Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 7 (16.2.1900)
- Date
- 1900-02-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 7 Dr. Bloch's Wochrnschrifl. Sette 127 arme jüdische Kinder ausspeist. Besondere Verdienste für das gedeihliche Wirken erwarb sich der unerermttdliche Obmann Dr. Anton Löwy. Es wäre nur wünschenswerth, daß unsere Glaubensgenossen zahlreich diesem Vereine beitreten, der es sich zur heiligen Aufgabe gemacht hat, die Aermsten der Armen vor Hunger zu schützen. Lemberg. So manchem Leser dürfte es wunderlich erscheinen, daß wir eine jüdische Angelegenheit von rein localer Bedeutung in einem auswärtigen Wochenblatte zur Sprache bringen. Der traurige Umstand, daß es augenblicklich in unserer Gemeinde an einem jüdischen Interessen dienenden Journale fehlt, veranlaßt den Schreiber dieser Zeilen, die bewährte Freundlichkeit der „Oesterreichischen Wochenschrift" neuerdings in Anspruch zu nehmen. Die heute zu besprechende Angelegenheit zählt zu den seit längerer Zeit ventilirten Gemeindefragen, sie betrifft die mit der Ausdehnung der Fortschrittsgemeinde immer nothwendiger werdende Anstellung eines Prediger-Stellvertreters. Wir entnehmen einer jüdischen Corrspondenz aus Brünn, daß die dortige Gemeinde-Repräsentanz dem Landsrabbiner Dr. Placzek einen Hilfsprediger in der Person des bisherigen Rabbiners von Kojetein beigegeben habe. Ebensolche Functionäre sind bereits seit Jahren in allen größeren Gemeinden, die nicht ohnehin über mehrere der fortschrittlichen Richtung angehörende Seelsorger verfügen — Wien zählt deren 14 — creirt worden. Die Budapester Gemeinde läßt an ihrem Haupttempel allein drei Prediger fungiren, von denen je einer für die deutsche und ungarische Predigt bestellt, während der dritte als Adlatus thätig ist. Wie ist es nun in unserer Gemeinde um die fortschrittliche Seelsorge bestellt? Die ganze Last der sich stets erweiternden Agenden erscheint dem einzigen Gemeinderabbiner auferlegt. Derselbe vereinigt in einer Person unzählige Ehrenämter und ist dabei der officielle geistliche Repräsentant unserer Confession nach außen hin. Sein Rath und seine Mithilfe werden in sämmtlichen jüdischen Angelegenheiten in Anspruch genommen und dazu kommt erst der wichtigste Punkt, die gesammte Seelsorge für die fortschrittliche Gemeinde, welche auch die Beaufsichtigung des jüdischen Religionsunterrichtes an den hiesigen Schulen in sich schließt. Ist es halbwegs möglich, daß unter solchen Umständen der eine Rabbiner, mag es auch die bedeutendste Persönlichkeit sein, allen auf ihn gesetzten Hoffnungen gerecht werde? Ist es zu verwundern, daß die Predigten im hiesigen Tempel beiweitem seltener als in anderen großen Gemeinden stattfinden, daß der Jugendgottesdienst und die Confirmationsfeier noch immer ihrer Einführung harren, daß in den übrigen Gotteshäusern nie eine moderne Predigt vernommen wird? Ist es nicht beschämend, daß Gemeindemitglieder, die seit Jahr und Tag treue Anhänger des religiösen Fortschrittes gewesen, bei momentaner Verhinderung des fortschrittlichen Seelsorgers einen der conserativen Rabbiner zur Vornahme ritueller Acte, wie Trauungen u. dgl. heranziehen müssen? Ist denn die Orthodoxie in unserer Gemeinde noch immer so mächtig, daß sie für sich zwei Seelsorger und mehrere Assessoren beanspruchen darf, während die fortschrittliche Partei um die Creirung eines bescheidenen Vicarsposten seit Jahren geradezu betteln muß? Unsere Gemeinde-Repräsentanz möge sich die hiesige kleine Protestanten - Gemeinde zum Muster nehmen, die ihrem Senior schon längst eine Hilfskraft beigegeben hat. Muß es ja auch unter den Andersgläubigen gerechte Erbitterung Hervorrufen, wenn in einem hauptstädtischen Tempel ausschließlich deutsche Predigten gehalten werden, während an Sabbathen und Festtagen das der jüngeren Generation eigene polnische Idiom ganz zurückgestellt wird. Nach Recht sollte für jeden Monat mindestens eine Predigt in polnischer Sprache anberaumt werden. — In dem Augenblicke, da ich diese Zeilen schreibe, dringt ergreifende Trauermusik an mein Ohr. Ich schaue zum Fenster hinaus und erblicke den Leichenzug eines jüdischen Unterofficiers. Er wird mit den reglementmäßigen Ehrenbezeugungen zur Stätte ewigen Friedens geleitet, dem Sarge folgen Officiere und Kameraden, doch der Rabbiner fehlt im Zuge. Die Ueberzahl seiner Berufsagenden gestattet es ihm nicht, an Leichenbegängnissen jüdischer Soldaten theilzunehmen. — Sollte nicht auch in ähnlichen Fällen ein Prediger-Stellvertreter dringend erwünscht sein? Bedarf es denn erst eines besonders wichtigen Anlasses, wie z. B. die plötzliche Verhinderung des Gemeinderabbiners bei einem angesagten religiösen Acte zu fungiren, um unsere Cultusrepräsentanz an ihre Pflichten gegenüber