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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-19 · 3 (19.1.1900) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
3 (19.1.1900)
Date
1900-01-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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^<irwi^rn^.»a»3!»ME»MWgsieMWigl Seite 50 Dx. Vlvch's Nach diesem historischen Ueberblick schildern wir noch in kurzen Zügen den Zustand der heutigen Juden in Afrika?) In Mrd-Egypten soll ihre Anzahl nicht mehr als 8000 betragen; dennoch aber glauben wir auf Grund der Tagesgeschichte behaupten zu können, Laß der Satz in dem vielverbreiteten geographisch-statistischen Lexikon von Ritter (Leipzig 1895): „Die Juden verschwinden fast ganz" den Thatsachen nicht entspreche. Unter englicher Herrschaft sind den Juden in Egypten alle Freiheiten gewährt. — Südlich von Egypten, in Abeffynien, leben die Falaschas oder schwarze Juden in einer Anzahl von 200.000 Seelen wie im Alterthum unbehindert fort, doch ist ihr Dasein für das Judenthum mehr eine interessante Erscheinung als realer Factor. Im Westen von Egypten steht die Provinz Tripolis (mit F e z z a n und B a r k a) noch unter unmittelbarer türkischer Herrschaft. In der Stadt Tripolis, die über 30.000 Einwohner zählt, leben circa 3000 Juden, die an dem wichtigen Handel der Stadt beträchtlichen Antheil haben. In der ganzen Provinz sollen etwa 6000 Juden wohnen, die eigentlich rechtlos sind, und nur der dumpfen Thatlosigkeit der mohammedanischen Bevölkerung ist es zu danken, daß sie von größeren Verfolgungen verschont sind. Tunis, w'lches seit einigen Jahren unter französischem Protectorat steht, beherbergt circa 55.000 Juden, für die kleine Provinz eine stattliche Zahl. Die spanischen und italienischen Juden üben über die große Masse der einheimischen Juden eine Art geistiger Herrschaft aus. — Im Gebirge leben die Juden nach Nomadenart; sie sind kriegerisch wie die Araber, denen sie auch sonst in ihrer Lebensführung gleichen. Ihre Vorfahren sollen sich noch vor dem babylonischen Exil in jenen Gegenden angesiedelt haben (wie oben über B o r i o n gesagt worden ist). Algier steht seit 1830 unter französischer Herrschaft. 1891 zählte man hier 4,124.732 Einwohner, worunter etwa 50.000 Juden. Nach statistischen Erhebungen beträgt die jährliche Zunahme der jüdischen Bevölkerung in Algier 5'3 aus 100 und übersteigt jene der Gesammtbevölkerung. Die Juden Algiers stellen den unverfälscht jüdisch-orientalischen Typus dar; helles Haar und helle Augen werden unter ihnen nie angetroffen. Dasselbe gilt auch von den Juden in Marokko, wo über 100.000 Juden wohnen. Die Judensteuer bildet eine ergiebige Einnahmsquelle der Regierung. Sie unterliegen den schmachvollsten Gesetzen, sie werden von der Regierung und der Bevölkerung hart bedrückt und erniedrigt, und auch Mordthaten werden an ihnen ungestraft verübt. Die Alliance Israellte Universelle in Paris und die Jewisli Association in London sind unausgesetzt an ihrem Schutze thätig, leider mit wenig Erfolg. Wie im ganzen Oriente, errichteten die genannten Verbindungen auch in ganz Nord-Afrika vorzügliche Schulen, die der bedrückten Bevölkerung eine schönere Zukunft vorbereiten. In der Sahara zählt man gegen 8000 Juden. Auch sollen sie eine eigene Wüste, Adhag genannt, besitzen, weshalb sie „Daggaturs" heißen. Sie leben im Wohlstände, sind sich ihres Judenthums bewußt, haben aber keine Bildung. In Süd-Afrika, welches jetzt so sehr im Vordergründe des Interesses steht, leben Juden in der ganzen Capcolonie, wo sie ein blühendes Gemeindewesen nach englischem Muster unterhalten. Auch in Durban in Transvaal besteht eine jüdische Gemeinde von über 100 jüdischen Familien; größer ist diejenige von Johannesburg, und es war erst jüngst in dem Pariser »Figaro" zu lesen, daß an den hohen Feiertagen des jüdischen Neujahrs- und Versöhnungstages die Geschäfte und sogar die Börse der Stadt geschlossen waren. In Deutsch-Ost- und West- Afrika wie auch auf portugiesischem und italienischem Gebiet wohnen gewiß auch Juden, doch ist über deren Zahl und Lebensweise nichts bekannt. Im Jahre 1879 verbreitete sich die Nachricht, daß französische Reisende bei Afrika eine Insel Satikinga entdeckt hätten, die ausschließlich von Juden bewohnt wäre; Genaueres ist auch darüber nicht bekannt. In diesen Tagen erst meldeten wieder die Zeitungen, daß am Flusse Muria, fünfzehn Meilen von Zambezi, von einem Engländer ein Volk entdeckt worden sei, welches einen ausgesprochen jüdischen Typus zeige und dessen Land das Goldland Ofir wäre. Auch von den Bazutos in Süd-Afrika behauptete man jüngst, daß ihre Religion am meisten der jüdischen gleiche. Was wird der dunkle Erdtheil für uns Juden noch bringen? Bei dem Fortschreiten der Wissenschaft und der Civilisation vielleicht neuen Aufschwung, neue Triumphe! _ Dr. Samuel Krauß. 