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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-19 · 3 (19.1.1900) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
3 (19.1.1900)
Date
1900-01-19
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 3 Vr. D^ich's Wochenschrift. Seite 59 Nebenzimmer, welches von einer behaglichen Wärme durchströmt war und sagte: „Hier wird der Herr nach dem überstandenen Reiseungemach hoffentlich gut schlafen." Ich blickte prüfend ringsumher und war nicht wenig von der Sauberkeit, die hier bei aller Einfachheit herrschte, angenehm überrascht. Aehnliches hatte ich noch selten in Galizien angetroffen. Der Alte merkte meine Zufriedenheit und fuhr mit einem Anflug von Süffisance fort: „Ich hätte dem Herrn gern das beste Zimmer im Hause eingeräumt, aber es liegt etwas zu tief im Hofe rückwärts und ich möchte den Herrn nicht nach so großen Strapazen mit nochmaliger Uebersiedlung plagen. Wenn Ihr übrigens wollt, so steht es Euch zur Verfügung. Es ist allerdings jetzt von meinem Sohne bewohnt, aber der wird es Euch mit Freuden überlassen, da er sich überhaupt seit langem darnach sehnt, Eure persönliche Bekanntschaft zu machen. Er ist ohne Zweifel noch wach, da er täglich bis tief in die Nacht arbeitet. Er ist nämlich — fügte er mit unterdrücktem Seufzer hinzu — ein Studierter und hat einen ähnlichen Hang wie der Herr ..... doch glaube ich, daß Ihr von der Reise zu ermüdet seid, um in diesem Augenblick neue Bekanntschaften machen und lange Unterredungen Pflegen zu wollen." „In der That", erwiderte ich, „ich bin sehr ermüdet; aber was Ihr mir da sagt, ist für wich von großem Interesse und wäre ich zuvörderst sehr begierig zu wissen, wie ich zu der Ehre komme, von Euch und Eurem Sohne gekannt zu sein?" „Wie könnt Ihr nur so fragen? " entgegnete er rasch „Aber das wird sich alles beantworten, wenn Ihr einmal ausgeruht seid. Ihr werdet ja ohnehin zum mindesten noch den ganzen morgigen Tag hier verweilen müssen, bis die Straßen in der Runde wieder nur einigermaßen fahrbar sein werden. Dürfte es doch, und dies auch nur dann, wenn das Schneewehen aufhört, noch ei.nen vollen Tag in Anspruch nehmen, bis nur die Straße den Berg hinauf in der Richtung gegen Zaleszczyki aus den Schneebergen hervorgegraben sein wird .... Doch da stehe ich und schwatze, derweil Ihr vermuthlich seit vielen Stunden nüchtern seid; es wird Euch wohlthun, den Magen ein wenig zu erwärmen." Sprach's und eilte davon. (Forsetznng folgt.) Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Einen Augenblick war das Hornek'sche Ehepaar von der Wendung, die das Gespräch genommen, von dem förmlichen Kosakenüberfalle, betreten. Beide, der Major und seine Frau hatten wohl daran gedacht, ja zuweilen davon gesprochen, ihr Vermögen einmal an Lorenz zu vererben, aber daß sie plötzlich, ohne ihre eigene Initiative, zu einem entscheidenden Schritte gedrängt würden, erschien ihnen doch nicht correct, machte sie einen Augenblick verwirrt; — allein es traten in dem Momente mehrere Umstände zusammen, die sie bestimmten, auf Golzinger's Wunsch einzugehen. Sie hatten zu Ehren des Geburtstagkindes eine somptueuses Mittagsmahl abgehalten, hatten nicht nur gut gegessen, sondern auch viel und gut getrunken. Sie waren nicht geradezu berauscht, aber doch nicht so nüchtern, um sich rasch ein eigenes Urthe l bilden zu können. Die Wortfängerei Golzinger's erschien ihnen nicht als solche. Hornek's Aeußerung: „Meine Frau und ich werden uns ja unser Geld nicht mit ins Grab nehmen," welche von Seiten seiner Frau keinen Widerspruch erfahren, konnten im Zusammenhänge mit dem Vorhergesprochenen leicht in dem Sinne, wie es Golzinger gethan, zu Gunsten seines Sohnes aufgesaßt werden. Auch hatte der Bürgermeister den Baron bei seiner schwachen Seite gefaßt, es erschien ihm nicht gentlemanlike durch ein Verweigern des von Golzinger gestellten Antrages einen Zweifel an seine Wahrhaftigkeit und Ehrenhaftigkeit aufkommen zu lassen. Was die Baronin anbelangte, hatte sich Golzinger gleichzeitig an ihr Herz gewendet. Ihre Schwester, Lorenzen's Mutter, war in der That ihre nächste und einzige Blutsverwandte, sie hatte, wenn sie ihr Vermögen nicht etwa frommen oder wohlthätigen Stiftungen hinterlassen wollte, es in der That Niemand Anderem als ihrer Schwester oder deren Kinde