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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-12 · 2 (12.1.1900) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
2 (12.1.1900)
Date
1900-01-12
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 2 Dr. Blvch's Wochenschrift«. Seite 35 häusliche Elend gezwungen werden, Hilfe in Deutschland zu suchen, könnte dann Rettung in ihrer Heimat werden durch Schulen, durch Anleitung zum Handwerk und zum Ackerbau. Einem solchen Rettungswerke würden auch sicher die Sympathien und die thatkräftige Hilfe der Juden Deutschlands und aller Culturvölker nicht fehlen. Köln. Die „Kölnische Volkszeitung" bringt eine interessante Besprechung der Denkschrift, welche Ohm Krüger, der Präsident von Transvaal, seinem Volksrad eingereicht hatte, um die von ihm beantragte Emancipation der Juden und Katholiken zu rechtfertigen. Der Passus von den Juden lautet, wie folgt: „Der Grundsatz, wegen confessioneller Unterschiede Jemand vom Genuß der Bürgerrechte auszuschließen, ist durch die Geschichte der letzten Jahrhunderte ein Gegenstand der ernsten Ueberlegung geworden. Bezüglich der Juden muß ein christliches Volk sich die Frage vorlegen: Kann ein christliches Volk, kann eine christliche Regierung auf dem gesellschaftlichen Gebiete Beschränkungen aufrecht erhalten, welche die Juden inmitten der Völker der Welt in ihrer Entwicklung hemmen und durch sie in eine gedrückte Lage gebracht und gleichzeitig von der Wahrheit in Christus ferngehalten werden? Hierauf antworten wir freimüthig: Nein! auf Grund von Gottes Wort. Ohm Paul gibt dann zu verstehen, daß die calvinistische Einseitigkeit, die man bisher gezeigt, geistliche Ueberhebuug sei, und führt eine Stelle aus dem Römerbriefe dagegen an. Diese Ueberhebung auf geistlichem Gebiete wird übertragen auf das politische Gebiet, insofern wir wegen der uns doch nur aus Erbarmen geschenkten Erleuchtung die Juden als die Geringeren zurückdrängen und von den bürgerlichen Rechten ausschließen. Durch diese Geringschätzung wird stets bei ihnen der Haß gegen das Christenthum genährt. Dagegen liefert die Geschichte der letzten Jahrhunderte den Beweis, daß in den verschiedenen Ländern, wo die Juden das Bürgerrecht erhalten haben, das Christenthum viel mehr Eingang bei ihnen gefunden hat und statistisch kann nachgewiesen werden, daß dort die meisten Bekehrungen von Juden erfolgen." Diese Sprache von Krüger charakterisirt den Mann vorzüglich. London. Der Rev. Herrmann Gollancz hat die höchste Auszeichnung erhalten, welche ein Literat in England erzielen kann, er ist zum Doctor der Literatur von der Londoner Universität ernannt worden. Rev. Gollancz ist nicht blos in den specifisch jüdischen Wissenschaften eine Autorität, sondern auch in den orientalischen Fächern überhaupt und seine Specialität ist das Assyrische und Samaritanische. Ueber beide Sprachen hat er geschrieben und auch auf dem letzten Ocientalistencongreß in Rom über ein Thema aus der Assyriologie einen Vortrag gehalten. Ein anderer großer Gelehrter Dr. S. Schechter wird wahrscheinlich England verloren gehen. Wie es heißt, soll er sehr geneigt sein, dem Rufe nach Philadelphia Folge zu leisten. Die Universität Cambridge würde damit einen großen Verlust erleiden. Bukarest. Die Lage der Juden hier zu Lande wird immer schlechter. Das ganze Land leidet furchtbar unter der Mißernte, aber die Regierung sucht nach Möglichkeit ihren bedürftigen Unterthanen über die schwere Zeit hinwegzuhelfen, aber die Juden existiren in diesem Falle nicht für sie, öder vielmehr sie kennt sie nur, um sie aufs Neue nach Kräften zu chicaniren. Unter diesen Umständen nimmt die Emigration immer mehr zu, besonders aus Jassy, Verlad und Bukarest wandern die Juden zu Hunderten aus. Schätzt man schon die jüdische Auswanderung im Jahre 1899 auf 3000 bis 4000 Seelen, so ist gar kein Zweifel daran, daß im kommenden Jahre die Zahl noch viel, viel größer werden wird. Von mancher Seite fetzt man große Hoffnungen auf angebliche Versprechungen der türkischen Regierung, die rumänischen Juden an der neuen Bahnstrecke in Anatolien ansiedeln zu wollen, doch steht leider nach früheren Beispielen zu befürchten, daß diese Hoffnungen in Rauch aufgehen werden, sobald es Ernst wird. Sicher trügerisch sind ja die Hoffnungen, welche Optimisten der unverbesserlichsten Art noch auf Trietsch und sein Cypernproject fetzen. So wird dann wohl Amerika das Ziel auch dieser Emigration wieder werden müssen und die rumänischen Juden