Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 2 (12.1.1900)
- Date
- 1900-01-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 32 Dv. B^och's Wochrnschrrsr. Mt. 2 Jahr 1900. Der Betrag sei aus der Reserve der Bethaus- Scction zu entnehmen. Der Obmann der Finanz-Section, kais. Rath Hirsch beantragt die Vertagung dieses Beschlusses bis zur Steuerregulirung. Wir können keine Subventionen bewilligen, insolange wir nicht die Mittel besitzen. Vice-Präsident Dr. Gustav Kohn erinnert an die Verpflichtung des Vorstandes, die Bethäuser zu erhalten, die Vereinsverwaltung befindet sich in zuverläfiigen Händen und er empfiehlt die Bewilligung der Subvention. Kais. Rath Hirsch mahnt nochmals an die Pflichten der Sparsamkeit, die Pflicht gegen die Steuerträger, erinnert die Collegen an ihr Versprechen, ihn in seinem Bestreben zur Herstellung des Gleichgewichtes im Gemeindehaushalt zu unterstützen. Herr Cultusvorsteher Salo Cohn wünscht, daß bei jedem derartigen Referat ein statistisches Material über die Anzahl der Vereinsmitglieder u. s. w. vorgelegt werde. Nach einem Schlußwort des Referenten Dr. Berger wird der Sectionsantrag genehmigt. Dr. Berger referirt ferner über den Antrag der ersten Section, dem Vereine Beth-Hachnethet im 3. Bezirk, welcher eines der ältesten Vereinsbethäuser verwaltet, für das Jahr 1900 eine Subvention von 500 fl. zu bewilligen. An der Debatte betheiligen sich Ober-Ingenieur Ritter v. M i s e s, Vice- Präsident Dr. Gustav Kohn, kais. Rath Hirsch, Salo Cohn, Julius Reitlinger und Herr Baurath Theodor Ritter v. Goldschmidt, welch Letzterer die Anregung gibt, sämmtliche Vereins- und Bethaussubventionen im Monate März gemeinschaftlich zur Verhandlung zu bringen. Nach einem Schlußworte des Referenten Dr. Berger wird der Sectionsantrag genehmigt. Vicepräsident Dr. Alfred Stern berichtet über das Gesuch des Tempelvereines Atzgersdorf um eine Unterstützung ihres Tempelbaues. Der Referent zeichnet die traurige Lage dieses Cultusvereines und empfiehlt eine Unterstützung von 200 fl. An der Debatte betheiligen sich kais. Rath Hirsch. Dr. Adolf Stein, Ober-Finanzrath Rappaport, Vice-Präsident Dr. Gustav Kohn, kais. Rath Wilhelm Pollak, Julius Reitlinger. Nach einem Schlußwort des Referenten wurde der Antrag angenommen. Dr. Berger referirt über die Behandlung der Austrittsanzeigen und erinnert daran, daß er in der Plenarsitzung vom 6. Jänner 1899 den Antrag gestellt habe, es seien die Austrittsanzeigen in öffentlicher Sitzung zur Verlesung zu bringen. Es berühre gewiß jedes Vorstandsmitglied unangenehm, daß in der öffentlichen Sitzung unter „Einlaus" nur die Berichte des Matrikelamtes über die vorgefallenen Geburten und Todesfälle, den natürlichen Zuwachs und Abfall der Gemeinde mitgelheilt werden, während die Austritte, der uuatürliche Abfall, der vertraulichen Sitzung Vorbehalten bleiben. Dieses Verfahren mache den Eindruck, als wolle der Cultusvorstand das Renegatenthum beschönigen während doch eine weniger rücksichtsvolle Behandlung eher am Platze wäre. Der Antrag bezwecke, die Gemeindemitglieder in Kenntniß zu setzen von den diesfalls herrschenden höchst traurigen Verhältniffen und sie in die Lage zu versetzen, gegen die immer mehr um sich greifende Abfallteudenz Stellung zu nehmen. Die V. Section, welche den Antrag berathen, habe denselben mit allen gegen eine Stimme — jene des Antragstellers — abgelehnt. Nichtsdestoweniger glaubt Referent seinen Antrag >als Minoritäts-Votum aufrecht halten zu sollen. Die diesfälligen Zustände seien schon so arg geworden, daß selbst der Ausdruck „erbärmlich" zu schwach sei. In den Jahren 1896—1898 variirt die Zahl der Austritte zwischen 457—485—468, das Jahr 1899 hat die höchste Ziffer von 531 aufzuweisen — bei einer Bevölkerung von 130.000 Seelen. Damit vergleiche man die Zahl von 129 Austritten in Berlin (mit 86.000 Juden) und von 1200 pro Jahr für Rußland mit circa 5 Millionen Glaubensgenossen, die trotz einiger Erleichterungen noch immer unter dem Drucke von Ausnahmsgesetzen schwer zu leiden haben. Ueber solche Zustände dürfe der Cultusvorstand nicht — wie bisher — den Schleier des Geheimnisses ziehen. Trotzdem verkenne Referent nicht, daß mancherlei Gründe gegen seinen Antrag sprechen — das wichtigste Argument werde aus dem den Menschen innewohnenden Nachahmungstriebe geschöpft. Lxempla trahunt. Wenn man aber bedenkt, daß gerade der Religionswechsel tonangebender Persönlichkeiten ohnehin immer rasch bekannt werde, so könne eine besondere Gefahr in der Publicirung nicht gefunden werden. Dagegen sei es wohl