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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-26 · 4 (26.1.1900) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
4 (26.1.1900)
Date
1900-01-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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toette 74 Dv. B^och's WochenschrrfL. ^tr. 4 arbeiter 3, nicht specificirt 1282, zusammen 12.276. Sonstige Berufe: Agenten 4, Kellner 17, Bauern 40, Landarbeiter 273, Dienstboten 817, Kaufleute und Händler 1307, Arbeiter 2474, nicht specificirt 321, zusammen 5253. Ohne Beruf (Frauen und Kinder): 19.689. Diese Statistik ist nach jeder Richtung hin überaus werthvoll und kann Forschern auf jüdischem Gebiet nur zur Beachtung empfohlen werden. Sie zeigt deutlich, wie gering bei den jüdischen Massen in Wirklichkeit die Zahl der Kaufleute und Hausirer ist und wie sehr die Zahl der gelernten Handwerker und der ungelernten Handarbeiter überwiegt. Vermischtes. Wien. (Die Hundertjährigen.) Ueber jene Personen, welche erwiesenermaßen am 1. Jänner 1800 bereits am Leben waren, berichtet das „N. W. T.": „Genaue Daten liegen uns vor über Herrn Michael Pißk, geboren 1797 in Malaczka. Er ist ein 8el5-mad6 man, der schon frühzeitig von seinem Vater angehalten wurde, sich sein Brod zu verdienen. Im Jahre 1809 begleitete er seinen Vater auf einer Geschäftsreise — selbstredend per pedes apostolorum — Vater und Sohn passirten das Marchfeld gerade während der Schlacht von Aspern, der also Michael Pißk als zwölfjähriger Knabe beigewohnt hat. Von dieser Schlacht, welches das erste Ereigniß in seinem Leben bildet, spricht Herr Pißk noch heute mit besonderer Vorliebe, ebenso von Ludwig Kossuth, den er wiederholt in Preßburg gesehen und reden gehört hat. Herr Michael Pißk war durch 25 Jahre ununterbrochen Vorsteher der Cultusgemeinde in Malaczka. In dem Hause, in welchem er das Licht der Welt erblickte, lebt er noch heute in vollster Rüstigkeit, ist bei gesundem, vortrefflichem Appetit, raucht noch mit Lust und unterhält seine Freunde, die ihn täglich besuchen, mit Erzählungen aus Erlebnissen seiner früheren Jahre. Er erfteut sich allgemeiner Hochachtung, besonders wegen der großen Wohlthätigkeit, die er ohne Unterschied von Nationalität und Confession übt. Herr Pißk war zweimal verheiratet und ist seit 1873 Witwer. Von seinen fünf Kinder sind noch drei, ferner 22 Enkel und 34 Urenkel am Leben. Der größten körperlichen Rüstigkeit erfreut sich Herr Hermann Schiller, der im November 1799 geboren ist. Er war früher Gutsbesitzer in Saros-Szent-Mihaly, wo er durch 42 Jahre domicilirte, gegenwärtig wohnt er in Ungvar. Herr Schiller war zweimal verheiratet, besitzt aus erster Ehe einen jetzt sechzigjährigen Sohn und aus zweiter Ehe neun Kinder, von denen das jüngste ein Sohn, gegenwärtig 23 Jahre alt ist. Nur das Augenlicht dieses Hundertjährigen ist geschwächt und er muß sich zum Schreiben und Lesen eines scharfen Augenglases bedienen. Es fehlt ihm kein einziger Zahn, und seine Hand ist noch so fest, daß er sich noch heute — er trägt seit dem Jahre 1848 den bekannte» Koffuth-Bart — selbst rasirt. Sein Kopfhaar ist noch immer voll und dicht, die Haarspitzen am Hinterkopfe nicht einmal ergraut. Herr Schiller ist ein starker Raucher und ein starker Esser, scheut auch nicht die Mühen größerer Reisen und hat heuer noch seine in Kaschau, Eperjes, Barano und Szepsi domicilirenden Kinder besucht. Auf einer Informationsreise hat ein Jnspector des Wiener Privatdetectiv-Jnstituts „Argus" in Holics den I02^2jährigen Moses Steiner kennen gelernt. Von allen bisher genannten Hundertjährigen hat diesen das Leben am härtesten mitgenommen. Er war bis zu seinem 70. Lebensjahre Thonpfeifenarbeiter; seither lebt er bei seinem Sohne, einem heute sechsundsechzigjährigen Manne, der durch schwere Arbeit für den Vater und sechs Kinder sorgt. Seit zehn Jahren ist Steiner senior unhellbar erblindet. Die Gemeinde, wie auch die Seelsorger aller Confeffionen in Holics stellen ihm die besten Zeugnisse aus." Wien. (Kundmachung.) Freitag, den 26. Jänner, Abends und Samstag, den 27. Jänner Früh, wird der I. Cantor vom Gemeindetempel in Währing, Herr Lazar Serebrenik im Leopoldstädter Tempel Probevorträge halten. Beginn des Gottesdienstes: Freitag, Abends um 5 Uhr, Samstag, Früh um 8 Uhr. Wie». (Verlobung.) Herr Dr. Julius Max Bach, Rabbiner der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, hat sich mit Fräulein Adele Fuchs, Tochter des pädagogischen Schriftstellers Herrn Rudolf