Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 1 (5.1.1900)
- Date
- 1900-01-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 Nr.,1 Dr. Bloch's Gemeindemitgliedern in warmen Worten seinen tiefempfundenen Dank für ihre Mitwirkung bei der Erfüllung seines Amtes aus und tvastirte auf das Wohl der Gemeinde. Hierauf gedachte Herr Ph. Dr. Ziegler jener Männer, welche dem Jubilar während seiner fünfundzwanzigjährigen Amtsthätigkeit treu zur Seite standen. Herr Josef Hainsfurth gedachte der Verdienste, die sich Herr Rabbiner Dr. Ziegler um die Gemeinde erworben hat, worauf Herr S. Neubauer das Wort ergriff, um der Stadt Karlsbad zu gedenken, auf das Blühen und Gedeihen der Stadt Karlsbad ein Hoch auszubringen Herr Med. Dr. Ruff tvastirte auf die Gattin des Jubilars Frau Moser, sowie auf die Frauen im Allgemeinen. Herr Dr. Samel beglückwünschte namens des Geselligkeitsvereines „Eintracht" den Jubilar, Herr Dr. Winternitz brachte sein Glas auf eine glückliche Zukunft aus, worauf Herr Dr. Moser der Gattin und treuen Gefährtin des Seelsorgers, Frau Dr. Ziegler, gedachte. Agram. Es würde vielleicht so mancher aus dem Umstande, daß über das Leben und Treiben unserer Stammes¬ und Glaubensbrüder hierzulande schon seit längerer Zeit keine Berichte in die Oeffentlichkeit gedrungen sind, schließen, daß bei uns Grabesstille und Todesruhe herrschten. Mchts wäre aber voreiliger und ungerechter, als eine solche Schlußfolgerung, da doch gerade in der jüngsten Zeit in Kroatien, speciell aber in Agram Zeichen echten und regen jüdischen Geisteslebens wahrzunehmen sind. Wie vor längerer Zeit in diesen Blättern bereits hervorgehoben wurde, hat sich hier auf Anregung unseres allseitig geachteten Herrn Oberrabbiners, Sr. Ehrwürden, Dr. H. Jakobi, ein jüdisch-literarischer Studentenverein unter dem Titel „zidovsko literarno drustvo“ gebildet, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, durch Lectüre jüdisch-wissenschaftlicher Werke und Zeitungen und durch das öftere Abhalten von Vorträgen aus den verschiedenen Gebieten der jüdischen Wissenschaft dt s jüdische, Bewußtsein in religiöser und nationaler Hinsicht zu heben. In der That versucht dieser löbliche und der Förderung würdige Verein bereits über eine stattliche Bibliothek. Auch sind im Laufe dieses Wintersemester mehrere Vorträge im selben abgehalten worden, die sich des allgemeinen Beifalls erstellten. In Sachen des Antisemitismus haben wir hier einen Schritt zum Bessern zu verzeichnen. In den letzten Landtagssitzungen zu Agram hat auf eine judenfteundliche Rede, die der Landtagsabgeordnete Dr. Jagiü hielt, der Antisemit Tuskan geantwortet, er werde ganz anders über die Juden sprechen, wenn man ihm das Wort nicht entziehen würde. Aber es kam ganz anders und zwar etwas Unerwartetes. Abgeordneter Doctor Potocnjak nämlich, der derselben Partei im Landtage der Tuskan angehört, hielt eine Rede gegen das Landesbudget, schleuderte heftige Angriffe gegen die Verwaltungsweise der Regierung und in derselben Rede nahm der geistreiche. Potocnjak Gelegenheit, den Antisemitismus auf das Schärfste zu verurtheilen und gewisse schöne Charaktereigenschaften der Juden besonders rühmend hervorzuheben. Diese Rede Potocnjak's hat auf alle Parteien überraschend gewirkt und überall den besten Eindruck gemacht; was sich aber Tuskan dabei gedacht haben mag, wissen wir wohl nicht, aber sie hatte doch das eine Gute für ihn, daß er, Tuskan, dadurch abgehalten wurde, sich durch eine Schneiderische Rede im Agramer Landtage zu blanriren. Argus. Frankfurt a. M., 17. December. Im hilsigen „V e r e i n für jüdische Geschichte und Literatur" hielt am 11. d. M. Herr Willy Bambus-Berlin einen Vortrag über „Die Juden als Patrioten", worin er etwa Folgendes ausführte: Unter Patriotismus versteht man gewöhnlich in erster Linie das Eintreten für das Vaterland mit den Waffen; allein ebenso wichtig ist die Vaterlandsliebe im Flieden, das gemeinnützige Wirken fiir die Mitbürger, für das Wohl des Staates oder der Stadt. Nach allen drei Richtungen hin haben die Juden stets ihre volle Schuldigkeit gethan. In der altrömischen Republik waren sie, wie alle Nichtrömer, Bürger zweiter Classe; erst die Kaiser brachten den Völkern die Gleichberechtigung, und im Jahre 150 wurden die Juden, soweit sie nicht geradezu Sclaven waren, Bürger des römischen Reiches, als solche vielfach im Heere zu höheren Stellen verwandt. Kaiser Honorius jedoch untersagte ihnen den Kriegsdienst, beließ indessen die im Heere befindlichen Juden in ihren Stellungen. Den Germanen, welche die Juden nicht anders behandelten als die unterworfenen Römer und Spanier, bewiesen sie ihre Dankbarkeit dnrch den engsten Anschluß. Sie unterstützten die Westgothen in ihren Kämpfen, bis die Araber die Oberhand gewannen, unter deren Herrschaft