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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-02 · 5 (2.2.1900) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
5 (2.2.1900)
Date
1900-02-02
Page
– (sequence 18)
Language
German
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seile 98 Dr. Bioch's Wochenschrift. Nr. 5 sohn Lorenz Golzinger und dessen eheliche Nachkommenschaft übertragen werde; — und so war Lorenz Golzinger plötzlich ein reicher Erbe und österreichischer Freiherr geworden. Baron Hornek, der sich schon aus Ehrgeiz in der That lebhaft sür seinen Adoptivsohn intereffirte, ließ Lorenz, als er achtzehn Jahr geworden, als Cadet in das Uhlanenregiment, dem er einst selbst angehört hatte, und dessen Officiere sich aus den ersten und ältesten Adelsgeschlechtern des großen Kaiserstaates recrutiren, eintreten. Trotzdem der Major senem Neffen den Dienst eingehend und ausführlich geschildert — seit Jahren hatten sich ihre Gespräche fast ausschließend mit diesem Thema beschäftigt — fand sich dieser doch in allen Richtungen enttäuscht. Baron Hornek-Golzinger, wie er jetzt genant wurde, war ein Mensch, der ohne jede Berechtigung hierzu, die höchsten Ansprüche an das Leben stellte, und jemehr er unverdient erreicht hatte, desto höher seine weiteren Forderungen spannte. Er hatte bisher nie etwas gelernt, nichts gethan, nichts gewirkt und war doch vom Glücke in außerordentlicher Weise begünstigt worden. Schon, daß er einen so schlauen und energischen Vater besaß, hätte er bei richtiger Auffassung der Sachlage als ein hohes Glück betrachten müssen; aber trotzdem auch Lorenz ein kluger Mensch war, war er doch von den Erfolgen, die er ohne jede Anstrengung erlangt hatte, so verblendet, daß er diese nur als ein Resultat seiner eigenen Genialität betrachtete. Ueber nichts auf Erden kann sich ein Mensch leichter täuschen als über sich selbst. Lorenz glaubte für den Soldatenstand große Talente zu besitzen, und es schmerzte ihn doppelt diese nicht anerkannt zu sehen. — Die Disciplin in der österreichischen Armee war stets eine musterhafte, und jeder Recrut ohne Ausnahme mußte das Exerciren gründlich erlernen. — Lorenz war schon als junger Bursche ein sogenannter Naturreiter gewesen, hatte, nachdem sein Oheim von Podogra genesen und ein Pferd besteigen konnte, von diesem auch regelrechten Unterricht im Reiten erhalten, und hatte gehofft, von diesem nun befreit zu sein, rasch die Unterofficiersgrade durchzumachen, schon in kurzer Zeit zum Fähnrich zu avanciren, hierdurch in den Kreis der hochadeligen Officiere zu treten, in diesem ein prächtiges, lustiges Leben zu führen. Zu seiner unangenehmsten Ueberraschung sah er sich in allen seiner Erwartungen bitter enttäuscht. Ec mußte, wie alle anderen Recruten, Reiten, Fechten, Schießen, Excerciren lernen, und da er sich gegen die ihm Vorgesetzten Unterofficiere hochmüthig benahm, sich der strengen Subordination nicht fügen wollte, hatte er viele Unannehmlichkeiten, zuweilen sogar Strafen zu erleiden, und er fand, daß er eigentlich ein höchst langweiliges, unangenehmes Leben führe. Auch war ihm der Aufenthalt in der Garnisonsstadt in welcher seine Escadron lag. unangenehm. Er hätte jetzt sehr gerne der militärischen Laufbahn entsagt, und sich am liebsten dem ihm am meisten zusagenden Stande des reichen Müßiggängers zugewendet, aber das war jetzt absolut unmöglich. Es war daher nicht zu verwundern, daß er erst nach vier ein halb Jahren, — unter seinen Verhältnissen und für seine Ungeduld eine sehr lange Zeit — zum Wachtmeister avancirte. Als Unterofficier zeichnete er sich nur durch eine rohe, unmenschliche Behandlung der Mannschaft aus, was ihm ebenso strenge Rügen seitens seines Vorgesetzten zuzog, als den Haß seiner Untergebenen herausforderte. Der Zug, den er einzuexerciren hatte, kam trotz der zahllosen Püffe und Hiebe mit der flachen Säbelklinge, die er den Recruten in verschwenderischster Weise und vorzüglichster Qualität spendete, nicht vorwärts; und so gelangte er, gegen sein Erwarten, erst nach sechsjähriger Dienstzeit, und nur in Folge der großen Anstrengungen seines Onkels dazu, zum Fähnrich zu avanciren. Nun hoffte Lorenz endlich sein Leben voll zu genießen, aber auch jetzt gingen seine Wünsche nicht in Erfüllung. Gerade die Officiere dieses Regimentes gehörten ausschließlich den ältesten und vornehmsten Familien des Staates au, und schon ihre Väter und Vorfahren hatten in demselben ihre militärische Laufbahn begonnen. Sie betrachteten, wie sie sich scherzhaft ausdrückten, ihre Officierspatente als einen erblichen, fideicommiffarischen Besitz, in der That aber ernstlich, jeden Andern, der als Officier zum Regimente kam, als einen Eindringling. Um so weniger mochten sie sich entschließen, Lorenz als einen der ihrigen zu betrachten. Sie wollten nicht