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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-09 · 6 (9.2.1900) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
6 (9.2.1900)
Date
1900-02-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 6 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 107 Hebräische Melodien Uebersetzungen aus Jaroslav Drchlick/'s Gedichten von Dr. Josef 2alud, Advocaten und Landtagsabgeordneten in Prag. Aus dem Ghetto. (Aus der Sammlung: Loktiekß besedy). Es war an einen: heißen Sommertag Als mich die Schritte in das Ghetto führten, Ein dumpfes Häusermeer hier schmutzig lag Und Gässchen ineinand' sich bunt verwirrten. Das Wagenrasseln tönt wie Donnerschlag Gedämpft durch Kinderrufe. Im Gewirr Des Schotters und des Kehrichts sieht man hier In dem Gewühl der Gassenbubenrotte Verfolgt von Lärm und Schrei und bittrem Spotte Ein Weib hinschwanken. Welch' ein gräßlich Bild! Sie ist in Lumpenfetzen kaum gehüllt, Ihr fahles Antlitz einst'ger Schönheit Spur, Zerrauft das Haar, drin Federnmenge nur, Und schlotternd ist ihr Gang. Der Flegel Spott Vermehrt, vergrößert nur noch ihre Noth. Mich trieb, warum man sie verlacht, Neugierde In ihre Näh', ich schau sie besser an. Und seh', daß sie noch kaum sich schleppen kann, Sie trägt der Mutterschaft so heilige Bürde, Die aller Formen so sie hat beraubt. Daß frevler Spott den: Pöbel scheint erlaubt, Wo hehre Ehrfurcht sollte heimisch sein. So schlüpft sie in ein altes Haus hinein. Und herber Schmerz mir packt die Seele Ob dieser Menschen ärgern Fehle; Das Bibelwort ergreift mich gleich, Wornach der Mensch dem Himmelreich Zunächst soll stehn, o Gnadengott! Und wie ich steh so traumversunkeu, Erleuchtet mich ein Seherfunken, Mir wird's auf einmal licht und klar, Wie so verfolgt von Haß und Spott, Als noch die Welt verfinstert war Ein jüdisch Weib den Geisteshelden Den Spinoza — das Licht der Welt — gebar! Die erste Rose. (Aus dem Buche: Epicke bäsne, Seite 82—84). Hundert Jahr' ist Rabbi Löw schier alt, Siech der Leib zwar, doch des Geist's Gewalt Frisch und fröhlich, forschend Tag und Nacht, Zwingt den Zauber selbst in seine Macht. Ihm bewußt ist, was die Bäume rauschen, Red' der Thiere könnt' er gar belauschen. Wußte, welche Pflanze heilen kann, Kennt der Himmelskörper weite Bahn. Erd' und Himmel, selbst die Ewigkeit Oeffnet sich dem frommen Sinn bereit; Zweimal naht' der Tod schon — doch gemach! Rabbi Löw ihm siegreich bietet Schach. Unabweisbar und in kurzer Frist Kommt in and'rer Form der Tod mit List In der Hölle Grauen, Himmelsflug; Rabbi Löw ihn täuschte wieder klug. Wieder kam der Lenz in Pracht und Licht Der wievielte, weiß der Rabbi nicht; Denkerarbeit hält ihn wach die Nacht, Morgens in Gedanken er noch wacht. Seh't, da kommt die liebe Enkelin, Reheleicht und leise tritt sie hin, Glättet mit dem Kinderhändchen zart Stirnerunzeln und den Silberbart. „Diese Rose Hab' ich Dir gepflückt" Spricht das holde Mädchen ganz entzückt, „Die erste ist's von Lenzes Anbeginn, Nimm sie, o Großvater, nimm sie hin!" „„Was denn sagst Du, liebes theu'res Kind?"" Sie mit schwacher Hand er faßt geschwind. „„Rose . . . Rose!"" und das Haupt er neigt. Dem der Jugendtraum verzückt entsteigt. „„Her die Rose — Sehnsucht an ihr nippe!" Und schon preßt er sie an welke Lippe, Und sie scheint vom Hauche festgebannt. Spät, zu spät erst den Verrath er ahnt. Das graue Haupt erhebt er weiter nicht, Die