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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-12 · 2 (12.1.1900) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
2 (12.1.1900)
Date
1900-01-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. S Dr. Bloch's Wochenschrift« Sette 23 daher in der antisemitischen Presse immer von Neuem wieder. Die Lüge vom Reichthum der Juden wird also auch von der „Deutschen Zeitung" ihren Lesern wieder aufgetischt. Der Reichthum der Juden! Du lieber Gott! Sie mögen doch einmal in den Steuerlisten Nachsehen, wie groß das Verhältniß der reichen und der armen Juden zu einander und zu ihren christlichen reichen und armen Mitbürgern ist! Sie sollen einmal die Statistik der jüdischen Armenanstalt, der Armenvereine, der Frauenvereine, der Kindervereine, der Kcankenvereine studiren, um sich zu überzeugen, wie zahlreich die Armen sind und wie klein die Zahl der Reichen ist! Sie mögen uns einmal mit Ziffern, echten nicht erlogenen und verfälschten, kommen, um den Reichthumszuwachs der Juden zu erweisen, sie mögen aber auch ehrlich bekennen, wie groß ihr Vermögenszuwachs ist, z. B. der des Herrn Vergani, der als Schnorrer — oder etwas Anderes? — nach Wien kam und nun Besitzer des Antisemitenhofes geworden ist! Durch physische Arbeit etwa? Durch geistige Arbeit? Daß die Juden großentheils durch Handel sich ernähren, ist wahr, aber ebenso wah>- ist, daß man sie nicht nur dazu gezwungen hat, sondern bestrebt ist, sie von anderen Erwerbszweigen auszuschließen. Und was das Bankwesen betrifft — Du arme „Deutsche Zeitung" hast ein sehr kurzes Gedächtniß, da Du Bontoux vergessen hast und die Banque Generale. Da Du von Langrand Dumonceau nichts mehr weißt, da Du Dich der Wiener Bank nicht erinnerst und der Dachauer Bank — lauter nichtjüdi;chen, arischen Untern chmungen, die mit Criminal und Selbstmorden endigten und Millionen „christlichen" Capitals verschlangen. „Die Spitzen der Gesellschaft wurden mitschuldig gemacht" — wünscht die „Deutsche Zeitung" etliche Namen zu erfahren, sie kann sich darnach in ihren Kreisen erkundigen. Aber die Bevormundung des „bodenständigen" Volkes durch Juden dürfe man nicht dulden! Es hat sich 'was mit dieser „Bodenständigkeit" und mit dieser Bevormundung. Speciell in Wien waren die Juden früher als die Germanen. Und die „Bevormundung?" Warum glaubt die Bevölkerung lieber den „jüdischen" Zeitungen als der „Deutschen Zeitung"? Offenbar, weil letztere zu dumm ist, als daß man ihr Glauben schenken könnte. Es ist aber auch mit dieser Bevormundung gar nicht weit her, sie existirt auch nur in der kranken Phantasie der „Deutschen Zeitung". Zählt man alle österreichischen Journalisten zusammen und prüft sie auf die Religion, so wird man wohl finden, daß die Juden nur einen kleinen Percentsatz bilden und wenn er größer wäre als das Verhältniß der Juden zur Bevölkerung, so würde sich nur zeigen, daß die ersteren jeder geistigen Thätigkeit sich gerne zuwenden und die Befähigung hiezu haben. Mit der „feilen" Presse möge die „Deutsche Zeitung" sich an eine andere Adresse als speciell an die eigentlich jüdische wenden. Sie wird dort recht viel zu thun bekommen. Sie braucht nicht erst weit zu gehen, sie hat sie recht nahe. Was sie über Verjudung des Richterstandes und der Polizei faselt, ist wirklich lächerlich. Sie möge doch den Percentsatz der jüdischen Richter und Polizeibeamten angeben, und sie wird sehr bald ihre eigenen Lügen erkennen. Ihren Jammer begreifen wir aber, wenn sie über die Verjudung von Erwerbszweigen klagt. Nur sagt sie's nicht gerade heraus, daß der Concurrenzneid allein es ist, der diese Klage dictirt. Ja, die Juden sind fleißig, nüchtern, sie suchen Wissen und Fähigkeiten zu erlangen und eine ehrenhafte Stellung im Staate und in der Gesellschaft einznnehmen und weil sie diese Eigenschaften haben, die sie freilich nn menschlichen Sinne hoch erheben, so werden sie nicht nur beneidet, sondern auch angefeindet. Das ist des Pudels Kern. Wir werden die Gegner nicht überzeugen, das wissen wir. Wir lassen uns dennoch nicht abhalten, jeder ihrer Lüge entgegenzutreten. Wir bekämpfen nicht sie, sondern die Lüge und wir wehren jede Unwahrheit von unseren Glaubens- und Stammesgenossen ab. A. W. Rntisrmitismus und monarchische Gesinnung. Rede des Abgeordneten Dr. Baxa*) in der Sitzung des böhmischen Landtages vom 30. December 1898. (Aus dem officiellen stenographischen Protokoll.) Abgeordneter Dr. Baxa: Hoher Landtag! Die Rede des vorangegangenen Herrn Redners Dr. S k a r d a ist gewiß eine große Genugthuung für mich, denn ich hörte heute aus seinem Munde die *) Abgeordneter Dr. Baxa ist ern intimer Freund und Mitarbeiter Ernst Schneidens, mit dem gemeinsam er die Ritualmordhetzen in Böhmen inscenirte. Worte, mit denen ich gewöhnlich in den voraugegangenen Jahren hier die Unfähigkeit des Herrn Statthalters und dessen gewaltthätigc Handlungen gegen unser Bolk gerade so wie die gewaltthätigen Handlungen der Wiener Regierung ausgerufen habe. Ich habe immer gesagt, daß es sich