aber glauben Sie, daß diese Uebersiedlnng mit einem Schlag die Lösung der Judenfrage bringt? Die jüdischen Ansiedelungen in einen Mittelpunkt zu vereinigen und eine Zufluchtsstätte zu gründen, in der alle leidenden Juden ein Heim finden, ist in der That ein großes Werk. Sicher werden viele Jahre dahingehen, ehe Sie ihr Ziel erreichen, aber Sie müssen warten und arbeiten. Ich kann die Gefühle und Erinnerungen nachempfinden, die Sie an Palästina fesseln; aber seitdem Ihnen dort politische Hindernisse entgegenstehen, sollten Sie lieber in Afrika oder Amerika ein Land suchen, das Ihnen das Ziel Ihrer Wünsche in erreichbare Nähe bringt." Paris. Wie in der f r a n z ö s i s ch e n Armee jüdische Soldaten jetzt behandelt werden, das lehrt die Affaire des Cavalleristen B e r n a r d. der nun an seinen Wunden gestorben ist, indeß am 2. der Proceß des Wachtmeisters de Solanges gegen die „Aurore" stattgefunden hat, in recht herber und augenfälliger Weise. Die Jury hat den Redacteur schuldig gesprochen, den Wachtmeister verleumdet zu haben, dadurch, daß sie ihn als den Urheber des Todes eines jüdischen Soldaten bezeichnet habe. Indeß ist damit die Sache noch nicht zu Ende. Jeder, der die Zeugenaussage der Mutter des Tobten liest, wird sich selber sein Urtheil bilden. Diese Aussage lautet: „Mein Sohn ging ins Regiment voll Muth und Eifer. Er lehnte sogar ab, von den Empfehlungen Gebrauch zu machen, die ihm zur Verfügung standen. Allein nach kurzer Zeit schrieb er, die Empfehlungen könnten ihm nützen, da im Regiment ein antisemitischer Geist herrsche, nnd die Juden ohneweiters Opfer von Quälereien werden. Am 2. December v. I. gestand er uns in einem Briefe ausdrücklich, welchen moralischen Martern er ausgesetzt sei. Diesen Brief erhielten wir am 3. December Es heißt darin: „Ich fange an zu leiden. Man nennt mich „Dreyfus" und „Judenjunge" (Upm), aber ich werde Alles überwinden, habet keine Sorge! Aber Ihr könnt Allen sagen, daß, wenn darin die Pflicht gegenüber dem Vaterlande besteht, es eine Schande ist." Am Abend des Tages, an dem er uns seine erste Klage hat vernehmen lassen, schleppte man ihn sterbend ins Hospital, und wenige Stunden nach dem Empfange seines Brieses erhielt ich folgende furchtbare Depesche: „Soldat Bernhard im Hospital. Lungenentzündung. Zustand besorgnißerregend." Den Tag darauf reiste ich ab und fand bei meiner Ankunft meinen Sohn im Hospital. Der Stabsarzt empfing mich kalt. Er sagte mir, er habe gerade am Morgen meinem Sohne ein Absceß operirt und der Kranke habe den Eingriff wacker ertragen. Ich bin bei meinem Sohne bis zu seinem Tode geblieben. Am Morgen seines Sterbetages war er sehr schwach. Die Nacht war furchtbar gewesen. Mein Sohn sagte mir: „Mutter, ich habe diese Nacht sehr gelitten, aber das ist Nichts dagegen, was ich in der Kaserne ausgestanden habe." „Was denn," fragte ich? „Mein Wachtmeister hat mir den Tod geschworen." „So nenne mir den Namen des Hallunken." „Gleich Mutter. Seit meinem Eintritt ins Regiment hat der Wachtmeister de Solanges mir den Untergang geschworen. Cr nannte mich foftwährend: Dreyfus, Judenjunge, Schwein, Zuhälter. Einen Tag wurde ich beim Dienst durch einen Hufschlag auf die Brust verletzt Im Lazareth sagt man, das habe Nichts auf sich. Ich litt indeß furchtbar. Am 29. November ging ich zur Untersuchung, der Arzt sagte aber, ich litte an Muskelschmerzen, wie sie sich bei jungen Cavalleristen oft fänden. Aber am 2. December, also drei Tage später, brach der Absceß von selbst auf und man trug mich auf einer Bahre fort. Man diagnosticirte eine Phlegmone und machte eine Operation. Das war schlimm, aber nicht so schlimm, als was ich durchgemacht hatte. Inzwischen hatte ich nämlich wirklich Dienst thun müssen. Der Wachtmeister de Solanges commandirte mich zum Sprungritt. Ich hatte Mühe mich zu halten, und machte ihn auf mein Leiden aufmerksam. „Du lügst!" sagte er in brutalem Tone. Und er ließ mich vor der ganzen Compagnie entkleiden. Als er mein Uebel bemerkt hatte, sagte er: „Du wirst daran crepiren, schmutziger Judenjunge, aber Dil wirst trotzdem aufsteigen." Und zu dem Gefreiten sich wendend sagte er dann: „Du sorgst dafür, daß er crepirt, oder ich besorge es ihm. Wenn er sich beklagt, schlage ich ihn todt." Abends kam der Oberst meinen Sohn besuchen, und ich wiederholte ihm die Klagen, die mein Sohn geäußert hatte. Er näherte sich dem Bette und sagte: „O, das ist unmöglich. Nicht wahr, lieber Bernhard, Deine Mutter übertreibt ein Bischen." Mein armer Sohn erhob die Rechte, wie zum Schwure, und rief, mit festem Blick auf den Oberst: „Vor der ganzen Compagnie, Herr Oberst, ich schwöre es." Seine Stimme war kräftig. Als ich ihn so reden hörte, glaubte

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