werden die Ghettos von New-Iork und Chicago rc. vergrößern. Selbst in dieser Zeit der allgemeinen Noch gibt man den Juden hier keine Ruhe, sondern jagt die alten Hausirer und Kleinkrämer mosaischen Glaubens aus den Dörfern der Moldau, wo sie eine kümmerliche Existenz finden. Der einzige Lichtblick in all dem Elend bleibt die Thatsache, daß Dank der Hilfe der „Jewish Colonisation Association" die Zahl der jüdischen Schulen vergrößert werden konnte. Insbesondere die Gründung der Handelsschulen in Crajowa, Focsani, Jassy und Bukarest ist als ein großer Fortschritt zu betrachten. Kürzlich sind zwei Juden zu Professoren an staatlichen Gymnasien ernannt worden, ein in der heutigen Zeit höchst seltenes Ereigniß. Es sind dies Jacques Last in Bukarest für Englisch und Deutsch und Dr. H. Tikin in Jassy für Deutsch. Bei der hiesigen Kunstausstellung haben sich mehrere Juden vortheilhaft ausgezeichnet, von vieren derselben sind Werke ausgewählt worden, um nach Paris für die Kunstabtheiluiig der Weltausstellung gesandt zu werden. Es sind Max Klang, Portraitmaler, Arthur Seegall, Landschaftsmaler. A Mendel, Radirer, und der Bildhauer Carniol. Wie tüchtig müssen diese Künstler sein, daß das antisemiti che Rumänien sich durch Juden auf der Weltausstellung repräsentiren läßt. Vermischtes. Wien. (Sulzer - Feier.) Aus Anlaß des zehnjährigen Todestages des weiland Obercantors Professor Salomon Sulzer veranstaltet die Gesellschaft zur Erhaltung Kunst- und historischer Denkmäler des Judenthums Samstag den 20. d., als dem Be gräbnißtage des Reformators des Syuagogengesanges, eine Sulzer-Gedenkfeier. Herr Adolf Ritter v. Sonnenthal hat den Bortrag der Biographie Sulzer's gütigst übernommen; die Wiedergabe musikalischer Compositionen des verstorbenen Meisters wird dessen Sohn, Herr Professor Josef Sulzer, leiten und werden bei derselben die Herren Eduard Gärtner, Dr. Heinrich Schenker, S. Storch und Max Ulanowsky freundlichst Mitwirken. Wien. (Trau u n g.) Sonntag, den 21. Jänner '/, 4 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel, I., Seitenstettengasse, die Trauung des Herr» Emil Pollak, Sohn des kaiserl. Rothes Friedrich P o l l a k, mit Fräulein Henriette Lang, Tochter des Herrn Karl Lang, statt. Wien. (Oesterreichische israelitische Union.) Montag den 15. Jänner 1900, Abends halb 8 Uhr, findet im Festsaale des Hütel „Continental", II., Taborstraße 4, eine Bereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Thätigkeitsbericht. 3. Gemeindewahlrecht und Personal-Einkommensteuer. Referent Herr Gemeinderath Lucian Brunner. 4. Anträge und Interpellationen. Der Vorstand. Wien. (Israelitischer Humanitätsverein für die westlichen Bezirke Wiens „Nachlat Jeschurun".) Ermuthigt durch den gesellschaftlichen und finanziellen Erfolg, welchen dieser Verein mit seiner vorjährigen Faschingsveranstaltung errungen, ist das Comilä der diesjährigen Veranstaltung, welche am 24. d. im Hotel „Englischer Hof" stattfindet, bemüht. den Abend möglichst glanzvoll zu gestalten. Ihre bestimmte Mitwirkung haben bisher zugesagt: Frl. Josephine Glöckner vom Deutschen Volkstheater, Frl. Amalie Revy vom Carltheater. Frl. Hetsey vom Raimnudtheater, ferner die Herren Josef Josephi vom Theater an der Wien, Eugen Burg und Max Pollak vom Raimundtheater, Richard Pahlen Claviervirtuose und Hugo Knepler. An der Spitze des aus jungen Damen und Herren der besten Bürgerkreise gebildeten Comites stehen die Herren Dr. Carl Löwy, Dr. Ludwig Landau. Richard Knepler. Rudolf Winternitz und der unermüdliche, infolge seines steten, humanitären Wirkens allgemein geschätzte und hochgeachtete Caffier des „Nachlat Jeschurun"-Bereines, Herr Hermann König. Es ist zu erwarten, daß es den Bemühungen dieser Herren gelingt, den Abend möglichst genugreich zu gestalten. Wien. Samstag, den 30. v. M. waren es 36 Jahre, das der verehrte Oberrabbiuer Dr. G ü d e m a n n in Wien sein Amt angetreten hat. Aus diesem Anlässe wurde, als derselbe zur Thora gerufen ward, von Obercantor Singer ein feierlicher Mischeberach zum Bortrage gebracht. Wien. Ingenieur Carl Pollak aus Paris hat sich mit Fräulein Martha Kohn berge r, Tochter des Großindustriellen Herrn Salomon Kohnberger verlobt. Wien. Die rühmlichst bekannte Opern- und Concertsängerin Fränlein Grethe M o d l i n g e r, Tochter des verdienstvollen und hervorragendsten Hebraisten und Kritikers Samuel Modlinger, veranstaltet, wie alljährlich, Dienstag den 23. Jänner

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