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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-02 · 5 (2.2.1900) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
5 (2.2.1900)
Date
1900-02-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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'Jir. 5 Seite 91 Dr. Bloch'5 wochrnschrist» wurde. In ergreifenden Worten begrüßte Obmann Weiß die entsandten Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde: Edlen von Mises, Dr. Spitzer, Dr. Berger, den Abgeordneten des H. Bezirkes Hofrath Kar eis, den Repräsentanten der türkischen Gemeinde A d u tt, sowie alle erschienenen Deputationen der Wohlthätigkeitsvereine Wiens und die Corporationen. Dem Weiheacte schloß sich ein Festbankett an, welches mit einem vom Obmanne der Unterstützungssection, P o l l a k, gesprochenen Trinkspruch auf den Kaiser eröffnet wurde. Hieran reihten sich zahlreiche, die reichen Verdienste des Vorstandes würdigende Tischreden. Freiwillige Spenden ergaben eine namhafte Summe für den Unterstützungsfonds des Vereines „Montefiore". Wien. Die „Chewra-Kadischa" in Fünfhaus ^veranstaltet aus Anlaß des 7. Adar am Montag den 5. Februar 1900 um 5 Uhr Abends im Fünfhauser Tempel einen Trauer-Gottesdienst für die verstorbenen Mitglieder und ladet sowohl alle Mitglieder als auch Nichtmitglieder ein, dieser würdigen Feier beizuwohnen. Diesem Gottesdienste anschließend, findet eine Chewra-Suda in Herlinger's Restauration statt, welche bei dieser Chewra blos jedes 10. Jahr veranstaltet wird. Dieses Festmahl, zu welchem von Seite mehrerer Rabbiner und Prediger, al§. auch von dem löblichen Cultusvorstande, so auch Vertretungen von Vereinen ihre bestimmte Theilnahme zugesagt haben, verspricht einen besonders vergnügten, außergewöhnlich amüsirenden Abend zu bieten und sind Theilnehmerkarten bis Sonntag den 4. Februar 1900 beim Präses-Stellvertreter, Herrn H. Neufeld, erhältlich. Wien. (Leopold st ädter Franc n-W ohlthätigk e i t s v e r e i n.) In der unabsehbaren Reihe der Humanitären Vereine, welche in den letzten Jahren in Wien entstanden sind, nimmt der Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeitsverein eine Ausnahmsstelle ein. Er hat trotz der kurzen Zeit seines Bestandes einen derartigen Aufschwung zu verzeichnen, daß er sowohl was die Zahl der Mitglieder, als auch die ersprießlichen Leistungen auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit anbelangt, viele der ältesten Vereine überflügelt hat. Die zielbewußte Leitung dieses unter dem Präsidium der Frau kaiserlichen Rath K o h n stehenden Vereins arbeitet rastlos auf den verschiedensten Zweigen der Armenpflege, als Unterstützung erwerbsunfähiger alter kranker Frauen, Witwen und Waisen, sie legt das Hauptgewicht auf die präventive Hilfe in der Form, daß Mädchen mittelloser Eltern, insbesondere aber Waisen, welche der Schule entwachsen sind, sowohl von dem Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort, einer Schöpfung des Vereines, erhalten werden, als auch durch constante externe Unterstützungen in die Lage versetzt werden, sich eine Existenz zu gründen. Um den gesteigerten Anforderungen zu entsprechen, veranstaltet der Verein alljährlich ein Wohlthätigkeitsfest. Auch Heuer hatte es seine Getreuen ftir vergangenen Mittwoch in die Sofiensäle geladen, woselbst Meister B l a s e l mit seiner Truppe eine äußerst gelungene Varietevorstellung und Theater arrangirte. Die Regie war in den bewährten Händen des Herrn Leopold B l a s e l. Es war jedenfalls ein Novum, in den bisher fast ausschließlich dem Tanze gewidmeten, vornehmen Räumen der Sofiensäle nunmehr auch eine Varietevorstellung zu veranstalten. Jede einzelne Programmnummer fand seitens des zahlreich erschienenen Publikums beifällige Aufnahme. Bei den im Saale aufgestellten Blumenzelten ging es lustig zu. Den Herren wurden von den anmuthig hübschen Damen Blumen angeboten, und zwar im ersten Zelte von den Borstandsdamen Vicepräsidentin Frau Professor Singer, Frau Louise Bäck und den Comitsdamen Fräulein Lotte B e r m a n n, Elsa Soffer und Valerie Wertheimer; im zweiten Zelte von der Präsidentin Frau kais. Rath Dr. K o h n, Frau Käs und den Comitedamen Fräulein Emma Brüll, Fräulein Ella F i o n und Sofie Wertheimer. Nach der Vorstellung fand ein animirtes Tanzkränzchen statt, zu welchem die Capelle des Infanterie-Regimentes Nr. 64 eine vortreffliche Musik besorgte. Wie beim vorjährigen Feste, widmete auch diesmal das Comitsmitglied Herr Stud. jur. Leo Ascher dem Vorstande einen melodiösen Walzer „Edle Herzen", welcher stürmischen Beifall fand und mehrmals wiederholt werden mußte. Ebenso fand ein vom Herrn Musikdirektor Herlinger dem Comite gewidmeter Walzer „Leopold städter Frauen" die beifälligste Ausnahme. Das