Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 2 (12.1.1900)
- Date
- 1900-01-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 24 Dr. Blych^s Wochenschrift- Nr 2 namentlich in Mähren ereigneten, das Blut dieser unschuldigen Menschen mußte es sein, um diesen betrübenden Wirren mit Erfolg Einhalt zu thun. Sehr geehrte Herren! Das nennt man also gelungenes Streben zur Einschränkung dieser Wirren. Sehr geehrte Herren, aus diesem Merhöchsten Schreiben muß ich überhaupt eine Sache bemerken, daß nämlich ein solcher Ausspruch nicht vereinzelt dasteht; leider kamen in der letzten Zeit einige Aussprüche in die Oeffentlichkeit, die von einer in Wahrheit großen Feindseligkeit gegen das czechische Volk zeugen. (So ist es!) Aber, meine Herren, vor dieser Feindseligkeit würde sich das czechische Volk gewiß nicht fürchten, denn es muß der Gegner gegen den Gegner stehen, schließlich ist es der Kampf des Lebens, wo eine Partei gegen die andere, also auch ein Volk gegen das andere steht. Sehr geehrte Herren! Die Art und Weise wie man von den allerhöchsten Kreisen auf uns schaut, ist eine solche, daß einen wirklich Mitleid ergreifen könnte, wenn nicht diese Wuth und dieser Zorn größer wäre als das Mitleid; wenn wir diese verschiedenen Aussprüche hören, so sieht das so aus, als ob man uns erkennen lassen wollte, daß wir ein Volk nicht etwa zweiter, sondern dritter Classe sind. Die allerwichtigsten Sachen können sich in der Gesellschaft, in den Parteien, in den Völkern und überhaupt also auf verschiedenen Seiten ereignen, so oft es sich um uns handelt, immer werden wir dafür auf eine solche Art zurechtgewiesen, als wenn sich solche Sachen nirgend anderswo zugetragen hätten. Aus jeder derartigen Kleinigkeit macht man dann eine unverhältnißmäßig große Lache. Meine Herren, geradezu unsere Ehre fällt man an, wie es in einigen Aussprüchen geschehen ist und ich meine, es ist nicht nur mein Recht, sondern geradezu meine Pflicht als eines czechischen Abgeordneten, darauf hinzuweisen, zu sagen, daß, wenn man gegen uns gewaltthätig austritt, möglicherweise das schwache Volk dieser Gewalt und dieser Uebermacht gegenüber zurückweichen muß, allerdings auch nur auf kurze Zeit, daß es sich aber kein Volk gefallen lassen darf, daß seine Ehre befleckt werde. Wir haben an dieser unserer Beschmutzung schon so gar viel; die jüdischen und die deutschen Blätter haben über uns so viele Sachen in die Welt hinausgetragen, daß wir genug zu thun haben werden, um uns vor der Fremde zu reinigen. Aber wenn von hohen Orten schon verschiedene beleidigende Aussprüche ausgehen, dann muß ich hier als Volksvertreter sagen, daß es solcher beleidigender Aussprüche genug ist, und daß wir uns das wirklich nicht mehr gefallen lassen können. Wenn z. B. wegen einer recht geringfügigen Sache gegenüber einem jüdischen Rabbiner die Ereignisse, die damals wegen der Aufhebung der Sprachenverordnungen geschahen, Rohheiten genannt werden, dann sage ich, daß ein solches Kaiserwort nicht hätte nach Böhmen geschickt werden sollen. (Bravo!) Sehr geehrte Herren! Wir haben gewiß Alle, wie wir hier sind, namentlich insoferne wir in diesen Zeiten unter das czechische Volk zu kommen Gelegenheit hatten, dasselbe vor jedweder, selbst geringsten Gewaltthat gewarnt und wir können es aufrichtig und mir wahrhaftem Stolze sagen: Das, was sich im czechischen Volke nach der Aufhebung der Sprachenverordnungen ereignete, das waren keine gewaltsamen Handlungen, sondern das waren großartige, beseelte Manifestationen und Demonstrationen. , llnd wenn, sehr geehrte Herren, hie und da etwas bei uns geschah, so verdient es die czechische Nation und das czechische Volk nicht, daß man ihm sage, es habe roh gehandelt. (So ist