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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-02 · 5 (2.2.1900) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
5 (2.2.1900)
Date
1900-02-02
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 5 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 95 Klosterneuburgerstraße 33. Concert und Ballmusik von der Regimentscapelle der k. u. k. Tiroler Kaiser-Jäger. Das gesammte Reinerträgniß fließt dem Brigitteuauer Israelitischen Unterstützungsvereine zu. Spenden für Ehrenkarten werden im Jahresberichte ausgewiesen. Wien. (Jeanette von Frankfurter.) Eine Dame aus unserem Leserkreise schreibt uns: „Es dürfte Ihnen, verehrter Herr Rkdacteur, wohl aus berufener Feder ein Nachruf für die am 25. Jänner verstorbenen Frau Jeanette von Frankfurter zur Verfügung stehen; dennoch erlaube ich mir Sie zu bitten, diesen wenigen, der aufrichtigsten Verehrung für dies edle, dahingegangene Frauenbild entspringenden Zeilen, in Ihrem geschätzten Blatte Raum zu geben. Mit Jeanette von Frankfurter, welche am 27. Jänner 1900 in Wien zu Grabe getragen wurde, schied ein selten edles, in jeder Empfindung vornehmes Frauendasein von uns. Ihr Herz, erfüllt von tiefer und wahrer Gottesfurcht, war für alles Gute und Schöne empfänglich. Sie war die aufopferndste, hingebendste Gattin und Mutter, die treueste Schwester und allen Verwandten eine stets hilfsbereite Trösterin und Beratherin. Kein Armer oder Bedrängter nahte sich ihr vergebens; einem Bittenden nein zu sagen, war ihr ganz unmöglich. Nebst Herz und Verstand hatte sie auch eine stets offene Hand. Ihre Kinder, denen sie moderne hohe Bildung zutheil werden ließ, erzog sie in jüdischer Religiosität und war ihnen stets ein Beispiel frommen, jüdischen Sinnes. Als ihr das grausame Schicksal den einzigen, hoffnungsvollen begabten Sohn entriß, war sie bis ins innerste Mark getroffen und in edler Selbstverleugnung war sie dennoch bemüht, ihren Gatten aufzurichten. Als ihr vor Jahresfrist auch noch der geliebte Gatte genommen wurde, fand sie selbst schwerleidend, kein Wort der Klage und riff an seiner Bahre voll Gottvertrauen: „Auf baldiges Wiedersehen, Wilhelm!" Ihr Wunsch nach Ruhe wurde endlich erfüllt; sie ist heimgegangen und hat eine unausfüllbare Lücke hinterlassen, nicht nur im Kreise ihrer Verwandten, sondern bei Allen, die Jeannette von Frankfurter gekannt haben. Hier findet das Dichterwort Anwendung: „Todt nur ist, wer vergessen ist." Unvergeßlich bleibt diese Frau Allen, die jemals mit ihr in Berührung kamen. Ehre und Segen ihrem Andenken! L. W. Wien. (Fest ball des Vereines zur Hebung der Gewerbe.) Das aus Söhnen Gewerbetreibender und Industrieller bestehende Comite ist unermüdlich thätig, den am 11. Februar in den Ronacher-Sälen abzuhaltenden Festabend zu einem der gemüthlichsten der Saison zu gestalten. Einen ganz originellen Effect verspricht der Tan zreizen, der von 24 Comitepaaren unter der Leitung des Balletmeisters Herrn I. Singer, gewidmet vom Letzteren dem Vereine, executirt werden wird. Auch die Kartenausgabe verspricht ein gutes finanzielles Resultat, so daß die herrlichen wirtschaftlichen Bestrebungen des Vereines dadurch gefördert erscheinen. Viele politische Persönlichkeiten und I n d u st r iell e, die bei den Vortragsabenden.des Vereines niemals fehlen, haben ihr sicheres Erscheinen in Aussicht gestellt. Karten sind zu haben bei dem Präsidenten des Vereines Herrn S. B r o d, bei dem Vicepräsidenten und Festobmann Herrn Hermann. Beck, bei dem Thonwaaren-Fabrikanten Herrn S. Steiner nnd bei den Comitemitgliedern. Wien. Der Verein jüdischer Mädchen „Hadassa" veranstaltet Montag den 12. Februar 1900 im Hotel Central, II., Taborstraße 8, eine Akademie mit nachfolgendem Tanzkränzchen unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte. Das Reinerträgniß fließt wohlthätigen Zwecken zu. Beginn halb 9 Uhr Abends. Karten sind zu haben bei Frl. Rosa Hammer, II., Praterstraße 13 (Lloydhof) und bei Frl. Melanie Eisenschreiber, IX., Liechtensteinstraße 18. Wien. Mittwoch den 7. Februar findet im Prachtsaale des Hotel Continental, II., Taborstraße, das diesjährige Schüler- und Familienkränzchen der bekannten Tanzschule I. H e i m a n n statt. Karten sind im Institute, II., Praterstraße 43, erhältlich. Floridsdorf. Sonntag den 4. Februar 1900 halb 4 Uhr Nachmittag findet im israelitischen Tempel zu Floridsdorf die Trauung des Fräulein Sidonie Gruenwald, Tochter des Herrn Leopold Gruenwald, mit Herrn Moritz