Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 5 (2.2.1900)
- Date
- 1900-02-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Leite 90 Br. Dwch's WoarsnschrtfL. Sir. 5 Wie wenn der Löwe zum Sprunge zu schauen Aus Abgrundtief ihm blmkt das Ideal Das sonnengleich erhellet das Weltall. 6. Wo sind sie hin? Der Sfinx nur ist'« bekannt, Die ihre Räthsel läßt den Menschen rathen, Profetenweisheit ist für sie nur Tand, Und eitel Streben alle ihre Thaten. Verklungen ist die Profetie, wie Sand Beinah' die Spur von ihnen ist verwischt, Und statt Erlösung wogt das Zweifels Gischt. 6. Entfremdet hat sich ihnen schon die Welt, Profet zu sein, war Aergerniß dem Volke; Nach anderer Labsal hat der Mensch gestellt Den Blick und nicht nach Manna aus der Wolke; Zur Ruhe Leichtsinn rühmlos sich gesellt, Und denken, kämpfen, leiden manches Jahr Ist Mühe, - für die heut nur taugt der Narr. 7. Des Herzens Wunden auszustellen Macht lächerlich und fad dem Weibe, - Obschon die Herzen alle schwellen / Naturgemäß in jedem Leibe, / Doch unbekümmert um sie bleibe Der Seher, laß die Lieder gellen In brandend wirre Zukunftswellen. 8. Es gibt noch hoffuurwÄsftsHerzen Bedürfend milper. Dtvstesworte, Die Furchthefangen und mit Schmerzen, Steh'n trostlos an der Zukunftspforte; - - Und diesen sei zum Fels und Horte, Zum Leuchtthurm in dem Strudel der Thoren Das Hohelied, von der Löwin geboren'! J KoheletF (Aus dem VII. Bande der Gesammtausgabe: Sfinx. Str. 29, 30.) Entblättert bebt im Wind des Baumes Krön' Und finster, träge naht bereits die Nacht. Dem Nest am Dach entflog d^Wogel schon, Das Schilf im Teiche nur hält müde Wacht. Beiseite legt der alte Jud' das Fell, Worauf er schrieb von herbem Leid erfaßt; Beschattet sieht er Alles und doch grell Wie auf des Weltalls Grabe haltend Rast. Vergangner Tage Last ihn beugt und rührt, Ihn schmerzt der Lampe flackern, Tageslicht, Der ganzen Menschheit Müdigkeit er spürt Und sieht, wie Sonnenbrand die Scholle bricht. Er sieht der Wandrer fruchtlos irren Schritt, Der Hände Schwielen und der Schläfen Schweiß, Der Galle Bitterkeit, des Fiebers Tritt Des Sterbens und Gebärens ew'gen Kreis. Wie Bodensatz des Weibes schäumet wild, Wenn Wohllust hat den Becher ausgeleert. Wie Männerlächeln kaum den Haß verhüllt Und jauchzend Unrecht an dem Rechte zehrt. Dies Alles im Kohelet schreibt er hin Und sagt man ihm „Nur ruhig fürder bleib, „Begreife nicht der Schöpfung hehren Sinn, „Denn träg zum Kusse nimmer wird das Weib, „Die Blüthe duftet weiter, der Vogel singt, „Und neu auflebt, was eitel du genannt, „Dem Kerne neues Leben sich entringt, „Das in der Frucht verborgen war, gebannt." So spricht kopfschüttelnd der graue Jud' darauf: „„Wen geht auf Erden mein Gekläffe an, „„Wenn Gott im Himmel es nicht bringet auf? — „„Ich Hund sagt, was ich wollt — und schweige dann"". Der Ring des Königs Salomo. (Aus dem X. Bande der Gesammtausgabe: Llvje sonata, Str. 57.) Wenn König Salomo in seinem Ring den Edelstein Gedreht, so sah er in des Partners Seele hinein, Er sah beim Schmeichler, Heuchler, wie des Herzens Tiefe Geheim von Haß und Neid und Mißgunst triefe. Und wenn im Harem müd' er ruhte auf den Kissen Und mit dem Edelsteine drehte, satt von Küssen, So sah er an der Stelle reiner Liebesflammen Wie seine Weiber scharren Gold und Schmuck zusammen Wie Mund und Miene und die Augen ihn betrügen, Und in der Weiberschönheit goldnem Nahmen liegen Unzählbar gift'ge