Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 1 (5.1.1900)
- Date
- 1900-01-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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fli— HBd/afrrt ife &>■&£ Seite 12 Dr. Block s Wockensrtzrist. mx 1 Gellleindemitgliedern gegenüber wird umso rascher eintreten, als mein Verlangen nach erhöhter Sparsamkeit Ihrerseits erfüllt wird. Ich sage Ihnen nochmals Dank für Ihr Vertrauen. Der Vorsitzende I. Vicepräfident Dr. Alfred Stern erklärt hierauf die constituirende Sitzung für geschlossen. Wie wir vernehmen, hatte der Besuch, den die beiden Vicepräsidenten bei dem kaiserl. Rath Heinrich K l i n g e r abstatteten, einen günstigen Erfolg, und man darf darauf rechnen, daß das Präsidium in seiner bisherigen Zusammensetzung weiter functioniren wird. (Aus der Plenar-Sitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde vom 31. December 1899 unter dem Vorsitze des ersten Vice - Präsidenten Doctor Alfred Stern.) An Spenden sind eingelaufen: Vom Cultusbezirksamte Fünfhaus als Ergebniß einer Sammlung unter den Vereinen „Maskil El Dol", „Chewra Kadischa", Frauenverein und Privatpersonen in Fünshaus zur Bekleidung armer Kinder fl. 369'50; durch Herrn Ludwig Pisk als Sühne in einer Ehrenbeleidigung-Angelegenheit für das Siechenhaus fl. 5.—; aus Sammlungen im Altersversorgungshause bei Leichenüberführungen fl. 44.—. Aus Sammelbüchsen: Im Tempel XVI., Hubergasse 8, für Arme ... fl. 86°38 „ Altersversorgungshause..„ 22.32 „ Tempel II., Tempelgasse für die Chewra Kadischa.„ 3 17 „ Tempel II., Tempelgasse für die Armenanstalt „ 42*74 Als Curator der M. L. Biedermann'schen Waisenstiftung wird an Stelle des verstorbenen Herrn Wilhelm Edlen von Wertheimstein Herr Dr. Alfred Ritter v. Pfeiffer, als der Familie eines des Stifters angehörig, berufen. In das Curatorium der „Süssermann'schen Stiftung zur Beförderung des Studiums der Bibel und des Talmuds" wird an Stelle des wegen Domicilwechsels ausscheidenden Herrn Moses Hirsch! er Herr Hof-und Gerichts-Advocat Dr. Leopold Kohn als Mitglied berufen. Dem Verein der Wiener israelitischen Verkchrsbediensteten wird ein einmaliger Beitrag von fl. 100 gewährt. Dem Bethausverein im IX. Bezirke „Chewra Beth-Hatfllab wird pro 1899 nebst der budgetirten Subvention per fl. 600 eine außerordentliche Subvention von fl.;00, dem Bethausvereine im X. Bezirk neben der ordentlichen Subvention pro fl. 600 eine außerordentliche Subvention pro fl. 700 gewährt. Ueber Referat der III. Section wird eine Anzahl von Personen zur Aufnahme in das Altersversorgungshaus für eintretende Vacanzen ausgenommen. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung geschlossen. 26. ordentliche Generalversammlung des israelitischen Tempel-Vereines für Mariahils und Neubau. Am -27. December 1899 7 Uhr Abends im Saale des „Hotels Savoy". Vorsitzender Präsident Archidekt Max Fleischer begrüßt die zahlreich erschienenen Mitglieder, sowie den als Gast' anwesenden Herrn Vereinsprediger Gemeinde-Rabbiner Dr. T a gl i ch t, und den Präsidenten des Human.