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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-02 · 5 (2.2.1900) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
5 (2.2.1900)
Date
1900-02-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 86 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 5 Es liegt dicht an der Bahnstation und hat eine gute Verbindung mit Philadelphia, von wo aus es in I V, Stunden zu erreichen ist Die Zahl der Einwohner beläuft sich ungefähr auf 1000, die in 130 bequem eingerichteten Cottages Haufen. Die wenigen Straßen sind weit und mit elektrischer Beleuchtung versehen. Die meisten der arbeitsfähigen Einwohner sind in vier dort befindlichen Fabriken beschäftigt, von denen die größte (Herrenkleider-Fabrik) 150 Leute beschäftigt, und die drei kleineren (Eisenwerkstätten) zusammen ungefähr 1:45. Der Ort besitzt zwei Elementarschulen, eine hübsche Synagoge, deren Erdgeschoß als Unterhaltungslocal dient, eine städtische Badeanstalt, ein dem Ansehen nach sehr präsentables Hotel und 22 Geschäfte verschiedener Art. Im Großen und Ganzen unterscheidet sich das Städtchen dem Aussehen nach nicht von anderen amerikanischen Ansiedelungen — es bietet nichts charafteristisch Jüdisches. Wenn die Eltern noch an ihren allen Gebräuchen hängen, so ft' d die Kinder schon ganz amerikanisirt. Das Rad scheint ein unentbehrlicher Gebrauchsartikel für Jung und Alt zu sein. Die Kinder, in der gesunden Landluft ausgewachsen, sehen ungleich ihren städtischen Glaubensgenossen frisch und stark aus, und auch die Erwachsenen, die Dank der ausgezeichneten Verbindung mit der Stadt sich durchaus nicht von der Wett abgeschnitten fühlen, lernen die Vorzüge des Lebens auf dem Lande kennen. Derartige Colonien müssen als lebendiges Beispiel am Besten dahin wirken, ihre Landsleute aus den freiwillig gebildeten „Ghettos" der Großstätte zu locken, indem sie ihnen beweisen, daß man in solchen Ansiedlungen bester lebt, als in den Tenementdistricten der großen Städte. Dr. Fanny D e m b o. Vom Jahrmarkt des Lebens. „Wer Butter auf dem Kopfe hat, soll nicht in die Sonne gehend Dieses Sprichwort sollten doch „Deutsches Volksblatt", „Deutsche Zeitung" und selbst auch das „Vaterland" ein wenig beherzigen. Und da Sprichwörterweisheit bekanntlich Volksweisheit ist, möchten wir ihnen auch empfehlen, über das Sprichwort nachzudenken. „Wer im Glashause wohnt, soll nicht mit Steinen um sich werfen." Da haben in der vergangenen Woche drei Gerichtsverhandlungen stattgefunden, die das genannte edle Trio wohlweislich seinen Lesern verschwiegen hat. Im Augenblicke des Verschweigens hatten die Herren Redacteure, Herausgeber, Patrone dieser Blätter natürlich nicht daran gedacht, wie oft sie das Verschweigen Anderen zum Vorwurf gemacht haben, aber im Momente, wo es ihnen frommt, da wissen sie den Werth des Verschweigens selbst am besten zu würdigen. Was sie verschwiegen haben? Nun wir werden die Details unseren Lesern nicht mitcheilen, nicht einmal die Namen der Verurtheilten. Aber das dürfen wir nicht verschweigen, wer sie waren und was sie gethan haben. Katholiche Weltpriester in Wien waren es, wohlbestallte Religionslehrer, welche Unsittlichkeitsdelicte begingen und deshalb verurtheilt wurden, ein katholischer Pfarrer in Italien war es, der seine Mutter mißhandelte. Wir sprechen uns über Personen und Thaten nicht Wetter aus, aber „Volksblatt" und „Deutsche Zeitung" sollten sich dieser Dinge erinnern, wenn sie von „jüdischen" Schwindlern und dgl. sprechen. Sie sollen vor eigener Thüre kehren, es liegt dort viel Mist! * * * Das „Deutsche Volksblatt" jammert darüber, daß in den Sicherheitswachstuben das antisemitische Organ nicht mehr aufliegen dürfe und meint, es sei offenbar von „Juden", welche sich vor dem „Volksblatt" fürchten, denuncirt worden, daß die Sicherhettswachleute mit Vorliebe dieses Blatt lesen und daraufhin sei das Verbot erfolgt. Wir wissen natürlich nicht, ob etwas Wahres an dieser Nachricht ist. aber wenn sie im „Volksblatt" steht, haben wir a priori allen Grund, sie für erlogen zu halten. Wäre sie aber ausnahmsweise doch wahr, nun dann möchten wir daraus wetten, daß dem Verbot ganz andere Motive zu Grunde liegen als die das Bolksblatt angibt. Jedenfalls haben Juden in den Sicherheitswachstuben viel seltener Zutritt als die Stammesgenoffen des Schnorrers von Sollanz. Man braucht nur die autisemittschen Blätter zu lesen, um zu erfahren, wie viele „arische" Ehrenmänner und Ehrendamen mit dem Gesetze in Couflict gerathen, auch wenn deren Confeffion nicht ausdrücklich angegeben ist, aber Hanselik, Towarek, Clara Motal, Theresia Kinder und noch viele andere Namen, die wir nur einer Nummer antisemitischer Blätter