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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-26 · 4 (26.1.1900) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
4 (26.1.1900)
Date
1900-01-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 73 Theil ist verschwindend gering gegenüber dem Gros der Täuflinge, das aus carriere-süchtigen Strebern und aus Kindern bestehe, die inn ihres besseren Fortkommens willen von ihren Eltern zur Taufe geführt würden; die Gesinnungslosigkeit und das mangelnde Verantwortlichkeitsgefühl, das solche Handlungsweise offenbart, wurde in schürfen Worten gegeißelt. Ebenso wurden die Uebertritte aus sogenannter „Ueberzeugung" einer vernichtenden Kritik unterzogen. Die Ausführungen des Redners klangen aus in die herrlichen Worte Gabriel Rießer's, des Vorkämpfers der deutschen Judenheit: „Das Vaterland kann, darf und mag von uns fordern, was es von seinen Bürgern zu fordern berechtigt ist; willig werden wir ihm alles opfern, nur Wahrheit und Ehre nicht, nicht Glauben und Treue!" — Eine sich anschließende Discussion schloß die Sitzung. Paris. (Die schöne Jüdin und der Orden der Assomptionisten.) Unser ausgezeichneter College von der „Aurore" B. Guinandeau hat kürzlich in einem reizenden kleinenPhantasiestück erzählt, wie eine schöne Jüdin, das Kind eines Ballspiellehrers, der unter dem Kaiserreiche von vornehmen Schülern protegirt wurde und sich ein Vermögen erwarb, sich taufen ließ, ihr Leben und ihr ganzes Vermögen Gott und einem ehrwürdigen Geistlichen widmete und wie ihre judensreundlichen Kundgebungen anläßlich der Dreyfus-Affaire sie all ihrer Güter beraubten und verbannten — aus der rue Francois I. Das Phantasiestück Guinandeau's ist eine sehr wahre Geschichte, die wir genau mittheilen können. Es handelt sich um die „schöne Miriam", die nach ihrer Taufe Madame Frank wurde, endlich „Mutter Frank" im Orden der „Oblates de l’Assomption“ und heute Oberin des Alhambra- Klosters in Bordeaux ist — und um R. P. Picard, Ordens- General der Assomptionisten. Als Jüdin geboren, trat Madame Frank um dieselbe Zeit zum Katholicismus über wie Ratisboune, P. Hermann und Msgr. Bauer. Sie lernte den P. Picard kennen, wählte ihn zu ihrem Beichtiger und geistlichen Rathgeber und schenkte ihm schließlich ihr Haus, ihr Mobiliar, ihre Wagen und Pferde. Auf diese Weise entstand das Kloster der Assomptionisten in der nie Franqois I. Für diesen Orden kaufte sie auch das Gebäude, das derselbe in Cours ia Reine inne hat und das Atelier Gustav Doree's. Und sie wollte auch das benachbarte Haus (rue Bayard) ankaufen, das von Jules Ferry bewohnt wurde, um diesen Abgesandten der Hölle aus der heiligen Nachbarschaft zu entfernen. Endlich gründete die schöne, unternehmende und thätige Jüdin die Druckerei „de Ia Groix“, die kleine Ordensgesellschaft der „Soeurs typotes“ und selbst die Zeitungen „Feierin" und „Groix“» Als sie selbst keine Mittel mehr besaß, sammelte sie, in Erinnerung an den Ursprung des väterlichen Vermögens, in der vornehmen bonapartistischen Gesellschaft. Zwanzig Jahre vergingen und die Dreyfus-Affaire begann. Die Jüdin und die rechtliche Frau begannen sich in der Convertitin zu regen und sie beklagte sich weinend bei P. Picard, daß „Ia Groix“ und so viele andere von ihr geschaffene Unternehmungen sich gegen ihr Volk bis zu Aeußerungen „Tod den Juden" Hinreißen ließen. Der P. Picard, Beichtvater, Berather und Lehrer dieser Frau sagte: „Unglückliche, Sie sind noch Jüdin. Sie müssen diesen Fleck in Ihrer Seele ausmerzen." Und um „den Fleck auszumerzen", befahl er ihr die Ordensgelübde abzulegen, was sie bis dahin vermieden und in ihrer Todesangst gehorchte sie. Nun theilte P. Picard ihr noch mit, daß sie, da sie das Gelübde der Armuth abgelegt habe, mittellos sei: „Nichts gehört Ihnen mehr. Verlassen Sie das Haus in der rue Francois I. das Gebäude in Gours la Reine und rue Bayard, die Druckerei. Wir sind jetzt die Herren und Sie können in einem anderen Kloster Unterkunft suchen." Er verbannte sie nach Bordeaux, wo sie im Alhambra- Kloster eine Liqueur-Fabrik eingerichtet hat. Die Assomptionisten genießen weiter das jüdische Geld und sind wüthende Antisemiten. Petersburg. Einen ausgezeichneten Rapport hat das Ackerbauministerium von der Colonie Romanoffky erhalten. Diese seit 60 Jahren bestehende Colonie ist schon einmal vergrößert worden und die Erweiterung Klein Romanoffky genannt worden. Jetzt hat sich die Seelenzahl wieder so vermehrt, daß eine zweite Erweiterung nöthig ist, welche der Minister infolge der guten Erfolge der jüdischen Bauern von Romanoffky gleich bewilligt hat. Die statistische Comission der Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den Juden veröffentlicht das Resultat ihrer Nachforschungen. Danach leben im Reiche des Czaren fast 4 Millionen jüdischer Kinder, von denen nur 3 6 jüdische Schulen besuchen, während 3Va% Chedarim besuchen, in denen russisch gelehrt wird, der Rest entweder ganz ohne Unterricht aufwächst, oder seine Bildung in einem ganz altmodischen Cheder erhält, in welchem die Landessprache nicht gelehrt wird. Es gibt tui Ganzen 540 jüdische Schulen, ferner erhalten 60.000 Kinder Unterricht in allgemeinen Schulen. Die erste Ziffer scheint indessen auf einem Jrrthum des Berichterstatters zu beruhen. — In Warschau starb letzte Woche der bekannte jüdische Großkaufmann Marcus Levy, der für wohlthätige Zwecke 75.600 Rubel hinterlassen hat. Davon sind 60.000 Rubel bestimmt zu einem Fond zur Unterstützung der Auswanderer nach Amerika und Afrika. — Sehr schlecht geht es in Bialystock, wo infolge des schlechten Geschäftsganges große Noth unter den jüdischen Webern herrscht. Zum Glück wird gerade eine Straße von Bialystok nach Horodok gebaut und viele der Arbeitslosen finden dort Arbeit, freilich zu dem äußerst niedrigen Lohne von 35 Kopeken pro Tag. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß mit dem Frühjahr eine große Emigration beginnen wird, natürlich nach Amerika. Belfast. Der jüdische Lord Mayor unserer Stadt Otto I a f f e hat seinem Dienstjahr auch in jüdischen Kreisen eine angenehme Erinnerung gesichert, als er seine Mutter veranlaßte, zum Andenken an die ihrem Sohne erwiesene Ehre die gesammte auf der Synagoge von Belfast noch ruhende Schuldenlast zu übernehmen und zu bezahlen. Otto Jaffe hat sich überhaupt auch dadurch vor manchem anderen Glaubensgenossen ausgezeichnet, der in dem freien England ähnliche Würden bekleidet hat, daß er während seines Bürgermeister-Amtsjahres seine Position als Parnes der jüdischen Gemeinde beibehielt und für diese nicht weniger leistete, als für die allgemeinen Interessen der Stadt. Glänzende Erfolge erzielten unter seiner und seiner Gemalin Leitung auch in Belfast die Sammlungen für die verschiedenen Fonds, wie Berwundeten-Fonds, Flüchtlingsunterstützungen rc. Malmö. „Der erste Rabbiner in Malmö und den dazu gehörigen Gemeinden." Unter diesem Titel veröffentlichen die hiesigen Tagesblätter lange Berichte über die Jnstallationsfeier des Herrn Rabbiner Dr. W o h l st e i n, welche einen glänzenden Verlauf genommen hat. Aus Kopenhagen war das Rabbinat durch Herrn Rabbiner Dr. G o i t e i n vertreten, der in bekannter Meisterschaft eine warme eindrucksvolle Ansprache an die Gemeinde hielt, vom Vorstand waren Herr M a r g o l i n s k y und Herr G o l d s ch m i d t anwesend, ebenso hatten die zum Kreisrabbinar Malmö gehörigen Gemeinden ihre Vertreter entsendet. Nachdem der Vorsteher in kurzen Worten dem Rabbiner das Amt übergab, betrat Herr Dr. Wohlslein die Kanzel und hielt die Antrittspredigt, die aus die Zuhörer einen tiefen überwältigenden Eindruck machte. Abends fand ein großes Bankett statt, welches durch geistvolle Reden gewürzt wurde. New-Pork. Der Bericht des Einwanderungsamtes der Vereinigten Staaten bietet auch für jüdische Dinge viel Interessantes. Wir entnehmen demselben folgende Ziffern: Es wanderten im ganzen Juden ein 37.415, davon 21.153 männlich und 16.262 weiblich, ferner waren davon 8687 unter 14 Jahre, 26.010 zwischen 14 und 45 Jahre und 2400 über 45 Jahre. 127 jüdische Einwanderer konnte nur lesen, aber nicht schreiben, 5637 weder lesen noch schreiben. Es fehlen jedoch, um diese Ziffern richtig würdigen zu können, die Angaben, ob dabei die Kinder mitgezählt sind, und ob diejenigen, welche nur hebräisch lesen, resp. schreiben können, zu den Analphabeten gerechnet sind. Die Einwanderer kamen aus folgenden Ländern: Rußland 24.275, Oesterreich-Ungarn 11.071, Rumänien 1343, Deutschland 405, England 174, Türkei 81, ans allen anderen Ländern nur 66. Sehr interessant ist die Zusammenstellung der Berufe dieser Juden, die folgt: Freie Berufe: Schauspieler 2. Ingenieure 11, Advocat 1, Arzt 13, Geistliche 5, Künstler 5, Lehrer 01, nicht specificirt 71, zusammen 107. Handwerker: Schneider 3664, Zimmerleute und Schreiber 1421, Schuhmacher 1111, Näherinnen und Putzmacheriunen 647, Bäcker 578, Fleischer 458, Maler 458, Grobschmiede 303. Schreiber 388, Tabakarbeiter 208, Zinngießer 183, Schlosser 170, Gerber 163, Barbiere 141, Uhrmacher 121, Weber und Spinner 03, Müller 65, Mechaniker 58, Maschinisten 50, Maurer 40, Drucker 30, Sattler 58, Seeleute 20, Bergleute 1l, Brauer 11, Wagner 10, Pflasterer 8, Gärtner 6, Steinschneider 6, Graveure 3, Eisen-

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