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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-12 · 2 (12.1.1900) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
2 (12.1.1900)
Date
1900-01-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 30 Dr. Bloch's Wochenschrist. Sir. 2 ich von meinen Aufzeichnungen Herrn Rabbiner Dr. G r u nw a l d Mittheilung gemacht, der in den Mittheilungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde, Heft M, die Arbeit von mir angekündigt und mich so in die Lage versetzt hat, meine Schreiberei drucken zu lassen. Ich schicke nur die Bitte voraus, daß diejenigen, welche es der Mühe werth finden sollten, nachzulesen, keinen strengen Maßstab anlegen, gewiß aber nichts Gelehrtes erwarten mögen. Durch die Güte und Liebenswürdigkeit des Herrn Professor Dr. Müller bekam ich gegen Ende 1894 die Original- Haggadah von Serajevo in die Hand und wurde mir gestattet, eventuell auch Copien aus derselben abzunehmen. In der That habe ich auf 26 Blättern solche gemacht. Bei diesem Anlasse hatte ich Gelegenheit, dem Künstler auf Schritt und Tritt bei seiner einstmaligen Arbeit zu folgen, auszukundschaften, wie er bei der Herstellung vorgegangen ist. Ich konnte über manche Eigenthümlichkeit Nachdenken und kann auch einigermaßen den Werth, die Schwierigkeit und die Bedeutung der Leistung beurtheilen und solches hauptsächlich enthalten meine Ausschreibungen. Bor allem fiel mir auf, daß das Buch keinen seiner würdigen Einband hat; derselbe stammt aus viel späterer Zeit, auch ein Titelblatt ist nicht vorhanden, was um so mehr zu beklagen ist, als ja wahrscheinlich einem solchen die Provenienz und der Name des Schreibers hätte entnommen werden können, ebenso wäre die Zeit, wann das Buch vollendet worden ist, zu entnehmen gewesen. Der Codex beschränkt sich übrigens nicht auf die Haggadah allein, wie wir das an unseren heutigen Haggadah-Büchern gewöhnt sind, sondern zerfällt in drei Abtheilungen. Erstens in einen Cyclus von Bildern, welche hauptsächlich biblische Angaben illustriren mit Beigabe eines kurzen Textes in hebräischer Miniaturschrift. Zweitens in die eigentliche Haggadah und drittens in einen poetisch-liturgischen Anhang. I. Der Bildercyclus. Die ersten 34 Blätter des Codex sind von demselben ausgefüllt. Die Darstellungen würden allerdings einer strengen Kritik in Bezug auf anatomische Richtigkeit und plastische Gestaltung der Figuren, auch in Bezug auf Perspective nicht standhalten, allein derlei Mängcl kommen auch bei anderen selbst sehr geschätzten und bekannten Bildern der Zeit vor. Auch manche Naivität in der Auffafiung haben sie mit Kunstwerken jener Zeitepoche gemein; aber bei aller Naivität und Mangelhaftigkeit der Durchbildung sind sie charakteristisch und für den Bibelkenner auch ohne den beigefügten Text leicht verständlich. Auf Blatt 1 sind das tohu wa-bohu und die ersten drei Schöpfungstage zur Anschauung gebracht, gewiß in sehr einfacher Weise z. B. ist eine Erdkugel gezeichnet, deren untere Hälfte das Wasser, die obere das Land mit Grünem und Bäumen zeigt; der Text lautet: .p*n wnm -rranvi ntnni trän Yip'-Ttyp nr Blatt 2 enthält die übrigen Schöpfungstage; der sechste Tag ist dargestellt wie die früheren durch eine Erdkugel unten Wasser, oben Land mit Gewächsen, Geflügel und einem Vierfüßer, endlich scht dabei eine menschliche Figur, doch wie groß müßte jeder einzelne dieser Gegenstände im Vergleiche zum Erdkörper sein! Dennoch ist die Darstellung klar. Man sieht auch das blaue Himmelsgewölbe mit Sonne, Mond und Sternen. Blatr 3. In zwei durch einen vergoldeten Querstrich getrennten Bildern ist dargestellt oberhalb die Erschaffung der Eva und daneben der Sündenfall; unterhalb die Vertreibung aus dem Paradiese und die Bestrafung der Schlange und des ersten Menschenpaares. Blatt 4. Oben: Kain und Abel bringen auf einem Altäre Gott Opfer, daneben : Kain tödtet seinen Bruder Abel; darunter der Bau der Arche. Noah macht Angaben, zwei seiner Söhne schneiden mit einer Säge einen Pfosten, der dritte hält die Schnurhaspel des Zimmermannes und visirt kniend die Kante eines Archenladens, um sie auf ihre Geradlinigkeit zu prüfen. Das Bild ist ziemlich lebendig gruppirt. Blatt 5. Oben die Arche, wie sie im strömenden Regen auf dem Waffer schwimmt. Ein Vogel am Fensterbrett hält einen Zweig im Schnabel. Ueberschrift: sflpn fl» rbvn Dtwn th im Original so geschrieben: „r-nyn“. Darunter re »an — rann rem Die Arche ruht auf einem Plateau, umgeben von Berggipfeln, am Fuße fließt das Wasser. Noah steht außerhalb der Arche, in den