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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-16 · 7 (16.2.1900) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
7 (16.2.1900)
Date
1900-02-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 118 Dr. BLoch's Wochenschrift. SN. 7 ständnisse zu erlangen, Pseudogerichtscommissionen entsendeten, um Privatverhöre anzustellen und daun vor Gericht feige die wahren Absichten zu verleugnen sich bemühten, während sie noch bis iu die letzte Zeit alle Mittel aufwendeten, um zu verhindern, daß unschuldig Verfolgte Rechtsschutz finden — wi d dem Altvrfer Nitualmord gegenüber ein ganz anderer Vorgang beobachtet. Entweder man schweigt ihn „todt" — wie die Schandthaten gewisser Priester — oder man bestrebt sich, die wahren Berichte als entstellt oder übertrieben zu deuunciren und zu verhindern, daß die Bevölkerung die Wahrheit erfahre. Mögen sie sich auch noch so sehr bemühen — aus den Acten der Zeitgeschichte werden sie die Thatsache nicht mehr weggeschaffeu, daß in Altorf in Holland ein grauenhafter Ritualmord verübt wurde — nicht von Juden. Ob nun die Mörder ins Gefängniß wandern oder im Jrreuhause ihr Dasein beschließen, ist uns ganz gleichgiltig. Wir stehen nicht auf dem Standpunkte der Antisemiten, die aus jeder That — ja selbst wenn kein Beweis einer That vorliegt — Capital schlagen, sie verwerthen und ausbeuten wollen. Und es gereicht uns zur großen Genugthuung, daß die „judenliberale" Presse der ganzen Welt im hellsten Gegensätze zu den Antisemiten sich beschränkt, die Thatsachen zu constatireu, und sich aus die Erörterungen more antisemitico gar nicht einläßt. Freilich kommen die Leser der Autisemiten-Presse noch nicht zur Erkenutniß auf wie tiefer sittlicher Stufe ihre Presse steht, aber die Zahl der nicht antisemitischen Leser ist doch die weitaus größere und wenn nur diese immer mehr begreift, wie auekelud die Haltung der antisemitischen Presse sich erweist, so kommt schon diese Erkenutniß der öffentlichen Moral zu statten und muß in immer weitere Kreise den Abscheu dringen lassen vor der verwerflichen Art, mit welcher die Antiseuntenpreffe die Wahrheit zu verschweigen, Unwahrheiten zu verbreiten bemüht war. Der Ritualmord in Altorf kam ihr sehr ungelegen. A. Wiener. Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten sowie dessen Lehrlingsheim. Wien, Februar. Der „Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" veröffentlicht den siebenundfünfzigsten Jahresbericht. Gleichzeitig tritt derselbe in das sechzigste Bereinsjahr. Sechzig Jahre Vereinsthätigkeit! Welcher Aufwand von Energie und Thatkraft, welche Aufopferung und Hingebung waren erforderlich, um die große Summe der Leistungen zu vollbringen, auf welche der Verein mit Befriedigung und Genugthuung zmückblicken darf. Kann es einen edleren, idealeren Altruismus geben, als armer Eltern Kinder zur systematischen Arbeit anzuhalten, sie in einem Handwerk auszubilden und ihnen die Möglichkeit zu bieten, in ehrlicher, rechtschaffener Weise einen Erwerb zu finden, eine ^istenz zu gründen! Und das erachtet unser Verein als seine Ausgabe. Er unterbringt die Zöglinge, die aus allen Provinzen Oesterreichs sich vertrauensvoll an ihn wenden, bei zünftigen Meistern, die Gewähr bieten, daß sie die meist noch im zarten Alter stehenden Jünglinge gewissenhaft instruiren und behandeln werden, versorgt sie mit vollständiger Kleidung und überwacht sie durch eigene Organe. Ein Theil dieser Zöglinge wird im eigenen Heim des Vereines kasernirt. Aber auch für die intellectuelle Fort- und Ausbildung der Zöglinge wird seitens des Vereines in intensivster und extensivster Weise gesorgt, indem dieselben zum Besuch der gewerblichen Fortbildungsschulen und des Jugendgottesdienstes angehalten werden. Während der sechzigjährigen Wirksamkeit befand sich eine kleine Armee von Lehrlingen unter Obhut und Ausbildung des Vereines. Jeder der vielen Tausenden und Abertausenden Zöglinge, welche sich nach vollendeten Lehr- und Servirjahren eine Existenz gegründet, gibt Zeugniß von der gottgefälligen, uienschenfreundlichen Thätigkeit desselben. Eine Legion angesehener, geachteter Gewerbetreibenden, Industriellen, technischer und Bahnbeamten verdanken ihre Existenz, ihre hervorragende sociale Stellung dem Vereine, der sie aus- und fortbilden ließ, der