sie dann an dem Wochenschrift. regen geistigen Leben sich eifrig betheiligten, und viele Juden zu hohen Staatsämtern berufen wurden. Bei den Kämpfen zwischen den Arabern und den Christen finden wir auf beiden Seiten jüdische Streiter. Noch kurz vor der großen Katastrophe, die sie aus Spanien vertrieb, unterstützten sie die Entdeckungsfahrt des Cvlumbus in jeder Weise; man sagt sogar, der Erste, der den amerikanischen Boden betrat, sei ein jüdischer Matrose gewesen. In Deutschland durften die Inden Waffen führen und sich sogar an den Tournieren betheiligen. Ebenso nahmen sie an dem geistigen Leben regen Antheil. Bekannt ist der Minnesänger Snßkind von Trimberg. Die Stadt Worms retteten sie durch ihre tapfere Vertheidigung dem Kaiser Heinrich IV., der seine Dankbarkeit in verschiedenen Schutz - Privilegien aussprach. Wenngleich immer mehr eingeschränkt und unterdrückt, verleugneten sie trotz aller Verfolgung ihren Patriotismus nicht. So vertheidigten sie im Jahre 1648 Prag und erhielten von Kaiser Ferdinand lll. eine Fahne verliehen. Hatten sich beim Ausgang des XVI. Jahrhunderts die Juden in Polen noch der Duldung zu erfreuen und hervorragende Staatsmänner aufzuweisen, so änderte sich ihre Stellung seit den großen Kosakenkriegen, indem sie auch dort in ein geistiges und materielles Ghetto verwiesen wurden. Nur Holland machte eine rühmliche Ausnahme in ihrer Behandlung; es öffnete seine Häfen den Flüchtlingen aus Spanien und hatte diese Gastlichkeit wahrlich nicht zu bereuen. Auch in den holländischen Colonien waren Juden als Pioniere thätig. Ein Jude war es, der Wilhelm von Oranien im Jahre 1686 die Eroberung Englands durch große Vorschüsse ermöglichte, für die er keinen Schuldschein annahm. Eine durchgreifende Aenderung führte die französische Revolution herbei. In Frankreich, wo zuerst 1792 Juden zum Heerdienst zugelassen wurden, befanden sich bereits 15 Jahre später beinahe 800 in den verschiedensten militärischen Chargen, obgleich nur 70.000 im Lande wohnten. Auf der anderen Seite betheiligten sich die Juden ebenso eifrig an dem Schutz des preußischen Königs. Unter den Freiwilligen befand sich eine große Zahl von Juden, deren Tapferkeit auch von T r e i t s ch k e unumwunden anerkannt wird. Eine unverhältnißmäßig große Anzahl der im preußischen Heere dienenden Inden wurde mit Auszeichnungen bedacht, viele zu Officieren ernannt; aber gleich nach dem Kriege strebte man, die Juden wieder aus der Armee zu entfernen. Die vor dem Feind zu Officieren Beförderten wurden vor die Wahl gestellt, sich taufen zu lassen oder auszuscheiden. Nur Major Burg durfte Dank der besonderen Protection des Prinzen August und wegen seiner hervorragenden Leistungen in der Kriegs- Wissenschaft seinen Rang bis ans Lebensende behalten. Als die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde, regten sich starke Einflüsse, die Juden auszuschließen, was aber in Folge ihres lebhaften Protestes und namentlich Dank der Ergebnisse einer Enquete des Kriegsministeriums über die Führung der Juden in den Freiheitskriegen verhindert wurde. In Italien, Frankreich, Oesterreich, England bekleiden Juden hohe Aemter im Staat, in der Armee und in der Marine. In Rußland beträgt die Zahl der jüdischen Soldaten 1/i Million. In Amerika betheiligten sich die Juden in großer Zahl bereits an den Unabhängigkeitskämpfen, ebenso am Secessionskrieg, am Krieg mit Spanien und erlangten zum Theil hohe Führerstellen zu Wasser und zu Lande. Lebhafter Beifall folgte den interessanten Ausführungen des Redners, welche ein in unseren Tagen des Antisemitismus so actuelles Thema behandelten, daß sie an dieser Stelle skizzirt zu werden verdienen. Bukarest. Die traurigsten Nachrichten kommen aus allen Theilen Rumäniens über das neue Vorgehen der Regierung gegen die jüdischen Schulen. Bekanntlich hatten die jüdischen Gemeinden, als die jüdischen Kinder von den öffentlichen Schulen, ausgeschlossen wurden, nach Kräften eigene Schulen eingerichtet, die seit einiger Zeit größtentheils sehr gut functioniren. Nun hat die rumänische Regierung einen neuen Streich gegen die Juden geführt, indem sie eine Anzahl dieser jüdischen Schulen geschlossen hat unter dem Vorwände, daß sie nur fünf Tage geöffnet sind, während die Regierungsverfügung vorschreibt, daß Elementarschulen sechs Tage geöffnet sein müssen. Freilich sind die jüdischen Schulen am Sabbath und Sonntag nicht offen-, allein in der verbleibenden Zeit erreichen sie dasselbe Pensum wie die Regierungsschulen in vollen sechs Tagen. Da nun am Sonntag die Schulen nicht offen gehalten werden dürfen nach staatlicher Vorschrift, so haben sich die jüdischen Autoritäten auf Rath der Rabbiner entschlossen, am Sabbath unterrichten zu lassen, und zwar in den ' speciell jüdischen Gegenständen. Mit diesem Auswege ist nun