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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-26 · 4 (26.1.1900) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
4 (26.1.1900)
Date
1900-01-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 68 Dr. Blttch's Wochenschrift» Nr. 4 das rechte einen rothen Flügel zeigt, sind umrankt von Laubstengeln, die rechts und links am Rande sich emporziehen. Die bunten Stengel sind die verlängerten Schwanzenden zweier bunter Greife, die unten in der Mitte sich gegenüberstehen. Unter ihnen kauert ein Löwe. Auf den Blattspitzen der Aeste des linken Stengels sind verschiedene Vögel, und andere leere Stellen der Tafel Men ein Vogel, ein Schmetterling und eine Fledermaus aus. Das Wort Kn in Goldschrift auf blauem mit weißem Rankenornament geschmücktem Grunde ist eingeschlossen von reichornierten Rahmungen, die in bunten Farben auf Goldgrund ausgeführt sind. Das Ganze ist bekränzt von zwei ornierten dreitheiligen Maßwerksgiebeln, als deren Hintergrund eine zinnengeschmückte Mauer mit an den Endseiten angesetzten thurmartigen Gebäuden dient. Ueber der Mauer in der Mitte ist noch ein drittes Wappenschild angebracht, dessen Fläche nach vertikaler Richtung 5 braune goldgefaßte Streifen auf rothem Grunde enthält. In der Farbenstimmung und in den Formen ist dieses Blatt vollkommen den frühmittelalterlichen Malereien an Manuscripten vergleichbar. IH. Der poetisch-liturgische Anhang. Derselbe zeigt keinerlei Illustrationen noch Zierschriften, auch hier fehlen manche Texte und Wörter. Die Schrift ist sehr hübsch und es war wohl auch eine, wenn auch bescheidenere Ausstattung beabsichtigt, was aus den leer ausgelassenen Stellen und den vorgehobenen Wörtern entnommen werden kann. Man sieht auch, daß der Schreiber einen feinen Sinn für die Schriftgruppirung und Anordnung hatte. * * * Der ganze Codex besteht aus Pergamentblättern von 16 cm Brette und 22 cm Höhe. Es wurden drei verschiedene Sorten verwendet. Für den Bildercyclus ist die stärkste Gattung gewählt und sind die Blätter nur an einer Seite benützt worden. Für die Haggadah wurde eine etwas dünnere Sorte genommen und sind die Blätter beiderseittg benützt. Für den Anhang wurde die schwächste Sorte, nicht viel stärker als gewöhnliches Schreibpapier, angewendet. Auch hier ist beiderseitig beschrieben worden. Die Kanten der Blätter zeigen noch eine Vergoldung. Das Pergament aller drei Sorten ist sehr fein ausgearbeitet und überschliffen worden. Die Composition der Bilder dürfte auf anderen Blättern vorgenommen worden sein, weil die ausgeführten keinerlei Spuren von Proben und Versuchen zeigen. Die Cvnturen wurden mit einer Feder und blasser Farbe — Sepia oder ähnliches Braun — aus gezogen. Die geraden Linien sind nicht mit der Reißfeder und dem Lineal gemacht. Mit einem harten Stifte wurden sie vorgerissen und dann sind sie entweder mtt dem Pinsel oder mit der Kielfeder nachgezogeu worden. Die kreisförmigen Linien sind nicht mit dem Zirkel gemacht, nicht einmal sind sie damit vorgeriffen, vielmehr aus freier Hand erzeugt. Alle Darstellungen sind nach Herstellung der Cvnturen mit den Lasurfarben herausschattirt worden, den Localton gab das Pergament, zum Schluffe wurden die Hintergründe mit der Deckfarbe gemalt, meist in blau und roth. Hierauf wurden dann die Wanddeffins aufgetragen und zwar wieder mit Deckfarben. Eine sehr große Geschicklichkeit und Sicherheit verrathen die feinen weißen Rankendeffins auf den Wänden. Diese sind, ohne daß sie vorher vorgezeichnet worden sind, direct mit dem Pinsel aufgetragen worden. Wer selbst solche je ausgeführt hat, weiß, welche Gewandtheit erforderlich ist, das so zu machen, wie es diese Bilder aufweisen. Alle Bilder sind mit Randleisten eingefaßt. Für die Hintergründe wurden nur 2 Hauptfarben verwendet; ein lichtes Blau und ein stumpfes Roth. Die Randleisten haben dann stets die andere Farbe. Ist der Grund roth, dann ist die Leiste blau und umgekehrt. Die Leisten alle haben nahezu die gleiche Breite und ist die farbige Borde derselben durch je einen starken schwarzen Strich begrenzt. Die an den Ecken entstandenen Quadrate sind vergoldet. Auf den farbigen Grund der Rahmung wurde mit Deckweiß in feinen Linien ein wellenförmiges Band gezogen, das von feinen weißen Linien eingesäumt ist. Die geradlinigen Wanddessins rufen den Eindruck einer Plattenverkleidung, mitunter den eines Teppiches hervor. Das Gold ist meist als Blattgold aufgetragen und dann polirt worden. Dieses hat sich auch sehr gut erhalten und zeigt heute noch seinen starken Glanz. Es