hier nicht etwa um die jeweilige Regierung allein, sondern um ein wohldurchdachtes System handle und daß nicht die einzelne jeweilige Regierung, sondern das ganze System es ist, was gegen uns hier in Böhmen und gegen unser Volk auftritt." ,,Es wurde hier das Wort Feigheit ausgesprochen. Ja, das muß man der Regierung Elary sagen, daß sie gegen das czechische Volk absolut feige handelte; denn Sie Alle wissen, daß sie sich noch vor Aufhebung der Sprachenverordnungen das ganze Militär und die Gendarmerie sicherte und eine allgemeine Bereitschaft in den Kasernen veranstaltete und dann erst, als sie Pulver nud Blei gegen das wehrlose Volk hatte, zu dieser Thctt schritt. Früher wagte sie es nicht. Meine Herren, das ist Feigheit, das ist die richtige österreichische Feigheit der österreichischen Regierungen, die sich immer nur daun gegen das czechische Volk getrauen, wenn sie spüren, daß es wehrlos ist. Diese Feigheit wird sich an der Regierung einmal sehr schw.r rächen, denn das was geschehen ist, darf sich nicht mehr wiederholen. (Bravo! Abgeordneter Breznowsky: Regelmäßig, wenn einer was stehlen will, stellt er sich eine Wache auf.) Sehr geehrte Herren! Es wird aber nöthig sein, daß sich das czechische Volk das merke, und daß es schon niemals mehr in diese Vertrauensseligkeit zu der österreichischen Gerechtigkeit und zwar zu der Gerechtigkeit in den höheren Kreisen verfalle. Sehr geehrte Herren! Das Interessanteste bei dem Allem — nno das zeugt füglich von jenem feindseligen Geiste in den höchsten Kreisen gegen uns — ist aber das, wessen sich das Ministerilnn Elary unterfing, als es aus seinem Amte schied. Sehr geehrte Herren! In dem Handschreiben des Kaisers schreibt sich er Herr Minister Elary: „Sie bestrebten sich mit Erfolg, den betrübenden politischen Wirren Einhalt zu thun." Sehr geehrte Herren, als das Ministerium Badeni fiel und als das Ministerium Thun fiel, bekamen diese beiden Regierungen keinen solchen kaiserlichen Dank für ihr Streben, für ihr erfolgreiches Streben. ___ Sehr geehrte Herrn! Sie hatten gewiß zu schaffen gegen große politische Wirren, sie hatten zu schaffen gegen die große deutsche Obstruction, aber allerdings diese Worte wären gegen die deutsche Qbstruction gerichtet gewesen und das hätte sich der höchste Herr gewiß nicht gegen sie getraut (Bravo!) Als es sich um die Minister Thun und Badeni handelte, die gerade infolge der deutschen Obstruction fielen, da wurde ihnen ein solcher Dank nicht zutheil. Sehr geehrte Herren! Allerdings sah offenbar Se. Majestät diese großen politischen Wirren nicht in jenen Dingen, die vorangegangen waren. War das keine betrübende politische Wirrung, als die deutsche Obstruction den Parlementarinlus unmöglich machte, und als sie ans dem österreichischem Reichsrathe ein Local machte, wohin sich nachgerade ein anständiger Mensch zu gehen schämte? Sehr geehrte Her-en, war das keine betrübende politische Wirrung? (Großer Lärm. Bravo!) Sie waren doch fast alle dabei und kennen es gut. War das, sehr geehrte Herren keine betrübende politische Wirrung, als die deutsche Agitation zu guter Letzt bis über die Grenze ging und war das für den Kaiser keine betrübende politische Wirrung, als man Broschüren und Blätter solchen Inhaltes verbreitete, welche geradezu gegen die Integrität dieses Staates zielten. Ich meine, daß es Niemandem einfallen werde, daß ich vielleicht denuncire. Es sind doch unter Ihnen ehrenwerthe Leute, die es ganz öffentlich bekennen, für die großdeutsche Sache zu arbeiten Darum müssen Sie sich nicht schämen, wenn es ein Gegner sagt Aber das war damals für den Herrscher keine betrübende politische Wirrung, als die Gesetze nicht gehalten, als sie geradezu verletzt und als namentlich die czechischen Minoritäten unterdrückt wurden Das war keine große betrübende politische Wirrung, wie es allerdings der Fall war, als es sich um Czechen handelte, als die Czechen nach der maßlosen Beleidigung, die ihnen dadurch war, daß mau ihnen das bischen Recht nahm, endlich es vermochten zur Obstruction zu schreiten, als sie vertheidigten, was sie vertheidigen mußten. Da war es gleich dabei, diese Handlung nannte man betrübende politische Wirrung. Daran kann man den Geist sehen, der gegen uns regiert, der gegen uns so lange schon regiert. Noch interessanter ist das, was man eigentlich als „erfolgreiches Streben" bezeichnet hat. Widmen Sie Ihre Aufmerksamkeit dem, was man „erfolgreiches Streben" nannte. Dieses erfolgreiche Streben des Ministers Elary war gerade die Aufhebung jenes Bischens Recht, und das nannte die Krone erfolgreiches Streben! Damit sie jenen schrecklichen Wirren Einhalt thun könne, mußte man also dem czechischen Volke das Recht nehmen und das Wegnehmen eines Stückchens Recht nennt nlan erfolgreiches Streben zur Beruhigung dieser schrecklichen Wirren. (Eine Stimme: Wir werden uns das merken!) Sehr geehrte Herren, dieses gelungene Streben zur Beruhigung dieser Wirren waren die Gewaltthätigkeiten, die sich in Böhmen und

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