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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-26 · 4 (26.1.1900) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
4 (26.1.1900)
Date
1900-01-26
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Bloch's Wochenschrift- Seite 75 Beliebtheit des Verstorbenen ein sehr günstiges Resultat dieser Collecte zu erwarten ist. Wien. (Frau A n ni c a B e n v e n i st i.) Wie wir vernehmen hat der Kaiser der Frau Annica Benvenisti das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen. Frau Benvenisti hat sich um das israelitische Taubstummeninstitut in Wien und um den Verein zur Errichtung von Volksküchen nach israelitischem Ritus bedeutende Verdienste erworben. Im Verein zur Errichtung von Volksküchen besorgt die Dame seit Jahren die oberste Leitung der Haus- und Küchenwirthschaft. Seit 25 Jahren ist sie Küchenvorsteherin des Vereins für Volksküchen nach israelitischem Ritus. Hunderte von Armen werden allmonatlich auf ihre Kosten ausgespeist. Sie steht gegenwärtig im 65. Lebensjahre. Wien. Frau Dr. Goldschmidt, die stellvertretende Vorsitzende des allgemeinen deutschen Frauenvereines, hat am 6. December im österreichischen Frauenverein über „die Bedeutung Friedrich Fröbel's für Schule und Haus" einen Vortrag gehalten. Sie ist von dem Vorstand der Damen-Akademie ersucht worden, ihn dort nochmals zu Gehör zu bringen. Am 12. December hat sie dort mit gleichem Erfolge ihren Vortrag gehalten. Wien. Der Vorstand des Brigittenauer israel. Unterstützungsvereines hat in seiner letzten Sitzung einhellig beschlossen, folgende vier Herren, welche sich um diesen Verein besondere Verdienste erworben haben, zu Ehrenmitgliedern desselben zu ernennen. Es sind dies die Herren: Hermann Eltbogen, Kaufmann, Wien, Adolf Schreiber, Kaufmann, Wien, Heinrich Weiner, Realitätenbesitzer. Wien und Josef Wünsch, Realitätenbesitzer, Wien. Wien. (Todesfall.) Am 16. d. M. starb nach langen schwerem Leiden Herr Bernhard F r i e d m a n n, Mitchef der Firma Heeg & Friedmann, Censor der Oesterr.-Ung. Bank, Vorsitzender des Censorencollegiums der Niederösterreichischen Escomptegesellschaft, hervorragendes Mitglied zahlreicher Wohlthätigkeitsanstalten. Das Hinscheiden dieses ausgezeichneten Mannes, welcher sich in den weitesten Kreisen der allgenreinsten Sympathie erfreute, erweckte allüberall, wohin die Trauerkunde drang, den schmerzlichesten Wiederhall. Bernhard Friedmann war aus ganz kleinen Anfängen durch eigene Kraft und Arbeit, durch unermüdlichen Fleiß und das strengste Pflichtgefühl zu jener socialen Stufe hinaufgelangt die er mit gelassener Würde und echter Bescheidenheit einnahm. Wohlwollend gegen seine zahlreichen Untergebenen, großrnüthig und hilfsbereit Armen und Bedürftigen gegenüber, gerecht gegen Jedermann. Sein echt jüdisches, treues Herz verleugnete er niemals. Die Lauterkeit dieses durchaus wahrhaftigen Charakters kam immer ganz unbefangen, ohne Phrase und Pose als etwas Selbstverständliches zum Ausdruck. Schon im Trauerhause gestaltete sich der Beginn des Leichenbegängnisses zu einer solennen Kundgebung des Mitgefühles. Hunderte von teilnehmenden Freunden, darunter auch viele aus der Ferne herbeigeeilte, waren erschienen, um dem dahingeschiedenen trefflichen Manne die letzte Ehre zu erweisen. Wir bemerkten unter Anderen Herrn kais. Rath K l i n g e r, Präsident der Wiener Cultusgemeinde, mit mehreren Vorstandsmitgliedern, Herrn Miller von Aichholz, Herrn Salo Cohn. Unter den Blumenspenden fielen die Kränze der Oesterr.