es! Bravo! Eine Stimme: Roh handelt der, der das Recht wegnimmt!) Wir, sehr geehrte Herren, wissen sehr gut, daß viele solche Dmge, die da als Roheiten bezeichnet wurden, gerade durch jenes Element hervorgerufen wurden, dem das gesagt wurde, daß es meistens Juden waren, die sich Volks- und gesellschaftsfeindlich verhalten, und wir muffen dagegen entschieden protestiren, wenn es auch ein Kaisermund ausgesvrochen hat. Das haben sich die Herren selber verschuldet. Uebrigens haben darüber sehr ausführlich im Reichsrathe Abgeordneter Sileny und der socialdemokratische Abg. Berner gesprochen. Der hat hier ausdrücklich die Juden als Urheber bezeichnet. Sehr geehrte Herren! Es sind bekannte Fälle und es werden erst aus den Untersuchungen Fälle bekannt werden, wo die Juden eigentlich nicht nur das gebührende Auftreten durch ihre Provocation verschuldeten, sondern wo sie es auch selber machten. Ja, meine Herren, wir haben einen Fall, wo neben den Angebern auch Meinerdige von ihnen sind, sie trachteten, ihre Mitbürger, soweit als möglich der Gerechtigkeit, respective der Ungerechtigkeit zur Bestrafung zu überantworten. Wir, meine Herren, mußten natürlich gegen solche Sachen fein. Denn, meine Herren, ich kann es nicht begreifen, wie unser Volk, welches allerdings dumm ist, welches durch Jahrzehnte sein Geld zu den Juden trägt, sich an ihnen dadurch rächen könnte, daß es ihnen irgend eine Tafel zerbricht. Diese Tafel hat es Hunderttausendmal bezahlt und die Juden sind froh, weil es den Anschein hat, daß sie leiden und weil sie wann immer Staatshilfe gegen alle verlangen können, welche gegen sie, nicht gerade auf diese Art, sondern mit offenem, ehrenvollen Agitationskampfe auftreten! Die Ursache, warum uns das Wort „Rohheit" beleidigen muß, ist die, daß es, so oft es sich um uns handelte, so oft wir litten und so oft czechische Leute litten, damals keine Rohheit war, daß wenigstens dieses Wort nicht gefunden wurde. Als hier im Jahre 1897 und 1898 in dieser Zeit, im December und im Jänner das Militär ganz wehrlose und auch unschuldige Leute schlug und mordete, da fand man das Wort Rohheit nicht; damals ward noch Lob und Anerkennung zu Theil. Ja, meine Herren, als durch die ganze, lange Zeit diese enorme Verfolgung des czechischen Elements im sogenannten geschlossenen deutschen Sprachgebiet herrschte, auch damals fand man nicht dafür das Wort Rohheit. Und, meine Herren, was war das für eine Rohheit, was waren das für gewaltthätige Handlungen gegenüber den Kleinigkeiten, die sich in der letzten Zeit ereigneten! Sehr geehrte Herren, aber wenn heute, und nicht nur heute, sondern auch vordem, eine ganze Reihe czechischer und überhaupt österreichischer Staatsangehöriger aus den deutschen Gegenden gekündigt wird u. s. w., was, meine Herren, eine wahrhafte Rohheit ist seitens des Nachbarstaates, namentlich im Hinblicke zu den sogenannten freundschaftlichen Beziehungen, das, meine Herren, übergeht man mir Stillschweigen. Aber allerdings, so wie es sich um den czechischen Menschen handelt, sowie es sich darum handelt, diesen Haß und diese Feindschaft gegen das czechische Volk zu zeigen, dann allerdings findet sich immer die Gelegenheit. Sehr geehrte Herren! Oder was soll sich der czechische Mensch denken, wenn von höchster Stelle geradezu der Auftrag zur Verfolgung so geringfügiger Sachen ertheilt wird, wie es z. B. die Meldung czechischer Reservisten mit dem Worte zde war. Sehr geehrte Herren, wenn das aus höchstem Munde Meuterei genannt wird. (Eine Stimme: Was jedem das Theuerste ist!) Dann allerdings können die oben nicht begreifen, daß ein Mensch seine feste Ueberzeugung haben kann, und daß der czechische Mensch seinen Stolz und seine nationale Ehre hat." „Aber