Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 2 (12.1.1900)
- Date
- 1900-01-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 2 iH'o Vloch'r; Wochen süirrfLo «eile 33 Versammlung nahm den denküchst würdigsten Verlauf und wurde dem Herrn Cultusvorsteher kaiserl. Rath F. Bogl für seine Theilnahme an derselben, der wärmste Dank votirt. Am 3. Jänner a. c. constituirte sich der Vorstand, und wurde Herr Carl Seligmann zum Obmanne, Herr S. Rosenthal zum Obmann-Stellvertreter, Herr Emanuel Friedmann zum Schriftführer, Herr Moritz Bruckner zum Casseverwahrer und die Herren S. Eibuschitz, David Kohn, I. Klein, S. Straßberg zu Bethausverwaltern, die Herren Ad. Engl und Dr. B. Tritsch zu Aufsichtsräthen gewählt. Wien. (F raue nwohlthätigkeits-Ve rein im VIII. Bezirke.) Das Fest, welches dieser Verein im Cursalon am 31. December veranstaltete, nahm in jeder Beziehung einen glänzenden Verlauf. Ein zahlreiches distinguirtes Publikum füllte den herrlichen Saal bis auf das letzte Plätzchen. Den Mittelpunkt des Festes bildete die Aufführung des zu diesem Feste eigenes gedichteten Festspieles „An der Wende des Jahrhunderts" von Albert Walden. Das Festspiel, welches in sinnreicher Weise und in formvollendeten Reimen das Ereigniß der Jahrhundert- Wende feierte, wurde von Mitgliedern des Vereines selbst dargestellt. Obwohl demnach die Mitwirkenden nur Dilettanten waren, brachten alle ihre Rollen in so reizender und wirkungsvoller Weise zur Geltung, daß sie sämmtlich stürmischen und einmüthigen Beifall erweckten; gerne führen wir daher deren Namen an, u. z.: die Damen Frl. Annie Bauer, Olga Beck, Lina Deutsch, Gertrud Deutschland, Bertha Fuchs, Judith Grünwald, Mathilde Koch, Emma Menzel, Rosa Sensky, Mitzi Tausky, die Herren Dr. Benno Meißl, Sigmund Menzel und Gustav Steiner; außerdem wirkte das Frl. Melanie Spielmann vom deutschen Volkstheater mit, welches ihre Rolle, das neue Jahr, schwungvoll und hinreißend zur Geltung brachte; ferner trug Herr Streitmann in seiner bekannten Meisterschaft einige Lieder vor, während Herr Gyula Deutsch mit einem herrlichen Violinvortrag brillirte; sie alle erzielten ebenfalls rauschenden Beifall. Als das Festspiel geendet hatte, wurden alle die Genannten, und ebenso der Dichter Albert Walden und der Regisseur des Raimundtheaters, Herr Carl Krug, von dem Publikum stürmisch gerufen. Auch die unermüdliche Präsidentin des Vereines, Frau Amalie Beck, erfuhr eine Ovation, indem der Obmann des Festcomites ihre Verdienste in schwungvollen Worten würdigte. Um Mitternacht trug Herr Carl Krug einen geistvollen Neujahrsgruß von Dr. Ehrlich unter großem Beifall vor. Den Beschluß des Festes bildete ein Ball, welcher die ganze Gesellschaft in gehobenster Stimmung noch lange vereinigte. Großes Verdienst um das Zustandekommen dieser ebenso schönen als originellen Feier hatten der Obmann des Festcomites, Herr Dr. Max Breitenstein und der Obmannstellvertreter Herr Sigmund Rosenbaum. Hoffentlich wird auch das finanzielle Ergebniß für den wohlthätigen Zweck ebenfalls ein hübsches Resultat ergeben. Wien - Weißgürber. Freitag, den 5. Jänner, Abends, fand im Bethause des Vereines Bet Haknetheth die Installation des neugewählteu Rabbiners Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Armin Abeles in äußerst feierlicher Weise statt. Lange vor Beginn» des Gottesdienstes war der Tempel von einem distinguirten Publikum dicht gefüllt. Außer dem Vorstande des Bethausvereines waren erschienen: In Vertretung der israelitischen Cultusgemeinde, Herr Dr. Alfred Berger, Bethausvorsteher Herr- Julius Wolf. In Vertretung des Curatoriums der israelitischtheologischen Lehranstalt, die Herren: David v. Guttmann, Moriz Karpeles. vom Lehrkörper der Anstalt die Herren: Rector Dr. Adolf Schwarcz, Professor David H. Müller, Professor Doctor Büchler. Unter den Anwesenden bemerkten wir ferner: Sr. Ehrwürden Rabbiner I. L. Abeles, Vater, Sr. Ehrwürden Doctor Bauer, Schwager des Vereinsrabbiners, weiters die Herren: Sr. Ehrwürden Rabbiner Dr. Gelbhaus, kaiserlicher Rath Dr. Lieben, Amtsvorstand Wiener, Dr. Emil Adler Josef Fuchs u. s. w. In seiner formschönen, gehaltvollen Rede setzte Herr Dr. Abeles die Principien auseinander, von denen er sich in seiner Wirksamkeit leiten lassen werde. Die Rede erzielte vielen Beifall. Erhöht wurde die Feier durch die beim Mussafgottesdienste des darauffolgenden Sabbaths gehaltene Predigt des Vaters des jungen Rabbiners. In beredten Worten verlieh der Redner den Gefühlen des Dankes und der Freude Ausdruck, die sein Vaterherz an diesem schönen Tage erfüllten. In seiner von altjüdischem Geiste durchwehten Derascha setzte er dann auseinander, wie das Leben eines wahren Jehudi in allen socialen Beziehungen sich zu gestalten habe. Die schöne Feier wird lange in der