Tanzarrangement ruhte in den bewährten Händen des Tanzmeisters Julius Singer, welcher einen glänzenden Cotillon, die Initialen des Vereines darstellend, veranstaltete. Inzwischen versetzte die bewährte Saloncapelle Herlinger im kleinen Saale das anwesende Publikum durch ihre Vorträge in die animirteste Stimmung. Der Besuch läßt hoffen, daß sich zum moralischen auch noch ein ansehnlicher materieller Erfolg gesellen wird. Das Fest fand unter dem Ehrenpräsidium des Herrn Hofrathes K a r e i s statt und hat sich vor Allem neben dem rührigen Damen- und Herrencomite das Exekutivcomite, an dessen Spitze Herr Profeffor Richard Singer als Obmann, die Herren Dr. Josef W i n t e r n i tz, Dr. Norbert K a n i tz und Benno R o t h z i e g e l als Obmann-Stellvertreter, Herr Edmund Groag als Schriftführer. Herr Sigmund Wurzel als artistischer Leiter. Herr Leopold Spitzer als Obmann des Junge Herren-Comite, die Frauen Dr. Elise Wintern i tz und Cäcilie Frankl, als Caffierinnen standen, sowie sämmtliche Beiräthe des Vereines um denselben außerordertliche Verdienste erworben. Unter den Anwesenden bemerkten wir Hofrath K a r e i s, Bezirksausschuß E l t b o g e n sammt Frau, sowie eine ganze Reihe von Functionären, welche dem großen Comitö angehörten. Bon den vielen Ballschönheiten seien erwähnt die Damen Ella G r ü n s f e l d, Johanna B r o d y, Gisela und Olga Bock, Hermine und Josefine Kohn, Zerline Bauer, Paula K u i n o, Ernestine I e l l i n e k, Rosa A b e l e s und Grete und Olga Winter. Wien. (JsraelitischerHumanitätsverein für die westlichen Bezirke.) Die von diesem Verein am 24. d. M. im Hotel Savoy veranstaltete Akademie hat einen glänzenden Verlauf genommen. Der Festsaal war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt, als Frl. Hetsey einen stimmungsvollen, von Herrn R. Winternitz verfaßten Prolog sprach. Auch die Damen Glöckner und Revy, sowie die Herren Pohland, Pahlen und das Knepler-Quartett fanden lebhaften, verdienten Beifall. Der folgende Tanz wurde von den Paaren Frl. Irene Bauer- M. Polatschek, Frl. Elise Toffler-M. Winter, Frau Rosa Taglicht- V. E. Heim, Frl. Jda Deutsch-H. Löw, Frl. Ella Friedrich- Dr. W. Polaczek, Frl. Grete Friedrich-Hugo Knepler, Frl. Dora Bauer-A. Chat, Frl. Ella Chat-N. Adler, Frl. Helene Gewitsch- Ed. Paschka, Frl. Johanna Waller-M. Reschofsky u. A. eröffnet. Die vom Herrn Operntänzer Rumpel arrangirte Quadrille, sie vereinigte 140 Paare, verlief glänzend. Erst in früher Morgenstunde trat man den Heimweg an. Neu-Sandee. Bei einem hier ansässigen Juden Namens Sprei war eine christliche Magd bedienstet, welche eines Abends, als sie sich in vorgerückter Stunde auf der Straße befand, verhaftet und auf die Polizei gebracht wurde. Da man Anfangs nicht wußte, wo sich die Magd befindet, kamen die Eltern derselben mit einem Gefolge von Bekannten aus demselben Dorfe zu dem erwähnten Juden, und forderten ihre Tochter, die, wie sie sagten, zu rituellen Zwecken geschlachtet worden sei, unter heftigen Drohungen zurück. Zum Glücke gelang es Herrn Sprei zu erfahren, daß das Mädchen im Spitale untergebracht sei und er entging so den Gefahren, die ob dieser gräßlichen Anschuldigung ihm drohten. Wäre es nicht möglich gewesen, den Aufenthaltsort des Mädchens bald zu eruiren, so hätten die Antisemiten sicherlich wieder einen Ritualmord constatirt. Prag. In den Prager Zeitungen lasen wir dieser Tage die Nachricht, daß die Kohlen-Firma S. L. Reiman's Söhne der Prager Stadtgemeinde 4 Fuhren Kohle und den Vororten je 50 Metercentner Kohle für die Armen geschickt hat. In dieser riesigen Kohlennoth, die hier herrscht, ist das ein löbliches Geschenk, welches diese Firma den Armen Prags und der Vororte gemacht hat. Wie ging aber die Prager Gemeinde mit dieser Kohle einer jüdischen Firma um? Laut Bericht des Stadtrathes wurden diese 4 Fuhren Kohle in 2 rein christliche Stadtviertel vertheilt und die armen jüdischen Bewohner der Josefstadt können erfrieren. So löst man bei uns die sociale Frage. Es drängt sich aber jedem nüchtern denkenden Menschen unwillkürlich die Frage auf, was veranlagte die Firma Reiman, daß sie an ihre jüdischen armen Mitbürger vergaß und diese Kohlen blos der Stadtgemeinde schenkte, ohne die Bedingung zu stellen, daß auch die armen Juden betheilt werden sollen?!! Sind solche Thaten in bedrängter Zeit vielleicht ein Entgelt für all die Unbill, welche uns der riesig sich vermehrende Antisemitismus seit letzter Zeit in jeder Hinsicht zugefügt hat? Oder glauben vielleicht die Herren bei den verschiedenen Stadtgemeinden sich einzuschmeichelu. vergessend, daß sie trotzalldem Juden bleiben und sind? Wahrlich eine theuer erkaufte Reclame, auf Kosten der armen jüdischen Mitbürger.

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