Fuchs, verlobt. Wien. Se. Excellenz der Statthalter vou Niederösterreich hat im allerhöchsten Austrage mittelst Erlaß vom 15. Jänner durch den Wiener Bürgermeister dem israelitischen Franen- Wohlthätigkeitsverein des VIII. Bezirkes, für die Sr. Majestät zum Ausdruck gebrachten allerunterthänigsten Neujahrswünsche den allerhöchsten Dank bekanntgeben lassen. Wien. (Med. Dr. Alexander Weiß gestorben.) Wie ein Schreckensruf durchhallte Sonntag, den 21. d. M. Nachmittags die weiten Straßen der Brigittenau die Trauerkunde von dem plötzlichen Ableben des Herrn Dr. Alexander Weiß, welcher von Jedem, der ihn kannte, verehrt und geschätzt wurde. Und Herr Dr. Weiß war in der Brigittenau und darüber hinaus gar wohl bekannt; denn er war nicht allein ein tüchtiger Arzt, der es mit seiner Pflicht peinlichst genau nahm und in seinem Berufe ganz aufging, er war auch ein Wohlthäter für Arme ohne Unterschied der Confession, was in dem Bezirkstheile Brigittenau nicht wenig besagt. Dem lärmenden Getriebe der politischen Parteien blieb er stets ferne, auch in Vereinsversammlungen fand man ihn fast nie; dagegen war er überall zu treffen, wo es galt, Gutes zu thun und jüdische Interessen zu fördern. Lebhaften und werkthätigen Antheil nahm er an den Bestrebungen zur Erbauung eines Tempels, den seine Augen leider nicht mehr sehen sollen, und dem Brigittenauer israelitischen Frauen-Wohlthätigkeitsverein stand er als eifriger Gönner und Förderer zur Seite. Bezeichnend für den Charakter des edlen Verblichenen ist besonders folgender Zug. Vor nicht ganz drei Wochen traf ihn der Schreiber dieser Zellen, zu Fuß seine Patienten besuchend; auf die Frage, warum er dies thue, erwiederte er lächelnd: Ja wissen sie denn nicht, daß wir noch ein zweites Geschäft haben? Meine Frau geht jetzt „schnorren", will sagen: Ehrenkarten zu Gunsten des Frauenwohlthätigkeits - Vereines verkaufen, und darum benützt sie den Wagen. Wie beliebt er war, beweist am Besten die allgemeine Theilnahme in der Brigittenau und der Umstand, daß während seiner nur wenige Tage währenden Krankheit die Zahl der Besucher erne derartig große war, daß er der Ruhe wegen sich ins Spital flüchten wollte. Ja. ein seltener Mann war dieser Dr. Alexander Weiß! Still und bescheiden wandelte er seines Lebens Bahn und that wissentlich gewiß Niemandem etwas zu Leide. Dabei war er der zärtlichste, liebevollste Gatte, der beste Vater, der dankbarste Sohn und der hingebendste Bruder. Seinen Patienten war er stets der tüchtige Berather und ein treuer Freund, den Armen ein nimmermüder Wohlthäter, im Leben und Streben aber war er ein Jude in des Wortes wahrster und schönster Bedeutung. Dashalb haben auch bei dem am 23. d. M. stattgehabten Leichenbegängnisse trotz des elenden Wetters eine unübersehbar große Zahl von Freunden und Leidtragenden dem Verstorbenen das Geleite gegeben und auf aller Mienen konnte man die Trauer lesen und in aller Augen sah man Thränen glänzen, als im Hause Se. Ehrwürden Herr Dr. Templer, im Ceremoniensaale Se. Ehrwürden Herr Dr. Schmiedl, vor dem offenen Grabe der Senior der Brigittenauer Aerzte, Herr Dr. Rosenthal, Herr Dr. H. Grün namens der Freunde und last not least der Secretär der Arbeiter-Krankencaffe die Tugenden des Verstorbenen priesen. In dieser allgemeinen Beliebtheit, in diesem wahrhaft fleckenlosen Leben, in diesem wirklich gesegneten Andenken mögen die Hinterbliebenen, mögen dessen edle Gattin und deren jugendlicher Sohn Trost und Stärke finden in dem herben Schmerz, der so jäh und unvermuthet über sie hereingebrochen; sie mögen sich mit dem Bewußtsein trösten, daß es Gottes unerforschlicher Rathschluß so gewollt und ihm hartes Weh und schweres, langes Leiden erspart geblieben, sie mögen aber auch lindernd auf sich wirken lassen des größten Dichters wahres Wort: „Mit der Freude stirbt hier auch der Kummer, Röcheln auch der Menschen Qualen aus." I. K. Wien. (Wohlthätigkeitsact.) Anläßlich des Hinscheidens seines verewigten Freundes und Förderers, des Herrn Dr. Alexander Weiß, veranstaltete der Vorstand des Brigittenauer Frauen-Wohlthätigkeitsvereines anstatt eines Kranzes eine Collecte, deren Ergebniß durch Errichtung einer Dr. Alexander Weiß- Stiftung verwendet werden soll, mit dem Zwecke, die Zinsen des Stiftungsbetrages alljährlich an dem Jahrzeitstage des Verewigten an arme, kranke Israeliten zu vertheilen.- Diese Idee fand solchen Anklang, daß sofort im Kreise der Vorstandsdamen nahe an zweihundert Kronen gezeichnet wurden, so daß bei der großen

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