Erinnerung unserer Gemeinde bleiben. Wien. Ein Leser schreibt uns: Wie Ihr Blatt mittheilt, appellirte bei dem Bekleidungsfest des Vereines „Zwanglos" Herr Gemeinderath G o l d s ch m i d t an die Privatwohlthätiakeit, da die öffentliche nicht im Stande sei, allein der großen Noth zu steuern. Die öffentliche Hilfe muß weit mehr eintreten als bisher, da die Privatwohlthätigkeit nicht genug leisten kann. Die öffentliche Hilfe bedeutet hundert Percent der Steuerzahler und die Privatwohlthätigkeit nur etwa ein Percent, bei dem noch ein großer Theil der sehr Reichen fehlt. — Solange Hundert mehr ist als Eins, wird die öffentliche Fürsorge immer mehr leisten können, als die Privatwohlthätigkeit, die nur Flickwerk ist und dem Bedürfniß nur zum kleinsten Theil genügt. Die Privatwohlthätigkeit liegt im Interesse der Geizigen und Schnorrer, während die öffentliche Fürsorge das einzig natürliche ist. Holleschau. Der israelitische Cultusvorstand publicirt 2 Stiftungen, welche die geehrten Leser im Jnseratentheil des Blattes finden. Diese Stiftungen wurden von den Herren Gebrüder Simon und Adolf Skrainka im Jahre 1899 errichtet, und werden jetzt zum ersten Male ausgeschrieben. Das Stiftungscapital beträgt 20.000 Kronen. Die genannten Wvhlthäter haben weiters eine Stiftung für Mittelschüler im Betrage von 4400 Kronen errichtet, deren Zinsen gleichfalls im Laufe dieses Jahres zur Ausschreibung gelangen werden. Dabei haben die Herren Brüder Skrainka im Jahre 1893 zum Tempelbau den Betrag von 12.000 Kronen und ein schönes Fenster für 600 Kronen gefpendet. Als dieses Fenster bei den Exceffen am 22. October v. I. zertrümmert wurde, haben die Spender dasselbe auf eigene Kosten, um 400 Kronen erneuern lassen. Die Gattin des Herrn Adolf Skrainka, eine in weiten Kreisen wegen ihrer Wohlthätigkeit und Herzensgüte bekannte Dame, ist vor einigen Monaten gestorben. Aus diesem Anlässe hat Herr Skrainka dem hiesigen israelitischen Frauenvereine den Betrag von 2000 Kronen und dem hiesigen Bethamidrasch 1000 Kronen gewidmet. Ferner beabsichtigt derselbe dem israelitischen Hospital in Carlsbad. eine den Namen der Frau Cäcilie Skrainka tragende Bettstiftung von 20.000 Kronen zu errichten. Preßburg. (Vorträge über das Judenthum und seineGeschichte.) Nachdem Dr. Funk in seinen weiteren Vorträgen die Galerie der hervorragenden biblischen Frauengestalten durchschritten, spann er den Faden im Rahmen jener Frage weiter, wie sich das religiös-sittliche Bewußtsein im eigenen Haushalte der israelitischen Frauen in seinen literarischen Forderungen erweist. Eine solche Forderung ist das verinnerlichende Lesen des Bibelwortes, dessen tiefgehender Inhalt der weiblich-religiösen Weltanschauung einen dauernden Gehalt verleiht; nach diesem Gesichtspunkte ist auch der Begriff der „deutschen Weiblichkeit" zu beurtheilen; denn das lutherische Deutschland habe die Bibel zur Höhe ihrer wohlverdienten Ehre gebracht'; hierin wurzelt die sociale Bedeutung des lutherischen Bekenntnisses, welches den Dank des Juden - thums darum verdient, weil es die Bibel und ihre Forschung, welche Israel aus der Hand der täglichen Lectüre gegeben, wieder neu belebt hat. Ein zweitbedeutendes und hervorragendes Motiv des jüdisch-weiblichen religiösen Lebens ist die Kenntniß derjenigen Begriffe, welche den einzelnen hebräischen Terminis der häuslichen Liturgie zu Grunde liegt. Jedes dieser Worte birgt eine ganze Fülle seelischer Wahrheiten in sich, sie sind Theile der heb r. Sprache, welche im jüdischen Sprachgebrauch als die „h e il i g e" bezeichnet wird. Schon der größte Religionsphilosoph des Judenthums, M a i m o n i d e s, hat dieselbe darum für heilig erklärt, weil sie bei all dem üppigen Reichthum ihrer Bildersprache und der Fülle der Wörter kein Wort besitzt, um die gemeinen Ausdrücke des Lebens zu kennzeichnen. Der dritte Factor ist die Kenntniß der eigenen Geschichte, namentlich der Helden der Vergangenheit; einen solchen Heros führt der Redner in seinem letzten Vortrage in der Person Rabbi Akiba's vor. Kein Buch der alten Geschichte, sei es Mommsen, Ranke, Gibbon oder Gregorovius, kann über jene hervorragende antirömische Bewegung hinweggehen, deren Seele Rabbi Akiba am Allfang des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts gewesen. In Akiba verkörpern sich die zeitbewegenden Ideen des Judenthums innerhalb drs ersten Jahrhunderts. Seine Sprüche und Sentenzen sind in den geistigen Besitz des Volkes übergegangen und diese lassen die Charakteristik des jüdischen Historikers G r a e tz als Wahrheit erscheinen, daß Akiba die Pforten der Vergangenheit geschlossen und die Thür einer neuen Zeit geöffnet. Lemberg. Sonntag den 14. d. vermählte sich in Lemberg H-rr Leon Tauber, Sohn des Großconfectionärs Herrn Tb. Tauber, mit Frl. Dora Taub er.