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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-02 · 5 (2.2.1900) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
5 (2.2.1900)
Date
1900-02-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 5 Sette 93 Br. Blork's den Schriften der griechischen Denker; in derselben Weise müssen wir uns bemühen zu lernen, was Großes und Schönes außer uns geschaffen worden. Das ist die Lehre aller großdenkenden Menschen, das Ideal, welches Goethe aussprach in den Worten „Gottes ist der Orient! Gottes ist der Occident! Nord und südliches Gelände ruht im Frieden seiner Hände." Paris, im Jänner. Le Pie hat nun vor einiger Zeit ein äußerst verdienstvolles Unternehmen begonnen. Er schreibt in kleinen flugblattartigen Heften die Geschichte der nationalistischen Presse. Er zeigt, wie eine Bande von gewerbsmäßigen Gaunern, Erpressern und Judustrierittern jeder Art unter der Maske der Ehrbarkeit und des Patriotismus Frankreich terrorisirt — wie diese Bande die anständigen Leute zu verdrängen sucht, um selbst an den Geldschrank zu gelangen, wie sie fortwährend ruft: „Haltet den Dieb!" um selbst unentdeckt stehlen zil können. Le Pie hat vor zwei Monaten zuerst in den gefährlichsten Winkel des Augias-Stalles hineingeleuchtet und gezeigt, wie man beim „Petit Journal" lebt und wirkt. Das „Petit Journal" des Herrn Marinoni ist heute vielleicht die größte organisirte Macht in Frankreich. Es hat anderthalb Millionen Abonnenten und also mehrere Millionen Leser Diesen Millionen sagt allmorgens Herr Ernest Judet in schwülstig-verlogenen Phrasen, was sie lieben und was sie hassen sollen. Lange haben die republikanischen Regierungen, die mit dem Chauvinismus regierten, dieses chauvinistische Verdammungsorgan gebraucht und begünstigt — jetzt, wo gegen den Chauvinismus regiert werden muß, ist das „Petit Journal" eine Gefahr. Le Pic weist nach, welche Geschäfte die Jndustrieritter, die den Stab des „Petit Journal" bilden, hinter den farbenschönen, patriotischen Aushängeschildern betreiben. Er zeigt, wie dieses Pack, dessen Lippen von Moralworten triefen.^ für 630.000 Francs den kleinen Sparern die Panamaactien anempfahl — wie es von der Panama-Gesellschaft 161 000 Francs für einen Artikel erhielt, in dem der Erwerb der Actien als eine „patriotische Manifestation als Antwort auf die Begierden des Auslandes" bezeichnet wurde — wie es sich dann an Jeden verkaufte, der es bezahlen wollte, sogar während der armenischen Wirren an die türkische Regierung. Das kleine Heft Le Pics ist in einer Million Exemplaren verbreitet worden. Jetzt ist Heft 2 erschienen. Der Titel lautet: Unter der Tyrannei der Gauner: Edouard Drumont". Le Pic erzählt hier unter Beifügung vieler Documente die Lebensgeschlchte des „Vaters des französischen Antisemitismus" und die Gründung der „Libre Parole" Einiges war schon früher bekannt. Vieles ist neu. Das ganze ist eine Verbrecherbiographie von oft pittoreskem Reiz und ein höchst intereffanter Beitrag zur französischen Culturgeschichte Drumont war von 1866 bis 1870 bezahlter Agent der kaiserlichen Geheimpolizei. Gemeinsam mit zwei anderen Agenten, Stemir und Marchal, schrieb er auf Befehl seiner Vorgesetzten eine Reihe verleumderischer Pamphlete gegen diejenigen Persönlichkeiten, die der Regierung unbequem waren, unter anderem gegen Rochefort. Aber während Stemir und Marchal aller Welt als Spitzel und als Verfasser dieser Pamphlete bekannt waren, wußte Drumont seine „officielle" Eigenschaft zu verbergen. Es gelang ihm sogar, Mitarbeiter am „Figaro" zu werden, dessen Redaction er