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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-26 · 4 (26.1.1900) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
4 (26.1.1900)
Date
1900-01-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 66 Dr. Bloch's Wochenschrift Sfr, 4 bedeutenden seitens des Dr. Adler beantragten Acndernng die Resolution Prag in folgender Fassung angenommen: „Der Vorstand der A. I, A spricht das Vertrauen aus, daß die Cession der dem Baron Rothschild gehörenden Colonien an die I. C. A. recht erfolgreich sein wird." Es ist dieser Beschluß erfreulich, weil er erstens zeigt, daß die A. I. A. nicht Gegner der Eolonisation Palästinas ist, und zweitens, weil dadurch keine weitere Opposition gegen die Thatsache der Uebertragung der Rothschild'schen Colonien an die I. C. A. mehr zu besorgen ist, welche die einzige Chance für das Gedeihen dieser Colonien ist, und der Niedergang dersel en ein zu harter Schlag für das jüdische Colonisationsprincip überhaupt wäre. An den Colonisten ist es jetzt, sich nach der neuen Sachlage einzurichten, die Gelegenheit wahrzunehmen, die zu ihrem Heil führen, ihnen und dem ganzen Judenthume zur Ehre gereichen kann. Sie muffen die größten Anstrengungen machen, physische und moralische, sich unabhängig von Unterstützungen von außen zu machen, daß die bisherigen Mißerfolge der Colonien nur auf den Conto der Verwaltung kommen und ihr Gründer und edler Erhalter bis jetzt, der nur schweren Herzens sich von einem Theil seiner Verantwortlichkeit befreit, noch das Gedeihen seiner Schöpfungen sieht, die er zu seiner Lebensaufgabe gemacht und mit deren Enttäuschung jeder Eifer für die große Sache der Eolonisation bei allen unseren Großen für immer erkalten würde. Vom Jahrmarkt des Lebens Das „Deutsche Volksblatt" setzt zu dem Namen einer Frau K o h u, von der es berichtet, daß sie Malversationen verübt und entflohen sei, ein Ausrufungszeichen. Was das in diesem Blatte bedeuten soll, braucht nicht erst gesagt zu werden. Aber in derselben Notiz wird erwähnt, Franz Rad Huber habe seinen Chef betrogen und sei entflohen. Folgen wir also dem „Deutschen Volksblatt" und setzen wir auch ein Ausrufungszeichen zu dem Namen. Wir können das „gute" Beispiel fortsetzen: „Hummel" (!), „Kutschera" (!), „Kopetzk y" (!) und die M ü h l d o r s e r Obligationen nicht zu vergessen! * * * Das „Deutsche Volksblatt" erhebt gegen den „Demokrat" Lucian Brunner", den Gemeinderath, der so unerschrocken und thatkräftig der christlichsocialen Mißwirthschaft im Wiener Gemeinderath entgegeutritt, den Vorwurf, er wolle eher den Regierungscommissär als eine christliche Gemeindeverwaltung. Die Fälschung, die man den Absichten des Herrn Brunner da unterschiebt, ist offenbar. Er will nicht, daß „eine" christliche Gemeindeverwaltung durch den Regierungscommissär ersetzt werde, sondern wenn er etwa einen Regierungscommissär an der Spitze der Wiener Gemeinde sehen möchte, so will ex sicherlich nur, daß diese sogenannte christlichsociale Gemeindeverwaltung, die eben weder christlich noch social ist, weggefegt werde, weil sie die Gemeindewirthschaft auf das Schlechteste besorgt, weil in ihr die Protectionswirthschaft zu Hause ist, weil sie die Lehrer drangsalirt, weil sie einen Wahlrechtsraub im Sinne hat, weil sie inhuman ist. Wenn aber schon der Wunsch nach einem Regierungscommissär so sehr verargt werden würde — haben denn die Herren im Antisemitenhof ein so kurzes Gedächtniß, daß sie nicht tvissen, was ihre Gesinnungsgenossen 1894 bis 1898 in allen Versammlungen geschrieen haben? Die Antisemiten meffen eben mit zweierlei Maß — das ist ihre Moral l Die Judenschulen in Rumänien. Aus Bukarest kommen uns Nachrichten zu über Chicanen, denen die jüdischen Schulen in Rumänien ausgesetzt sind. Bekanntlich zcchlen die Juden in Rumänien die Blutsteuer ebenso wie die Erwerb- und Einkommensteuer gleich den anderen Bewohnern Rumäniens. Wenn es sich um Pflichten handelt, kennt man in Rumänien keinen Unterschied der Coufessiou, wenn aber Rechte in Frage stehen — ja, Bauer, das ist etwas Anderes, da tritt man den Ebrei, so viel man kann zu Leibe. Sie zahlen mit ihrem Steuergelde den Aufwand für die rumänischen Staatsschulen, ihre Kinder aber sind vom Besuche dieser Schulen ausgeschlossen. Opferbereit und bildungsfreundlich, wie eben die Juden sind, haben sie sich eigene Schulen errichtet, die sehr werthvolle Erfolge aufzuweisen haben. Ist es nun Judenhaß oder Neid — die rumänische Regierung bemüht sich, die Existenz dieser Schulen zu untergraben. Da die Schulen Samstag und Sonntag geschlossen gehalten wurden, fand irgend ein ministerielles Kirchenlicht heraus, daß bei fünftägigem Unterricht das Lehrziel nicht erreicht werden könnte und bedrohte die Juden mit der Schließung der Schulen, wenn nicht auch am Samstag Unterricht ertheilt würde. Wiewohl die Ausbildung der jüdischen Kinder beweist, daß für sie der fünftägige Unterricht genügte, mußten sich die Juden doch der Staatsgewalt fügen und ließen ihie Kinder auch am Samstag unterrichten, boten doch Religion, Geschichte, Anschauungsunterricht genug Stoff zu instructiven Vorträgen, welchen die Kinder aufmerksam folgten. Das war aber wieder nicht nach dem Sinne des ministeriellen Kirchenlichts, denn nun wurde verlangt, daß in den Judenschulen der Stundenplan der rumänischen Schulen eingehalten, d. h., daß am Sabbath geschrieben und gezeichnet werden soll. Man sieht, es ist blos die Chicane der Willkür, vielleicht irgend eines untergeordneten Organes, maßgebend, denn während wir noch vor acht Tagen berichten konnten, es seien zwei Juden als Professoren an rumänischen Schulen angestellt worden, müssen wir heute von den Verfolgungen jüdischer Schulen sprechen. Woher diese widerspruchsvolle Handlungsweise des rumänischen Cabinetes? Kann der Unterrichtsminister Take I o n e s c u (jetzt Finanzminister) mit derselben Hand geben und nehmen? Ist es seiner, der sich europäischer Bildung rühmt, würdig, einem ehrlichen Streben nach Erziehung und Wissen, eine so niedrige Verfolgungssucht entgegenzustellen? Löst das Cabinet Cantacuzene in solcher Weise das Versprechen ein, das es zu Beginn seiner Wirksamkeit gegeben hat? Wir sind begierig, zu erfahren, wie sich der,neue Unterrichtsminister Dr. I st r a t i zu diesen Chicanirungen jüdischer Schulen stellen wird. Es müßten doch die Rumänen am eigenen Leibe es am Empfindlichsten wahrgenommen haben, welche Wirkungen im Staatsleben eintreten, wenn das Volk oder auch nur ein Tbeil desselben in der Bildung zurückbleibt, ebenso wie die gebildeten Mitglieder des Cabinets werden erkennen müssen, daß es absolut undurchführbar ist, den Bildungstrieb unterdrücken zu wollen. Daß die Gerechtigkeit und die Pflicht — mit Hinweis auf den Berliner Vertrag die Pflicht — von den Rumänen verlangt, den Juden die Rechte nicht vorzuenthalten, die sie sich durch ihre patriotische Haltung im Kampfe um die Unabhängigkeit Rumäniens erstritten haben — und die leider noch immer aus dem Papier stehen — werden selbst die chauvinistischesten Rumänen anerkennen müssen. Aber darnach handeln — ja Bauer, das ist etwas Anderes. N. V. Ein jüdisches Bankhaus. In einem Breslauer Blatte findet sich eine auf Quellen beruhende Geschichte eines jüdischen Bankhauses, die allgemeines Interesse hat. Es handelt sich um das mancherlei geschichtliches Interesse bietende Geschwisterpaar K. K. Rath Jakob Kaulla und seine Schwester, die „R ä t h i n o d e r Madame" Kaulla, wahre Finanzgenies, die ein Handlungshaus von Weltruf begründet, lange ehe die Rothschild's ihre merkantile Bedeutung erlangten. Sie wird als Frau von imposantem Aeußeren geschildert. Der Fürstenhof in Donaueschingen ward zuerst auf sie aufmerksam, strenge Reellität, wie Geschästsgewandheit, kühner Unternehmungsgeist waren ihre Empfehlung. Bald auch bediente sich das Hohenzollern-Hechingsche Fürstengeschlecht ihrer als Hofagenten. Das Merkwürdige ist, daß Madame Kaulla, die eine ziemlich unbedeutende Persönlichkeit zum Manne hatte, den Grund zu allem legte, sie

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