Schlangen, stets bereit zum Bisse Zum Morde fähig selbst die allerliebste Süße. Und schmerzerfüllt wirft er den Ring mit Edelstein Hinab in's Meer, begnügt sich dann bloß mit dem Schein, Und war seither ein Weiser. Orientalische Weisheit. (Aus dem XII. Bande der Gesammtausgabe: kavnemz-, Str. 72.) Kommt dir Morgens eine schöne Maid entgegen, So wird deine Wege zieren Blumenflor; Weilt jedoch ein altes Weib in deinen Wegen, Nun so steht ein großes Unglück dir bevor. Aber bei Begegnung holder Maid, o Thor Lauert auf die Tugend Fahrniß allerwegen. Deshalb Jüngling bleib nur schön zu Hause, Lob den Herrn bei Wein und süßem Schmause! Correspondenzen. Wien. (Zum Artikel über die Haggadah von Serajevo.) Die in Nr. 2 unseres Blattes erwähnten 26 Blätter Copien, ausgeführt vom Architekten Herrn Max Fleischer, sind vom 2. Februar d. I. ab durch circa 10 bis 12 Tage im Secretariat der Wiener israel. Cultusgemeinde, im Zimmer des Herrn kais. Rath Dr. Lieben, I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock zur freien Besichtigung ausgestellt, u. zw. täglich in den Stunden von 10 Uhr Vormittag bis 2 Uhr Nachmittag. Wien. (Anklage gegen Professor Masaryk.) In dem Processe gegen Professor Masaryk wegen der von ihm veröffentlichten Broschüre in der Polnaer Angelegenheit ist heute seinem Vertheidiger Dr. Körner die Entscheidung des Oberlandesgerichtes zugekommen, wonach dem Einsprüche keine Folge gegeben wird. Es wird also zu einer gerichtlichen Verhandlung in dieser Sache kommen. Wien. Herr Professor Joseph Sulz er, der würdige Sohn seines großen Vaters, dessen ausgezeichnetes Können wir im letzten Concert der „Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst und historischen Denkmälern des Judenthums" zu bewundern Gelegenheit hatten, hat von dem Vorstande der genannten Gesellschaft nachstehendes Schreiben erhalten: „Hochgeehrter Herr Professor! Die von unserer Gesellschaft veranstaltete, unter Ihrer Leitung durchgeführte Gedenkfeier zu Ehren weiland Salomon Sulzer's hat am 20. d. M. in glänzender Weise stattgefunden. Die geistvolle Zusammenstellung, sowie die Reichhaltigkeit des Programmes und das sorgfältige Studium der Chorgesänge haben diesen außerordentlichen Erfolg erzielt. Der Enthusiasmus, welcher die Mitwirkeuden erfüllte, hat sich auch dem gesammten Publikum mitgetheilt. Die Sulzerfeier gereicht unserer Gesellschaft zur Ehre, sie hat aber auch auf das ganze, den gebildeten Kreisen der Bevölkerung angehörende Auditorium einen mächtigen, unauslöschlichen Eindruck hervorgerufen. Wir fühlen uns daher gedrängt, Ihnen, hochgeehrter Herr Professor, unseren wärmsten Dank für Ihr künstlerisches Wirken, für Ihr uneigennütziges, unablässiges Bemühen auszusprechen und die Versicherung hinzuzufügen, daß wir Ihre Verdienste um die Sache wie um die Gesellschaft nie vergessen werden. Empfangen Sie, hochgeehrter Herr Professor, den Ausdruck unserer vollkommenen Hochachtung, Wien, 25. Jänner 1900. W. Stiaßny, Präsident. Adolf R. v. Sonnenthal, Prof. A. Politzer, Vice-Präsident. Vice-Präsident. Max Fleischer, Schriftführer." Wien. (B e t h a u s - Ei nwei h un g.) Dank den jahrelangen Bemühungen seines Obmannes Jacob Weiß hatte der große Humanitären Unterstützungsverein „Montefiore" ein im maurischen Styl ausgeführtes Bethaus vollendet, das sich als eine Stätte der Andacht erweist, vessen Einweihung am 28. d. durch Rabbiner Kramer und Obercantor S ch o r r vollzogen