einmal seinen Adel gelten lassen. In ihren Augen war er noch immer der „bürgerliche Patron/ der durch „die Kniffe^seines plebejischen Vaters" tn die Adelskreise „geschmuggelt" worden war. Ueberdies war ihnen Lorenz, der je ablehnender man sich gegen ihn verhielt, desto zudringlicher wurde, auch persönlch antipachisch. Man konnte und wollte ihm nicht verbieten, die Locale zu besuchen, in welchem sich die Officiere des Regimentes zu versammeln pflegten; wenn er sich im Cafe oder im Gasthause an den Officierstisch setzte, wies man ihn nicht weg; jeder Officier, den er ansprach, antwortete ihm, ja sogar überaus höflich, aber Lorenz hätte etwas weniger Höflichkeit aus dem Grunde vorgezogen, weil dies kameradschaftlicher gewesen wäre. Er war nicht im Stande, mit den Officieren ein längeres Gespräch fortzuspinnen, es riß sofort ab. Wenn ein anderer eine Anekdote oder ein Bonmot zum Besten nab, brach die ganze Tafelrunde in ein stürmisches Gelächter aus, wenn aber Lorenz Hornek die besten.Witze, die schlüpfrigsten Anekdoten, die sonst besonders ansprachen, zum Besten gab, wurden sie vom ganzen Kreise mit lautlosem, unheimlichen Schweigen ausgenommen. — Er erfuhr nicht die geringste nachweisbare positive Beleidigung, aber eine endlose Reihe negativer, er wurde von tausend unsichtbaren Nadeln gestochen. Ec fühlte sich durch seine schiefe Stellung um so bedrückter, als er sich seinen Verdruß nicht vom Herzen sprechen konnte. Am allerwenigsten mochte er aus begreiflicher Scham seine Zurücksetzung seinem Oheim mittheilen und in seinen lügenstrotzenden Briefen an diesen, wußte er nicht genug von den Liebenswürdigkeiten, mit welchen er von seinen Waffengefährten überhäuft wurde, zu erzählen. Auch seinem Vater hatte er lange Zeit aus seiner mißlichen Situation ein tiefes Geheimniß gemacht. Sein Hochmuth und seine Niedertracht, hatten ihn auch seinen eigenen Eltern entfremdet. In seinem verblendeten Egoismus hatte Lorenz vergessen, daß er seine Standeserhöhung und Stellung nur seinem Vater zu danken habe. Er hatte sich rasch in den Gedanken hineingelebt, als Baron ein Wesen höherer Gattung zu sein, seinem Vater weit voranzustehen, und war frech genug, dieser Anschauung Ausdruck zu verleihen. Das mußte Golzinger trotz seiner Affenliebe doch im hohen Grade erbittern, und es war zwischen Vater und Sohn eine Spannung eingetreten. Allein, das hatte diesen endlich, als seine Lage eine zu peinliche geworden, doch nicht verhindert, dies seinem Vater zu gestehen und ihn dringend zu bitten, Alles aufzubieten, daß er zum Lieutenant avancire und hierbei in ein anderes Cavallerieregiment übersetzt werde. Ein schwaches Elternherz läßt sich auch von den Wünschen eines ungerathenen Sohnes bestimmen. Als Golzinger und seine Frau den von Jeremiaden überströmenden Brief ihres Sohnes erhielten, war ihr gerechter Groll gegen diesen verschwunden, sie zerstoßen in Mitleid, und wollten Alles daran setzen, den Wunsch ihres einzigen Kindes zu befriedigen. Geld und Protection waren von jeher mächtige Factoren und diese war durch jenes zu erlangen. Lorenz hatte seinen Vater gebeten, dem Onkel Hornek nichts von der geringschätzenden Behandlung, die er im Regimente erfahren, mitzutheilen. Golzinger war ein kluger, energischer, zäher Mann. Er fuhr nach Wien und besprach die Angelegenheit mit seinem Schwager. Er wollte zwar auch dessen Einfluß in dieser Angelegenheit benützen, aber hauptsächlich war es ihm darum zu thun, sich von Hornek die Persönlichkeiten angeben zu lassen, welche bei den Officiersbeförderungen entscheidend waren. Golzinger stellte sich diesen vor, bot alle seine Ueberredungskunst auf, und unterstützte diese da, wo es möglich und angänglich war, durch große Geldgeschenke und empfing dafür Versprechungen, die aber längere Zeit unerfüllt blreben. Schon fürchtete er die große Mühe und die Konen vergeblich aufgewendet zu haben; als er plötzlich von Lorenz die Glücksbotschaft empfing, er sei zum Lieutenant avancirt, und was ihm fast noch lieber sei, zu einem Dragonerregimente übersetzt werden. Dieses würde nach Mähren marschiren und in einigen Tagen in W. eintreffen. Golzinger und seine Frau waren vor Entzücken außer sich, sie hatten Lorenz schon einige Jahre nicht gesehen und konnten es vor Sehnsucht und Eitelkeit nicht erwarten, ihren geliebten Sohn in der schmucken Uniform eines Dragonerlieutenants in W. einreiten zu sehen. (Fortsetzung folgt.) Literatur. R-hel. Sehr geehrter Herr Redacteur! Wenn die Alexandriner sich für Rahel Lewin begeistern, so gehe das uns Juden nichts an; indessen möchte ich dagegen protestiren, daß man sie durch Fälschung eines Citates uns als Juden näher bringen will. Herr L. F. hat falsch citirt und genau den entgegengesetzten Sinn dadurch herausgebracht, daß er

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