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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-26 · 4 (26.1.1900) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
4 (26.1.1900)
Date
1900-01-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Vr. Bloch's Wochenjchrist. Seite 63 Nr. 4 an. Sie gesteht schreiend, daß sie in Wahrheit die Kuh des Rathsherrn derart verhext habe, daß diese ein Kalb mit zwei Köpfen zur Welt bringen mußte. Jetzt wird Lukas Isaak vorgeführt, ein Jude, der unter der Beschuldigung steht, einem Christenknaben Blut abgezapft zu haben. „Sprich, Jude, hast Du es gethau?" wendet sich der Richter an den Jnculpaten. „Bei dem Gott meiner Väter, ich habe es nicht gethan." „Henker, legt dem Beschuldigten das Capistrum in den Mund," befiehlt der Richter. Isaak erbest. Er kennt das Capistrum, er weiß, daß es eine Vorrichtung ist, welche die der Folter Unterworfenen am Schreien verhindern soll. „Habt Ihr dem Jnculpaten die Haare abgeschoren." Der Henker bejahte die Frage. „So verfahrt nach Eurer Instruction." Der Henker kennt sein Amt. Er gießt dem Beschuldigten Branntwein auf den Kopf und zündet ihn an. Er wird alsdann an den Händen gebunden, aufwärts nach der Decke gezogen, so daß er frei in der Luft schwebt, und dann hält der Henker ihm brennenden Schwefelfaden unter die Arme und unter den Hals. Isaak loird, nachdem man ihm das Capistrum aus dem Mund genommen, gefragt, ob er nunmehr seine Schuld gestehen wolle. „Bei dem gerechten Gott, ich habe nichts Böses gethan." „Henker, so waltet weiter Eures Amtes." Isaak wird auf ein Bett mit eisernen Stacheln gelegt und wieder mit den Händen bis an die Decke gezogen. Die beiden großen Fußzehen und die beiden Daumen werden ihm zusammengeschraubt, und da er trotz der fürchterlichen Qualen noch kein Schuldbekenntniß ablegt, werden seine Lenden mit einer ledernen Peitsche bis aufs Blut gehauen. Auch das war fruchtlos. Es wurden nun dem Beschuldigten spanische Stiefel angelegt, aber obwohl sein Gesicht sich vor Schmerz bis zur Unkenntlichkeit verzerrte, blieb er dabei, daß er unschuldig sei. Nach einigen Tagen wurde die Tortur bei Isaak wieder ausgenommen. Er wurde rückwärts aufgezogen, beide Schulterknochen aus ihrer Verbindung gedreht und alsdann wurde er abermals mit der ledernen Peitsche gehauen. Der Beschuldigte ertrug alle Qualen und blieb dabei, daß er unschuldig sei. Ein scharfsinniger Beisitzer des Gerichtshofes kam auf die Vermuthung, daß, wenn Jnculpat die ihm zur Last gelegte That nicht verübt habe, dieselbe wohl von dessen Tochter Sarah ausgeführt worden sein könne. Sarah wurde gefänglich eingezogen und vor den Augen des Vaters gefoltert. Auch sie bestritt ihre Schuld. Man wandte einen höheren Grad der Tortur bei ihr an, und wieder mußte der Vater Zeuge sein ihrer fürchterlichen Qualen. Sie blieb standhaft, als aber der Richter befahl, dem Mädchen kochendes Pech auf den geschorenen Kopf zu gießen, schrie der Vater herzzereißend auf und sagte: „Laßt das Mägdlein gehen — ich bekenne mich schuldig ich lege jedes Geständniß ab, das Ihr haben wollt." Damit war man nicht einverstanden; er solle nur gestehen, daß er dem christlichen Knaben Blut abgezapft habe. Und er gestand es. Er wurde zum Feuertode verurtheilt, und sein Vermögen wurde eingezogen und die Habe seiner ganzen Sippschaft zu Gunsten des Gerichtes und der Richter . . . Und man hatte ein „historisches Zeuguiß", ein gerichtliches Document, daß auf die Nachwelt übergekommen ist und laut und vernehmlich spricht für die Blutschuld der Juden . . . Wer nach solchen Beweisen noch nicht daran glaubt, daß die acht Millionen Juden, welche über die ganze Erde zerstreut sind. Christenblut gebrauchen und deshalb alljährlich zu ihrem Passahfeste viel Tausende von Christenkindern hinschlachten, dem ist nicht zu helfen. Dr. F. Galizien. iv. Von Tr. Ernst Tuch, Hamburg. Die landwirthschaftliche Productivgenossenschaft ist als das Mittel erkannt worden, welches die Bodencultur Galiziens heben kann zu einer Höhe, wie sie in den übrigen Culturstaaten schon theilweise erreicht ist, zu einer solchen Entwicklung, daß der galizische Bauer sich selbst