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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-02 · 5 (2.2.1900) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
5 (2.2.1900)
Date
1900-02-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 92 Dr. Bloür's Wochenschrift. Nr. 5 Nteutra. (Todesfall.) Am 25. Jänner ist nach kurzem Krankenlager Herr Med. Dr. Moritz Löwinger im Alter von 78 Jahren sanft verschieden. Das Leichenbegängniß hat am 28. Jänner Nachmittags stattgefunden. Der Verblichene hat sich vor nahezu 50 Jahren hier in seiner Vaterstadt als Arzt niedergelassen und zählte er zufolge seines großen Fleißes gar bald zu den gesuchtesten Aerzten. Unter dem absolutistischen Regime ward er mit den Agenden eines Gerichtsarztes betraut, ward später Kreisarzt und hat während der Cholera mit voller Hingebung seine Pflicht als Arzt erfüllt. Später wählte ihn die Stadt zum Stadtarzt all llouores und der heil. Verein wählte ihn zum Chefarzt. Er nahm regen Antheil an der Gründung der hiesigen israelitischen Volksschule, war viele Jahre hindurch Schulpräses und ward später zum lebenslänglichen Ehrenpräses der Schule gewählt, gehörte seit mehr als 40 Jahren dem Vorstande der Cultusgemeinde an und war er zeitweilig auch deren Cassachef und auch Vicepräsident. Er war Mitglied der Stadtrepräsentanz und der Comitatscongregation. war Direclionsmitglied der Volksbank und Aufsichtsralh der Creditbank. Regen Antheil nahm er an der Gründung der israelitischen Volksküche, deren erstes gründendes Mitglied und : deren Cassier er bis zu seinem Lebensende war. Vor einigen Jahren zog er sich ins Privatleben zuruck und spendete damals dem christlichen Fraueuverein, dem Gymnasium und dem Comitatsspital je 2000 Kronen. Bald daraus wurde ihm das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen. Er war zeitlebens eine friedfertige Natur, jedoch mit sehr ausgeprägtem Selbstgefühl und erfreute sich allgemeiner Achtung. — Ehre seinem Andenken! — Anläßlich des Todesfalles wurde auf den Gebäuden des Comitshauses, Rathhauses, des Clubs der liberalen Partei, der Creditdank, der Volksbank und der israelitischen Volksschule Trauerfahnen gehißt. Die Familie, der israelitische Frauenverein, die israelitische Volksküche, der israelitische Schulstuhl, die Volksbank, die Creditbank und der Poel-Zedek-Verein haben Parten ausgegeben. Die Direction der Volksbank trat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, beschloß, das Andenken des Verstorbenen im Protokoll zu verewigen, hievon die Witwe zu verständigen, eine Parte auszugeben, an dem Leichenbegängniß corporativ theilzunehmen und als Kranzablösung den Betrag von 30 Kronen der israelitischen Volksküche zuzuwenden. Bielitz. Am 28. Jänner d. I. fand die Generalversammlung der hiesigen Chewra-Kadischa statt. Die Versammlung beschäftigte sich hauptsächlich mit der Frage der eventuellen Erbauung einer Friedhofmauer, für welche ein Kostenvoranschlag von circa 20.000 fl. eingereiht war. Nach der lebhaften Debatte, an der viele Pro- und Loutra-Redner theilnahmen, ergriff Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Steiner das Wort, um in einer formvollendeten und herzlichen Ansprache an die Pietät, die wir unseren Todten schulden, zu erinnern. Er sagte unter Anderem, daß es zu den höchsten Zielen der Humanität gehöre, das heilige Amt der Chewra-Kadischa mit Liebe auszuüben und seine eindringlichen Ermahnungen waren von Erfolg begleitet. Der Bau der Friedhofsmauer wurde beschlossen und die Ausführung desselben dem Herrn Architekten Kann übertragen. Bei der darauf erfolgenden Vorstandswahl wurden ernannt: zum Obmann Herr Salomon P o l l a k Präses der israelitischen Cultusgemeinde; zu Vorständen die Herren: Osias Schneck, Cassier. Albert Neumann, Ludwig Langfelder und Ignatz N e u m a n n; zu Vertrauensmännern die Herren Rudolf K e st e l, Julius A l tm a n n und Marcus H a a?ß. Nach Publicirung des Wahlresultates wurde die Sitzung geschlossen. Frankfurt a. M. Am 8. v. M. sprach im Verein für jüdische Geschich te und Literatur Herr Rabbiner Dr. Eschelbach er von Bruchsal, über die Semiten. Bekannt ist die Eintheilung der Bölkerstämme in Semiten, Hamiten und Japhetiten, deren Wohnsitze in der Bibel genannt sind. Nach dieser Quelle waren die Urbewohner von Babylon Hamiten, was vielfach angegriffen, aber durch die neueren Entdeckungen bestätigt worden ist. Das Land wurde später von den semitischen Chaldäern erobert, die sich mit den Urbewohnern verschmolzen. Auch in Kanaan bestand ein Vökergemisch; die daselbst lebenden Phönicier waren gleichfalls Hamiten, die aber eine semitische Sprache redeten, ebenso wie die germanischen Stämme in Spanien. Italien und Frankreich die Sprache der Einwohner annahmen. Ausdrücklich berichtet Herodot, daß die Phönicier eingewandert waren, daß sie