möglich, daß die Oeffentlichkeit eine heilsame Repression ausübe, denn dann können nicht mehr Kinder hinter dem Rücken ihrer Eltern, Ehegatter, ohne Wissen des anderen Theiles diesen folgeschweren Schritt unternehmen. Auch andere sociale und ökonomische Rücksichten werden bestimmenden Einfluß auf die Handlungen jener nehmen, die sich leichthin von der Glaubensgemeinschaft trennen. Aber auch wenn dieser Effect nicht erreichbar wäre, sollten doch die fraglichen Acte den Gemeindemitgliedern nicht vorenthalten werden — diese haben ein Recht, zu wissen, wer von den Glaubensgenossen so charakterlos ist, in den Zeiten schwerer Bedrängniß sein Heil in feiger Fahnenflucht zu suchen, sie sollen dies wissen zu ihrem eigenen Schutze, weil die Erfahrung, geschöpft aus einer Jahrhunderte alten Leidensgeschichte, uns lehrt, daß aus den Kreisen der Renegaten immer unsere gefährlichsten Feinde hervorgegangen sind. An das Referat knüpft sich eine ausführliche Debatte, an welcher Vicepräsident Dr. Alfred Stern, Theodor Ritter von Goldschmidt, kais. Rath Wilhelm Pollak, Dr. Steiner und lDirector Simon sich betheiligen. Die Angelegenheit wird an die V. Section zurückgewiesen, überdies wird der Section aufgetragen, bei einzelnen Fällen des Austrittes eine Recherchirung dahin vorzunehmen, ob und inwiefern etwa einzelne Institutionen der Cultusgemeinde zu diesem Schritte des Betreffenden äußeren Anlaß und Vorwand geboten haben. Wien. Die „Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" veranstaltete Dienstag, 9. d. M., einen ihrer allgemein beliebten Vortragsabende, der eine hochinteressante Vorlesung des Univ.- Docenten Dr. Josef G r ü n f e l d über „die Geschichte des jüdischen Spitales in Wien und dessen Wandlungen seit dem Mittelalter" brachte. Tiefes Studium sowie langjähriger Arbeit bedurfte es, um dem Vortragenden es zu ermöglichen, die gespannte Aufmerksamkeit des zahlreichen Auditoriums bis zum Schluffe zu erregen und war der lebhafte Beifall, der den gelungenen Ausführungen zu Theil ward, wohl berechtigt. Es wird uns ein Stück unserer Geschichte vorgeführt, zurückdatirend aus dem Mittelalter, der Zeit des Ghetto und sind es auch die Momente längstvergangener Tage, die das Interesse erregen, namentlich, da es sich um eine Wohlfahrtseinrichtung in des Wortes vollster Bedeutung handelt. Herrn Dr. G r ü n f e l d sowohl als der rührigen Gesellschaft, die unter der siegreichen Führung des beliebten Präsidenten, Baurath S t i a ß n y, sich die Sympathien aller Kreise erworben, ist zu dem gelungenen Verlaufe des Abends bestens zu gratuliren. Unter den Erschienenen waren zu bemerken; der Präsident der Cultusgemeinde, kais. Rath Heinrich K l i n g e r mit Gemalin, der Vicepräsident Dr. Alfred Stern, die Vorstandsmitglieder Dr. Alfred Berger, Salo Cohn, Baurath v. Goldschmidt, kais. Rath Hirsch, Dr. Marcus Spitzer, Dr. Adolf Stein, mit dem I. Secretär kais. Rath Dr. Lieben und dessen Stellvertreter Dr. Emil Adler, Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, der englische Botschaftscaplan Rev. Hechler, Regierungsrath Professor Doctor O s e r, Professor Dr. Politzer, Oberbaurath Hafenbaudirector T a u s s i g, Rector Dr. Schwarz, Professor Dr. B ü ch l e r, Religionsschul - Jnspector Dr. Kanitz, Lector Friedmann, Obercantore Singer und Bauer, Cantor Blatt, die Rabbiner Dr. Gelbhaus, Löwy und S o r, Amanuensis Dr. Frankfurter, die Operateure Dr. H e r z f e l d und Dr. K e p p i ch u. v. A. E. I. Wien. (Israelitischer Tempelvereinfür den X. Gemeindebezirk inWien.) Donnerstag, den 28. December 1899 fand in Krautstoffel's Favoritensaal X., Himbergerstraße Nr. 55, die vierundzwanzigste ordentliche Generalversammlung des Israelitischen Tempelvereines für den X. Gemeindebezirk Favoriten statt. Der löbliche Cultusvorstand war durch Herrn Cultusvorsteher kaiserl. Rath F. Vogl vertreten. Der vom Obmanne Herrn Carl Seligmann mitgetheilte Jahresbericht wurde mit allgemeinem Beifall zur Kenntniß genommen. Den Rechnungsabschluß wie auch die Bilanz erstattete Herr Casseverwahrer Moritz Bruckner, und wurde nachher dem Vorstande einhellig das Absolutorium ertheilt. Die aus dem Vorstande scheidenden Herren M. Bruckner, Ad. Engl, Emanuel Friedmann, wurden wiedergewählt, dergleichen einstimmig die Herren Ausschußmitglieder Max Berger, Johann Lampl, Ezechiel Neumann, Em. Polacek, Sal. Polacek und Em. Schidrowitz, die Herren Em. Weiß und Sandor Salpeter neugewählt, ebenso wurden die Herren Heinrich Lichtenstern, S. Pisk per Acclamation einhellig wieder zu Revisoren gewählt. Die General-