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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-19 · 3 (19.1.1900) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
3 (19.1.1900)
Date
1900-01-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seile 4« Dr. Bloch's Wochenschrifl» Sir. 3 bildeten Ständen, wie ans der Zahl der Einjährig-Freiwilligen zu entnehmen ist, angchören, ro. r wird es den Juden übel nehmen wollen? Aber Bildung und Intelligenz waren Non jeher den Antisemiten ein Dorn im Auge. Justiz und Militär, wenn auch ungleich gepaart in ihrer ethischen Bedeutung, sind die festen Stützen des modernen Staates. Niemanden aber sieht man mit frevelnder Hand mehr an ihnen rütteln, als die Eompatrioten Lucger's, der seinem eigenen Aussprüche zufolge, fchwarzgclb bis ins Mark ist. Das ist der Patriotismus dieser Leute. Alles zu berichtigen, was einem hirnverbrannten Schädel einfällt, ist eine so ekelerregende Arbeit, das; man leicht begreifen wird, weshalb die übrigen Anschuldigungen, wie Assentirungsschwindel und Selbstverstümmelung seitens der znm Militärdienst berufenen Juden keiner Widerlegung gewürdigt werden. Man müsste eigentlich von jeder Zeile, von jedem Worte sagen, das; es erlogen und noch einmal erlogen ist. Aber ein Punkt des famosen „Feuilletons" verdient, näher betrachtet zu werden weil man darin eine klare Interpretation der chrittlich-socialcn Freiheit findet. Alan lache nicht. „Diese Freiheit," rief doch Tr. Lueger in der letzten Landtagssitzung, „bestehe darin, das; die Ehristlichsocialcn keinen Angriff auf die jüdische Religion dulden würden." Und nun liest man in dem Hauptorgane dieser Partei die Erklärung hiezu, eine Erklärung, derzufolge der jüdische Priester geradezu als Verbrecher hingestcllt wird, das jüdische Gotteshaus als Höhle einer Gauner- und Kerbrecherbande. Perfider und infamer kann man die Heuchelei schon nicht mehr treiben. Und solche Leute haben die Stirne, sich als Bekämpfer der Corruption hiuzustellen. Diese Schneiders und Verganis, diese Gregorigs und Luegers! Bcueidenswerthes Jahrhundert, das solche Männer aufzuwcisen hat. Louchet. Goethe über die Juden. Die Antisemiten lieben es bekanntlich, die Gedankenleere ihrer „Bewegung" dadurch zu verdecken, daß sie berühmte Männer, die sich irgend einmal abfällig über eine jüdische Eigenthümlichkeit ausgesprochen haben, -als Vorläufer ihrer Partei für sich reclamiren. Auch Goethe's Andenken ist in dieser Weise von den Judenhetzern besudelt worden; prangt sein Name doch noch heute in dem famosen Antisemitenkotechismus unter der Rubrik „Aussprüche berühmter Männer über das Judenthum". Wie Goethe in Wahrheit über die Juden dachte und wie er. zu den früheren ungünstigen Urtheilen gelangte, erfahren wir aus dem kürzlich von Dr. W. Bode herausgegebenen Werkchen: „Meine Religion. Mein politischer Glaube. Zwei vertrauliche Reden von I. W. von Goethe". (Berlin 1899, Verlag von Mittler und Sohn.) Dort sagte Goethe (S. 69): „Ich war gegen unser neues Judengesetz, das die Heirat zwischen beiden Glaubensverwandten gestattet; ich meine, der Generalsuperintendent müsse eher sein Amt niederlegen, als daß er die Trauung einer Jüdin im Namen der heiligen Dreifältig-, keit dulde; jede Verachtung der religiösen Gefühle im Volke bringt Unheil. Aber ich hasse die Juden nicht. Was sich in meiner früheren Jugend als Abscheu gegen die Juden in mir regte, w a r m e h r S ch e u vordem R ä t h s e l h a s t e u, v o r dem Unschönen. Meine Verachtung, die sich wohl zu regen pflegte, war m e h r d e r Reflex der mich umgebenden ch r i stl i ch e n Männer und Frauen. Erst später, als ich viele geistbegabte, feinfühlige Männer dieses Stammes kennen lernte, gesellte sich Achtung zu der Bewunderung, die ich für das bibelschöpferischeVolk hege und für den Dichter, der das hohe Liebe sl i e d gesungen." Einiges über die Künstlerische und technische Ausführung der Haggadah von Serajevo. Von Architekt Max Fleischer, Wien. (Fortsetzung.) ■ crnbats i2-!p'i-s-a-:a nnnasn rsan ULa-1 innnas innsn So lautet der Text des unteren Bildes auf dieser Tafel. Das Bild selbst schildert die Begebenheit sehr deutlich und lebendig. Im Mittel stehen am Boden die geöffneten Getreidesäcke. Der Hausverwalier Joses's, der den Brüdern mit zwei Polizisten nachgeeilt ist, hält bereits den aus Benjamin's Sack hervorgeholten Becher seines Herrn in der Hand und zeigt ihn den Söhnen Jacob's. Er deutet mit dem Zeigefinger der linken Hand auf sie und man hört ihn förmlich sagen : Seht Ihr, hier habt Ihr den Beweis dessen, wessen ich Euch an geklagt habe. Einer der Schergen, die in derselben Tracht dargestellt sind, wie jener, der