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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-12 · 2 (12.1.1900) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
2 (12.1.1900)
Date
1900-01-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 34 Dr. Blvch's Wochenschrift. 'Ja 2 Budapest. Der ung. israel. Handwerks- und Ackerbauverein hielt unter dem Vorsitz des Reichstagsabgeordneten (Dr. Armin N e u m a n n eine Ausschußsitzung. Der Secretär meldete, daß dem Verein letzthin folgende Spenden zukamen: Legat weil. Philipp Wodianer's 400 Kronen; an Stiftungen : von Frau Peter Herzog de Csete 1000 Kronen, von Frau Max Brüll de Domooy 200 Kronen, von Frau Dr. Armin Neumann 200 Kronen; Spenden: von Moriz Herzog de Csete 200 Kronen, von Dr. Armin Neumann für Stipendienzwecke 200 Kronen; an Naturalien: von der Victoria-, Concordia-, Louisen- und Walzmühle Mehlspenden; von der ungarischen Zuckerindustrie - Actiengesellschast 25 Kilogramm Zucker, von den Firmen H. u. M. Rechtnitz, Schmidt & Csaßar, Hedrich & Strauß. Simon Jstvan Hülsensrüchte und Colonialwaaren. Den edelmüthigen Spendern wurde Dank votirt. Der angemeldete Beitritt von 29 neuen Mitgliedern, ferner die Meldung, daß das neucreirte Damencomite sich letzthin constituirte, Frau Peter Herzog zur Präsidentin, Frau Jacob Fürst zur Vicepräsidentin wählte und sein Arbeitsprogramm festgesetzt habe, wurden mit Befriedigung zur Kenntniß genommen. Sodann wurden 23 Handwerkszöglinge nach beendigter Lehrzeit in gesetzlicher Weise freigesprochen und verabschiedet. Vier voni Verein ausgebildeten Maurergesellen, welche den Wintercurs der höheren Baugewerbeschule frequentiren, wurden Stipendien bewilligt. Auf Antrag des Präsidenten wurde der Beschluß gefaßt, zur Bekleidung der Zöglinge ausschließlich vaterländische Fabrikate auzuschaffen. In Folge der großen Zahl von Aufnahmsgesuchen wurde auf Antrag des Secretärs beschlossen, mit Rücksicht auf die winterliche Nothlage der ärmeren Bevölkerung eine außertourliche Zöglingsaufnahme vorzu..ehmen. Prag, 7. Jänner. Die sogenannten „großen Vorträge", deren der „Centralverein für die Interessen des Judenthums" neben den „kleineren" einheimischer Gelehrten alljährlich einen zu Gunsten der HandwerkerablHeilung dieses Vereines veranstaltet, sind für die literarische Welt unserer Gemeinde liebe Feste geworden. Nachdem in den letzten Jahren Karl Emil Franzos, Gustav Karpeles, Professor Herzberg-Fränkel. Professor Ludwig Geiger mit reichen geistigen Gaben sich bei uns eingefunden hatten, begrüßten wir am vergangenen Samstag Herrn Dr. I. S. Bloch, den gewesenen Reichsrathsabgeordneten und wackeren Redacteur der „Oesterreichischen Wochenschrift" als Jahresgast des Centralvereines. In dem größten zu solchen Veranstaltungen verfügbaren Locale, dem großen Saale der Productenbörse, hatte sich schon lange vor der fkstgesetzten Zeit ein alle Räume dicht füllendes Publicum von Herren und Damen eingefunden. Unter diesen bemerkten wir nicht nur die jüdischen Honoratioren, darunter die Herren Hofrath Professor Zucker, Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, Feldrabbiner Dr. Kisch, Vicepräses der Cultusgemeinde Dr. Bendiener, Schriftsteller S. Kohn, die kais. Räthe Falkowicz, Haurowitz, Lederer, die Rabbiner der Prager Vorstädte, Dr. Hirsch und Stark, viele Advocaten, Aerzte, Großindustrielle u. A., sondern es hatten sich auch zahlreiche unserer christlichen Mitbürger, als: Herrenhausmitglied kais. Rath Wohanka, Director Fieger, mehrere Mittelschulprostfforen und sonst bekannte Persönlichkeiten, Damen und Herren, eingesunden. Von lautem Beifall begrüßt, nahm Herr Dr. Bloch die Rednertribüne ein und wurde in einem mehr als anderthalbstündigem, vielfach von Beifall unterbrochenem Vortrage in fistelnder und geistreicher Weise seinem Thema: „Das Judenthum und seine Stellung in der Völkerfamilie" nach allen Richtungen gerecht. Einen Auszug aus dem Vortrage hier wiedergeben, hieße denselben verkürzen, wir thun dies umsoweniger, als wir nur den Wunsch aller Zuhörer äußern, wenn wir hoffen, daß er über kurz oder lang im Drucke auch den weitesten Kreisen der Gelehrtenwelt zugänglich werden wird. So viel wollen wir nur rühmend hervorheben, daß sich der Redner jeder Polemik oder gar agreffiven Erörterungen fernhielt und gerade die erhabene kosmopolitische Ethik des Judenthums als seine wahre Mission in der Völkerfamilie darstellte, die über die Grenzen der engherzigen egoistischen Kreise die Selbstverleugnung als weiteste Basis seiner Heilsmission ansieht. Rauschender Beifall und persönliche Danksagungen der sich um den Redner drängenden Zuhörer lohnte Herrn Dr. Bloch seine fesselnde Darstellung. Im Hotel Roubitschek versammelten sich nach dem Vortrage die Vorsteher und viele angesehene Mitglieder des Centralvereines, um mit dem lieben Gaste den Abend zu verleben. Den Reigen der Toaste eröffnete da der Präses des Vereines, Herr