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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-02 · 5 (2.2.1900) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
5 (2.2.1900)
Date
1900-02-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5 Dr. Blvch's WochenfchrW Seite 87 gerichte Josef Cejp aus Rohdusin bei Neustadt an der Mettau eingeliefert. Er kam mit der Staatsbahn von Nachod gefesselt an und wurde von zwei Gendarmen escortirt. Cejp hat bekanntlich unter Eid Herrn E. K o h n in Nachod beschuldigt, dieser habe sein Dienstmädchen Marie Cervenka ermordet. Auch nach der Auffindung der Leiche des Dienstmädchens in der Mettau hatte er auf seiner Aussage beharrt. Nach durchgeführter Untersuchung wurde er nur wegen falschen Eides, sowie gleichzeitig wegen anderer Delicte dem Kreisgerichte eingeliefert. * * * Auch eine geistreiche Unterhaltung. Miletin, 22. Jänner. Beim letzten im Jänner 1900 stattgefundenen Balle des Sokols in Miletin in Böhmen, stellte ein Bruder Sokol den Juden Hülsner (zida Hülsnera) zum größten Ergötzen der Theilnehmer dar. Ob eine derartige Unterhaltung, die nur zur Verrohung und Erregung der Gemüther geeignet ist, mit den Grundsätzen des Sokols, der auf seinem Banner „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" geschrieben hat, vereinbarlich ist, das überlassen wir den Herren selbst zur Beurtheilung. Die Juden in Afrika. Zu dem unter diesem Titel in Nr. 3 Ihres geschätzten Blattes, Seite 48—50, veröffentlichten historischen Aufsatze von Dr. Samuel Krauß, erlaube ich mir hiermit in Folgendem auf eine nicht uninteressante Stelle eines alten Bibel-Commentars aufmerksam zu machen. Der geehrte Herr Verfasser erwähnt im Eingänge seines trefflichen Artikels bei der Besprechung Egyptens die Legende aus einer Sammlung aethiopischer Apokryphen, wonach die Reptilien des Festlandes und die Krokodille der Flüsse auf das Gebet des Phropheten Jeremias vertilgt worden seien und knüpft hieran die Bemerkung an: „Drückt sich in diesen Sagen nicht der Gedanke aus, daß die Juden für das Land, welches sie freundlich aufnimmt, zum Segen gereichen oder doch zum Segen gereichen wollen?" Zu dieser Behauptung findet sich eine höchst bemerkenswerthe Bekräftigung im Thora-Commentare des R. Chananel zu Ex. X, 14. Dort erzählt der jüdische Gelehrte, daß seit dem Gebete Mosis für die Erlösung Egyptens von der Heuschreckenplage dieses gefährliche Jnsect auf egyptischem Boden n i e mehr Schaden anrichten konnte. Ja, sogar, wenn sich manchmal Heuschrecken, die über P a l ä st i n a niederfielen, auf egyptisches Gebiet verirrt haben, hätten sie von der Frucht des Landes nichts genossen. Dieses Wunder war damals, wie R. Chananel bemerkt, eine allbekannte Thatsache. Dies ist also ein Beweis, daß die Juden nicht nur für das Land, das sie freundlich aufninlmt, sondern auch für das Land ihrer ärgsten Bedrücker in einer Zeit, da sie sich anschickten, dasselbe auf Nimmerwiedersehen zu v e r l a s s e n, den göttlichen Segei herabgefl ht haben, einen Segen, der selbst dem gelobten Lande Kanaan nicht zu Theil geworden ist. Die nach Preußen hinüber schielenden Deutschnationalen, oder die mit Rußland liebäugelnden Czechen, denen Oesterreich noch lange nicht das Mizraim der Juden ist, mögen sich von den Juden in Patriotismus eher eine Lection geben lassen, bevor sie dieselben als vaterlandslos schmähen. Koztüw, Galizien, 25. Jänner 1900. Joachim Neiger. Aus einer allen Zeitschrift. Carl Gutzkow's „Telegraph für Deutschland". (Hamburg. Jahrgang 1844.) Das Wort „jüdisch". (März. Nr. 48, S. 190): „Was der Antipathie der Christen gegen die Juden besonders ausgesetzt bleibt, ist ein Complex von Eigenschaften, den man mit dem Worte jüdisch bezeichnet. Dieser Ausdruck, wie er im täglichen Leben gang und gäbe ist, paßt jedoch auf Jude und Christ; er bezeichnet die Handlungsweise und die Gesinnung des Individuums, ganz abgesehen von seinem religiösen Glauben. Wie viel Christen gibt es, die uns ihres jüdischen Benehmens wegen verhaßt werden, und wie viele Juden sind, die wir lieb gewinnen, weil nichts Jüdisches