der fortschrittlichen Gemeinde zu erinnern? — Mögen meine Ausführungen an maßgebender Stelle wohlwollende Würdigung und praktische Nutzanwendung finden. Veritas. Wischau. Die Feierlichkeiten anläßlich des Gedenktages an den vor 60 Jahren erfolgten Eintritt des ältesten Veteranen Oesterreichs, Moriz Placzek, in die Armee, gestalteten sich zu einem schönen patriotischen Feste. Aus nah und fern waren Veteranen herbeigeeilt, um an dem seltenen Feste theilzunehmen. Die Bevölkerung von Wischau und Umgebung brachte dem Jubilar Beweise herzlicher Sympathien entgegen und schier zahllos waren die aus aller Welt eingelaufenen Drahtgrüße und Glückwunschschreiben. Das Fest sollte mit einem Requiem in der Pfarrkirche eingeleitet werden, das der Wischauer Militär- Beteranen-Berein „Erzherzog Albrecht" über Wunsch des Jubilars den in den italienischen Kriegen der Jahre 1848 und 1849 gefallenen Kriegern zu weihen beabsichtigte. Dieser Programmpunkt, der gewiß eine pietätvolle Einleitung des patriotischen Festes gebildet hätte, mußte jedoch aus dem Programme gestrichen werden, weil — der Herr Pfarrer im letzten Momente die Abhaltung des Requiems verweigerte. Der Grund dieser Weigerung ist leicht zu errathen, wenn auch nicht ganz verständlich. Weil der Jubilar ein Israelit ist. darf an seinem Jubeltage für gefallene Krieger katholischer Religion von Katholiken nicht gebetet werben! Nun es ging auch ohne das Requiem! Das sonderbare „echt christliche" Vorgehen des Pfarrers von Wischau hat die Feststimmung nicht zu trüben vermocht, wohl aber fand es die gebührende Verurteilung. Konnte man todten Kameraden nicht in der Kirche gedenken, so wurde ihrer umso herzlicher beim Frühschoppen und bei dem Festbankett im Deutschen Hause gedacht. Diese beiden Veranstaltungen nahmen einen ebenso feierlichen, wie gemüthlich-frohen Verlauf. Die Trinksprüche auf den Kaiser und auf den I u b i l a r, Herrn Placzek, sowie die Erwiderung des letzteren wurden mit begeistertem Jubel ausgenommen. Mittags waren der Wischauer Militär-Beteranenverein „Erzherzog Albrecht" und sämmtliche auswärtige Veteranen mit Fahne und Mnsik vor dem Rathhause aufgezogen, wo sie vor dem Jubilar defilirten. Derselbe war den ganzen Tag über Gegenstand herzlicher Ovationen. Möge er sich noch lange der Erinnerung an diesen für ihn so herrlichen Tag erfreuen! Gr.-Kanizsa. Am 7. Adar hielt die unter vortrefflicher Leitung des Präsidenten Herrn Dr. Sigmund Szabü stehende Chewra-Kadischa ihre diesjährige Generalversammlung ab. Aus dem vom Vereinssecretär Herrn S. Goldmann verlesenen Rechenschaftsbericht entnehmen wir, daß der Verein im abgelaufenen Jahre sehr günstige Erfolge erzielt hat. Die Einnahmen beliefen sich auf K 15.001'64, die Ausgaben auf X 12.038'12. Die Ausgaben des Spitals betrugen "allein K 1216 42. Einen bedeutenden Aufschwung erhielt dieses Spital durch die im Laufe des Jahres gemachte Stiftung der in Wien verstorbenen Frau Anton Schey von K 10.000 zur Erhaltung zweier Betten, welche den Namen ihrer in Gott ruhenden Eltern führen sollen. Als dankbare Anerkennung hiefür hat die Chewra-Kadischa den Namen dieser edlen Stifterin in die am Jom Kipur stattfindende Haskara ausgenommen. Erfreulich wirkte auf die zahlreich versammelten Mitglieder die weitere Mittheilung, daß der Verein die bescheidenen Anfänge zur Errichtung einer Altersversorgungsanstalt, für welche bereits eine größere Stiftung besteht, eingeleitet hat. Nack Schluß der Generalversammlung fand ein feierlicher Gottesdienst mit Predigt statt, in welcher der Oberrabbiner Herr Dr. Naumann unter treffender Erläuterung der Chewra-Kadischa- Devise „Chesed und Emeth", den im abgelaufenen Jahre Heimgegangenen Gelehrten Löwy, Steinhard, Gottlober. Wamberger, Kaufmann. Hildesheimer und der ewig, ewig unvergeßlichen Baronin Clara Hirsch, ihren Wirkungen würdig entsprechende Nachrufe gewidmet. G. Essegg. Es sind gerade 50 Jahre, seitdem die israelitische Cultusqemeinde in Essegg besteht, so daß dieselbe eigentlich ihr halbhundertjähriges Jubiläum feiert. Der in der Generalversammlung der Cultusgemeinde erstattete Rechenschaftsbericht war sehr erschöpfend und umfaßte die Thätigkeit der Gemeindevorstehung in den letzten drei Jahren. Der Bilanz entnehmen wir, daß die Cultusgemeinde mit Schluß des Jahres inclusive der von ihr verwalteten Fonde und Stiftungen ein Vermögen von §6.384 fl. 96 kr. besitzt. Aus dem interessanten Berichte entnehmen wir ferner, daß in den letzten 3 Jahren in Essegg 50 Eheschließungen, 5 Ehescheidungen, 132 Geburten und 84 Todesfälle in den Reihen unserer jüdischen Mitbürger stattfanden. Dem umfaffenden Berichte hat der Secretär Nathan S ch w a r z eine sehr übersichtliche „Geschichte der israelitischen Cultusgemeinde in Esiegg",