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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-09 · 6 (9.2.1900) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
6 (9.2.1900)
Date
1900-02-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 108 Dr. Bloch's Woüleuschrift« Nr. 6 Sämmtliche Stiftungsplätze werden conform den Sectionsanträgen verliehen. Ueber das vom Herrn Baurath v. Goldschmidt namens der lll. Section erstattete Referat werden an verschiedene Vereine und Corporationen Subventionen für das Jahr 1899 im Gesammtbetrage von 1632 Kronen bewilligt. Herr I. Vice-Präsident Dr. Alfred Stern relerirt namens der V. Section über die Activirung neuer Stiftungen und Widmungen, und zwar: der „Sigmund und Regina Kauders'schen Heiratsausstattungs-Stiftung für mittellose jüdische Bräute" mit einem Capitale von Nominale Kronen 6000; der „Josef Siegfried und Clara Paneth'schen Kadischgebet- und Graberhaltungs-Stiftung" mit einem Capitale von Nominale Kronen 7600; Der „Fanny Nassau'schen Widmung für Reconvalesceute des israelitischen Spitals" mit einem Capitale von Nominale Kronen 200. Die Uebernahme dieser Stiftungen und Widmungen wird im Sinne der Sectionsanträge beschlossen. Endlich wird eine Abänderung der Stiftbriefe der Jonas und Fanny Fröhlich'schen Seelengedächtniß-Stiftungen über Einschreiten der Hinterbliebenen genehmigt. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um l Uhr Nachmittags geschloffen. Wien. (Spende.) Aus Anlaß des 80. Geburtstages seines Vaters, des Heren Adolf Engel de Janosi erlegte Commercialrath Moriz von E n g el, zu Händen des Präsidenten der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, kais. Rath Heinrich Kl inger, namens der Firma Janosi Engel & Söhne 500 Kronen für das Siechenhaus. Wien. (Dr. Märzroth Todestag.) Am 14. d. M. fällt der Todestag des im Jahre 1888 allzufrüh dahingeschiedenen Dichters und Publicisten Dr. Moritz Märzroth. Noch frisch rst das Andenken dieses Freiheitssängers und Glorificators des Jahres 1848 in dem großen Kreise seiner persönlichen Freunde und des Verehrers seiner Muse. Kaum achtzehn Jahre alt machte sich Märzroth mit lyrischen Gedichten, Novellen und Erzählungen in der Wiener Journalistik in hervorragender Weise bemerkbar. Der auf seine Alleinherrschaft stets eifersüchtige Saphir widmete dem jungen, strebsamen Schriftsteller Theilnahme und Förderung. Länger als ein Decennium schrieb Märzroth für Bäuerle's „Theaterzeitung", für Saphir's „Humorist", die „Gegenwart" und noch für viele in- und ausländische Blätter. 1846 bis 1847 erschienen in zwei Bänden seine humoristischen „Brausepulver", in welchen er als Erster in Wien der Carricatur einen Boden schuf, auf dem sie später in verschiedensten Farben und Schattirungen sich breit machte. Nebst dieser illustrirten Zeitschrift rief Märzroth noch viele Andere: „Der Komet" und die „komische Welt" ins Leben. Von seinen dramatischen Werken seien erwähnt die Lustspiele: „Nur Raffinement", „Compromittirt", „Bittschriften". „Eine unruhige Nacht", „Lucretia Borgia", „Der Biberhos", „Eine Million für einen Erben" u. f. w. Für „Ueber Land un Meer" schrieb Märzroth Jahre hindurch die „Wiener Croquis", welche eine fortlaufende Chronik des geistigen und literarischen Lebens Wiens bildeten. In den Münchener „Fliegenden Blättern" Pflegte er ein eigenes Genre pikanter, poetischer Erzählungen zu behandeln, welche gesammelt wohl einen stattlichen Band darstellen würden. Weiters erschienen von ihm „Bilder, Lieder und Geschichten", Gedichte in niederösterreichischer Mundart, die noch heute ihresgleichen in Treue der Schilderung des Volkslebens suchen; „Liederbuch ohne Goldschnitt", „Satans Leier", „Spottvögel", „Eulenspiegeleien", „Fallstasfiaden" und „Demokratische Launen", ferner mehrere g-oße Romane. Im Jahre 1849 gab Märzroth den humoristischen Volkskalender „Schalksnarr" heraus, 1862 Saphir's Volkskalender und ein Jahr später den „Lustigen Luach", humoristischer, satyrischer Kalender für das Jahr 5623. In Schulkreisen erwarb sich Märzroth durch seine Broschüre „Reorganisation des Unterrichtswesens" viele Sympathien. In Baden, wo er viele Jahre hindurch lebte, wnrde Märzroth in die Gemeindevertretung gewählt. Märzroth's schriftstellerische Bedeutung war eine ebenso hervorragende wie allgemein anerkannte. In seinen Arbeiten zeigte er frische, kecke Zuversichtlichkeit, deutsche Herzlichkeit, aufrichtige Feindschaft gegen Mittelmäßigkeit und Egoismus, und gegen die Form ohne Geist. Sein Blick war ein freier, sein Geschmack ausgebildet