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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-02 · 5 (2.2.1900) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
5 (2.2.1900)
Date
1900-02-02
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Sir. 5 Seite 99 Dr. Bloch's Wochenschrift. nur einen Theil der Rahel'schen Worte anführt. Herrn L. F.'s Citat schließt mit den Worten: „was so lange Zeit meines Lebens mir die größte Schmach, das herbste Leid und Unglück war, eine Jüdin geboren zu sein, um keinen Preis möchte ich das jetzt missen." Rahel fährt indessen fort: „wird es mir nicht ebenso mit diesem Krankheitsleiden gehen, wer d' ich einst nicht eben so mich freudig an ihnen erheben, sie um keinen Preis missen wollen? O lieber August, welche tröstliche Einsicht, bedeutendes Gleichniß!" Der Sinn ist doch deutlich genug, sie freut sich um so mehr Christin zu sein, weil sie einst Jüdin war, genau so wie man die Gesundheit so recht nur fühlt, wenn man krank war. Um darin ein Wort der Sympathie zu finden, muß man eine moralische Epidermis haben, die einen Kuß von einer Ohrfeige nicht zu unterscheiden weiß. Ihr Einsender ist wie ich vermuthe, dieses Vergehens nicht schuldig und der Fälschung nicht schuldig, er hat nur die Stelle, die er wörtlich anführt, nicht gelesen und die Legende von der Philosemitin Rahel wiederholt, ohne sie zu prüfen. Gesundem Empfinden ist der Zelot beinahe weniger widerlich als die Mitglieder des Rahel-Schleiermacher'schen Kreises, die in merkwürdiger Weise Rationalismus mit Religionsprotzenthum zu verbinden verstanden haben. Hochachtungsvoll C. Sehr geehrter Herr Redacteur! Ich konnte nicht ahnen, daß die anspruchslose Anzeige der von Berdrow verfaßten Rahel-Biographie mir eine solch' scharfe Zurechtweisung zuziehen werde. War es ja gar nicht meines Amtes, Rahel und ihren Charakter vor meinen Richterstuhl zu citiren, ich hatte nur die weit bescheidenere Aufgabe, dem Autor für die Liebe und den Fleiß, die er seiner Heldin, einem Kinde unseres Stammes, widmete, einige Worte der Anerkennung zu gönnen, und that das umso lieber, als die Begeisterung des Verfassers einer Frau, einer Geschlechtsgenossin, galt. Säße aber in der That Rahel vor mir auf der historischen Anklagebank, so würde ich, ohne ihre Gesinnungslosigkeit auch nur im Geringsten zu vertheidigen oder gar zu rechtfertigen, doch nicht vergessen, daß sie mit ihrer schweren Verfehlung einer Zeitkrankheit zum Opfer fiel, einer bösartigen Zeitkrankheit, der nicht blos die Töchter Moses Mendelsohn's und zahlreicheGenossinnen der Berliner jüdischen Gemeinde erlegen sind, von der auch geistig hochstehende Männer jener Zeit ergriffen wurden. Für gewisse Fragen, welche heute jedem rechtschaffenen Menschen kaum noch Fragen sind, war die damalige jüdische Gesellschaft geradezu farbenblind, und es ist nicht einmal unser Verdienst, vielmehr ein Ergebniß trauriger historischer Vorgänge, wenn wir heute für derlei Dinge ungleich empfindsamer und feinfühliger geworden sind. Für geistige Epidemien Pflegt man gerechterweise die Zeit und nicht die von der Seuche Befallenen in erster Reihe verantwortlich zu machen. Die Wenigsten wissen es z. B. uud selten hält es ein Geschichtsschreiber auch nur für angebracht, zu erwähnen, daß der große Kepler dem Aberglauben seiner Zeit einen schweren Tribut entrichtet hat. Das schmälert nicht die Anerkennung seiner geistigen Großthaten. Auch die ungewöhnlichen Gaben des Geistes und Herzens, mit welchen die Natur eine Rahel Levin begnadete, haben die Bewunderung und Verehrung der Besten und Größten unter ihren Zeitgenossen erregt und sie bilden jedenfalls ein. Zeugniß für das Genie unserer Race. Und wenn ich bei'einem gelegentlichen Citate es für angemessen hielt, eine Blöße unserer in der Trunkenheit einer ungesunden Romantik verirrten Schwester zuzudecken, so bitte ich wegen solcher Schwäche die geehrte Redaction um Nachsicht. Ich handelte als Jüdin vielleicht unbewußt unter dem Einflüsse erblicher Belastung mit einem Raceninstinct Sem's, und gehöre darum erklärlicher Weise nicht zu den fragwürdigen Wahrheitsbefliffenen von der Unart Cham's. Hochachtungsvoll L. F. Proverbia-Studien zu den „Sog. Salomonischen Sammlungen. Cap. X—XXII. 16 von Dr. $. P. &f)aieä, Berlin. C. A. Schwetscke 1899. Von christlicher Seite wird den jüdischen Gelehrten, die sich mit Bibelkritik und Bibelexegese beschäftigen, von jeher der Vorwurf gemacht, daß es ihnen an der für dieses Fach besonders erforderlichen Objectivität fehle und ihre Bemühnngen ans diesem Gebiete daher auch ganz erfolglos seien. Die jüdischen Gelehrten, äußerte mir gegenüber ein deutscher Universitätsprofessor, sollten das Bibelstudium überhaupt aufgeben und sich auf den Talmud und dessen Literatur beschränken. Sie wären mit Scharfsinn» und Phantasie erblich viel