ansspionirte. Schließlich, 1868, ertappte ihn der Gründer des „Figaro". Villemessant, bei der Spionirarbeit und warf ihn hinaus. Villemessant schrieb damals einen Artikel, in dem er erzählte, wie er Drumont, der nicht das geringste Talent besessen, aus Gnade und Barmherzigkeit in die Redaction ausgenommen. Zu gleich publicirte Villemessant die Beweise dafür, daß Drumont von der geheimen Polizei bezahlt war. Drumont war nun darauf bedacht, sich eine „neue Existenz" zu gründen. Er lebte damals fast ganz im Hause seines Kollegen, des Spitzels Marchal. Er aß dort, er schlief dort. Marchal war sehr häßlich — Frau Marchal war sehr häßlich — Drumout glich einem Orang-Utang. Die Drei paßten sehr gut zusanimen. Marchal, der verschuldet war und von Gläubigern verfolgt wurde, hatte alle seine Habe seiner Frau verschrieben. Als Drumont das erfuhr, machte er der Frau den Hof, veranlaßte sie, Marchal hinauszuwerfen, heiratete sie und ließ sich in den Möbeln des vertriebenen Exgatten nieder. Marchal suchte sich zu rächen, indem er die Geschichte in „Tante Duchesne", einem Scandalblatte jener Epoche, mit allen Details erzählte. Drumont wurde noch eine Weile lang von der Polizeipräfectur benutzt Er wurde besonders mit der Ueberwachung und Aushorchung der großen Lebedamen betraut 1874 wußte er sich bei den großen jüdischen Bankiers Pereire Eingang zu verschaffen Die Pcreires stellten ihn bei ihrem Blatte, der „Liberte", an. 1876 starb Emile Pereire, und Drumont verfaßte seine Grabrede, die an plumper Schmeichelei alles Erdenkbare übertraf. Als 1878 Jsaac Pereire starb, schrieb Drumont in der „Revue Contemporaine" einen Nachruf, in dem es hieß: wenn man das Werk des Verstorbenen ganz werde übersehen können, werde „dieses Werk ebenso viel Erstaunen erregen wie das Werk Napoleons I." Trotz dieser hündischen Speichelleckerei gaben die Erben der Pereires Drumont den Laufpaß. Drumont rächte sich; er wurde Antisemit und schrieb unter Benutzung aller Klatschgeschichten, die er in den Bureaus der Pereires gehört, „La France jnive“. Aber Drumont wollte die Erpressung von nun an im Großen betreiben. Er wollte ein eigenes Blatt gründen und suchte einen Geldmann. Er fand ihn in einem bereits mehrmals wegen Betruges ver- Wochenschrift. folgten „Banquier" Namens I. B. Gerin, der zuletzt nur durch die Witwe des berühmten Advocaten Laurier vom Gefängniß gerettet worden und der dann diese Witwe geheiratet, ihr Geld durchgebracht und sie selber zum Selbstmord getrieben hatte. Dieser so sehr zum Associe Drumonts geeignete Gauner besaß damals bereits zwei Revolverblättchen, den „National", und die „Semaine Financiere". Le Pic publicirt zwei Documente, deren Nebeneinanderstellung überaus amüsant ist Am 20. April 1890 läßt Gerin. als Herausgeber des „National", den Israeliten ein Circular zugehen, das mit den Worten beginnt: „Die Israeliten sind seit einiger Zeit Gegenstand der schändlichsten Verleumdungen" und das den Angegriffenen eine „berechtigte Vertheidigung" durch den „National" verspricht. Am 14. April 1892 ladet Herr Gerin durch ein anderes Circular zur Subscription auf ein antisemitisches Blatt, „Libre Parole" ein, das unter Leitung Eduard Drumont's, „des berühmten Verfassers von „La France JniveV' erscheinen sollte. Die Freude dauerte für Gerin nicht lange. Am 3. Februar 1893 wird er verhaftet und wegen Betruges eingesperrt. Er hat 200 000 Francs unterschlagen. Drumont hat sich geschickt aus der Schlinge gezogen. Er gründet nun mit zwei Freunden, Ledoux und Lantz einen Ableger der „Libre Parole", die „Libre Parole Jllustree". Bald darauf werden auch Ledoux und Lantz