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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-16 · 7 (16.2.1900) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
7 (16.2.1900)
Date
1900-02-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7 Vr. Bloch's Wochr.lfchrisk. Seite 121 der deutschen Wissenschaft, deren Ruhm er in alle Welt getragen hat. Uns Juden kann es zum Tröste gereichen, daß auch dieser Mann, wie alle Größen der Wissenschaft, über die antisemitische Agitation in tiefster Seele betrübt war. Besonders bat ihn, als einen unparteiischen Juristen, die Thatsache erschreckt, daß die erhitzten Volksleidenschaften in den Gerichtssaal getragen worden, wodurch die Wahrheitsermittlung bei Strafuntersuchungen allen Schwankungen des Tages preisgegeben war. Als der berüchtigte Proceß wegen Ermordung des Knaben Cybulla in Skurcz spielte, schrieb er an Herrn Rechtsanwalt Dr. Ludwig Ful d in Mainz, welcher in Gemeinschaft mit dem Verstorbenen die Rubrik „Aus der Verbrecherwelt und den Gerichtssälen" der Zeitschrift „Vom Fels zum Meer" bearbeitete, u. A.: „Aus Veranlassung des Skurczer Mordes möchte ich Ihnen Vorschlägen, den Einfluß des Aberglaubens auf die Glaubwürdigkeit des Gerichtszeugnisses zu bearbeiten. Es wäre gut, angesichts der antisemitischen Erscheinungen an die Hexenprocesse zu erinnern. Allerdings müßte dies in sehr vorsichtiger Weise geschehen. Ich (auch im Original unterstrichen) bin nicht ängstlich, aber die Zeitungsredactionen sind sehr besorgt, solche Abonnenten einzubüßen, deren Consessionalismus verletzt wird." * * * Ueber die jüdischen Naturforscher und Aerzte in Christiania schreibt Karl Gutzkow's „Telegraf für Deutschland" (No. 62. April 1844. S. 248): , „Der skandinavische Naturforscherverein hält seinen diesjährigen Congreß in Christiania; durch ein eigenes Regierungsreskript ist zu Gunsten der auswärtigen gelehrten Israeliten für diese Gelegenheit von dem Staatsgrundgesetz, das bekanntlich keine Juden im Lande duldet, eine Ausnahme gemacht worden. Der norwegische Dichter Wergeland schreibt seinem Freunde, dem bekannten Schriftsteller Dr. Steinheim in Altona bei diesem Anlaß eine dringende Einladung, in welcher er unter anderem sagt: „Bedenken Sie, daß auf keine bessere Weise die Vorschrift des Grundgesetzes suspendirt werden kann! Bedenken Sie, daß es wirklich eine Suspension ist, daß sie eine treffliche Einleitung involvirt, einen sehr deutlichen Fingerzeig zu einer Aufhebung und daß es außerdem nichts geringeres ist, als eine specielle Einladung des aufgeklärten Theils des Volkes, der es gefordert und von seiten des Königs und der Regierung, die es zugestanden haben! Nein, mögen die Mosaiten, welche ihrem Volke und den Wissenschaften Ehre machen, nicht bei dieser Zusammenkunft fehlen! Sie werden hier vorzugsweise bemerkt werden, wo nur noch die Erfahrung und wirkliche Bekanntschaft fehlt, um gegen die Mosaiten die Liebe zu beweisen, welche die Vernunft, das Gemüth und die Denkweise unseres Volkes darzubieten, einig sind. Kommen Sie, Ihr Interesse für die Sache, Ihr Name in der wissenschaftlichen Welt, das Interesse, das Norwegen für jeden Freund der Freiheit, für jeden, der ihre Resultate kennen lernen will und ihren Baum in Blüthe zu sehen wünscht, haben muß — alles dieses möge Sie rufen!" Die Ritual-Mörderseete von Allorf. Wir haben schon in Telegrammen über die entsetzliche Mordthat berichtet, die sich in dem niederländischen Dorfe A lt o r f (Geldern, Kreis Appeltern) ereignet hat. Weitere Berichte aus Amsterdam vom 6. d. besagen: Seit einiger Zeit hält eine Kategorie Protestanten in Altorf streng orthodoxer Richtung wöchentliche Zusammenkünfte zum Zwecke des Gottesdienstes. Am Freitag Abends fand eine solche Zusammenkunft im Hause des Bauern Scherf in Appeltern an der „Blauwe Sluis" statt. Nun scheint sich bei den Versammelten der Gedanke festgesetzt zu haben, der Teufel sei im Hause und habe in dem Körper des Knechtes I. Brinkmann seinen Sitz aufgeschlagen. Auf den Ruf des Bauern erschien der Knecht nicht sofort, da er sich schon zur Ruhe begeben hatte, und so ging Scherf, Gott anrufend, selbst, um den Knecht zu holen. Scherf ließ dem Knechte keine Zeit, sich ordentlich anzukleiden, und führte ihn in das Zimmer, in welchem die Mitglieder der Secte, Männer und Frauen, versammelt waren. Der Bauer Scherf wollte nun den Teufel beschwören, und der Knecht, der von dem ganzen Vorgänge nichts verstand, wurde plötzlich mit einem eisernen Blasrohr auf den Kopf geschlagen, so daß er ohnmächtig zusammenstürzte. Nun fielen Alle über ihn her