5) A. 91 o ff i g, Materialien zur Statistik des jüdischen Stamm es. Wien, 1887. Wochenschrift. m. 3 Correspondenzen. Aus der Sitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde vom 13. Jänner 1900 unter dem Vorsitze des Präsidenten, kais. Rath Heinrich Klinger. Im Einlauf befinden sich: Ein in besonders warmen Worten abgefaßtes Dankschreiben des zum Ehrenpräsidenten des Bethausvorstandes ernannten Herrn Jacob B r a n d e i s, welches vollinhaltlich zur Verlesung gelaugt und mit einmmhigem Beifalle zur Kenntniß genommen wird. Eine Zuschrift des Vereines ,Chewra-Beth-Hcnfilah". in welcher der Verein seine besondere Befriedigung über die Neuconstituirung des Vorstandes, insbesondere über die einstimmig erfolgte Wiederwahl des Herrn kais. Rath Klinger zum Präsidenten und über die Annahme der Wahl seitens desselben ausspricht, bei welchem Anlaß der Präsident bemerkt, daß ihm auch seitens anderer Corporationen mehrfach Gratulationsschreibeu zugekommen seien, welche er als eine ihm erwiesene besondere Ehrung betrachtet. An Spenden sind eingelaufen: Von Herrn Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n Kronen 200 als Beitrag zur Bedeckung für Errichtung einer Mikwah. 2>e Mittheilung, daß Herr Wilhelm Spitzer bei der Barmizwah-Feier seines Sohnes einen Betrag von Kronen 10.000 zur Erziehung eines Waisenknaben gewidmet habe, wird mit Dank zur Kenntniß genommen. Der Präsident theilt mit, daß das Staluten-Revisions- Comitö seine erste Sitzung abgehalten und ein engeres Comite bestehend aus den Herren Dr. Steiner als Obmann, Oberfinanzrath Dr. Rappaport und Dr. Berger gewählt hat. Vor Uebergang zur Tagesordnung erfolgt die Neuconstituirung einzelner Comites. Zum Obmanne des Baucomites wird Herr Vicepräsident Dr. Alfred Stern, zum Obmann-Stellvertreter Herr Oberingenieur von Mises, zum Obmanne des Koscherfleisch-Comites Herr Vicepräsident Dr. Gustav Kohn, zum Obmann des Altersversorgungshaus-Comites Herr Salo Cohn, zum Obmann-Stellvertreter Herr von Mises, zum Obmann des Spitals-Comites Herr Dr. Josef Grünfeld, zum Obmann-Stellvertreter Herr Emanuel Hosfmann.gewählt. Die Verleihung der Jonas Freiherr von Königswarter'schen Stiftung an 2 Hörer der Theologie im Betrage von je 930 Kronen wird nachträglich genehmigt. Herr Baurath Stiaßny berichtet über die constituirende Sitzung des Curatoriums der von der Gemeinde Wien zu verwaltenden Josefine Königswarter'schen Kinderspitalstiftung, welchem Referent und Herr Dr. Sieger als vom Cultusvorstande delegirte Vertreter angehören. — Bei der Constituirung des genannten Curatoriums wurde Herr Baurath Stiaßny zum Obmann-Stellvertreter gewählt. Der Bericht wird zur Kenntniß genommen. Namens der HI. Section referirt Herr Baurath von Goldschmidt übe' die Berufung zweier Primarärzte für die neuzuerrichtende chirurgische und gynäkologische Abtheilung im Spital der israelitischen Cultusgemeinde. Die eingehenden Specialvorschläge der Section werden nach längerer Berathung angenommen. Herr Baurath Stiaßny referirt in Friedhofangelegenheiten und wird nach Erledigung von Personalien die Sitzung geschlossen. Wien. (Zum Schutze der Kaufmannschaft.) Das Gremium der Wiener Kaufmannschaft hielt eine Plenarsitzung ab, um über die Maßnahmen zu berathen, durch welche einer Schädigung der Kaufleute in Folge der wiederholt bei Excessen in der Provinz stattgefundenen Plünderungen von Geschäftsleuten vorgebeugt werden könnte. Es wurde betont, daß in Folge der hochgespannten nationalen und confessionellen Leidenschaften derartige Ausschreitungen leider häufig Vorkommen, und daß dadurch jene Wiener Kaufleute, welche den betroffenen Kaufleuten Credit gewährt haben, ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden. In der Debatte wies der Biecepräsident kaiserl. Rath Winker, darauf hin, daß allerdings mehrere Landesverordnungen eine Ersatzpflicht in solchen Fällen normiren, daß aber in der Praxis die Bestimmungen dadurch illusorisch werden, weil die Ersatzpflicht an den Nachweis eines Verschuldens der Gemeindeorgane geknüpft ist, welcher Nachweis bisher niemals erbracht werden konnte, und der überhaupt nur unter den allergrößten Schwierigkeiten möglich ist. Es wurde der

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