Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 1 (5.1.1900)
- Date
- 1900-01-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 1 Br. Blvch's Wochenschrift. Seite 11 Cohen, d-r zugleich das Amt des israelitischen Militärgeistlichen in Aldershot versieht, hielt von der mit dem Union Jack geschmückten Kanzel aus die Festpredigt. Er erwähnte in der Predigt, daß gegenwärtig 200 jüdische Soldaten in Südafrika kämpften, und daß bereits 1847 jüdische Freiwillige bei der Vertheidigung der Colonie Natal ihr Leben geopfert hätten. Am Schlüsse des Gottesdienstes verlas Dr. Adler ein besonderes Gebet für die britischen Truppen in Südafrika. Unter den neuerdings aus England nach Südafrika abgegangenen Verstärkungen befanden sich wieder 9 Juden, 1 Fahnensergant, 3 Artilleristen, 4 Füsiliere, je 1 Schütze und Trainsoldat, ferner Major Lousada, die Lieutenants Seligmann, Leverson, Raphael. Die Kap-Freiwilligen, welche jetzt gleichfalls zur Front ausgerückt sind, zählen nicht weniger als 55 Juden unter sich. Jüdischer Stil. „Für silberne Hochzeit zu sagen Silberhochzeit darauf kann zum ersten Male nur ein Jude verfallen sein" — sagt Wustmann in seinen „Sprachdummheiten" (Ausgabe v. 1891, Seite 19). Nun lesen wir in einem gewissen Briefwechsel („Weimar, am 2. Mai 1798"): „Der arme Verfasser des golduen Spiegels (Wieland) .... muß nun .... die Schoßkinder seines Alters, die Producte einer Silberhochzeit gleich namenlosen Liebeskindern verheimlichen". (Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe. Cotta'sche Ausgabe von 1856, Bd. Il, Seite 79.) Der Brief ist von — Goethe. Nun möchte ich um Alles in der Welt nicht für das Wort Silberhochzeit Propaganda machen; es ist und bleibt häßlich, selbst wenn Goethe es gebraucht hat.. Aber, so schreibt man der „Franks. Ztg.", an Herrn Wustmann möchte ich doch die Frage richten: Hat denn wirklich schon der verewigte Goethe sich seine Sprache von den bösen Juden verderben lassen? Oder sollte vielleicht jene brave „Frankforder" Küchenmagd doch Recht behalten, die unlängst während der Goethefeiertage zu ihrer Collegin sagte: „Wenn der Geede (Goethe) kei' Judd' gewese wäre, dann würde sich jetzt kei' drei Händ' for'n rühre'!" Correspondenzen. Conflituirung des israelitischen Cultusvorstandes. Neuwahl des Präsidenten. Der Rücktritt des Präsidenten kais. Rath Heinrich K l i n g e r ist für die Wiener israelitische Cultilsgemeinde ein ernstes Ereigniß. Nicht nur dürfte es schwer gelingen, für Heinrich Klinger einen würdigen Ersatz zu schaffen, der mit den geeigneten Qualificationen auch alle Vorzüge des bisherigen Präsidenten in sich vereinigte. Es fehlt überhaupt derzeit an einer geeigneten Persönlichkeit zur Führung der Wiener Judenschaft. Der Cultusvorstand hat sich beeilt mit einer solennen Vertrauenskundgebung für den bisherigen Präsidenten zu demonstriren, und verschiedene Schritte zu unternehmen, um den kais. Rath Klinger zur Beibehaltung des Präsidiums zu veranlassen. Wer aber Zeuge war, wie der Präsident am Schluffe des Jahresrückblickes sichtlich bewegt und unter dem Ausdrucke tiefen Bedauerns die Erklärung abgab, aus Rücksicht ans seinen Gesundheitszustand aus dem Vorstande scheiden zu müssen, der wird die Ueberzeugung gewonnen haben, daß man es hier mit einem reiflich erwogenen Schritt zu thun hat. Am 2. Jänner, Abends 7 Uhr, fand die constituirende Sitzung statt. Erster Vicepräsident Dr. Alfred Stern eröffnet die Plenarversammlung, constatirt die Anwesenheit von ul Vorstandsmitgliedern und erinnert daran, daß nach § 9 des Statutes der Präsident für eine dreijährige Functionsdauer gewählt wird, während die Vicepräsidenten und Sectionsobmänner alljährlich zu wählen sind. Die Wahl des Präsidenten wird mittelst Stimmzettel vorgenommen