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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-09 · 6 (9.2.1900) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
6 (9.2.1900)
Date
1900-02-09
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 6 Dr. Vl^ck's Wochrnfchcifl» Seite 115 mann nach Kräften beitragen, die Bürgerschützen-Compagnie, die Zünfte, die Schuljugend ausrücken. Ein weiterer Antrag, eine Triumphpforte zu errichten und weißgekleidete Jungfrauen Blumen streuen zu lassen, war ursprünglich mit großem Enthusiasmus ausgenommen, aber dann wieder fallen gelassen worden, als ein Rath zu bedenken gab, daß eine solche Ehre doch nur dem Monarchen zukomme, und daher von den Oberbehörden übel vermerkt werden könnte. Die Ankunft des Regimentes war für einen Montag Nachmittag bestimmt, eine Escadron sollte in der Stadt, die andern in der Umgebung untergebracht werden. Der Tag wurde von der gesammten Stadtbevölkerung als ein Festtag gefeiert. Die Handwerker. Gewerbsleute, Krämer, welche der Schützengilde angehörten, waren den größten Theil des Vormittages damit beschäftigt, unter Mitwirkung ihrer Frauen, Kinder, Gesellen, Gehilfen, Lehrjungen, ihre Gewehre und Uniformknöpfe blank zu Putzen, die Bürger uniformen zu reinigen, den Stiefeln Glanz zu verleihen. In weiser pädagogischer Fürsorge wurde Vormittags keine Schule abgehalten, damit sich die Jugend in zweckmäßigster Weise auf den nachmittägigen Müssigang vorbereite und auch einer gründlichen Reinigung unterzogen werde. Die Mägde hielten statt zu arbeiten am offenen Markte am Röhrbrunnen eine Besprechung, deren Hauptthema die Erörterung bildete: „Daß ein schmucker Dragoner doch ein ganz anderer Liebster als ein Civilist sei", eine These, die namentlich von jenem Theile der Deliberirenden vertheidigt wurde, welche sich in letzterer Zeit mit ihren Anbetern aus irgend einem Grunde zerschlagen und sich daher in der Nothlage befand, nach einem passenden Rempla^anten Umschau zu halten, auch von Unbeständigen, welche den Ovid'schen Spruche „variatio delectat!“ huldigten. In der ganzen Stadt wurde heute eine Stunde früher zu Mittag gegessen. Schon zwei Stunden vor der für die Ankunft des Regimentes bestimmten Frist hatte sich eine schaulustige Menge vor dem Stadtthore, an der Stadtgrenze versammelt und nach und nach rückten die Schützen-Compagnie mit wehender Fahne und klingendem Spiele, die Gewerke mit ihren Zunftfahnen, die Schuljugend an, und nahmen die ihnen von den Ordnern angewiesenen Plätze ein. Wie es sich für den Chef der Stadt geziemt, langte der Bürgermeister Golziager an der Spitze des Magistrates am spätesten an. Kurz darauf zeigte sich schon an einer entfernten Wegesbiegung die Avantgarde, das Schmettern der Trompeten, das regelmäßige Aufschlagen der Rosseshufe wurde hörbar. In die dichte Masse der Empfangenden kam plötzlich Bewegung. Die Schullehrer überblickten wie Feldherren vor Beginn der Schlacht die Schaaren ihrer Jungen und Mädchen, und ermahnten mit geflügelten Worten, namentlich die in der Vorderreihe Stehenden, ihre Nasen einer letzten gründlichen Reinigung zu unterziehen: — die Altgesellen hoben die Zunftfahnen hoch empor, — der Bürger-Schützenhauptmann commandirte „habt Acht!" wischte sich den Schweiß von der Stirne, den ihm die Angst: seine Mannschaft könne sich vor den regulären Truppen eine Blöße geben, hervorgetrieben, zog den Säbel, stellte sich vor die Front, und beschwor die Schützen, sich „sackermentisch zusammenzunehmen, da es Ehr' und Reputation gelte!" Nun betrat die Tete der Truppe das Weichbild der Stadt. Der Avantgarde folgte in kurzer Distanz das prächtige Regiment, den Obersten, neben dem dessen Adjutant ritt, an der Spitze. Die Dragoner trugen weiße Uniformen, mit farbigen Kragenpatten und Aufschlägen, Helme und Zaumzeug waren schwarz. Jeder Mann war mit einem Pallasch, einem langen Karabiner und zwei Pistolen bewaffnet. Das Regiment, welches auf dem Kriegsfuße stand, zählte circa 2000 Mann und bildete im Anmarsche eine weite Linie. Als der Oberst sich näherte, kommandirte der Bürgerhauptmann „Präsemirt" und die Schützenmusik intonirte die österreichische Volkshymne, die erst vor Kurzem von dem fürstlich Esterhazy'schen Concertmeister, Josef Haydn, componirt worden war, und sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Der Regimentscommandant, ein kräftiger, starker Mann von etwa fünfzig Jahren, mit einem lang herabhängenden Schnurrbart, blickte mit einem mehr verächtlichem als freundlichen Lächeln auf die Bürgersoldaten, und senkte nur unmerklich die Spitze seines Degens. Der