Josef seinerzeit ins Gefängniß gebracht hat, hält Benjamin schon fest an der Hand, während Benjamin mit unschuldsvoller Miene und Haltung als kleiner Knabe nicht viel größer als sein Sack dasteht. Dieser Gruppe gegenüber stehen Benjamin's Brüder. Auf ihren Gesichtern malt sich der furchtbare Effect, den der hervorgehvlte Becher und die Rede des Hausverwalters ans sie gemacht hat; deutlich namentlich ist der kummervolle Ausdruck des vorderen bärtigen, vermuthlich Jehuda, der mit beiden Händen sein Gewand erfaßt, um es zu zerreißen, von großer Natnrwahrheit und ist dieses Bild nach Wirkung und Ursache als ganz gelungen zu bezeichnen. Blatt 17 mit Ueberschrift: rmrr rbx trn zeigt das Bild, wie die Brüder wieder mit Benjamin, den einer bci der Schulter, der Andere am Arme hält, zurückgekehrt sind, sich vor Josef ausgestellt haben und Jehuda vortritt, um mit Josef zu reden. Die Figur Jehuda's ist vortrefflich gelungen. Weniger gelungen ist das darunter befindliche Bild. Josef gibt sich seinen Brüdern zu erkennen. Die Umarmung Benjamin's zeigt nicht die Ueberwältigung, die Josef und Benjamin übermannt hat. Auch das Staunen der Brüder läßt etwas zu wünschen übrig. Blatt 18. Vater Jacob sitzt auf einer Bank und staunt über die egyptischen Gespanne, die die heimgekehrten Söhne mitbrachten, aus deren Einem sich Benjamin befindet. Die Gespanne sind allerdings zum Bestaunen, hauptsächlich wegen der Naivität, mit welcher Thier und Wagen gegeben sind. Nicht viel besser ist das zweite Bild dieses Blattes. Man sieht dieselben Gespanne, nur sitzt auch Jacob auf einem egyptischen Wagen sowie Benjamin, und un? bn spjr sind vor einem Hause in Egypten angekommen. Blatt 19. Das Leichenbegängniß Jacob's. Auffallend klein ist der Sarg mit den sterblichen Resten Jacob's, den vier Söhne auf zwei Stangen tragen und der mit einem Bahrtuche bedeckt ist. Wenig dem Ernste des Falles entsprechend ist der Ausdruck in den Gesichtern der Leidtragenden, man kommt unwillkürlich auf den Gedanken lachender Erben. Das darunter befindliche Bild hat den Text: .i-nui am anaa spv aan Dieses glaubte der Illustrator dadurch am deutlichsten zu versinnlichen, daß er die Söhne Jacob's vor Pharao, der ans dem Throne mit dem Scepter in der Hand und der Krone am Haupte sitzt, hintreten läßt. Sie sind alle in Mönchstracht gekleidet und man kann nicht bestinlnien, welcher von ihnen Josef ist, der wohl auch, wie sie, sich bei der Rückkunft dem Pharao vorgestellt haben mag. Blatt 20. ini« a-rrbtya ppr1 nö'i ♦cibab lauten die Texte des mit vieler Sorgfalt ausgeführten Bildes. An der linken Seite ist ein Theil einer' früh-mittelalterlichen Stadt mit Thürmen und Giebelhäusern, eingeschlossen von einer aus Quadern erbauten Stadtmauer mit Zinnen. Am Fuße der Stadtmauer fließt ein Fluß mit starkem Wellengang. Vor dem Thore der Stadtmauer, hart am Flusse, sieht man zwei Gruppen von Männern, die einen offenen Sarg umstehen, sie haben gerade den Leichnam Josef's eingebettet. Sie blicken mit ernsten bestürzten Mienen hinein. Mizraim so lautetdie Ueberschrift oberhalb der befestigten Stadt und ist also dieses durch diese Stadt und den Nil charakterisiirt. Im Bilde darunter ist Pharao's Tochter mit ihren Mägden dargestellt, wie sie baden geht und das Kästchen im Fluße erblickt hat. Das Kästchen, das den weinenden hebräischen Knaben enthält, wurde schon vom Wasser geholt und der Deckel aufgeschlagen, so daß man das Kind sieht. Von der anderen Richtung bringt die Schwester Moses ihre Mutter als die von der Königstochter gewünschte Amme. Blatt 21. Moses weidet die Schafe Jitro's, seines Schwiegervaters, und kam an den Berg Gottes, den Horeb. Moses steht am Fuße des Berges, die Schafe weiden im Grün der ansteigenden Höhe. Man sieht die Erscheinung des brennenden Busches, der nicht verzehrt wird, was sehr einfach, aber nicht ohne Geschick ausgeführt ist. Moses hat bereits die Stimme Gottes aus dem Busche gehört und hat seine Schuhe, die neben ihm am Boden stehen, ausgezogen; so steht er nun da als Hirte, in der Rechten hat er den Hirtenstab, den er in seiner Erregung mit der Krücke nach abwärts hält, mit der Linken will er sein Gesicht verdecken, weil er sich scheut, die göttliche Erscheinung anzusehen; der weiße Schäferhund bei der Heerde wendet sich nach Hundeart gegen die Erscheinung um und bellt. Das darunter befindliche Bild hat den Text: (sie) ♦amaia nx pns naa yba'i OTjnb v.ti intaa Pharao sitzt auf seinem goldenen Throne im Purpurmantel mit der Krone und dem Scepter. Auf einer Bank sitzen seine Minister und Moses und Ahron stehen gegenüber dem König. Ahron hält

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