hinterlassen können. Endlich hatte die Drohung des schlauen Mannes, die Verwandten des Barons, die sich in der That Lsehr schlecht gegen sie benommen, ihnen grenzenlose Verachtung bewiesen hatten, könnten in den Besitz ihres Vermögens gelangen, zu Lorenz' Gunsten eingewirkt, und vielleicht war gerade diese Befürchtung für sie die am meisten bestimmende. Es war eine kleine Pause eingetreten, während welcher die Baronm ihren Gatten fragend anblickte, endlich sprach sie: „Wenn es D i r recht ist. bin ich mit unseres Schwagers Vorschlag einverstanden, und könnten wir auf morgen Vormittag den Advocaten bestellen lassen." Der Baron war, wenn er sich in guter Weinlaune befand, weichen Stimmungen zugänglich, als „halbtausendjähriger Edelmann," wie er sich zu bezeichnen liebte, wollte er seiner Frau, deren Nachgiebigkeit und Entgegenkommen ihn rührte, nicht nachstehen, und er sprach mit theatralischem Pathos, aber trotzdem vernünftiger als er dies sonst zu thun pflegte: „Ich habe unser Leben durch den Glanz eines halbtausendjährigen Namens geschmückt; aber das große Vermögen hast Du Mathilde mitgebracht; — darüber gebührt Dir das erste Wort, ist es Dir recht, daß wir schon jetzt unfern letzten Willen zu Lorenzen's Gunsten abfassen, so kann Schwager Golzinger seinen alten Collegen Dr. Volbrecht hierherbestellen." „Ich wün;che und hoffe, daß mein Lorenz seine Erbschaft erst als altes, graues Männlein antritt!" rief Golzinger mit vortrefflicher Schauspielkunst, ein prächtiges Schluchzen imitirend und applicirte seiner Schwägerin einen Kuß auf die Hand, daß er nur so klatschte! „Also jetzt," meinte der Baron zu Golzinger gewendet, „nachdem wir durch unsere Großmuth die Zukunft Eures Sohnes bezüglich des Vermögens sicher gestellt haben, werdet Ihr doch hoffentlich nichts dagegen einzuwenden haben, daß Euer Lorenz in die Fußstapfen seines Oheims und Wohlthäters tritt und Soldat wird, was. Ihr alter Schafskopf?" Golzinger schluckte den „alten Schafskopf" wie eine verzuckerte Pille mit einem Lächeln, das fein Spaß-Berständniß ausdrücken sollte, hinunter, und erwiderte: „Ich unterwerfe mich ganz dem, was Sie, hochverehrter Herr Schwager und Sie, gnädige Frau Schwägerin, über meinen Lorenz verfügen." „Das könnt Ihr mit voller Beruhigung. Ich werde ihn, sobald er das hierzu nöthige Alter besitzen wird, als Cadet bei dem Uhlanenregiment, bei dem ich selbst gedient, eintreten lassen." „Hm," räusperte sich Golzinger ostentativ und vernehmlich, „wenn Sie so meinen; aber — ...." „Was habt Ihr wieder zu abern, Ihr alter Rechtsverdreher?" schrie der Major humoristisch, aber doch mit einem Anfluge von Ungeduld. Der Bürgermeister legte den „alten Rechtsverdreher" zu dem vor Kurzem niedergeschluckten „Schafskopf" und erwiderte unterwürfig: „Ich habe es ja schon gesagt, hochverehrter Herr Schwager, daß wir, ich und mein Sohn, uns blindlings Ihrem Willen unterwerfen; aber. . . ." Golzinger stockte und that als wenn er verlegen zu Boden blickte. „Sakkerment hinein!" wetterte der Major und drehte in nervöser Aufregung seines gewichsten Schnurrbartes. „Was habt Ihr denn? Was wollt Ihr noch? redet deutsch! heraus mit der Plempe!" „Wenn Sie durchaus meine unmaßgebliche und unvorgreifliche Meinung wissen wollen, hochverehrtester Schwager, so will ich diese durchaus nicht verheimlichen .... Ich Hab' ja auch früher so wie das Kind mir nichts Lieberes und Schöneres gewünscht, als daß Lorenz Soldat wird .... Ich Hab' ja deshalb, hochverehrter Herr Schwager, an Sie geschrieben und bei Ihnen um die Erlaubniß nachgesucht, meinen Sohn dem Militärslande widmen zu dürfen; — aber, was versteht ein dummer Civilist von diesen Dingen! Jetzt aber bin ich eines Befferen belehrt worden; — jetzt glaub' ich, daß Lorenz trotz seiner Begabung, trotz seines guten Willens, ja sogar strotz Ihrer vielmögenden Protection es beim Militär nicht weit bringen wird, am allerwenigsten aber, wenn Sie ihn für die Cavallerie bestimmen, ihn bei dem berühmten Regiments dienen laffen wollen, dem Sie einst selbst angehörten." „Warum, weßhalb?" schrie der Major ärgerlich, ungeduldig mir dem Fuße aufstampfend. Golzinger lächelte in Honig getauchten Zucker, dann flötete er mit der zartesten Stimme, die sein bierbäffiges Organ nur aufzubringen vermochte:

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