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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-26 · 4 (26.1.1900) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
4 (26.1.1900)
Date
1900-01-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 4 Vr. VLoch's Wochenfchrrfi. Seite 71 Mit Gott er sprach, er trank der Morgenröthe Quell', Mit Engeln speiste er und heilig ist er, rein; Jetzt bringt er das Gesetz und dreifach goldner Schein Auf seiner hohen Stirne wie eine Krone steht, Jndeß das Haupt wie Flügel eine Molk' umweht. Gehorchen ihm, ist Allen liebe, süße Pflicht, Denn er ist Allen Vater, Mutter, Führer, Licht. So ging die Sag' ehrfürchtig laut von Mund zu Mund. Doch von der and'ren Seite, wo die Wolke stund, Steht auch ein Theil der Männer von Israels Stamm; Verwundert schauen diese auf den Felsenkamm, Wie deutlich hinter Moses und in seinem Schritt Begleitend, schattenartig, ein Nachgänger tritt, Von hohem Wuchs und Hörner auf der strupp'gen Stirn, Den Stierfuß hoch erhebend von des Berges Firn, In Händen einen Mühlstein schwingend groß und schwer. Der Satan ist's, der schreitet hinter ihm daher — Sie sagen — Moses ist der Botes Gottes nicht. Aufjochen wird er uns des Mühlsteins schwer Gewicht Und dieser wird zermalmen uns in Leid und Gram! Seither stehts fest, daß von Israels Stamm, Wer Zwist gesät und Aufruhr, Trotz und Zorneswahn, Von denen war, die Satan bergab kommen sah'n. Nebukadnezar. (Aus dem 5. Bande der Gesammtausgabe: „Freaky a gobeliny“, Str. 21. 22.) Die Menge toset wie das Meer am Strand: Die Zeit hat ihre Rosse ausgespannt, Denn im Gedächtniß bleibt der Stunde Spur, Wo sonnbeglänzt, bekleidet von Purpur, Der große König, Sieger, neigt das Haupt; Das Diademe zieren reichbelaubt, Wie eines ährenschweren Halms Gewicht, Jndeß der Troß ihm jubelnd Kränze flicht. Er hört des Ruhmes Lob und sieht zugleich Den Zuzug neuen Heers aus weitem Reich, Mit seinem Wort Begeisterung er erweckt; Jndeß sich Schatten auf die Stirn ihm legt. Obzwar der Jubel allgemein hier ist, Der König doch die Fehlenden vermißt; Gering ist ihre Zahl, paar Körner blos In diesem großen Haufen, in dem Troß, Doch sind sie und er fühlt es, sieht sogar In seiner Seele wachsen ihre Schaar; Und I u b e l r u f, der auf den Lippen schwebt Und aller Brust begeisternd hoch erhebt, Ertönt in andrem Klang bei diesem Stamm. Auf der Geschichte Wage ist ein Damm, Ihr stummes „Nein", an dem sich Jubel bricht. Ein schmaler Eisenring, ein Bleigewicht Ist Negation, nichts dringt durch ihre Reih'n, Was Schwert und Griffel zeichnet in den Stein, Den in der schweren Faust die Zukunft hält. Selbst Gott, wenn sich auf seinen Thron hinstellt, Und wenn das Weltall ihm entgegenlacht, Und überall verkündet seine Macht, Und wenn der kleine Mann im Haus von Holz, Der unabhängig wahrt den Männerstolz, Und wenn ein düsterer Prophet aus Israel Verzeichnet in des Pergamentes Fell In einsam durchgewachter finst'rer Nacht, Was Leid und Qual sein Volk hat durchgemacht — Nur schüttelt seinen Kopf und sagt sein „Nein", Ist Gott mit seiner ganzen Pracht selbst klein Vor dem Gewisse n, das in Jedem ruht; Und wer dann wirklich groß, in dem aufthut Es sich zur Zeit und ruft mit Donnerstimm' Sein festes „Nein". Und vor des Heros Grimm, Wenn Schaaren wichen stumm und in Graus, Als armes Zwerglein geht er nach Haus. Correspondenzen. Aus der öffentlichen Plenar-Sitzung des Cultusvorstandes vom 21. Jänner 1900 unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath Heinrich Klinger. Beginn 10 Uhr Vormittags. Im Einlaufe befinden sich Annahme - Erklärungen der Herren: Marcus B o n d i, Dr. Leopold K o h n, Wilhelm K u f f n e r, Dr. Leopold L i b i tz k y, Dr. Wilhelm Zucker, betreffend ihre neuerliche Ernennung als ständige Obmänner für die Schiedsgerichte der israelitischen Cultusgemeinde, ferner eine Annahme-Erklärung des Herrn Moritz Karpeles betreffend die Berufung in das Curatorium der Victor Ritter von B os ch a n'schen Stiftung für Kranke und Reconvalescenten und des Herrn Dr. Leopold K o h n, betreffend die Berufung in das Curatorium der Samuel Süßerman n'schen Stiftung zur Beförderung des Studiums der Bibel und des Talmuds. An Spenden sind eingelaufen: Von Herrn Gottlieb Bettelheim zur Ausspeisung von 10 armen jüdischen Schulkindern während der Wintermonate.Kr. 300'— „ einem Anonymus I. H.. 50'— zur Vertheilung an Arme in Beträgen von je 4 Kronen. „ Frau Fanny B i a ch für den israelitischen Waisenverein.„ 10 — und für die Volksküche .. 10— „ Herrn Max Scheyer aus Anlaß der Barmizwah - Feier seines Bruders Moriz für den Waisenverein .„ 20'— „ Herrn Heinrich G u t m a n n zur Vertheilung an Arme und Wohlthätigkeitsanstalten . . „ 54'— Den Spendern wird der Dank votirt. Im Präsidialberichre gedenkt der Präsident anerkennend der vom „Jüdischen Museum" am 20. d. M. im Mufikvereinssaale aus Anlaß des 10jährigen Todestages des Altmeisters auf dem Gebiete des liturgischen Gesanges, Salomon Sulz er, abgehaltenen Feier und bemerkt, daß solche Veranstaltungen geeignet seien, durch ihren erhebenden und künstlerischen Verlauf in der Jugend das Gefühl für das Judenthum zu stärken und zu kräftigen und in uns Allen lebhafte Empfindungen aus vergangenen Zeiten wachzurufen. Diese Feier gereichte dem „Jüdischen Museum" zu hoher Ehre. — Ich glaube im Sinne der Versammlung zu sprechen, fährt der Präsident unter beifälliger Zustimmung der anwesenden Herren fort, indem ich dem Präsidenten des „Jüdischen Museums", Herrn Baurath S t i a ß n y, den wärmsten Dank des Vorstandes ausdrücke. Herr kais. Rath Hirsch referirt namens der IV. und VI. Section über die Vergebung der Blumenausschmückung von Gräbern und Grüften und der Instandhaltung der Friedhofsanlagen auf der israelitischen Abtheilung des Centralfriedhofes. Nach eingehender Debatte, an welcher sich die Herren Dr. Stern, Salo Cohn, S t i a ß n y, von Goldschmidt, Hoffman n und Dr. Stein betheiligen, wird im Sinne der Sectionsanträge beschloffen, ein diesbezügliches Abkommen mit einem Unternehmer für mehrere Jahre zu treffen. Herr Ober-Ingenieur von Mises erstattet einen ausführlichen Bericht über die von der I. Section unternommenen vorbereitenden Schritte betreffend die Errichtung einer den rituellen und hygienischen Anforderungen entsprechenden eigenen Mikwah der Gemeinde. Der Bericht wird einhellig zur Kenntniß genommen. Die Sectionsreferenten Herr Architekt Fleischer und Herr Ober-Ingenieur von Mises werden ersucht, dem Vorstande concrete Vorschläge vorzulegen. Die Finanzfrage wird an die IV. Section geleitet. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um 1 Uhr Nachmittags geschlossen. Wien. Die in mehreren Ortschaften Mährens gegen die Juden stattgehabten Exceffe gaben der „Israelitischen Allianz" in Wien die Veranlassung, eine Hilfsaction zu Gunsten der durch die vorgefallenen Gewaltthätigkeiten geschädigten Glaubensbrüder einzuleiten. Das Ergebniß der Spendensammlung wurde hauptsächlich sechsundachtzig Familien Geschädigter in Holleschau zugeführt, wobei namentlich auch auf solche Bedacht genommen wurde, die durch den geschäftlichen Boycott

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