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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-02 · 5 (2.2.1900) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
5 (2.2.1900)
Date
1900-02-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 5 Vr» Bloch's Wochenschrift Seite 89 ligiou, die des Judenthums, mit einer hochentwickelten Wissenschaft, der griechischen, zusammen; erst da ist der Boden für die Religionsphilosophie geschaffen. Das hellenische Judenthum, der jüdische Hellenismus, hat in umfassendster und wirksamster Weese dem Christenthum den Eieegang in die griechische Welt gebahnt. Seit dem VI. Jahrhundert vor Christi Geburt waren die Juden nicht mehr in enge Grenzen gebannt; äußerer Zwang und eigene Handelsinteressen hatten sie in alle Welt gebracht. Besonders zahlreich aber waren sie in Egypten, wo ihre Zahl um Christi Geburt aus eine Million geschätzt wurde; wo sie in Alexandrien zwei von den fünf Quartieren bewohnten und ihren eigenen Tempel hatten. Ihre Sprache war das Griechische. Ganz merkwürdig ist ihre geistige Bildung und Production. Eine hervorragende Leistung ist die um das Ende des dritten Jahrhunderts begonnene und im Laufe von etwa 150 Jahren vollendete Uebersttzung des Alten Testamentes, die nach einer ansprechenden Legende Septuaginta, das Buch der Siebzig, heißt. Auch einzelne Bücher der Apokryphen sind in Alexandrien entstanden. Anderseits suchten die alexandrinischen Juden ihre Weisheit auch unter fremder Maske einzuschmuggeln: jüdischen Ursprungs ist das unter des Phokylides Namen bekannte Lehrgedicht, sind die sibyllinischen Sprüche und anderes. Philo, um das Jahr 30 vor Christi geboren und einer vornehmen Familie angehörend, führte das zurückgezogene Leben eines Weisen und Gelehrten. Ohne Asket zu sein, legte er auf äußere Dinge keinen Werth urd beklagte es, wenn die Geschäfte des täglichen Lebens ihm die ungestörte Versenkung in das Studium der heiligen Schriften nicht gestatteten. Das wichtigste Datum aus seinem Leben ist die von ihm geführte Gesandtschaft der alexandrinischen Juden an den Kaiser Caligula im Jahre 40 nach Christi Geburt. Seine Werke sind fast vollständig erhalten, die meisten in griechischer, einzelne auch in armenischer und lateinischer Fassung. Wahrscheinlich waren es ursprünglich nur drei große Werke, die erst nachher in einzelne Theile zerlegt wurden, nämlich: 1. Die Erklärung der fünf Bücher Moses, in Fragen und Antworten. 2. Der gleiche Stoff, aber für Vorgerücktere, Mysten, wie Philo sie nennt, bearbeitet, mit stark betonter allegorischer Deutung und breiter Ausführung einzelner Partien. 3. Wieder das gleiche, doch mehr systematisch behandelt und für weitere Kreise berechnet. Hiezu kommen noch kleinere Schriften. Wahrscheinlich untergeschoben ist das Buch „de vita contemplativa“, welches das Leben der Therapeuten, einer Art Einsiedler oder Mönche, schildert. Philo erklärt und vertheidigt die heiligen Schriften, das Gesetz Gottes, und wendet sich dabei an Juden und Heiden und au die Vertreter der verschiedensten Geistesrichtungen. Sein Stil ist stark rethorisch, weitläufig, kunstvoll, dabei aber klar. Manche Stellen der Werke sind geradezu ergreifend. In der Diction schließt er sich am ehesten an Plato an, er hat aber auch manches von den Stoikern und Pythagoreern. Die griechische Literatur ist ihm wohlbekannt — er citirt häufig Homer und Euripides — weniger die hebräische, wie er denn auch seiner Schrifterklärung die Septuaginta, nicht den hebräischen Urtext, zu Grunde legt. Doch ist es nachweisbar falsch, wenn man ihm sogar die Kenntniß der hebräischen Sprache abspricht. Er kennt auch und befolgt die Lehre und Methode der Haggada. Philo's Lehre ist vorwiegend griechisch. Moses trägt bei ihm platonisch-stoische Gedanken vor, da er, wie Philo sagt, in Egypten den Unterricht griechischer Weisen empfangen hatte. Thatsächlich zeigt sich um Christi Geburt eine große Convergenz der Geistesrichtungen. Auf griechischem Gebiete war durch Aenophanes, Protagoras, Aristoteles die Stoa des Monotheismus bereits eine Macht geworden, ein Monotheismus, der den Polytheismus in sich schloß. Anderseits wurde gegen Ende des Judenthums Gott immer abstracter gedacht, und es entwickelte sich die Lehre von den Mittelwesen, den Engeln, die dann in Beziehung gesetzt wurden zu den platonischen