ursprünglich am rolhen Meer wohnten, wo neben Hamiten auch Semiten saßen. Die Einwanderung in Kanaan fand längst vor der hebräischen statt. Südlich von ihnen wohnten die Philister, die aus Kreta stammten. Kreti und Pleti bedeuten Kreter und Philisters?) Die Hebräer nahmen dann die hamitischen Reste!in sich auf. Immerhin gelten Hebräer und Araber als die einzigen Vertreter der Semiten. Indessen kann von einer Raceneinheit nicht die Rede sein, sondern im besten Falle von einem vorherrschenden Racencharakter, als dessen Kennzeichen die Sprache anzusehen ist. Die Jndogermanen und die Semiten, welche zusammen die kaukausische Race bilden, sind die Hauptrepräsentanten der Culturracen überhaupt und die Schöpfer dessen, was wir Weltgeschichte nennen. Die ältesten Staatenbildungen, von denen uns die Geschichte berichtet und zwar schon im 4. Jahrtausend, sind die der Babylonier und Assyrer. Welches Ansehen Babylon noch in später Zeit genoß, beweist die Thatsache, daß Alexander der Große es zum Mittelpunkt seines Weltreichs zu machen gedachte. Großartig sind die Leistungen dieses Volkes nicht nur in Ackerbau und Industrie, sondern auch in den Wissenschaften. Von ihnen kommt das auf 12 und 60 gebaute Zahlen-, Münz- und Gewichtssystem. Sie besaßen eine große Literatur und waren hervorragend in den verschiedenen Zweigen der Kunst. Ihre Schüler waren die Griechen; die Vermittler ihrer Lehren nach außen, die Phönicier, eine Vermischung von Hamiten und Semiten. Diese dehnten ihre Schiffahrt weit hinaus, gründeten in entfernten Gegenden Colonien, z. B. das berühmte Karthago, und waren vielleicht auch die ersten Entdecker von Amerika. Nach ihrer Stadt Sidon wurde die Seide genannt (?). Sie waren die Erfinder des geprägten und des Zeichengeldes. Ihre Colonien finden sich in den Alpen, bestanden wahrscheinlich auch schon im 2. Jahrtausend in großer Zahl in Italien und Griechenland, diese aber wurden von den Herakliden zerstört. Sicher ist, daß die Keime der europäischen Cultur von daher kamen, der Name Europa selbst stammt von Erew, Abend; Kadmus von Kedem, Osten. Außer dem Bergbau und der künstlichen Bewässerung hat der Westen vor Allem die Buchstabenschrift aus dem Orient bekommen. Bon der Literatur der Edomiter, Moabiter u. s. w. hat sich nichts erhalten, dagegen sollte der kleine Rest der von dem israelitischen Schriftthum übrig geblieben ist, hinreichen, um jedes absprechende Urtheil über den Geist der Semiten fern zu haPen. Nach und nach gingen alle semitischen Völker unter. Aus dem Gemisch der römisch gewordenen Nationen retteten sich allein die Israeliten und die Araber. Die letzteren im siebenten Jahrhundert durch die Einheit des Glaubens zu einem Volke verschmolzen, verstanden es, sich die Weisheitsschätze der von ihnen unterworfenen Länder anzueignen und weiter zu verpflanzen. Christliche und jüdische Gelehrte bildeten sich in den maurischen Hochschulen Spaniens. Sogar das Ritterthum wird von Adolf von Schack auf das Vorbild der Mauren zurückgeführt. Nicht nur Spanien blühte unter maurischer Herrschaft, auch die Euphratländer florirten, bis sie, durch fortwährende Streitigkeiten zerüttet, in die Hände der Seldschuken und Türken fielen. Die Mauren Spaniens wurden nach Nordafrika zurückgedrängt, dort sind sie im Verkehr mit Berbern und Kabylen von der Höhe ihrer Cultur herabgesunken. Seit mehreren Jahrhunderten ruht eine schwere Erschlaffung auf den islamitischen Völkern. Haben deßwegen die Semiten ihre Rolle ausgespielt? Nein, die Geschichte lehrt, daß kein Volk auf die Dauer seine Macht und geistige Kraft unvermindert erhält und auch vor Westeuropa steht drohend die jugendliche Macht Rußlands und Amerikas. Der Name Semiten, den die betr. Völker niemals gemeinsam geführt hatten, ist erst durch die Entwicklung der Sprachwissenschaft entstanden. Man suchte nunmehr ein Charakterbild von ihnen zu entwerfen, dies that insbesonders Renan, der, zerfallen mit dem Christenthnm, für alles, was ihm daran mißfiel, das alte Testament verantwortlich machte! Wenn er auch später seine Behauptungen wieder zurücknahm, so ist doch sein weitverbreitetes Werk hauptsächlich daran schuld, daß heute vielfach die Semiten als untergeordnete Race betrachtet werden. Die Lehre von der Ursprünglichkeit der Racen ist indeß wissenschaftlich vollkommen überwunden; aber wie dem auch sei, wozu das Bestreben einander abzuschätzen und herabzusetzen? Als Vorbild für die Betrachtung der Menschen und Völker tritt uns die Lehre der Bibel vor Augen. Sie verkündet von Anfang an die Einheit des Menschengeschlechtes, und was die Bildung der verschiedenen Racen betrifft, so hat der Talmud gelehrt: „die Schönheit Japhets möge wohnen in den Zelten Sems'." Weitherzig haben die jüdischen Lehrer des Mittelalters gelernt von

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