und sein Humor naturwüchsig. Wie es auch in seinen literarischen Schöpfungen gährt und sprudelt, ist doch überall Maß und jene Beschränkung zu erkennen, die den Humor allein zu einen ästhetischen macht. Keine Saite seiner Leier war verstimmt, aber seine Lieder sind frisch, froh, frei und kerngesund. In den letzten Jahren lebte Märzroth in Salzburg, hochgeachtet, hochverehrt, ausschließlich seiner literarischen Thätigkeit obliegend. Es wäre nur ein Act dankbarer Pietät und läge im Wunsche der zahlreichen Verehrer der Muse Märzroth's, wenn dessen schriftstellerische Werke in einer Gesammtausgabe erscheinen würden und dürften sich wohl Mittel und Wege finden lassen, dies zu ermöglichen. Wien. (Verein „F r a u e n h o r t".) Der Verein „Frauenhort" im IX. Bezirke versendet soeben seinen Vll. Jahresbericht. Wir entnehmen demselben, daß im Jahre 1899 1100 Wöchnerinnen, Kranke und Bedürftige mit 20.000 Kronen unterstützt wurden. 190 Schulkinder erhielten vollständige Winterkleidung, Wäsche und Schuhe ins Haus geschickt; 72 kranke Frauen, Mädchen und Kinder wurden in verschiedenen Curorten untergebracht. Auch viele Naturalspenden, wie Kohlen, Kleider, Wäsche rc., konnten vertheilt werden. Der Vorstand, an dessen Spitze Frau Donat Z i f f e r e r als Präsidentin, Frau Julius K o p st e i n und Frau Arnold Fröhlich als Vice - Präsidentinnen stehen, hat bis jetzt von der Veranstaltung von Vergnügungen u. s. w. abgesehen, um seine Kräfte an Zeit und Geld auf die Auffindung und Linderung verschämter Armuth concentriren zu können. Wien. (Der Tempelbau in der Josef st ad t.) Der Tempelbauverein Josefstadt hat im vorigen Jahre beschlossen, in der Neudeggergasse im VIII. Bezirke einen Tempel zu bauen. Der Magistrat hat mit Bescheid vom 19. Mai 1899 die Bewilligung zur Erbauung eines solchen verweigert. Auf eingebrachten Recurs des genannten Vereines hat die nächstfolgende Appellinstanz, das ist die Baudeputation für Wien, mit Entscheidung vom 11. November 1899 den ablehnenden Beschluß des Magistrats aufgehoben. Gegen diese Entscheidung der Baudeputation hat die Stadtgemeinde Wien an das Ministerium des Innern recrurrirt. Das Ministerium des Innern hat nun entschieden, daß dem Recurse der Stadt Wien keine Folge gegeben werde. Gleichzeitig wurde die früher genannte Entscheidung der Baudeputation für Wien modificirt, beziehungsweise an die Baubewilligung die Bedingung geknüpft, das die Maximalzahl der Tempelbesucher auf 580 Personen festgestellt werde. Gegen diese Entscheidung wird nun die Commune den Recurs an den Verwaltungsgerichtshof einbringen. Wien. (Professor Joseph Sulz er.) Sonntag, den 11. d. M., feiert Herr Professor Joseph S u l z e r, Solospieler am k. k. Hofopern-Theater und Regenschori der israelitischen Cultusgemeinde sein 50. Geburtsfest und den 32jährigen Gedenktag seines Eintrittes in das so erfolgreiche musikalische Leben. Aus Anlaß der von der „Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" am 20. v. M., dem 10jährigen Todestage weiland Professor Salomon Sulz er abgehaltenen, hochinteressanten Gedenkfeier, überreichte der würdige Sohn seines würdigen Vaters, Herr Professor Joseph Sulz er, dem Präsidium obbenannter rühriger Gesellschaft den silbernen Lorbeerkranz, den die Künstler Wiens Salomon S u l z e r nach einer herzlichen Ansprache der Hosschauspielerin Frau Amalia H a i z i n g e r am 30. März 1866, anläßlich seines 40jährigen Künstlerjubiläums verehrten. Der prachtvolle Kranz ziert von nun ab das reichhaltige jüdische Museum, das jeden Samstag von 11 bis 1 Uhr Mittags zur freien Besichtigung geöffnet ist. Wien. (Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums.) In würdiger Weise gelangte die von obbenannter Gesellschaft am 20. v. M. abgehaltene Sulzer-Gedenkfeier zum Abschlüsse, indem Herr Rabbiner Dr. Aron Tänzer aus Hohenems einen hochinteressanten Vortrag über das Thema: „Aus Sulzer's Heimat, Beitrag zur Geschichte der Juden in Vorarlberg" hielt, der am 1. d. M. zahlreiche Gäste und Mitglieder der Gesellschaft im Festsaale des Gewerbevereins versammelte. Die Ausführungen des Gelehrten wußten die Aufmerksamkeit der zahlreich Erschienenen in hoheni Maße bis zum Schluffe zu fesseln und lauter Beifall lohnte den Vortragenden, der mit einer kurzgefaßten Biographie des verstorbenen Obercantors S u l z e r endete. Unter den Anwesenden bemerkte man die Mutter Doctor Tänzer's, Regierungsrath Michael Kulka, die Gemeinderäthe Lucian Brunner und Wilhelm S t i a ß n y, die Vor-

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