Ideen und den enttrohnten Göttern des Olymp. Philo hat die Synthese vollzogen. Gott ist ihm „der Seiende, das Seiende, das Eine", er ist unendlich, rein geistig, ohne Eigenschaft, die reine Negation. Philo nimmt aber diese Aussagen theilweise wieder zurück, wenn er Gott „Führer, Aufseher, Vater, Künstler" nennt; denn sein Gott regiert wirklich die Welt, er ist nicht eine Vereinigung aller Gegensätze, respective völlige Indifferenz, wie im Neuplatonismus. Vom Platonismus hat Philo die Lehre von der Schlechtigkeit der Materie übernommen. Da nun der Geist gut ist, kann Gott nicht in directer Verbindung mit der Welt stehen; vielmehr hat er sie geschaffen und leitet sie durch Zwischenwesen „Ideen, Mächte, Dämonen" (wofür wir in familiärer Weise Engel sagen) in unbegrenzter Zahl. Dazu gehören auch die enttrohnten Götter des Olymp. Die zwei obersten dieser Wesen sind Güte und Gerechtigkeit; sie sind hypostasirt, aber nicht völlig personificirt. Daneben gibt es noch einen obersten Herrn über alle Geister, den Logos („das Wort"), d. h. die sprechende und handelnde Weisheit Gottes. Allerdings kommt schon in den Proverbien die Weisheit als Trougenossin Gottes vor, doch nur im Bilde. Dieser Logos nun thut, leitet, schafft alles, auf ihn werden alle Epitheta gehäuft, er ist Gott, das Thor zu Gott, das göttliche Licht, der Hohepriester und Anwalt der Menschen, die Mittelperson zwischen Menschen und Gott, er einigt die geistige und sinnliche Welt. Philo vertritt nicht als erster die Logoslehre, aber er gestaltet sie aus. Auf christlichem Gebiete erscheint sie zuerst im Jobannesevangelinm und gewinnt mit der Zeit eine ungeheure Bedeutung. Aus ihr entwickelt sich später die Trinitätslehre. Freilich, daß der Logos Fleisch werde, ist nach Philo's Gedankengang unmöglich. Noch Philo ist aber die Erkenntniß Gottes durch den Logos nur elementar; der Erwachsene, der Weise, erkennt Gott, über den Logos hinausgreifend, auch unmittelbar. Es geschieht dies im Zustande der Ekstase, der Erleuchtung, und diese Ekstase kann nicht erzwungen werden, sondern sie ist eine Gnade, eine Gnade jedoch nur in intellectuellem, nicht in ethischem Sinne wie bei Paulus. Die Gnade ist ein tiefer, sie ist aber auch der einzige wirklich religiöse Geoanke Philo's; alles übrige ist Speculation. Sehr merkwürdig ist das stoische Weltbürgerthum Philo's, feine Hoffnung, daß einst die Schranken zwischen Menschen, Städten, Ländern und Erdtheilen fallen würden. Formell steht er damit auf dem Standpunkte des Paulus, aber er hebt nicht wie dieser das jüdische Gesetz auf. Obwohl mit feiner Lehre weit über das jüdische Gesetz hinausgehend, lebte Philo als jüdischer Aristokrat genau nach dem Gesetz, er hielt es. um der andern willen. Das war ehrenhaft in jener Zeit, da Verachtung und Schmähungen gegen die Inden etwas Gewohntes waren. Bei einer Zusammenstellung Philo's mit Paulus ist überhaupt größte Vorsicht geboten, denn unter gleichem Namen gehen bei den beiden oft ganz verschiedene Begriffe; man denke an die Gnade und den Logos. Hqbräische Melodien- Uebersetzungen aus Jaroslav 3S,-ci)ltc£y’3 Gedichten von Dr. Josef /alud, Advocaten und Landtagsabgeordneteu in Prag. Profeten. (Aus dem VII. Laude der Gesammtansgabe: Sfinr, Str. 23, 24, 25.) 1. In Ohnmacht machtlos als die Welt sich wand, Am Halme kaum sich sinkend noch erhielt. Der Menschheit immer ein Profet erstand An blasser Stirne den Gedankenschild; Auf weiter See zuerst erblickt er Land, Im Reich der Sclaven war er Friedenshort. Besiegt, erobert es — durch Flammenwort. 2. Ans Nacht er kam, von Müttern unbekannt, Erschloß die Thore unbekannter Welten. Tyrannenwuth. des Pöbels Unverstand Nicht ließ er seiner Siegeslaufbalm gelten Verachtend Schmeichelei und rohes Schelten — Die Feuerfackel schwang er in der Hand, Doch größeres Feuer in ihm selber brannt'. 3. Der Dichtung Adler um das Haupt ihm flog, Barfuß er ruhte in der Flügel Schatten. Aus unbekannten Händen Speis er sog, Und unter Löwen Schlaf umfing den Matten. Sein Wort war Graus, wohin der Ruf ihn zog, Wie Meeresbrandung, Waldesbrausen, Des Samums sandig sengend Sausen. 4. Im Aug' die Sonn', besudelt die Wangen Und Gottesworte unter Augenbrauen, So rast der eine wahnumfangen Der andere donnert, seufzt und stöhnt zum Grauen.

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