-Vcreines Nachlat Jeschurun, stellt der Versammlung den Telegirtcn der Cultus - Gemeinde Herr Secretär Tr. Emil Adler vor und bringt ein Schreiben des Cultus-Vorstandes zur Verlesung, welches die Abwesenheit eines Vertreters des Cultus-Vorstandes bei der diesjährigen Generalversammlung motivirt. Der Präsident verliest ferner Zuschriften der langjährigen Telegirtcn des Vorstandes Herrn Salo C o h n, Herrn Dr. I. S. B l o ch, Herrn Kammerrathes Ianowitze r und kais. Rath Ad. R u z t c f a, welche ebenfalls ihre Abwesenheit entschuldigen. Schriftführer Hermann Liebermann verlieft das Protokoll der 25,. ord. Generalversammlung. Nach Genehmigung desselben trägr Präsident Max Fleischer den Jahres- Bericht vor. Dem Berichte entnehmen wir, daß der Verein am Schlüsse des Jahres 37 l Mitglieder zählt, von welchen eines mit einem jährlichen Beitrag von fl. 25, zwei zahlen einen Beitrag von fl. 20, sechs je st. 15, drei je H. 12, achtundfünfzig je st. 10, sieben je fl. 8, ferner zahlen 194 Mitglieder je st. 6. Der Präsident widmet den verstorbenen Vereinsmitgliedern einen warmenMachruf und appellirt sodann an die Vereinsgenossen zur erhöhten Propaganda für die Ausbreitung des Vereines, zu welchem Behufe der Vorstand selber eine Action einzulciten gedenkt. Wir haben seit einer Reihe von Jahren die Wahrnehmung gemacht, daß es in unseren Bezirken eine ganz beträchtliche Anzahl von sehr gut situirten Glaubensgenosson gibt, die aber bislang zur Erhaltung des Gottesdienstes nichts oder so viel wie nichts beigetragen haben. Andererseits haben wir auch Mitglieder und Bethausbesucher, welche allerdings ihre Spenden auf dem Altäre des Vaterlandes darbringen, allein nur dann, wenn sie in den Tempel kommen, dies findet aber nicht immer statt, insbesondere nicht, wenn die hohen Feiertage in eine Zeit fallen, wo der schöne Herbst zum Verweilen in der Villeggiatur einlädt. In solchen Fällen zittert der Vorstand, wenn er an den bald zu legenden Rechnungs-Abschluß denkt." „Es wäre wahrlich dem Vereine ersprießlich, und den geehrten Glaubensgenossen nicht unerschwinglich, wenn sie sich entschließen könnten, jeder nach seinen Verhältnissen, jährlich dem Vereine seine Spende zukommen zu lassen, gleichgiltig, ob sie dem Vereine als Mitglied angehören oder nicht, ob sie den Tempel besuchen wollen oder nicht. Wir glauben, daß jeder, der in diesem Bezirke Erwerb treibt und die Mittel besitzt, eine gewisse Verpflichtung hat, den Cultus mitzuerhalten und daß es mit zu den humanitären Aufgaben zu rechnen ist, wenn den Unbemittelten Gelegenheit geboten wird, ihren religiösen Bedürfnissen und der Pietät zu genügen, durch Erhaltung des Gotteshauses." Im abgelaufenen Jahre hat der Vorstand 11 Plenar- und zahlreiche Sections- und Comitesitzungen abgehalten. Im Vereinstempel haben 62 Trauungen, 46 Barmizwohs, 21 Namengebungen und am 11. Mai die Mädchenconsirmationsfeier stattgefunden. Die Geburtstagsfeier Sr. Majestät des Kaisers wurde in diesem Jahre mit besonderer Feierlichkeit abgehalten. Die Betsitzvermiethung ergab einen Ertrag von 6007 fl. Von Spenden erwähnt der Bericht die des Herrn kaiserl Rath Friedrich P o l l a k anläßlich der Vermählung seiner Tochter fl. 300, Herr Leopold Bauer aus gleichem Anlaß fl. 300, Herr Ignaz Fröhlich desgleichen fl. 100, Herr Hermann L i e ü e r m a n n spendete gelegentlich der Doppeltranung seiner beiden Töchter den Trauhimmel im Werthe von fl. 200, die Herren Ernst und Richard Schüller anläßlich des Ablebens ihres seligen