Händen hält er ein Lämmchen, aus dem Fenster der Arche schauen zwei jugendliche liebliche Gesichter. Blatt 6. Oben: Noah liegt nackt schlafend in der Nähe eines Weinstockes, daneben steht auf den Vater hinzeigend Cham. Sem und Japhet bringen mit abgewandten Gesichtern ein Gewandstück. Unterhalb: der Thmmbau zu Babel. Ein Steinmetz bearbeitet mit dem Spitzhammer einen Stein am Fuße des bereits eine Etage hoch aufgeführten Baues, neben ihm zieht ein anderer Arbeiter mittelst eines Seiles über eine Rolle Material auf, andere tragen Werkstücke über eine Leiter auf die Höhe, von welcher ein Bauaufseher hinabschaut. Blatt 7 enthält in der oberen Hälfte die Zerstörung von Sodom und Amorah, eine in der Zerstörung befindliche Anzahl von Gebäuden, auf welche der Schweselregen niederfällt. Mit dem Gesichte der Stadt zugewendet und sie an Höhe überragend, steht eine weibliche Figur wie aus dem Boden gewachsen, die Salzsäule, zu welcher Lot's Frau geworden ist, farblich ist sie durch bläuliche Schattirung charakterisirt. Der jugendliche Lot, der ein mehr weibliches Gesicht zeigt, ist abgewendet und schiebt mit beiden Händen seine beiden kleinen Töchter vor sich hin. In der unteren Hälfte Abraham, wie er sich mit Jsak und seinen beiden Dienern nach Moriah begibt. Jsak, der ein Holzbündel trägt, besteigt den Berg, hinter ihm Abraham, eine ganz stattliche Figur, in vornehmer Haltung, hat in der einen Hand das Schlachtmeffer, in der anderen die Kohlenpfanne; dann sieht man die beiden Diener, die mit dem Esel stehen bleiben. Blatt 8. In der oberen Hälfte Fortsetzung der vorigen Begebenheit. Abraham hat bereits die Höhe erreicht, auf dem Altar die Holzstücke geordnet, den gebundenen Jsak darauf gelegt, diesen am Kopfe ergriffen und will das Schlachtmesser, das er eigentümlicher Weise in der Linken hält, ansetzen; aber er wendet sein Gesicht nach der Stimme, die ihm von Himmel zuruft und bemerkt eine Hand, die sich ihm aus den Wolken entgegenstreckt (so ist die Darstellung). Dabei kann er auf derselben Seite den Widder bemerken, der sich in Baumästen mit seinen Hörnern verwickelt hat. Auch Jsak blickt nach jener Stelle. In der unteren Hälfte ist die Begegnung Rebekka's mit Jsak. Jsak als stattlicher Jüngling bleibt auf dem Felde stehen, er befindet sich in der Nähe eines Baumes. Vermutlich auf Elieser blickend, deutet er mit der Hand auf Rebekka, will wohl sagen: Ist das sie? Rebekka neben Elieser auf dem Kameele*) reitend, neigt sich und greift mit der Rechten nach dem Schleier, während sie mit der Linken die Zügel hält. Es weicht diese Ausführung von dem darunter geschriebenen Bibelsatze sehr ab, denn dieser lautet: bvft bsm n^j? ns npm atwn Blatt 9, obere Hälfte der Illustration: Geburt von Esau und Jacob. — Rebekka sitzt mit wehmutsvollem Ausdruck und gefalteten Händen auf einer Art Ruhebett, sie ist bekleidet mit rothen Strümpfen und schwarzen Schuhen, zu ihren Füßen kauert die Hebamme, sie hat ihr das Gewand bis über die Knie gehoben und zieht zwei Kinder mit beiden Händen, eines am Kopfe, das Andere am Leibe hervor. Gleich nebenan richtet der herangewachsene Esau seinen gespannten Bogen mit Pfeil gegen zwei weiße Vögel, die auf einem Baume in aller Ruhe sitzen. Auch Jacob ist auf dem Bilde. Er sitzt als bereits Graubärtiger auf einer Bank unter einem Baldachin von grünem Stoffe, der ein. gelbes Futter hat und richtet seine Augen auf ein offenes Buch, das er mit beiden Händen sehr nahe dem Gesichte hält. (Ein Mönch mit dem Brevier.) Das Bild unterhalb zeigt Jsak sitzend in derselben Weise und Bekleidung wie eben bei Jacob beschrieben; vor ihm steht der ganz kindliche Jacob im Ziegenfellkleide. Jsak betastet mit seiner Linken die Hände Jakob's, während er segnend seine Rechte über dessen Kopf hält. Im Hintergründe sieht man Rebekka am Eingänge eines Gebäudes, sie belauscht die Scene und hält das rothe Obergewand Jacob's in den Häuden. Blatt 10. Mit der Ueberschrift: kw q»öindö wv »P’i TD-fiii — pnar Yim — ist oben ein Bild. Der erblindete Jsak sitzt auf der Holzbank unter dem schon erwähnten Baldachin, erstaunt will er die Hände zusammenschlagen, weil er Esau, der jetzt vor ihn tritt, erkennt. Esau bringt ihm nach der Darstellung nicht, wie oben überschrieben, das bereitete schmackhafte Gericht, sondern erscheint noch in Jagdausrüstung, den Köcher mit Pfeilen an der Seite, den Bogen geachselt, woran der erlegte Hase über dem Rücken hängt *) Die Kameele sind etwas verunglückt ausgefallen, sie gleichen zu stark den Maulthieren.

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