geprüfte Magistratsrath, der neben dem Bürgermeister stand, ermahnte ihn, nachdem sich ein beftiges Zupfen am Frackschoß unwirksam erwiesen, durch einen Rippenstoß deutlich daran, das jetzt der paffende Moment sei, seine Rednergabe glänzen zu lassen. Bürgermeister Golzinger hätte dieser Mahnung gewiß nicht bedurft, wenn ihm nicht der Anblick seines Sohnes, der gleich im ersten Zuge einen prächtigen Grauschimmel ritt, einen Moment außer Fassung gebracht hätte. Der Oberst schien keine Ahnung davon zu haben, daß der nun aus der Linie herantretende Bürgermeister ihn mit einer Rede zu bedenken beabsichtige und wollte an ihn und an den Rathsherren, — alle hatten ehrerbietig die Häupter entblößt — ohne anzuhalten vorüberreiten, so daß sich Golzinger veranlaßt sah, dem Pferde in die Zügel zu fallen. „Was soll's?" frug der Oberst heftig. Als Antwort auf die barsche Frage, begann Golzinger, nachdem er durch ein Zeichen mit der Hand den eifrig fortspielenden Musikern der Schützencompagnie, Schweigen gebot, eine viel zu lange Rede abzuhaspeln. — In derselben versicherte er, die Stadt wäre glücklich das tapfere Regiment und dessen berühmten Führer, in deren Thoren einrücken zu sehen, daß die Stadt Alles aufbieten wolle, ihnen den Aufenthalt in derselben angenehm zu machen, es freue namentlich ihn als Haupt der Stadt den gefeierten Helden, dem er noch weitere Siege und langes Leben wünsche, in der allzeit getreuen Stadt W. zu sehen, er hoffe, daß die Stadt lange durch seine Gegenwart beglückt werden würde und drgl. m. — Der Oberst wandte der schmeichelhaften Ansprache nicht die geringste Aufmerksamkeit zu und blickte offenbar ungeduldig in's Leere. Erst am Schluffe, als der Bürgermeister „gehorsamste um die „gnädigste Erlaubniß" bat, die Mannschaft vom Wachtmeister abwärts, auf Kosten der Stadt mit Bier. Würsten und Schweinebraten bewirthen zu dürfen, war er um eine Nuance freundlicher geworden, und ertheilte durch ein huldreiches Kopfnicken seine Erlaubniß hierzu. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Berichtigung. Zu der in der jüngsten Nummer erschienenen Besprechung meiner „Proverbia-Studien" ist Folgendes zu bemerken : Der Verfasser hat natürlich nicht übersehen, daß auch in der gegenwärtigen Fassung Gruppen vorhanden sind, die nach Buchstaben des Alphabets geordnet erscheinen. — Vielmehr hat der Herr Recensent übersehen, daß ich dieseu für meine Hypothese nicht unwichtigen Umstand in meinem Vorworte (S.^V. Anm. 2) betont habe. — Dr. C h a j e s. Briefkasten. W. B. Der berühmte Shakespeare - Forscher Rümelin sagte in einer seiner akademischen Reden: „Das Meiste und Beste von allen, was unsere bildungsstolze Gegenwart aufzuweisen hat, stammt immer noch aus der Erbschaft jener drei Völker des Alterthums : Juden, Griechen und Römer." W. M. Schließlich hat ja Mechaniker Schneider nicht das alleinige Recht auf Anfertigung falscher Stampiglien. H. M—nn. Diese Bande lügt bewußt. Sie wissen ja alle, daß in Lanten der Staatsanwalt ausdrücklich sagte, die U nschuld des angeklagten jüdischen Schächters sei bewiesen. M. W. Lassen Sie sich von diesem Geflunker nicht imponiren. Antworten Sie auf solche Bemerkungen getrost mit den Worten, die ein berühmter deutscher und arischer Schriftsteller, Varnhagen von Ense im Jahre 1837 schrieb: „Ein Feind und Hasser der Juden kann große und edle Eigenschaften haben, allein er hat dabei auch gewiß einen dunklen Fleck im Herzen oder im Verstande, und sein Wirken im Leben wird auch nicht ohne Stellen sein, wo es lahm mit ihm geht." I. Z. Dr. P a t t a i galt seit jeher als ein Rivale Lueger's. Er war schon lange ein ausgesprochener Antisemit, als Lueger noch ein Intimus der Juden war. M. B. Der Freiherr von Hardenberg hat im Jahre 1813 bei Berathung des Juden-Edictes die ewig denkwürdigen, die Judenftage vollkommen erschöpfenden Worte gesprochen: „Ich kann kein Gesetz über Juden billigen, das mehr als vier Worte enthält: „Gleiche Rechte, gleiche Pflichten." M. N. Der berühmte französische Schriftsteller Leo G o z l a n war, so behauptet wenigstens Leroy-Beaulieu, ein Jude. M. W—tt. Ferdinand Lassalle wurde von unseren Schriftstellern zum Helden eines Romanes gemacht. Auch von Friedrich Spielhagen. M. R—gg. Der englische Dichter Addison hat schwerlich den Talmud gekannt, aber er begegnet sich mit einer Sentenz desselben, wenn er sagt: „Schweigen ist zu Zeiten ausdrucksvoller und erhabener als die edelste und wärmste Beredtsamkeit, und in so mancher Gelegenheit bildet es das Anzeichen des großen Geistes."

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