Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 1 (5.1.1900)
- Date
- 1900-01-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Serie 10 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 1 möglich auf die Fülle belehrender Details und humoristischer Streiflichter, welche die Aufmerksamkeit der illustren Versammlung durch 17, Stunden rege erhielten, näher einzugehen. Andauernder Beifall, der durch die treffliche Diction ehrlich verdient war, lohnte den Sprecher. Dem Bortrage wohnten Se. k. u. k. Hoheit, Herr FZM. Erzherzog Rainer, der Chef des Generalstabes, FZM. Freih. v. Beck, deffen Stellvertreter FML. Ritter v. P i t r e i ch, FML. v. M o r a w e tz, FML. C a st a l d o, die Generalmajore Ritter v. W u i ch, Graf Orsini-Rosenberg und viele Andere bei. Der jüdische Kaufmann im Mittelalter. In feinem soeben erschienenen Werke „Der Kaufmann in der deutschen Vergangenheit" (Leipzig, E. Diederichs) erzählt der gefeierte Culturhistoriker Doctor G. Steinhaufen: „Die Juden waren die eigentlichen Träger des Handels im fränkischen Reich geworden, gewissermaßen als überkommenes Erbe aus dem zerfallenen römischen Reiche. In Schwaben sind schon aus dem 4. Jahrhundert Judendenkmale erhalten. Sie reisten weit hinaus in die Ferne, ja bis Indien und China, aber sie waren auch in den Hauptgegenden des Handels, in den Rhein- und Donaugegeuden zahlreich ansässig. Als rührige Leute wußte sie Karl der Große, der überall die Hebung des Verkehrs in den Vordergrund stellte, zu schätzen und erlaubte ihnen, überall im Reiche herumzuziehen, freilich gegen besondere Abgaben. Wie sehr sie auch noch zur Zeit der sächsischen Kaiser im Handelsleben überwogen, zeigen ihre Erwähnungen in den Quellen, in denen z. B. einmal der Begriff Kaufleute (uiereatores) durch den Zusatz näher erläutert wird: „das heißt Juden und die übrigen Kauflente." Ost, wie in Magdeburg, galt Jude und Kaufmann als ein und derselbe Begriff. Wie Karl der Große, nahm sie auch Ludwig der Fromme in seinen besonderen Schutz, ebenso waren ihnen manche Stadtherren sehr geneigt um der Vortheile willen, die ihnen die Betriebsamkeit der Juden brachte." Nach und nach wurden die jüdischen Kaufleute den christlichen Concurrenten unbequem. Steinhaufen erzählt: „Den Juden traten die deutschen Kaufleute allmählich durch ihre Zahl gegenüber, aber immerhin blieben jene auch in dieser Zeit noch ein sehr einflußreiches, oft auch sehr gehegtes Moment. Die Art, wie der Bischof Rüdiger von Speier, der ihnen 1084 einen Freibrief ertheilte, von ihnen spricht, ist sehr charakteristisch: „Als ich Speier zu einer Stadt erhob, da meinte ich seine Ehre tausendfach zu vermehren, wenn ich auch die Juden mit hinzu nah m." Ueberall hatten sie besondere, aber nur für bestimmte Jahre verliehene Privilegien, deren Erneuerung den Stadtherren jedesmal viel Geld brachte. Als Bürger waren sie von den Lasten befreit, dafür aber an den Rechten der Gemeinde nicht betheiligt. Sie waren persönlich frei und konnten selbst Grund und Boden besitzen. Erst der Beginn der Kreuzzüge entfachte am Rhein und an der Donau die Judenverfolgungen. Das eigentlich treibende Motiv war aber doch nicht das religiöse, sondern die Eifersucht des sich um diese Zeit consolidirenden einheimischen Handelsstandes, die in den Städten den Haß gegen die Juden, die man nun nicht mehr brauchte, schürte." Antisemitische Anträge, respectivc Petitionen betreffend die Uebersetzung des Talmud und des Schulchan-Aruch aus Staatskosten. Die Herren W e n n g und Genossen in München haben bei dem bayerischen Landtag eine Petition eingereicht, es möge von Staatswegen eine Uebersetzung des T a l m u d, des S ch u l ch a n-A r u ch und des Werkes Kabala (sie!) veranstaltet werden. Da ist es angebracht, festzustellen, welches Schicksal früher gleiche Petitionen in anderen Parlamenten gehabt haben. Wir stellen die Ergebnisse hier in knapper Form zusammen: Nr. 1. 2. März 1892. Die Petitionscommission des Reichstags erklärte die Petition für ungeeignet zur Berathung im Plenum. Nr. 2. 19. December 1895. In der I. sächsischen Kammer wurde der Beschluß gefaßt, die Petition auf sich beruhen zu kaffen. Nr. Z. 22. December 1895. Die II. badische Kammer ging über die Petition zur Tagesordnung über. Nr. 4. Mai 1895. Die Petitionscvmmission des Reichstags erklärte die Petition für ungeeignet zur Erörterung im Plenum. Nr. 5. 29. April 1896. Das preußische Herrenhaus beschloß den Ueberganq zur Tagesordnung. Nr. 6. 