Licht b l au statt. Mies. Vergangene Woche hat hier die Wahl des Vorstandes für die Cultusgemeinde Mies, zu welcher alle israelitischen Familien im Mieser Gerichtsbezirke gehören, stattgefunden. Erwägt man, wie oft die Ansichten der Mitglieder einer Cultusgemeinde in religiösen und rituellen Sachen divergiren, so kann man es umso mehr als einen interessanten, gewiß seltenen Fall bezeichnen, daß bei dieser Wahl der Advocat Ignaz Grüner, welcher seit der Constituirung der Cultus gemeinden hier Vorsteher war und dessen Stellvertreter, Herr Moritz Lederer, Tabakverleger, bei der letzten Wahl die Stimmen aller Wahlberechtigteu auf sich vereinigten. München. Der Generalvertreter einer hiesigen Fabrik, Herr Albert Krauß aus Essegg, erhielt für seine Verdienste um den österreichisch-ungarischen Hilssverein, vom Kaiser Franz Josef das goldene Verdienstkreuz mit der Krone. Reiseerlebnisse in Galizien. Motto: »Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt Gab mir ein Gotc zu sagen, was ich leide." IV. Es war aber auch schon Zeit, sich zur Ruhe zu begeben, denn die Uhr zeigt auf drei. Ich fiel ins Bett, überwältigt von bleierner Müdigkeit und schlief einen langen tiefen Schlaf. Als ich erwachte, war es helllichter Tag, und o Wunder! Die Sonne lachte zum Fenster herein. Es dauerte einige Zeit, bis ich Herr meiner Sinne wurde und eine klare Vorstellung von den Ereignissen des gestrigen Tages, die ich, als ich jetzt die Augen aufschlug, für wüste Träume zu halten geneigt war, allmälig zum Durchbruche kam. Rasch sprang ich vom Bett, machte Toilette und begab mich in die Wirthsstube, um mich zu erkundigen, wie es um das Weiterreisen bestellt sei. Da kam mir auch schon Jossel mit der freudigen Nachricht entgegen, daß die Straße nach Zaleszczyki noch im Laufe des Tages fahrbar werden dürfte, da das Wetter in der Nacht vollständig umgeschlagen und die Sonne selbst rüstig mithelse, den Schnee verschwinden zu machen. Diese frohe Nachricht machte jetzt keinen sonderlichen Eindruck auf mich. Gestern Abends allerdings, als ich ganz zerschlagen in dieses Wirthshaus einkehrte, war mir der Gedanke, hier einen ganzen Tag internirt bleiben zu müffen, fürchterlich. Heute jedoch fühlte ich mich hier so heimisch, als ob ich in einem lange befteundeten Hause als gerne gesehener Gast weilte. Noch mehr: der unfreiwillige Aufenthalt Hierselbst wurde mir nach der gestrigen Unterhaltung mit meinem Wirthe sogar ein willkommener, da ich hoffte, aus der bevorstehenden Bekanntschaft mit dem Sohne des Hauses noch manches Nützliche und Jntereffante erfahren zu können. Jetzt trat der Wirth mit lachendem Gruß ein, ftagte mich, ob ich gut geruht und lud mich zum Frühstück. Er führte mich in die im rückwärtigen Theile des langgestreckten Gehäuses gelegene Wohnung, an deren Thür ich von der Frau und dem Sohne des Hauses auf das Herzlichste empfangen wurde. Die erstere, eine achtunggebietende Matrone von sehr sympathischem Wesen begrüßte mich in correctem Deutsch mit etwas störendem Accente; an dem letzteren, einem jungen, hochgewachsenen, dabei muskulös gebauten Mann von 25 Jahren, aus deffen tiefliegenden schwarzen Augen Intelligenz sprach, fiel mir ein, triste innere Unzuftiedenheit und Bekümmerniß verrathender Gefichtsausdruck auf. — Beim Thee entwickelte sich eine lebhafte Unterhaltung. Man sprach vom gestrigen Unwetter, von der Straßenmisöre, von den tückischen „polnischen Wegen", von den galizischen Zuständen, den Bauernbewegungen und ähnlichen Dingen. Nachdem das Frühstück eingenommen war, erhoben sich die beiden Eheleute und gingen an ^ihre Beschäftigungen, mich mit ihrem Sohne allein zurücklassend. Mit dem Abgehen der beiden Alten war das Gespräch ins Stocken gerathen. Es folgte eine längere Pause. Eine unerklärliche Verlegenheit bemächtigte sich meiner, und es währte eine geraume Zeit, bis das Wort gefunden war, das sie verscheuchte. Der junge Mann brach zuerst das Scheigen. „Ich freue mich aufrichtig", hob er an, „Sie persönlich kennen zu lernen, da mich Ihre Mission seit längerer Zeit schon lebhaft interessirt. Cultur in die noch so schauerlich umnachteten, in unsagbarem Elend verkommenden jüdischen Mafien unseres Landes zu tragen, ist wahrlich kein unverdienstliches Beginnen, selbst wenn es noch lange nicht die Erlösung unseres, wie es scheint, zur ewigen Schmach „auserlesenen Volkes" bedeutet". Ich wurde stutzig und horchte scharf auf. Nach kurzem und tiefem Athemholen fuhr er fort:

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