Wange bleichet und das Auge bricht — Kaum, daß er noch kann die Hand auflegen, Leise li,peln seinen letzten Segen. Frühlingssonne durck die Fenster grüßt, Forschend, ob der Rabbi wach noch ist; Seine Seele flog in's Grenzenlose, Seine Hand noch hält die welke Rose. Correspondenzen. Aus der Plenar-Sitzung des Cuttusvorstandes vom 4. Februar 1900 unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath Heinrich Klinger. Beginn 10 Uhr Vormittags. Im Einlaufe befinden fich eine Annahme-Erklärung des Herrn Adolf Singer, betreffend seine neuerliche Ernennung zum ständigen Obmanne für die Schiedsgerichte der israelitischen Cultusgemeinde und eine Annahme - Erklärung der Frau Jella Caro, betreffend ihre Berufung in das Ueberwachungs-Comits für das israelitische Altersversorgungshaus; ferner eine Zuschrift des Curatoriums der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien, betreffend die Neuconstituirung des Curatoriums; ein Dankschreiben der Frau Annica B e n v e n i st i für die ihr seitens des Borstandes zugekommene Gratulation anläßlich der ihr verliehenen Allerhöchsten Auszeichnung durch das goldene Verdien stkreuz mit der Krone; schließlich ein Dankschreiben der Bethaus-Genoffenschaft in Atzgersdorf-Liefing für die Förderung der dortigen religiösen Institutionen. An Spenden sind eingelaufen: Von Herrn Julius M e n d l anläßlich der Verheiratung seines Sohnes für das israelitische Altersversorgungshaus 50 Kronen. Von dem Vereine zur Errichtung und Erhaltung der Ersten Wiener Suppen- und Thee - Anstalt anläßlich des 25jährigen Bestandes dieser Anstalt 1400 Marken lautend auf 700 Portionen Thee und 700 Portionen Brod. Von Herrn Carl Goldstein als Zusteuer zum Haushalte der israelitischen Cultusgemeinde 20 Kronen. Von Frau Marie Donath zum Ankäufe von Werkzeugen für einen armen Handwerker 40 Kronen. Von Herrn A. M. Mosessohn Kleidungs- und Wäschestücke für arme jüdische Waisenkinder. Den Spendern wird der Dank votirt. Der Präsident theilt mit, daß das in der Plenarsitzung vom 27. December 1899 eingesetzte Statuten-Comite ein Sub-Comite mit der Ausarbeitung eines Entwurfes der abgeänderten Gemeindestatuten betraut habe. Das Sub-Comite hat sein Elaborat fertiggestellt. Dasselbe wird nun im Statuten-Comite in Berathung gezogen werden. Ueber Verleihung von Stiftungen referiren: Namens der II. Section Herr Dr. Markus Spitzer über die Adolf Kohn'sche Widmung für Talmud- und Bibelschüler mit sechs Plätzen ä 100 Kronen. Uelur die Dr. Jacob Goldenthal'sche Stiftung für Rabbinats- und Lehramtscandidaten mit zwei Plätzen ä 94 Kronen. Ueber die Abendbörse-Widmung für Rabbinats- und Lehramtscandidaten mit einem Platze per 92 Kronen. Herr Dr. Maximilian Steiner über die Dr. Adolf Sack'sche Stiftung für Techniker mit sechs Plätzen ä 600 Kronen. Namens der III. Section Herr Dr. Maximilian Steiner über die Ignaz und Rosalia Wolf'sche Krankenunterstützungs- Stiftung mit vier Plätzen ä 50 Kronen; über die Rosalia Mintz'sche Stiftung für Witwen mit 4 Plätzen ä 188 Kronen; über die Lori Baumgarten-Stiftung für eine herzkranke Frau mit einem Platze per 36 Kronen; Herr Dr. Gustav Kohn über die Heinrich Stern'sche Heiratsausstattungs-Stiftung mit einem Platze per 256 Kronen; Herr Baurath v. Goldschmidt über die Frau Oberrabbinerin Fanny Güdemann-Stiftung für Kranke weiblichen Geschlechtes mit zwei Plätzen ä 39 Kronen. mmm

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