Vaters die Jahrzeittafel im Werthe von fl. 200, Herr Salo Cohn spendete ein Fenster im Betrage von fl. 1000, Herr Baumeister Alois S ch w e i n b u r g effectuirte die in der letzten Generalversammlung erwähnte Fensterspende von fl. 600. Zu dem Vorstand der Muttergemeinde unterhält die Vereinsleitung die herzlichsten Beziehungen. Der Präsident der Cultusgemeinde kais. Rath K l i n g e r waltet in schwerbedrängter Zeit seines Amtes mit Klugheit und echt jüdischem Empfinden. Wegen der Verdienste auf anderen Gebieten seines öffentlichen Wirkens wurde dem Präsidenten eine besondere Auszeichnung S. M. des Kaisers und die Vereinsleitnng erachtete sich für verpflichtet, den hochverehrten Führer der Gemeinde auch bei dieser Gelegenheit zu beglückwünschen. Aus Anlaß der vor-, jährigen Generalversammlung erhielt die Vereinsleitung von dem Vorstand der israel. Cultusgemeinde nachstehendes Schreiben zugemittelt: „An den geehrten Vorstand des Tempelvereines für Mariahilf und Neubau, zu Händen des Präsidenten Herrn Max Fleischer Wien. In der anr.4. December d. I. abgehaltenen Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener israel Cultusgemeinde hat der Präsident Gelegenheit genommen, des überaus segensreichen Wirkens Ihres Tempelvereines erneuert zu gedenken und dessen geradezu mnstergiltige Leitung wiederholt mit den Worten der wärmsten Anerkennung hervorzuheben. Die seither jedem einzelnen Vorstandsmitglieds freundlichst übermittelte Geschichte des fünfundzwanzigjährigen Bestehens Ihres geehrten Vereines — ein Werk, dessen Herausgabe dem Vereine zur besonderen Ehre gereicht, — führt beispielgebend vor Augen, welche schöne Erfolge das Zusammenwirken begeisterter Glanbensgcnossen erzielen kann. Die Geschichte Ihres Vereines wird ein hervorragendes Capitel in der Geschichte der Wiener Cultusgemeinde bilden. Empfangen Sie unsere besten Wünsche für das weitere Gedeihen Ihres Vereines und besten Dank für die freundliche Nebersendung des Buches. Mit vorzüglicher Hochachtung und collegialem Gruße Der erste Secretär: Der Präsident gez. Dr. Lieben. gez. H. Klinge r. Wien, am 13. December 1898. Mit freudigem Danke nimmt der Bericht von dieser Kundgebung der Cultusgemeinde Kenntniß und sieht in dieser Anerkennung eine erfreuliche Belohnung für sei' e langjährige Thätigkeit. Der Bericht erwähnt schließlich der Feierlichkeit, mit welcher der Verein im vorigen Jahre den Abschluß seines ersten Vierteljahrhunderts begangen hat, gedenkt auch der vom Vereine herausgegebenen Festschrift, welche einen herrlichen Beitrag zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Wiens für alle Zeiten bilden wird. Diese Festfeier war ein Glanzpunkt für den Verein und wird allen Theilnehmern lange in Erinnerung bleiben. Zum Schluffe gedenkt der Präsident eines in letzter Stunde Heimgegangenen Collegen mit folgenden Worten: Nach Schluß des Berichtes erhielt die Vereinsleitung die tiefschmerzliche Nachricht von dem unerwarteten jähen Hinscheiden des langjährigen allverehrten Vorstands-Eollegen Herrn Jacob S t r a u ß, der in der Blüthe seiner Jahre seiner trostlosen Familie, seiner unermüdlichen, arbeitsfreudigen Wirksamkeit in seinem Berufe, und einer aufopferungsvollen Thätigkeit im Dienste der Humanität und Nächstenliebe entrissen wurde.