des Betruges angeklagt und entfliehen. Drumont versteht wieder, der Anklage, die auch ihm droht, zu entgehen. Es würde zu weit führen, wollte man all' die Erpressungen, welche die „Libre Parole" in den letzten Jahren ganz offen und ungenirt unternommen hat, aufzählen. Le Pic nennt nur die bedeutendsten: diejenigen gegen den Credit Lyonnais, gegen den Credit-Foncier, gegen die Spielbank in Monte Carlo, gegen die Leiter der Banane Ottomane. Le Pic beleuchtet auch nochdie Vergangenheit der Mitarbeiter Drumonts — besonders die Vergangenheit Guerins. Und er geißelt mit einigen Worten diese ganze edle Gesellschaft, die „im Inneren die Seele des französischen Volkes verpestet, nach außen hin Frankreich entehrt hat." New-Aork. („Jewish Historical Society".) Achte Jahresversammlung der Gesellschaft. Im „Hebrew Charities Building", 2. Ave. und 21. Str., tagte am 26. Dec. die achte Jahresversammlung d r „Amerikan Jewish Historical Society". Es fanden Vormittags- und Nachmittagssitzungen statt, die der Oeffentlichkeit zugänglich waren und zahlreich besucht wurden. Den Vorsitz bei den Verhandlungen führte Präsident Dr. Cyrus Adler vom Smithsonian Institut in Washington. Außerdem waren zugegen Prof. I. H. Holländer von der Johns Hopkins-Universität, protokollirender Secretär der Gesellschaft; Dr. Herbert Friedenwald von der Congreßbibliothek in Washington, correspondirender Secretär, und Prof. Richard Gottheil, von der Columbia Universität. Schatzmeister. Die Berle;ung des Jahresberichts ergab eine Mitgliederzahl von 190 und zufriedenstellende Finanzen, obgleich es bis jetzt kaum möglich war, die Gründung eines permanenten Fond anzubahnen. Erwähnung wurde auch der im abgelaufenen Jahr verstorbenen Mitglieder der Gesellschaft gethan, namentlich des Richters Charles F. Daly, eines der Pioniere für die Erforschung jüdisch-amerikanischer Geschichte, der jeder früheren Versammlung der Gesellschaft beiwohnte und jedesmal auf besonderen Wunsch der Versammlung eine Zeit lang den Vorsitz führte. Ueber seine Thätigkeit auf diesem Gebiete referirte Max I. Köhler von New-Aork, der ein Werk von Ex-Richter Daly über die Ansiedelung der Juden in Nord-Amerika herausgegeben hat. Andere im Laufe des Jahres verstorbene Mitglieder der Gesellschaft waren Jacob Ezekiel von Cincinnati, einer der bekanntesten Vorkämpfer des Judenthums, William S. Raynon von Baltimore und Daniel P. Hays von New-Iork. Folgende Vorträge, an die sich Discussiouen anschlossen, wurden gehalten: „Dr. Cyrus Adler. „Weitere Documente über die Inquisition in Mexico"; Dr. Herbert Friedenwald, „Jsaac Levy und sein Anspruch auf Grundeigenthum in Georgia", sowie „Kurze Sk zzen über einige Juden des 18. Jahrhunderts"; Prof. Richard Gottheil. „Die ersten Ansiedelungen der Juden auf der Insel Barbados", sowie über „Lorenzo Machado"; Prof. I. H. Holländer, „Weitere Mittheilungen über Haym Solomon"; Leon Hühner von New-Aork, „Die Juden von Süd-Carolina vor 1800"; ferner „E^r hervorragender jüdischer Patriot aus der Revolutionszeit", sowie „Beiträge zur amerikanisch-jüdischen Geschichte"; Max I. Köhler von New-Iork, „Die ruffisch-jüdische Auswanderung nach Amerika", sowie „Die Juden und die amerikanische Anti-Sclavereibewegung. 2. Serie"; Frl. Annette Kohn von New-Iork, „Jüdische Topographie von New-Iork"; Rev. George A. Kohnt von Dalles. Texas, ..Neues documentarisches Material für die Geschichte der Marranos in Mexiko"; ferner verschiedene jüdische Pionier-Drucker in Amerika", sowie „Eine Frankisten-Petition an den Erzbischof Lubinski aus dem Jahre

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