Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 4 (26.1.1900)
- Date
- 1900-01-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 4 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 67 zuerst allein für den Hof die Aufträge erledigte und erst, als sich das Geschäft erweiterte, ihren Bruder Jakob Kaulla zuzog, der sich unter ihrer Anleitung erst zum Geschäftsmann entwickelte. Später wird er Chef des ausgebreiteten Geschäftshauses. Nun gelaugt ihr Haus zu Weltruf, das auch in den Gang der weltgeschichtlichen Ereignisse einzugreifen berufen war. Vom Hechinger Fürstenhause wird Kaulla dem Feldmarschall der K. K. österreichischen Reichs armee Erzherzog Karl bei dem Ausbruch des Krieges mit Frankreich zum Chef der gesammten Verproviantirung des Heeres empfohlen und so beginnt mit 1796 ein bemerkenswerthes Capitel in der Geschichte des Kaulla'schen Geschäftshauses. I. Kaulla ist in allen Punkten thätig, bald auf seinem Comptoir in H., von wo er seine Ordres an ein ganzes Heer von Agenten ertheilt, bald draußen bei der Armee, die er zum Theil noch in geheimen Missionen begleitet. Der Erzherzog Karl schreibt an ihn wie an seinen „lieben Jakob Kaulla" und das ohne Beigeschmack vornehmen Herunterlächelns auf den Juden, wie man das sonst soviel in derartigen Verbindungen findet. Jakob Kaulla ist aber auch keine Krämerseele, er ist bei seinen Militärlieferungen gleicher Zeit Patriot, er wird darum Vertrauensperson, die auch in geheimen Sendungen höheren Orts w ie von Erzherzog Karl und selbst von Kaiser Franz verwendet wird. Im Jahre 1801 erfolgte die Ernennung zum K. K. Rath in Wien, womit die Erhebung in den Adelstand verbunden war. Die gleiche Ehrung war auch der „Madame" Kaulla von Kaiser Franz zugedacht. Befragt, ob sie in den Adelstand für sich und ihre Nachkommen erhoben sein wolle, gab sie zur Antwort, es könnte dies leicht für sie oder chre Nachkommen Versuchung zum Abfall von dem Gotte ihrer Väter werden. Sie erhielt eine goldene Ehrenkette, die noch heute in ihrem Hause aufbewahrt wird. Es mag davon manches Anekdote sein, aber charakteristisch jedenfalls für diese großgesinnte Frau, die nicht minder in diplomatischen Sendungen für das kaiserliche Haus thätig gewesen sein muß, nur daß sie sich begnügt zu haben scheint, nicht so sehr öffentlich damit hervorzutreten und sich hinter ihren Bruder zu stellen, da dieser der älteste des Hauses geworden. Die Beziehungen zu fürstlichen Höfen mehrten sich zuletzt in der vorurtheilsfreien, die Bürgertugend überall hervorziehenden Regierung König Friedrichs von Württemberg, unter dem die Kaulla's Bürgerrecht in Stuttgart erhalten. Das Comptoir und damit der Wohnsitz wird von Hechingen dauernd nach Stuttgart verlegt. Hier wird Jakob Kaulla der Begründer oder Mitbegründer der König!. Württembergischen Hofbank. Gestorben sind sie kurz nacheinander, die Schwester, Räthin Kaulla, 1809, ein Jahr darauf auch der Bruder, ihr Andenken gesegnet vom Volk wie von officiellen Kreisen. Auf dem Lebensbilde dieser beiden Kaulla haftet der Schatten nicht, daß sie unpopulär beim Volk gewesen wären, wie das von so vielen Hofjuden sonst gilt mit oder ohne deren Schuld; gerade beim Volk ist so manches von ihnen und in Ehren sprichwörtlich geworden. Ein sonderbarer Traum. Der Hausirerer Marcus Rosenberg in Großwardein verließ vor einigen Tagen seine Familie, um den üblichen Weg in die Dörfer zu machen. Bald nach seiner Entfernung träumte seiner Frau, er sei im benachbarten Walde von Räubern überfallen, der Habe beraubt und dann verbrannt worden. Erschreckt fuhr sie aus dem Schlafe auf, weckte die Kinder, und Alle beteten für das Leben des Abwesenden. Am nächsten Tage begab sie sich in den Wald, fand dort den Stock des Gatten und daneben verkohlte Menschenknochen. Bis zur Stunde ist der Hausirer in der That nicht zum Vorschein gekommen. Die Gendarmerie hat eifrige Nachforschungen eingeleitet. Einiges über die künstlerische und technische Ausführung der Hsggadah von Serujevo. Von