-Ung. Bank und der Niederösterreichischen Escomvtegesellschaft durch ihre Pracht und Größe auf. Auf dem Friedhofe stimmte Herr Obercantor Singer von seinem trefflichen Chore unterstützt, in ergreifender Weise machtvoll die Todtengesänge an, worauf Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann das Wort ergriff, um in reinen Linien ein Charakterbild des Verewigten zu entwerfen. Als der Prediger, selbst tief ergriffen, geschlossen hatte, blieb kein Auge thränenleer. Am Grabe widmete Herr S. Heit dem dahingeschiedenen Freunde innige Worte des Nachrufes. Hierauf nahm ein Angestellter der Firma, namens des ganzen Personales, Abschied von dem wohlwollenden und humanen Chef. Die an die Familie gelangten Beileidskundgebungen aus allen Gesellschaftskreisen zählen nach vielen Hunderten. Wien. Am 24. d. M. wurde Herr Leopold Popper, Börsebesucher, zu Grabe getragen und betrauern ihn nebst einer trostlosen Witwe und fünf unglücklichen Kindern viele Verwandte, denen er stets ein treuer, hilfsbereiter Freund und Berather war. Leopold Popper war ein hochintelligenter Mann, der durch seinen tadellosen, biederen Charakter nicht nur in seinen Berufskreisen, sondern bei Allen die höchste Achtung genoß. Sein Leichenbegängniß fand am Central-Friedhofe, seinem schlichten Wesen und seinem Wunsche entsprechend, in einfacher Weise statt. An der Bahre hielt Bankier Julius B e r g st e i n in kurzen Worten einen warm empfundenen Nachruf, der alle Herzen aufs tiefste bewegte. Der „Wiener Schachclub", dessen langjähriges, geachtetes Mitglied der Verblichene war, legte einen Kranz auf seine Bahre und drückte der Familie auch schriftlich sein Beileid aus. Der einzige Trost für die tieftrauernden Hinterbliebenen ist das Mitgefühl, welches ihnen von allen Seiten entgegengebracht wird. Möge der im Leben rastlos thätige Mann Ruhe finden! Friede sei mit ihm und Ehre seinem Andenken! Wien. Die im Verein jüdischer Mädchen „Hadassa" am 14. Jänner 1900 oorgenommene Neuwahl ergab folgendes Resultat: Frl. Amelie Gelbtuch, Präsidentin; Frl. Cilly Lederer, Vicepräsidentin; Frl. Helene Schapira, I. Schriftführerin; Frl. Regine Schimmer, II. Schriftführerin; Frl. Rosa Hammer, Cassierin; Frl. Hermine Pilpel, Bibliothekarin. Ausschußmitglieder : Frl. Caroline May, Frl. Dora Schock, Frl. Lina Kraus. Am 21. Jänner a. c. hielt daselbst Herr Bernhard Tag einen außerordentlich interessanten Vortrag über „Dr. M. Lazarus". Seine geistreichen Ausführungen wurden von den zahlreich erschienenen Gästen und Mitgliedern mit großem Beifall ausgenommen. Svnntag, den 4. Februar a. c. hält Herr Dr. H. S. Loebl einen Vortrag: „Der Mensch als Urbild moderner Erfindungen" und zwar 4 Uhr Nachmittags im Vereinslocale, II., Gredlergasse 9, vis-a-vis der Frachtbörse. Wien. Der literarisch-gesellige Verein „Moria" ladet seine Mitglieder zu den regelmäßig am Sonntag 3'/r Uhr im Locale der Union (IX., Berggasse 20) stattfindenden Vortrag. Am 28. d. M. spricht Prediger Grün. Das Thema lautet: Moria, Sinai und Zion, oder die drei Heiligthümer des Judenthums. Gäste (Danren) sind willkommen. Floridsdorf. Samstag, den 20. d. M. fand im hiesigen israelitischen Tempel die Barmizwahfeier des Waisenknaben Karl Scholz statt, der seit seiner Geburt von den hier ansässigen christlichen Eheleuten Wilhelm und Johanna Heller erzogen wurde. Zu dieser Feier hatte sich der Präses-Stellvertreter Herr Em. Grünwald mit mehreren Vorstandsmitgliedern, sowie auch das Ehepaar Heller eingefunden und nach der warm empfundenen, tief ergreifenden Ansprache des Rabbiner Dr. Rofemann sprach Herr Obercantor I. Schleifer über den Knaben, seine Pflege-Eltern und seinen Religionslehrer Herrn Löw einen Mischeberach. Das Heller'sche Ehepaar dankte nach beendetem Gottesdienste dem Rabbiner und dem Lehrer in bewegten Worten. Dem Confirmanden und seinen Collegen wurde von der Präsidentin des Frauenvereines ein kleines Festessen gegeben. Hohenau. Als Spenden erhielt das Hohenauer Tempelbaucomite von Herren Brüder Mai, Zuckerfabriksbesitzer in Ung.- Ostra, 100 Kronen, wofür wir öffentlich unseren Dank abstatten. Marienbad. (Verlobung.) Fräulein Gisella Stern, Tochter des Herrn Eduard Stern ans Marienbad, hat sich mit Herrn Med. Dr. Julius Hirsch aus Franzensbad verlobt. Testlih. Am 21. Jänner wurde hier Frau Anna Bloch zu Grabe getragen, eine 84jährige Frau, die sich durch Frömmigkeit und außerordentlichen Wohlthätigkeiissinn auszeichnete. Die große und allgemeine, Theilnahme die den Hinterbliebenen zutheil wurde, sowie der imposante Trauerzug, gaben Beweis von der großen Achtung und Beliebtheit, der sich die Dahingeschiedene erfreute. Am Grabe sprach Herr Rabbiner Dr. Kurein einen warm empfundenen Nachruf, der die seltenen Eigenschaften der Verstorbenen würdigte, sie als Mutter und Gattin pries und alle Anwesenden zu Thränen rührte. Frau Anna Bloch war die Mutter unseres allgemein verehrten Cultusvorstehers und Obmannes der Chewra-Kadischa Herrn Hermann Bloch, und der durch ihre humanitären Bestrebungen bekannten Herren Gottfried und Carl Bloch. Ihre Schwiegersöhne zeichnen sich ebenfalls im öffentlichen jüdischen Gemeindeleben aus, so der Vorsteher der alten Cultusgemeinde Libschitz, Herr Josef Rindskopf, und der Vorsteher der israelitischen Beerdigungsbrüdergefellfchaft in Brüx, Herr L. Black. Sie hat ihr hohes Alter in voller Geistesfrische erreicht und wird von Allen ihr Nahestehenden auf das Innigste betrauert. Möge ihr die Erde leicht sein! Troppau. Am 18. d. M. hielt der bekannte Schriftsteller Herr Dr. Ad. K o h u t im hiesigen „Jüdisch-literarischen Verein" einen Vortrag über: „Friedrich der Große und Kaiser Josef II. in ihren Beziehungen zu Juden u n d I u d e n t h u m," der sehr zahlreich besucht war und mit großem Beifall ausgenommen wurde. Sowohl dem interessanten Thema selbst als auch der schönen Vortragsweise des Herrn Dr. K o h u t lauschten die Zuhörer mit Spannung bis zu Ende und zeichneten den Vortragenden zum Schluß mit lebhaftem Beifalle aus. Wir sind dem Vereine zu Dank verpflichtet, uns einen so anregenden Abend bereitet zu haben und sprechen gewiß im Sinne Vieler, wenn wir den Wunsch äußeren, uns recht oft mit derartigen Vorträgen zu erfreuen. — e —

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