und schlugen mit den Stühlen und mit anderen Gegenständen auf ihn ein, bis der Tod eintrat. Auch nachdem der Tod eingetreten war, schlug man weiter, trampelte auf dem Leichnam herum, so daß alle Glieder der Leiche gebrochen wurden und sie völlig unkenntlich ist. Am Morgen machte sich Scherf auf den Weg nach Batenburg, um seiner Mutter die Nachricht von dem Vorgefallenen zu überbringen. Bei seiner Rückkehr bereitete man ihm einen begeisterten Empfang, hielt ihm zu Ehren ein Gastmahl und sang religiöse Lieder. Der Raum, in dem sich das Drama abspielte, bietet den Anblick eines Chaos; das ganze Zimmer ist mit Blut bespritzt, alle Stühle und sonstigen Möbel liegen in Stücken umher. Als der Vorfall bekannt wurde, nahm man den Thäter fest und brachte ihn sowie mehrere seiner Mitschuldigen nach Tiel. Am Sonntag Abends wurden Bielen der Sectirer die Fenster eingeschlagen. Da die Erregung im Dorfe eine große ist, hat man eine verstärkte Polizeiwache dahin beordert." Wie der „Nieuwe Rotterd. Courant" des Weiteren mittheilt, hatte der ebenfalls in Haft genommene Bauer S p i e r i n g die Absicht, eines seiner fünf Kinder als Opfer darzubringen. Ueber die Person des Scherf erfährt das genannte Blatt folgendes Nähere: Der Mörder leidet an religiösem Wahnsinn, von dem auch seine Familie und einige seiner Freunde ergriffen wurden. Als er den Mord begangen hatte, behauptete er, den Teufel ausgetrieben zu haben. Er hält sich selbst für den Messias, und fand in seiner Umgebung auch Leute, die das glaubten. Nach der That flüchtete er nicht, sondern holte Anhänger und Freunde herbei. Singend zogen diese in das Haus des Mörders und singend und betend traf die Polizei den Mörder an. Alle waren glücklich, den Teufel vertrieben zu haben. Scherf ist 27 Jahre alt und verheiratet mit einer Witwe Blanken, Mutter von fünf Kindern. Es steht fest, daß der Mord in religiösem Wahne vollbracht worden ist. Eine Gesellschaft von etwa 30 Personen aus Appeltern hielt im Hause des Scherf regelmäßig Gottesdienst ab. Aus A m st e r d a m, 11. d. M., wird telegraphirt: Scherf, der Urheber des aus religiösem Fanatismus verübten Mordes in Appeltern, im Kreise Geldern, wurde gemeinsam mit 42 Mitgliedern seiner Secte ins Jrrenbaus gebracht. Die Volksmenge bombardirte die Häuser der Protestanten, der unschuldige Bruder S ch e r f's wurde von der aufs höchste erbitterten Volksmenge ergriffen und in den Maas ström geworfen. Es mußte Militär aus Nimwegen herbeigerufen werden. Die Erregung nimmt eine bedrohliche Ausdehnung an. Eine bewegte Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde in Berlin. Die am 5. Februar stattgefundene Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde endete mit einer stürmischen Scene, die in den Annalen des Collegiums vereinzelt dastehen dürfte. Vor Eintritt in die Tagesordnung theilte der Vorsitzende mit, daß vom Gemeinevorstand die Anzeige seiner Neuconstituirung eingegangen sei. Herr Carl Netter ist in die Friedhofs«, Herr Heinrich E i s n e r in die Armen- und Bibliotheks-, Herr Selmar S o l m i tz in die Unterstützungscommission für Durchreisende eingetreten. Für die durch den Verzicht des Herrn Herm. Landsberger notbwendig gewordene Wahl eines Vorsteher-Stellvertreters wurden Seitens des Ausschusses die Herren Prof. Dr. Leopold Landau und Emil Pincus, im Plenum noch Herr Max Mecklenburg vorgeschlagen. Letzterer erhielt von 15 giltigen Stimmen 13, Herr Prof. Landau 2. Herr Leonh. Sachs referirte über den zur Zeit dem Ausschuß UI überwiesenen Antrag des Herrn Prof. L e w i n, in jeder Synagoge 200, in jedem Betlocal 100 Plätze für Unbemittelte freizugeben. Der Ausschuß habe den Antrag für durchaus unausführbar erklärt, gleichwohl aber den gesunken Kern darin nicht verkannt und Erleichterungen für die weniger Begüterten durch den Seitens des Referenten im Verein mit Herrn Prof. B l a s ch k e gestellten Antrag herbeizuführen geglaubt: den Tarif der Plätze in allen Synagogen zu prüfen, die Preise herabzusetzen und für den Festgottesdienst an den hohen Feiertagen eine größere Anzahl Gratis-Billets zur Vertheilung gelangen zu lassen. Auf eine im Ausschuß von dem Antragsteller gemachte Anfrage erwidert Referent noch, daß im letzten Jahre 1094 Plätze in Betlocalen und 1450 in den Synagogen gratis vergeben wurden. Herr Prof. Lewin bezeichnet die vom Referenten angegebene Zahl von Freiplätzen als illusorisch; bringt man die Zahl der an Beamten und Angestellte u. s. w. vergebenen in Abrechnung, so bleiben nicht mehr als etwa 300 Plätze übrig.

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