ihnen die Möglichkeit bot, ein Handwerk zu erlernen, der sie durch Ermahnungen und weise Rathschläge auf den rechten Pfad leitete. Die wahrhaft erfolgreiche segensvolle Thätigkeit, auf die der Verein zurückblicken darf, war aber nur deshalb möglich, weil derselbe in der Wahl seiner Functionäre stets eine glückliche Hand hatte. Man muß die Herren der Vereinsleitung nur einmal bei der Arbeit sehen. Mit welcher väterlichen Liebe und Sorgfalt werden die Knaben an den an Sonntagen bestimmten Amtstagen vifitirt und inspicirt. Jeder, mit der strengen, aber im Wesen dennoch milden Hausordnung vereinbarliche Wunsch der jungen Knaben wird erfüllt, deren Beschwerden entgegengenommen und nach Thunlichkeit berücksichtigt. Die unermüdlichen, thatkräftigen, schaffensfreudigen, nimmermüden Functionäre des Vereines verdienen den tiefsten Dank für ihre unentwegte Thätigkeit, denn sie führen Tausende einem ehrlichen Erwerbe zu, die sonst als Bettler, bestenfalls als Hausirer verkommen und dem Judenthum zur Last fallen würden. Namentlich in der gegenwärtigen Strömung verdient der Verein die vollste Aufmerksamkeit aller Derjenigen, welche ein Herz haben für den Glauben, in^ welchem sie und ihre.Väler erzogen worden sind. Mit lebhaftem Bedauern muß es leider constatirt werden, daß der Verein in Wien, am Sitze seines segensreichen und verdienstvollen Wirkens nicht diejenige Förderung findet, die ihm gewährt werden solle. Nicht drei Percent der Steuerholden der Wiener Cultusgemeinde ist er in der Lage, zu seinen Mitgliedern zu zählen. Es ist eine keineswegs erhebende, es ist eine vielmehr betrübende Thatsache, daß die Zahl der Mitglieder relativ gering, die Beiträge minimal sind, daß der Verein auf zufällige, nicht periodisch wiederkehrende Spenden angewiesen ist, daß er häufig bemüßigt ist, wegen Mangels an Mitteln die Aufnahme von Zöglingen zeitweilig zu sistiren. Es ist herzbrechend, die Scenen mit anzusehen, wenn die Knaben, welche von den weitesten Provinzen nach Wien kommen, um die Erlernung eines Handwerkes durch die Mithilfe des Vereines zu erbitten, abgewresen werden müssen. Die Situation des Vereines wird insolange eine precäre sein, als demselben nicht durch den Beitritt zahlreicher Mitglieder die Mittel zufließen, den ordentlichen Ausgabenetat zu bestreiten. An die 15.000 Steuerholden der Cultusgemeinde Wiens und an unsere, mit Glücksgütern bedachten Glaubensgenossen in der Provinz ergeht daher der ebenso warme als eindringliche Appell, dem segenbringenden, humanitären Vereine beizutreten und denselben in werkthätigster Weise materiell und propagatorisch zu fördern und zu unterstützen. Die kleinen, durch den Jahresbeitrag gebrachten materiellen Auslagen werden reichlich eingebracht in dem erhebenden Bewußtsein, für die Ausbildung, das Fortkommen, die Existenz armer, in der Mehrzahl verwaister Kinder ein kleines Scherflein beigetragen zu haben. Aber auch an die Functionäre des Vereines richten wir den Appell und die Bitte, in ihrer dankenswerthen Thätigkeit nicht zu erlahmen und nach wie vor den Frictionen und Weiterungen, welche ihnen auf Schritt und Tritt entgegentreten, mit derjenigen Opfersreudigkeit zu begegnen, die ihr bisheriges erfolgreiches Wirken ausgezeichnet hat. Allerdings müßte der Verein seitens der maßgebenden Factoren eine wirksamere, thatkräftigere Förderung als bisher erfahren. Eine Besprechung der specifischen Vereinsthätigkeit behalten wir uns nach der am 18. d. M. stallfindenden Generalversammlung des Vereines vor. Eduard Beer. Vesterrqichisch Israelitische Union. Discuffion über die Wahlreform in den Cuttusvorstand. Das lebhafte Interesse, welches die Wiener Judenschaft der vom Vorstande der Wiener Cultusgemeinde geplanten Wahlreform entgegenbringt, kam in dem am 12. Februar d. I. stattgefundenen äußerst zahlreich besuchten Discussionsabend dieses Vereines zum Ausdrucke. — Der Vorstand dieses Vereines hat, wie der Vorsitzende in seiner Begrüßungsrede enuncirte, zu dieser Frage noch keine Stellung genommen, sondern beabsichtigte mit der Einberufung dieser Versammlung vorerst die Ansichten seiner Mitglieder über diese Frage kennen zu lernen. Aus diesem Grunde ließ derselbe weder einen Antrag, noch eine Resolution zur Abstimmung bringen. Nachstehend der Bericht über die Ver-

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