zu entnehmen hätten, reden eine sehr deutliche Sprache, die doch die Mühldorfer verstehen! Sollten jedoch wirklich Juden dagegen remonstrirt haben, daß man in k. k. Wachstuben das „Deutsche Bolksblatt" sehe, dann-haben sie dazu wohl keinen andern Grund gehabt als — Ek-l! Arische Sittlichkeit ist im Laufe dieser Woche in ganz merkwürdiger Weise illustrirt worden. Zwei Priester sind in Wien wegen Unsittlichkeit verurtheilt worden. Ein Ministerssohn wegen Unsittlicheit in Untersuchung gezogen worden, ein Gastwirth und seine Tochter, die mit einander in einem sträflichen Verhältnisse gelebt haben sollen, verhaftet worden. Daß dieser'Gastwirth durch betrügerische Manipulationen reich geworden sein soll, sei auch nur nebenbei als charakteristisches Merkmal arischer Moral erwähnt. Die Vergani, Wähner, Schneider und Consorten können stolz sein auf ihre Sippschaft! * * * Wir würden von dem für die republikanische Sache so günstigen Ausgange der Senatswahlen in Frankreich, für den wir sonst gar kein unmittelbares Interesse empfinden, auch nicht Notiz genommen haben, wenn nicht ein hiesiges Antisemiten-- organ die Gelegenheit benützen würde, in gewohnter Weise der Wahrheit ins Gesicht zu schlagen. Diesen Lügen muß man immer entgegentreten, so oft sie auch vorgebracht werden, und man darf sich die Mühe nicht verdrießen lassen, stets von Neuem daraus zu verweisen, daß diese Partei hier wie dort mit den Mitteln der Lüge kämpft. Während faktisch 92 echte, überzeugte Senatoren der republikanischen Partei wieder- oder neugewählt wurden, wollen die Antisemiten glauben machen, daß als Resultat sich ergebe, es seien 50 „unsichere Cantonisten" gegen 49 „vielleicht zuverlässige Republikaner" gewählt werden. Und aus der Wahl des berüchtigten Meineidgenerals wird gefolgert, daß die „Festung schon erschüttert" sei. Vergebliche Mühe! Sie mögen sich und ihre Anhänger täuschen, so viel sie Lust haben, die Ereignisse in Frankreich nehmen nicht den von Nationalisten, Monarchisten, Antisemiten und Assumptioniston verfolgten Weg. So viel sie auch lügen — die Wahrheit bricht sich dennoch Bahn. Die Wiener Handelskammer. Wir lesen in der „Bolksstimme": So ereignete es sich jüngst, daß der Sohn eines hervorragenden Gelehrten, eines arischen Gelehrten, wollen wir zur Vorsicht sagen, sich um eine vorübergehende Volontärstelle bei dem Secretariate der Handelskammer bewarb. Der betreffende junge Mann ist Beamter in einem Ministerium und es wurde ihm dort empfohlen, sich einige Zeit bei der Handelskammer zu beschäftigen, um sich in die Materie einzuarbeiten. Man sollte nun meinen, daß ein derartiges Verlangen jedem anständigen Menschen bewilligt werden müsse; denn die Handelskammer ist kein Privatgeschäft und hat keine Geschäftsgeheimnisse. Umso leichter stellte sich nun der junge Mann diese Sache vor, als die maßgebendste Person der Handelskammer ein sogenannter guter Freund der Familie des Gelehrten war. Wie erstaunt aber war er, als der gute Freund ihm mit Achselzucken bedeutete, daß er seinem Wunsche nicht ensprechen könne, denn man müsse den heutigen Verhältnissen Rechnung tragen. Wenn man einen Namen trage wie der Betreffende, so sei derselbe zu prononcirt, als daß er seinen Wunsch erfüllen könne. Der betreffende Gelehrte hat nämlich daß Unglück, als hervorragender Philosemit zu gelten. Zwar wird sein Arierthum nicht bezweifelt und ist unleugbar viel älteren Datums als das Christenlhum des Handelskammerpräsidenten zum Beispiel, aber bei der Wiener Handelskammer ist schon der Umstand, daß Jemand der Sohn eines Mannes ist, der im Geruch steht, ein Judenfreund zu sein, genügend, um seine Zulassung als freiwilliger, unbezahlter Arbeiter beim Secretariat unmöglich zu machen. S t r o b a ch und Genossen haben also in der liberalen Handelskammer scharfe Concurrenten. Was sagen da die liberalen Kammerräthe dazu? Wir erwarten eine Antwort auf unsere Frage und hoffen, daß diese Sache nicht todtgeschwiegen werden wird. Sollte dies wider Erwarten geschehen, dann müßte man sich ernstlich mit der Handelskammer beschäftigen. Wir versprechen auch unseren Lesern und Anhängern, daß "diese Geschichte nicht vertuscht werden, und daß die Handlungsweise der betreffenden liberalen Größe der verdienten öffentlichen Kritik nicht entgehen wird. Liberales Renegatenthum. Der Schuldirector Pabisch, ein ehemaliger Liberaler, ist, wie das „Deutsche Volksblatt" vom Sonntag den 28. Jänner berichtet, unter die antisemitischen Agitatoren gegangen. Wir bringen dies hiemit weiteren Kreisen zur Kenntniß. Die Blutlügner. Zur Blutbeschuldigung von Nachod schreibt man aus Königgrätz, 26. Jänner. Gestern wurde dem hiesigen Kreis-

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