Architekt Max Fleischer, Wien. (Schluß.) ll. DieHaggadah. Auf 51 Blättern ist sie geschrieben und illustrirt. Diese Blätter sind beiderseitig verwendet. Auf manchen Blättern ist die Schrift begonnen, aber nicht vollendet. Manche Seite ist ganz leer. Die Anfangswörter der einzelnen Abschnitte oder solche, die eine besondere Bedeutung haben, sind reich ornamentirt und mit Gold und mit Farben behandelt, ähnlich und im Sinne der Ausführung der Zierschriften an anderen Bilderhandschriften des Mittelalters. Am Schluffe der Seiten sind mitunter Zieraten angebracht, vorstellend Drachen, Greife, schlangenartige Thiere mit Menschenköpfe, dann Vögel u. dgl., alles stark stilistisch. Sie können jeden Vergleich aushalten mit den besten anderen Darstellungen der gleichen Zeitperiode. Mitunter sind auch im Texte figurale Darstellungen. Manche versinnbildlichen einen Spruch oder einen Satz des Textes, auch hierin ähnelt der Codex den anderen Bilderhandschriften. Seite 26 ist darauf hingewiesen, daß die Israeliten dem Pharao Pithom und Ramses bauen mußten, und man sieht dies illustrirt durch 2 Gebäude. Seite 39 spricht vom Tode der Erstgeborenen. — Man sieht als Illustration einen todten Knaben. Seite 49 und 50 citirt eine Belehrung des Rabban Gamaliel. Das Bild zeigt einen älteren Mann im blauen Mönchsanzug auf einer Bank sitzend, vor ihm, um eine Stufe erhöht, sitzen drei Jünger. Zwei davon entblößten Hauptes, der dritte und der Rabbi haben die Kapuze über dem Kopfe. Die Schüler haben Bücher in den Händen und merken auf den Lehrer, dieser mit ernstem Gesichte schwingt mit der Rechten eine Geißel, mit der Linken deutet er auf die Schüler. Das Bild selbst trägt auch die Ueberschrift in goldenen Lettern auf blauem, weiß dessinirtem Grunde. Seite 50 ist auch das Wort noe hervorgehoben und die Ursache des Festes erklärt; ein blos in Conturen gezeichnetes Lamm soll an das Opferlamm erinnern. Seite 51 und 52 begründet das Essen der Mazzos und wir sehen vor uns ein Bild, wo zwei Männer eine blau geränderte Goldscheibe halten, in deren Mitte ein rechteckiges Feld mit rothem Rande und blauem, weiß dessinirtem Grunde in goldenen Lettern die Inschrift enthält: .u nxa Der Goldgrund der Scheibe ist noch mit bunten Blatt- und Rankenverzierungen vrniert. Das Ganze ist sehr schön ausgeführt und farblich sehr gut gestimmt. Seite 53 begründet das Essen des Bitterkrautes. Eine Vignette zeigt zwei Knaben, die ein Bündel Blätter, welche zu einem Bouquet vereinigt sind, in aufrechter Stellung halten; eine Inschrift mit Goldbuchstaben besagt: ht nna. Der Grund der Vignette ist roth und die freien Stellen sind mit einem sehr feinen Rankenornament überzogen, das aus den Rachen zweier Greife heraustritt. Ornament und Greife sind mit Deckweiß auf dem rothen Grunde aufgetragen. Beim Segensspruch über den Wein — Seite 61 — ist ein Wemstock abgebildet. Seite 62 erwähnt die Mahlzeit, und eine Vignette dazu zeigt eine weißgedeckte Tafel mit der Tischgesellschaft. Bon der Decke des Raumes herab hängt die brennende Oellampe, und eine zweite Lampe ist offenbar dem Feste geweiht. Das Familienoberhaupt setzt eben den goldenen Weinbecher an den Mund, ein Knabe mit einem Becher in der Hand sitzt neben ihm. Eine andere Person erfaßt gleichfalls einen Becher, während die Haustochter im grünen Kleid in einer Schüssel eine Speise zertheilt. Vis-ä-vis dem Hausvater ist die Hausfrau mit rothem, golddurchwirktem Kleide und mit einer eigenthümlich mit Gold durchwirkten Haube, während im Vordergründe ein schwarzer Diener sitzt. Auf dem Tische sieht man Mazzos. eine Flasche mit Rothwein, eine Schüssel mit Eiern. — Aus dem „Hohen Liede" Cap. 2, V. 13 ist auf Seite 90 die Stelle angeführt: „Die Feige würzt ihre Fruchtkeime rc.", und als Schlußverzierung folgt ein Feigenstock. Sehr reich ausgestattet ist Seite 5, womit die Erzählung der Haggadah beginnt. Zwei Wappenschilde in den unteren Ecken, von denen das linke auf Goldgrund eine rothe achttheilige Rosette,