kais. Rath Philipp Falkowicz. An einen Gedanken Blvch's anknüpsend, sagte er, daß wir uns lieben Personen, die wir ja auch in der Entfernung verehren und schätzen können, doppelt nähern, wenn sie zu uns kommen, wie sich das Bild im Spiegel uns selbst bei jedem Schritte, den wir zu ihm thun, um zwei Schritte näher komme. Dr. Bloch sei ja alle Woche unser Gast mit seinen geistvollen Vorträgen in der „Wochenschrift", aber so ein persönlicher Vortrag bringe uns ihm denn doch viel näher. Dr. Bendiener, Vicepräses der Cultusgemeinde sagte, der Vortrag des uns Allen durch seine Unerschrockenheit und seine erfolgreichen Kämpfe gegen die Führer unserer Feinde so sympathischen und theuren Gastes habe ihn an den Ausspruch Rabbi Eleasar's erinnert, daß, wer einen großen Mann höre, von ihm weggehe, wie aus einem Parfümerieladen, noch lange bleibe der kostbare Duft an ihm haften, den er dort angesogen habe. Feldprediger Kisch begrüßte die echt humane Tendenz des Vortrages, durch den Dr. Bloch ihn an den Zauberer Choni ha Maagal erinnere. Dieser habe seinen großen Ruf und seine Beliebtheit beim Volke sich dadurch erworben, daß er in einer verheerenden Dürre einen Kreis um sich gezogen und trotzig gebetet habe: „Herr der Welt, ich verlasse diesen Kreis nicht eher, als bis du deinem Volke Israel Regen spendest!" Darauf sei Regen erfolgt. Noch arößer sei er aber gewesen, als er im Kriege der königlichen Brüder Hyrkan und Aristobul, von den Soldaten des Ersteren zum Verfluchen der Gegenpartei aufgefordert, gebetet habe: „Herr der Welt, die Belagerer draußen sind dein Volk, und die Belagerten deine Kinder, erhöre nicht die Gebete der Einen gegen die Anderen!" So habe Dr. Bloch als muthiger und verwegener Vorkämpfer gegen den verheerenden und die Gemüther vertrocknenden Antisemitismus unsere Herzen erobert, aber als Zauberer habe er sich auch heute mit seinen echt menschlichen, von Vorurtheilen jeder engherzigen Nationalitäten- und Religionsschranke freien Anschauungen erwiesen. Die Herren Rabbiner Dr. Grün und Dr. Hirsch toastirten noch geistreich, Letzterer auf die Damen, und früher, als man es gedacht, war die Stunde des Abschiedes vom lieben Gast gekommen, da derselbe noch mit dem Schnellzuge Prag verließ. Krakau. Im hiesigen Magistrate sollten vorige Woche sechs Praktikanten angestellt werden. Es meldete sich hiezu auch ein Jude, der sehr gute Zeugnisse hatte und auch Doctor der Rechte ist. Ohne Grund hatte ihn der Magistrat dem Plenum des Gemeinderathes nicht vorgeschlagen. Dank der Energie des Präsidenten der Cultusgemeinde Herrn Dr. Leon H o r o v i tz und des Vicepräsidenten Herrn Hirsch Landau ist es gelungen, dessen Anstellung gegen den Willen des Magistrates zu erwirken. Nebst 13 Juden haben für die Anstellung 10 christliche Gemeinderäthe gestimmt und so dem Magistrate eine Niederlage bereitet. Berlin. Am 11. December hielt in einer Versammlung des Ceutral-Vereines Herr Rittergutsbesitzer Ludwig Cohn einen Vortrag über seine Reise durch Galizien. Der Redner entwarf eine ergreifende Schilderung der traurigen Lage der jüdischen Bergleute in Borislaw, zeigte nicht nur das Elend dieser ärmsten Glaubensgenossen, sondern auch die mißliche Lage der gesammten etwa 800.000 Seelen umfassenden jüdischen Bevölkerung Galiziens, von der fast 70 Procent mittellos sind. Die Gründe für diese Verarmung sind darin zu suchen, daß Galizien ein industriearmes Land ist. daß die Landwirthschaft dort sich im rapiden Niedergange befindet, der durch schlechte Wirtschaft tief verschuldete Adel (die Schlachta) die Propination zwar an sich gerissen, aber meist wieder theurer verpachtet hat, der Jude aber weder als Pächter noch als Händler mehr zu Wohlstand gelangen kann. Die galizische jüdische Jugend zur Bodencultur und zum Handwerk überzuführen, ist deshalb eine Nothwendigkeit; dieses Werk ist umso aussichtsvoller, als die Mehrzahl der Knaben eine wunderbare Fassungsgabe und Bildungsfähigkeit besitzt und nur durch die Verwahrlosung der Erziehung bisher vielfach erwerbsunfähig blieb. So weit die trotz des Widerstandes einzelner Verblendeter durch die rastlose Energie des Dr. Friedländer und die Munificenz des Baron Hirsch eingerichteten neuzeitlichen Schulen Tausenden von Knaben eine bessere Erziehung verschaffen, sind bereits staunenswerthe Erfolge erzielt worden. Die Errichtung neuer Ackerbauschulen, welche in Ostgalizien auf dem nach dem Gutachten des Vortragenden für 350.000 Gulden preiswürdig erworbenen fürstlichen Complex geplant ist, wird weitere segenbriugende Folgen haben. Vor allem wäre zu wünschen, daß die angesehensten jüdischen Kreise in Wien diese Bestrebungen nicht nur mit Capital, sondern auch mit ihrem bedeutenden Einfluß unterstützen, um die autonome Regierung in Galizien zu einer wohlwollenden Haltung zu veranlassen. Den dortigen armen Glaubensgenossen, von denen so viele durch das

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