zu stark belastet, als daß bei ihnen von einer objectiven Forschung, wie sie das Studium der Bibel eben erheischt, die Rede sein könnte. Ob und inwieferne dieser Vorwurf gerechtfertigt ist, mag hier uuerörtert bleiben. Wir würden uns dabei auch nicht länger aufhalten, wenn jene Herren nicht immer aus ihrer Roth eine Tugend machen wollten Gleichwohl hat Herr Dr. Chajes, ein in der jüdischen Literatur schon vortheilhaft gekannter junger Gelehrter, durch diesen Vorwurf sich nicht abhalten lassen, seine Aufmerksamkeit den „Proverbia", beziehungsweise einem Theile derselben, der sog. Salomonischen Sammlung zuzuwenden, oder wie jener Professor sich ausgedrückt haben würde, seine Phantasie in den Dienst derselben zu stellen. Mit objectiver Klarheit und kritischem Scharfsinn sucht Herr Dr. Chajes den Nachweis zu führen, daß uns in dem Cap. X—XXII 16 der salomonischen Sprüche äisjeetu membra von ursprünglich nach den Buchstaben des Alphabets geordneten Spruchreifen vorliegen. Gegen diese Hypothese sprechen weder literarhistorische noch bibelkritische Bedenken, für dieselbe abgesehen von den - angeführten, zahlreichen Kennzeichen, schon die eine, wie es scheint, vom Verfasser übersehene Thatsache, daß einzelne Gruppen in alphabetischer Ordnung auch in der, in ihrer gegenwärtigen Gestalt uns vorliegenden Sammlung verhältnißmäßig zahlreich sich vorfinden. Vgl. XV. 16, 17, XVI. 27, 28, 29, XVII. >8, 19 u. a. Dazu, kommt noch ein anderes, ich möchte sagen, völkerpsychologisches Moment, dessen Betonung ich in der trefflichen Arbeit sehr ungern vermißte. Es hat nämlich die Annahme von Vorneherein schon viel Wahrscheinliches für sich, daß Sprüche, von so durchwegs paränetischer Tendenz, aufs Lernen und Belehren berechnet, durch irgend ein einigendes Band zusammengehalten werden. In den deutschen Volkssprüchen bildet dieses Band die Alliteration, in den klassischen Sprachen das Distichon, im Semitischen, das Alphabet. Auf der anderen Seite wird wiederum Manches, das der Verfasser als sicher und feststehend zu bezeichnen nicht ansteht, nur mit der größten Reserve hinzunehmen sein, namentlich auf die Gleichheit der Stichworte am Anfänge und Schluß der Zeile kein allzugroßes Gewicht gelegt werden dürfen, schon darum nicht, weil ja diese Gleichheit eine vom Verfasser erst nachträglich construirte ist. Der Text wird von einem Kommentar begleitet, welcher die These durch exegetische Mittel zu stützen versucht. An manchen Stellen ist der Versuch in der That als vollkouimen gelungen zu bezeichnen. Vgl. z. B. XIV 19, XV. 21, wo durch eine geistreiche Umstellung zweier Halbverse ein besserer Parallelismus und dadurch zugleich die Richtigkeit der alphabetischen Gruvpirung erwiesen wird, ferner X 17, wo die alphabetische Zusammenstellung über eine unerträgliche sprachliche Härte hinweghilft. Bei der neunten (2) Spruchreihe wird jeder Kommentar überflüssig, dort sprechen die Thatsachen beredt genug. Allerdings gibt es auch hier wiederum Manches, welches beweist, daß durch allzuvieles Scharfsehen gar oft der einfache, klare Blick getrübt wird. Vgl. z. B. XVII. 8, wo Verfasser mit aller Wärme für die Conjectur jrojn eintritt und übersieht, daß die massoretische Lesart von der zweiten Vershälfte geradezu gefordert wird. In XIX. 1. wendet Verf. allerhand Künsteleien an, um das Wort ippya zu beseitigen und vergißt, daß die Beibehaltung der Comporativform schon durch den.Parallelismus mit den unmittelbar darauffolgenden Spruchreihen bedingt ist. Doch bietet das Buch auch mit diesen seinen Fehlern mannigfache Anregung und werden nicht wenige von den am Schluffe jeder Spruchreihe angeführten Resultaten in der wissenschaftlichen Discussion als solche sich zu behaupten wissen. Wien-Weißgärber. Rabb. Dr. Armin Abeles. Assimilation oder Organisation? Vortrag gehalten vom Rabbiner Dr. Bernhard Templer. Selten kann eine Schrift solchen Anspruch auf Aktualität erheben, wie die uns Vorliegende. Sie befaßt sich mit der uns am meisten interessirenden Frage: Assimilation oder Organisation. Der Verfasser, der uns durch seine geistigen Arbeiten hinlänglich bekannt ist, weist auf Grund geschichtlicher und aus dem jüdischen Schriftthum entnommener Belege nach, daß das Heil des Iudenthums in einer Organisation liegt, die alle jüdischen Schichten in sich aufnimmt. Die Broschüre kann unserem Lesepublikum aufs wärmste empfohlen werden. Briefkasten. K. in Wien. Es ist richtig: Julius Meinl, Besitzer der vielen Kaffeemagazine in Wien, empfiehlt sich den antisemitischen Lesern des „Kikeriki" als „Christliche Firma", was wir zur Kenntniß unserer Leser bringen. S. G. Die Jahrzeit fällt Heuer auf den 6. Februar und beginnt am vorhergehenden Abend. H. N. U. Die Jahrzeit fällt auf den 14. März, weil sie ani Weadar abgehalten wird.

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