und erscheint kais. Rath Heinrich Klinger mit sämmtlichen 21 Stimmen gewühlt. Die Verkündigung des Resultates wird lebhaft acclamirt. Der Vorsitzende gibt der Hoffnung Ansdruck, daß Angesichts dieser einstimmigen Wahl der Präsident den Wünschen der Gemeinde nachgeben und zur neuerlichen Annahme des Präsidiums sich entschließen werde. Kais. Rath Pollak beantragt von der Wahl den Präsidenten sofort zu verständigen, der Vorsitzende unterstützt diesen Antrag, den er dahin ergänzt, es werden die beiden neu zu wählenden Vicepräsidenten beauftragt, unmittelbar nach der Sitzung den Präsidenten zu besuchen, um ihn zu neuerlicher Annahme des Präsidiums zu bestimmen. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Vor der Wahl der Sections-Obmänner ergreift der kais. Rath Pollak das Wort. Es wäre wünschenswerth, in die Verwaltung neues Blut zu bringen, mau sollte darum einmal versuchen, an die Spitze der Sectionen neue Männer, jüngere Kräfte zu berufen. An der Debatte betheiligten sich die Herren R e i t l i n g e r, Oberfinanzrath Rapaport und der Vorsitzende Dr. Alfred Ster n, worauf die Satzung für 10 Minuten unterbrochen wird. Nach Wiedereröffnung derselben erfolgt die Wahl der Sections-Obmänner und wurden die Herren Dr. Max Steiner, Dr. G. K o h n, Baurath Th. von G o l ds ch m i d t, kais. Rath H i r s ch, Dr. Alfred Ster n, Banrath Wilhelm S t i a ß n y wiedergewählt; zu Obmann- Stellvertretern: Dr. G r ü n f e l d, Architekt Fleischer, Salo Cohn, G. Taußig, Dr. Spitzer, Arthur von Mise s. Statutengemäß sind die beiden Vicepräsidenten aus der Reihe der Sections-Obmänner zu wählen und der Vorsitzende ordnet die Wahl der Vicepräsidenten an. Mit 18 Stimmen erscheint Herr Dr. Alfred Stern zum I. Vicepräsidenten und Dr. Gustav Kohn mit 19 Stimmen zum II. Vicepräsidenten wiedergewählt. Dr. Alfred Stern dankt den College« für die Manifestation ihres Vertrauens durch die in solch' ehrender Art erfolgte Wiederwahl. Wohl sei seine Amtswaltnng ziemlich leicht an der Seite eines solch' unermüdlichen, jederzeit arbeitseifrigen Präsidenten und er spricht die Hoffnung aus, daß cs gelingen wird, kais. Rath Heinrich Klinge r zu einer Aenderung seines Entschlusses zu bewegen. Redner erklärt ferner, daß er, ermuntert durch das Vertrauen seiner Collegen, in der gegenwärtigen schweren Zelt seine Arbeit gerne den jüdischen Interessen, nicht blvs der Gemeinde Wiens, sondern auch des gesammten Judenthnms widmen wolle. Innerhalb des Präsidiums haben sich in der letzten Zeit mancherlei Gegensätze ausgebildet, welche aber, bei dem all eits vorhandenen guten Willen ohne besondere Schwierigkeit eine Ausgleichung finden werden. (Lebhafter Beifall.) Vicepräsident Dr. Gustav Kohn dankt in kurzen Worten für die Wiederwahl, verspricht die Geschäfte wie bisher weiterzuführen und erbittet sich dazu die Unterstützung der Collegen. Kaiserl. Rath Moriz Hirsch dankt für die Wahl zum Obmann der Finanzsection und rechnet auf die Mitwirkung der Collegen zur Ausführung seines Programmes. In erster Reihe gilt es, die schwebende Schuld der Gemeinde zu tilgen, und die Verwirklichung dieses Vorhabens hat zur Voraussetzung, daß Sie sich einer weisen Zurückhaltung in ihren Ansprüchen in ihren Sectionen befleißen. Die erhöhte Steuer wird uns voraussichtlich in geplanter Höhe werden und die Bewilligung derselben >eitens unserer Glaubensbrüder verpflichtet uns auch, dem Wunsche und dem berechtigten Verlangen derselben nach Vermehrung und Erweiterung der Gotteshäuser in einer, der ersten und größten Gemeinde des Vaterlandes geziemenden Weise Rechnung zu tragen. Nothgedrungen müssen wir diese Absicht, erst nach vollständiger Tilgung der schwebenden Schuld zur Ausführung bringen und die Zeit zur Erfüllung der Pflichten unseren