gibt aber auch Stellen, wo das Gold mit dem Pinsel aufgetragen worden zu sein scheint, dieses erscheint matter und hat sich auch nicht so gut erhalten. Auch den Achatstist hat der Illustrator angewendet, besonders, um durch Goldpunkte, die eingraviert werden, zu wirken. Was im Allgemeinen die Illustrationen betrifft, so weisen sie den Charakter des XII. und XIII. Jahrhunderts auf und könnten ebenso gut von einem kunstfertigen Klosterbruder hergestellt worden sein, was nicht ausschließt, daß sie später nach älteren Vorlagen hergestellt worden sein können. Höchstwahrscheinlich hatte der Illustrator mit christlichen Künstlern nähere Beziehungen und dürfte manches Vorbild aus derlei älteren Werken genommen haben. Den ersten Theil in Bezug auf künstlerische Durchführung weit überragend ist der zweite Theil; denn in der Schrift, sowohl in der einfachen als in der Zierschrift, sowie im Ornament, zeigt der Miniator eine große Gewandtheit, einen feinen Geschmack, eine außerordentliche Geschicklichkeit und Sicherheit. Die hebräischen Zierschriften gehören zum Besten, was nach dieser Richtung geleistet worden ist. Sie zeigen auch, wie es möglich ist, die Quadratschrift, die gegen die Kirchenschrift bei der Anwendung von Zieraten manche und nicht unbedeutende Schwierigkeit verursacht, ganz ebenbürtig verwendet werden kann, und hat der Schreiber die Arbeiten seiner christlichen Collegen gewiß studirt, sehr viele gesehen und hat dann selbstständig und ganz originell ihre Anwendungen und Erfahrungen für seine Fälle verwerthet. Das Wort NL der Stelle riiwvb 'öian pb wpa nö nöbi ks ist geradezu glänzend durchgeführt. Auch der Wechsel in Größe und Farbe, dann Vertheilung der Zeilen, Entwicklung der Schriftreihen, Alles zeigt von künstlerischem, feinem Empfinden. Der Vorgang, den der Schreiber beobachtet hat, scheint folgender gewesen zu sein: er hat zunächst jene Gegenstände, die er zu illustriren und hervorzuheben beabsichtigte, in ihrem Umfange und in ihrer Lage bestimmt und die Grenzen derselben fixirt, dann die Schrift angeordnet, ausgetheilt und geschrieben. Die Zierschriften jedoch und die Bilder hat er nach Fertigstellung der Schrift und gelegentlich gemacht, er hat gewiß auch Versuche vorher auf andern Blättern vorgenommen. Die Grenzen der Bilder und die geraden Linien für die Schriftzeilen hat er mit einem harten Gegenstand, vermuthlich einer Knochenspitze, vorgerissen, wie es auch heute noch die Thorarollenschreiber machen, zu deren Gilde er jedenfalls gehört hat, und diese scheinen im Mittelalter eine eigene Gilde gebildet zu haben. Für die fortlaufende Schrift hat er stets blos die obere Linie vorgerissen und hat mit der Feder gleich ohne jede Vorzeichnung geschrieben. Er war so sicher, daß er die zweite untere Linie nicht brauchte, um die Buchstaben gleich groß zu schreiben. Die Schrift ist auch sehr schön und deutlich, namentlich gleichmäßig; der Charakter derselben, ob groß oder Miniatur, ist derselbe, woraus zu schließen ist, daß der Bildercyclus, die Haggadah und der liturgische Anhang auch von einer Hand herrühren. Das ganze Werk scheint auch eine längere Zeit zur Herstellung beansprucht zu haben und scheint dasselbe auch nicht auf Bestellung für einen bestimmten Auftraggeber gemacht worden zu sein, oder wenn doch, so ist es niemals an den Besteller abgeliefert worden, da es ja unvollendet blieb. Der früher erfolgte Tod oder sonst ein mächtiges Hinderniß scheint die Vollendung unmöglich gemacht zu haben. Erhalten hat sich das Ganze trotz der Jahrhunderte und trotz des Vandalismus, der daran geübt wurde und dessen Spuren vorhanden sind, sehr gut; denn die Farben und das Gold sind meist noch sehr frisch und nur die Schrift ist stellenweise je nach Zusammensetzung der Tinte mehr oder weniger vergilbt. Manche Partien sind aber noch ziemlich dunkel. Wir wollen durch diese Mittheilungen auch das Andenken des unbekannten Künstlers in Ehren erhalten wissen. Norddeutsche Grotzgemeindrn. Ein Culturbild. Von Dr. S. Bernfeld. I. Die kleineren Gemeinden im nördlichen Deutschland fristen ein überaus trauriges Dasein und sind unrettbar dem Untergang geweiht. Im Grunde genommen dauert schon der Zuzug der Juden nach den großen Handelscentren seit ungefähr anderthalb Jahrhunderten. In der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts begann insbesondere in Preußen ein bedeutender wirthschaftlicher Aufschwung, an dem die Juden hervorragenden Antheil genommen haben. Dies begünstigte ungemein den Zuzug der Juden nach dem Mittel-

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