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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-16 · 7 (16.2.1900) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
7 (16.2.1900)
Date
1900-02-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 7 Dr. Bloch’s Iahrg«», XVII. Centrslorgan für die grfsmmten Interessen des Iudenthmns. '■I B. ft. Pofisparrsprn-Amr "TlraringverKehr j Nr. 810.976.! Aedactron und Rdministrarion.- I Wien II., Ankere AuaarkenTkr. Ja. Telephon - Kr. 14.847 ff - ..- " ff Wien, 16. Februar 1900. Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien» LI.. Untere Augartenstraße In. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. ff - - - =m Sezugsprei» flkr SsKrrreich: Halbjährig S Kronen.! Einzelexemplare 50 Heller!! Jür’s Ausland:!! Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ j Anzeigen: Sie 4mal gespaltene j! Petitzeile 24 Heller, ff .; ' ' ~==* Inhalt.;2 e i t’a rti'kel : Die Antisemitenblätter und der Ritnalmord. — Verein zur Beförderung der Handwerke unter beit inländischen Israeliten sowie dessen Lehrlingsheim. — Oesterreichisch-Jsraelitische Union. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Franz von Holtzendorf iiber den Einfluß des Aberglaubens auf das Gerichtszeugniß und das Gerichtsurtheil. Die Ritual-Mördersecte von Altorf. — Eine bewegte Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde in Berlin. — Die Berliner Bewegung. — Don Isaak Abarbanel und seine Zeit. — Correspondenzen: Wien, Lemberg, Wischau, Gr.-Kanizsa, Esscgg, Temesvar, München, Paris, Kronstadt. — Vermischtes: Wien, Jägerndors, Nachod, Mährisch-Ostrau, Prag, Budapest, Grätz, Bromberg, Sydney, Chicago. — Feuilleton: Reiseerlebnisse in Galizien. — Michael. — Literatur. — Eingesendet. — Briefkasten. — Inserate. Die Lntilemitenblätter und der Mtualmord. Vor Jahren hat ein hervorragender Gelehrter an dieser Stelle folgende Bemerkung niedergeschrieben: „Die Beständigkeit des Vorwurfes beweist die Zähigkeit des Glaubens an den Blutzauber und die unausgesetzte Hebung desselben unter den C h r i st e n: das ist oie einzig wahre psychologische Lösung des sonst räthselhaften Fortbestandes der Blutlüge. Es ist wirklicher, das heißt heidnischer Volksglaube, der dieses Gespenst galvanisirt." So richtig ist diese Bemerkung, daß man sie sogar bei den Kirchenvätern trifft. Auf die gegen die alten Christen häufig erhobene Anklage des Kindesmordes antwortete T e r t u l l i a n, daß die Heiden nur aus dem Grunde von den Christen Aehnliches glauben, weil sie selber dergleichen noch heutzutage üben: „Hier zu Lande dient jetzt noch aus der geritzten Hüfte mit der hohlen Hand aufgefangenes und zum Genüsse gereichtes Blut zur Besiegelung der der Bellona Geheiligten. Ebenso, wo sind diejenigen, welche gegen ein Stück Geld das frische Blut der in der Arena umgebrachten Verbrecher, wennesausderKehlefließt, aufgefangen, gierig heruntertrinken, um die fallende Sucht zu heilen." In derselben Weise, mit denselben Gründen antwortet Minucius Felix. (Cap. 12) Justin in seiner zweiten Apologie ruft aus: „Wenn ihr behauptet, daß wir einen Menschen tödten und sein Blut trinken, was thäten wir anders, wenn es wahr wäre, als die Mysterien Eures Kronos üben und den Jupiter und Anderen n a chz u a h m e n. Auch das Geheimniß des Volksaberglaubens in neuerer Zeit ist nunmehr aufgehellt. In Altorf in Holland ist ein Ritualmord ganz unzweifelhafter Art verübt worden. Religiös-fanatisirte Familien haben einen Menschen, den sie vom Teufel besessen wähnten, erschlagen, sich die Hände im Blute gewaschiu, Psalmen geungen und dann das Zimmer, in welchem der verstümmelte Leichnam lag, anzünden wollen, um die Beweise der That zu verwischen. Bei aller Narrheit, die sie angeblich befallen hat, waren sie doch bei so verständnißvollem Bewußtsein, daß sie die Beweise der Schuld ebeitso wie das Object vernichten wollten. Sie wurden jedoch entdeckt und verhastet. Der Mord kann nun nicht geleugnet werden, ebensowenig das religiöse Motiv. Es waren von religiösem Wahn befangene Christen, welche einen unschuldigen Menschen zu religiösem Zwecke in ihrem Sinne ermordeten, also ein Ritualmord in optima, forma. Wir werden weder auf das Wesen dieser grauenvollen That,noch auf seine Einzelheiten eingehen, die Criminalgejchichte weist derartige Verirrungen unter Christen in ziemlicher Zahl auf und man braucht nur die Religionsgeschichte des Mittelalters zu lesen, um zu constatireu, wie viele Hekatomben von Menschen, dem christlich-religiösen Wahne der damaligen Zeit geopfert wurden. Worauf wir aber Hinweisen müssen, das ist die Haltung, welche die von den Antisemiten „judenliberal" genannten Zeitungen dem Ritualmorde von Altorf gegenüber einnehmen, eine Haltung, die sich in ebenso vornehmer wie ethisch hoher Weise derjenigen gegenüberstellt, welche die gefammte Antisemitenpresse ebenso wie die antisemitischen Wortführer Ereignissen gegenüber beobachte, in denen nur sie einen Ritualmord construiren wollten, während tatsächlich nicht nur keine Handlung vorlag, welche mit Recht auf ein zu rituellen Zwecken oder aus religiösen Motiven verübtes Verbrechen hätte schließen lassen, sondern bei welchen Fällen nicht einmal die Beziehung des Angeschuldigten zum Object nachgewiesen war. Während die Antisemi.en diese fälschlich „Ritualmord" genannten Vorfälle nicht blos in den verlogensten Schilderungen ausmalten, mit denen sie die Phantasie ihrer Leser überreizen und in ihnen eine zu Thätlichkeiten geneigte Stimmung erregen wollten, während sie auf Zeugen und Richter Einfluß zn nehmen sich bestrebten,Drohungen ausstießen, entstellte Berichte über Gerichtsverhandlungen veröffentlichten, Zeugen trunken machten, um von ihnen außergerichtliche Ge-

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