an ihnen ist. Auf welche Weise gerade dieser Ausdruck zum Träger einer herrschenden idiosynkratischen Spannung der Geister werden mußte, lehrt uns die lange Leidensgeschichte der Juden, und aus ihr lassen sich auch die hauptsächlichsten Eigenschaften definiren, deren Gesammtheit uns als das Jüdische in der Form abstößt. Es gibt ganze Völker, die mitten im Sproß des Christenthums einen jüdischen Charakter aufweisen. Der Begriff des Jüdischen hat sich in unserer Zeit von dem des Judenthums gelöst, so gut wie sich in manchen protestantischen Ländern der Begriff des Katholischen von dem Katholicismus gelöst hat. Wo die Juden aufgehört haben, jüdisch zu sein — und wie viele sind unter uns, von denen wir dies behaupten dürfen — da wird es eine Barbarei sein und bleiben, ihnen die Menschenrechte, deren sich die christliche Bevölkerung im Staat erfreut, schmälern, und den alten Haß gegen sie nähren zu wollen." (Unterzeichnet: Georg Schirges.) * * * Parallelen zum Heine-Denkmal! Nachstehende Notiz bringt Nr. 118 (Juli, S. 47): „Lord Byron und Martin Luther erleiden beide an verschiedenen Orten gleiches Schicksal. Dem letzteren ward die bayrische Walhalla verschlosien und die Statue des ersten, von Thorwaldsen, die seit zehn Jahren im Londoner Custom-House umhertreibt, soll wegen Gottlosigkeit des Dichters in Westminster nicht ausgenommen werden. Die Keuschheit der englischen, protestantischen Bischöfe steht der Orthodoxie Ludwigs von Bayern nicht nach." * * * Börne und Spinoza. Dasselbe Blatt citirt in No. 44 (S. 173) eine Stelle aus d^n Werken des bekannten Jungdeutschen Alexander Jung „Vorlesungen über sociales Leben unv höhere Geselligkeit" (Danzig 1844): „Es ist überaus merkwürdig, daß der Name Baruch für die neue Geschichte von besonders vortheilhafter, ja prophetisch erhabener Bedeutung zu sein scheint. Baruch bedeutet bekanntlich der Gesegnete. Darum geht denn auch von diesem Namen seit längerer Zeit ein so unverkennbarer Segen aus, obwohl viele diesen Segen noch immer nicht zugeben wollen. Es ist der Segen des Bundes, es ist der auf dem Flügel der Bölkertradition fortlaufende Segen des Mosaismus, es ist der dumpfe Groll des Judenthums, welches, allerdings in seiner geschichtlichen Idee oft einseitig und roh aufgefaßt, mit der herben Strenge seines ethischen Gesetzes, mit der Schärfe seiner Verstandesgewalt jetzt als das ätzende Salz wirken soll, uns vor der Fäulniß des Stolzes und der richtenden Unmenschlichkeit gegen anders Denkende zu bewahren. Man muß das Judenthum in feinen heiligen Rechten anerkennen, um das Christenthum in seiner Wellmisfion und Universalität verstehen zu können. Ja, Baruch Spinoza und Baruch Börne! Welchc Verfolgung, welche Schmach knüpft sich an diese beiden Namen! Aber der Verfolgte war doch stärker als der Verfolger und der Geschwächte war doch reiner und seliger als der Schmäher und wer zweifelt wohl noch, daß diese beiden Geister für das Gedeihen wahrhaft freisinniger Principien gerade in unfern Tagen besonders wirksam gewesen? — Wie sich Baruch Spinoza am liebsten Benedikt zu nennen pflegte, so haben diese beiden Benedikte, Spinoza und Börne, in der neuen Zeit, wenn auch in weiten Zwischenräumen, einen neuen, einen weit verbreiteten Orden der Benediktiner gestiftet, welcher die Freiheit und die sittliche Würde und das Recht der Individuen schützt und schützen wird, ob deren Beschützer auch nicht seien die Söhne von Fürsten, und ob sie auch nicht aufzuweisen haben die Approbation irgend eines Papstes!" Norddeutsche Grotzgemeinden. Ein Culturbild von Dr. S. Bernfeld, ll. So mangelhaft die officielle Armenpflege auch bei uns ist, so bildet sie doch einen Lichtpunkt unserer Gemeindeverwaltung im Vergleich zu der Pflege der Cultura u f g a b e n, die unter dem gegenwärtigen System sehr leiden. Im Grunde genommen haben wir in Norddeutschland keine Gemeinden mehr, sondern blos größere Ansammlungen von Juden, die Synagogen-Steuern zahlen. Sehr im Argen liegt bei uns der Religionsunterricht, für den verhältnißmäßig recht wenig

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