sehr geehrte Herren, wenn man dann daraus eine Meuterei macht, und wenn auf solche indirecte Weise eigentlich Aufträge gegeben werden, daß jene, die sich in unserer Muttersprache melden, wegen Meuterei in die Kerker gesperrt werden, das müssen wir auf das Entschiedenste vernrtheilen, wir müssen dagegen auf das Entschiedenste protestiren, wenn es auch ein Kaisermund ausgesprochen hat Allerdings meine Herren, Meuterei nennt man eine solche Sache, und man vergißt, daß die österreichischen Heere, so oft sie in der letzten Zeit geschlagen wurden, niemals durch Meuterei. im Innern geschlagen wurden und namentlich nicht durch solche Kleinigkeiten, wie es das ist, daß sich Söhne einer bestimmten Nationalität in ihrer Sprache meldeten, sondern es war die Unfähigkeit der Führer, und wenn es noch einmal zu einem Kriege kommt, soferne sie es nicht selbst auseinanderhetzen, so werden sich dann solche Sachen an ihnen rächen. Sehr geehrte Herren, gegenüber solchen Worten und gegenüber einer solchen Handlungsweise können wir uns allerdings nicht wundern, wenn wir auch bei den Organen einen gegen uns feindseligen Geist eingenistet sehen". „So sehen wir z. B. in verschiedenen Urtheilen des obersten Gerichtshofes geradezu diesen Geist der anticzechischen Agitation. Ich habe eine ganze Reihe Urtheile zur Hand; so oft es sich um eine irgend einen Czechen betreffende politische Sache handelt, so sind wir sicher, daß er, wenn er freigesprochen wurde, verurtheilt, und daß, wenn er verurtheilt worden war, das Urtheil bestätigt werden wird. Es kam mir gerade in diesem Momente ein Urtheil des obersten Gerichtshofes in die Hand, und obzwar ich heute nicht von den Einzelheiten sprechen will, weil ich nicht weitläufig werden will, diesen Fall muß ich dennoch mittheilen, damit man begreife, von welchem Hasse gegen alles czechische die Herren oben beim obersten Gerichtshöfe durchdrungen sind. Es handelt sich darum, ob Worte, wie „czechischer Hund" und noch andere Worte — weil das einer Frau gesagt wurde, führe ich diese Worte nicht an — eine Beleidigung im Sinne des bürgerlichen Gesetzes, nicht des Strafgesetzes sind und da entschied das deutsche Gericht in Brüx, daß diese Worte keine Beleidigung seien (hört!) Das hiesige Obergericht entschied, daß diese Worte eine Beleidigung sind und daß sie — da es sich um eine Scheidung handelte — Scheidungsgrund seien u. z. im Hinblicke auf noch andere Umstände, aber der oberste Gerichtshof entschied, daß sie keine Beleidigung seien u. z. darum, weil es sich um Personen des Handwerkerstandes handle. (Hört! Schande! Pfui dem obersten Gerichtshöfe! Dort sitzen vielleicht nur Hunde! Widerspruch auf deutscher Seite. Eine Stimme: Zeigen Sie das Urtheil!) Ich werde die Zahl dieses Urtheils und auch die Entscheidungsgründe veröffentlichen, in welchem Blatte Sie es wünschen werden. Merken Sie sich diese eine Sache, daß, so oft ich etwas im Landtage behauptete, es immer auf Wahrheit beruhte, und daß es auch der Herr Statthalter nicht widerlegen konnte, obwohl er es sich gewünscht hatte." . „Sehr geehrte Herren, wenn ich sagte, daß die Justiz Anregungen und Befehlen unterliege, welche gegen die czechische Nationalität gerichtet sind, dann meine Herren kam in der allerletzten Zeit dazu noch ein Umstand, welcher wirklich jeden Menschen, der noch an Recht und Gerechtigkeit glaubt, mit der größten Verwunderung erfüllen muß. Es gelangt nämlich meine Herren — eigentlich ist es schon geschehen — die Justiz unter den Einfluß der jüdischen Corruption (Hört.) Es handelt sich um den bekannten Vorfall vor dem Kuttenberger Schwurgerichte. Ich, meine Herren, werde von diesem Vorfälle nicht sprechen, und zwar deswegen, weil sich mir vielleicht demnächst,