menschenwürdig ernähren, der Eigenconsum des Landes im entsprechenden Maße zunehmen und das galizische Getreide erfolgreich auf dem Weltmarkt concurirren kann. Hiermit erst könnte die Großindustrie ihren Einzug halten in das so arme Land. Es ist ein Unding, Industrie gewaltsam ohne eine gesunde Grundlage schaffen zu wollen. Industrie entsteht dort, wo ein Bedürfniß dafür besieht, nirgends wo sonst. Die richtige Entwicklung legt ein bekannter deutscher Schriftsteller in folgenden kurzen Sätzen dar. Der natürliche Weg zur Hebung des Wohlstandes in Norddeutschland wäre: Vermehrung 0er Bauern, die Vermehrung der Handwerker, Vermehrung der kleinen Städte nach sich ziehen würde. Diese würden Eisenbahnen fordern, und mit denen zöge die Großindustrie ein." *) Industrie nach Galizien heule verpflanzen wollen, hieße, ein Gebäude vom Dach zu bauen anfangen. Vor allem muß eine Industrie eine consumkräftige Landbevölkerung vorfindrn. Ich verweise auf die augenfällige Erscheinung, daß die Industrie in Deutschland gerade dort am meisten blüht, wo der ländliche Grundbesitz am gleichmäßigsten vertheilt ist, wo die ländlichen Verhältnisse am gesündesten sind, das ist in West- und Süddeutschland. daß anderseits im nördlichen Deutschland, in Ost- Elbien, wo sich die gewaltigen Latifundien finden, wo infolgedessen die Landwirthschaft daniederliegt, weil ständiger Arbeitermangel herrscht, daß dort auch die Industrie sich nicht zu entfalten vermochte. Die landwirthfchaftlichen Productivgenofsenschaften stellen nun eine solche consumkräftige Bevölkerung dar, sie ziehen Handwerker zu sich heran, sie bilden geschlossene Siedlungen, die sämmtliche Gemeindepflichten und -Rechte übernehmen können. Sie haben das Bedürfniß, ihre Producte mit möglichst geringen Transportkosten auf den Markte zu bringen, und ziehen also von selbst das Capital zum Bau von Eisenbahnen heran. Die Frage ist nun, wie kann eine solche Productivgenossenschaft gegründet werden? Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Es kann der Staat selbst seine Domänen für diesen Zweck einrichten. Doch ist hiefür.'geringe Aussicht vorhanden, am allerwenigsten in Galizien. Es können ferner Großgrundbesitzer mit ihren Arbeitern gemeinsam eine Productivgenossenschaft gründen, deren Leitung sie sich Vorbehalten. Dies ist in Irland und Amerika mehrfach vorgekommen, und es wird sicher auch hier eintreten, sobald anderweitig entstandene landwirthschaftliche Productivgenoffenschaften ihre wirthschaftliche Ueberlegenheit übr den heutigen Großbetrieb bewiesen haben werden. Doch werden, glaube ich, die galizischen Großgrundbesitzer angeblich später als die anderen Länder zu diesem Schritte sich entschließen, ihr Stolz wird ihnen einen argen Streich spielen. Ein dritter Weg ist der. daß irgend eine capitalkräftige Gesellschaft, etwa eine Hypothekenbank auf einem chr in der Subhastation zugefallenen Gute eine derartige Genossenschaft cinrichtet, sie würde zweifellos kein schlechtes Geschäft machen. Die vierte und letzte, für uns ausschließlich in Betracht kommende Form ist die, daß aus rein philantropischen Gründen der Genossenschaft das Capital zugeführt wird. **) Hier bietet sich eine Gelegenheit für alle, welche ihre armen galizischen Brüder retten, eine große sociale That vollbringen wollen. Die Durchdringung dieser Sache würde etwa in folgender Weise vor sich gehen. Die Genossenschaft kauft mit dem dargeliehenen Gelde ein Gut an von etwa 1500 Morgen (=-3000 preußischen Morgen). Dies würde, da der fruchtbarste Boden in Podolien im einzelnen Morgen 300 fl., in größeren Complexen 200 fl. kostet, etwa 300.000 fl. erfordern. Daß solche Güter zu *) Carl Ientich: „Die Agrarkrisis" p. 161, Anm. **) Vgl. hierzu die genaueren Ausführungen bei Dr. Franz Oppenheimer. Die Siedlungsgenossenschaft. Leipzig 1896. p. 314 ft. — Es ist überhaupt die überaus geistreiche und ihrer logischent Folgerichtigkeit, wie ihrer wissenschaftlich erwiesenen Durchführbarkei unübertroffene Lösung der socialen Frage, wie sie Oppenheimer in diesem und in anderen Werken gegeben hat, die in diesen Artikeln vertreteu wird. m

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