5. Februar 1896. Die Petitionscommssion des Reichstags beschloß die P tition für nicht geeignet zur Erörterung im Plenum zu erklären. Nr. 7. 28. Jänner 1896. Die H. sächsische Kammer beschloß, den Antrag auf sich beruhen zu lassen. Nr. 8. 21. Mai 1897. In der w ü r t t e m b e r g i s ch e n Kammer der Abgeordneten wurde über den Antrag zur Tagesordnung übergegangen. Nr. 9/10. Jänner 1898. Die zweite Kammer lehnte ebenso wie die erste Kammer des sächsischen Landtags (am 7 December 1897) die antisemitische Petition ab. Nr. 11. März 1898. Die Petitionscommission des Reichstags beschloß über die Petition zur Tagesordnung überzugehen. Eugen Dühring gegen H. v. Treitschke. Bekanntlich läßt Dühring nur einen Antisemiten gelten Sich! Andere Antisemiten thut er mit mörderischen Hieben ab Jetzt ist Herr v. Treitschke an der Reihe, der „Berliner Professor der Bismarckie", wie ihn Dühring's neues Organ „P e r s o n a l i st und E m a n c i p a t o r" (October 1899, Seite 11 f.) nennt. Von Treitschke's Collegien wird folgendes Bild entworfen: Da saßen die Leute vielfach in recht unaufmerksamen Attitüden und mit sichtlich gelangweilten Gebcrdcn. Die Einen hatten den oder die Ellbogen ans dein Tisch und den Kopf in die Hand gestützt; Andere räkelten sich in anderer Fa^on und drehten am Schnurrbart; Einzelne spitzten sogar und zwar in recht hörbarer Weise Bleistifte an. was doch wenigstens dem Auge des schwerhörigen Doccnten nicht entgehen konnte. Der duldete aber Derartiges ganz gemüthlich und scheint sich nur in seiner lnntcrlassenen „Politik" postum ein wenig gerächt zu haben. Vcrwunderfam wären daher bei ihm die fraglichen Auslassungen nicht. Allein die S chuld trug er zum größer« Theil selbst. Seine Art und Weise war eben, trotz seiner fast paukend zu nennenden und stößigen Haranguirungsmanier, geistig langweilend, und hinzukam, daß sein Studentenpublikum nicht gerade das gewählteste war oder sein konnte. Zn ihm kamen die Leute der Partei wegen, darunter vornehmlich Feudalbürtige oder nach Bismärckischer Art Patriotische, wohl gar Corpsstudenten und Aehnliches. So ergab denn Beschaffenheit, Richtung und Manier des Docenten ein ihm wahlverwandtes Publikum, und das Maaß von Langweiligkeit des einen traf auf die schon wahlverwandt angelegte mangelhafte Anlage und Neigung des andern, um ein Collegium zu ergeben, was allerdings den Docenten ebenso wenig anmuthete als dessen Zuhörer. Das Gefühl der Unbefriedigtheit ist also zweiseitig gewesen, aber die Schuld, wenn auch gewissermaßen auf beiden Seiten zu finden, doch vornehmlich von der Docentenfigur ausgehend, die ja nichts Anderes anziehen konnte, als was ihr von Partei-, Standes- und Geisteswegen einigermaßen homogen war. Dieser Treitschke war ja zu nichts Anderem berufen, als um Bismärckerei zu treiben, die Geschichte zu verbismarcken, um nicht zu sagen zu verbisquarken. Dabei wollte er obenein noch den deutschen allgemeinen Historiker der neuesten Zeit spielen und für das neunzehnte Jahrhundert gleichsam den Schlosser ablösen, dessen Oberflächlichkeiten, „von Archimedes bis auf Kästner" das achtzehnte, ja die ganze Weltgeschichte heimgesucht hatten. Nun wird überhaupt die allgemeine Geschichte infolge der alleswisserischen Manier, die dort vorherrscht, so unsolide behandelt, daß sie bei kritischen und specialistisch soliden Geistern bereits mit Recht in Verruf gekommen ist. Was die Bearbeiter von so etwas nicht Alles wissen und beurtheilen können, das schwatzen sie den Andern nach, thun aber aus Eitelkeit so, als wäre es ihr Eignes. Derlei Dinge und die ganzen Historikerpersönchen dieses Schlages sind demgemäß nicht ernst zu nehmen. Geradezu zum Lachen aber war es beispielsweise, wenn Herr v. Treitschke über Robert Mayer als einen Verrückten den Stab brach und haarklein sowie mit absoluter Sicherheit die große Entdeckung des noch größer» Potsdämlichen, nämlich des Helmholtz, in seiner Geschichtsoffenbarung feierte. Das that er natürlich auf den Credit seines Kollegen, oes ipsiffime Helmholtz, und Weiteres brauchte er ja zur Bildung seiner schlecht autoritär historischen Ueberzeugung nicht, als feine Facultätscollegen. Jüdische Soldaten in England. Am 3. December fand in London in der Central-Synagoge ein israelitischer Militärgottesdienst statt. Etwa 200 israelitische Soldaten und Officiere, die zusammen unter dem Commando des Oberstlieutenant de Lara Cohen standen, wohnten der Feier bei. Die Mehrzahl derselben gehörten dem Freiwilligencorps an, aber auch die reguläre Armee war vertreten; man sah Artilleristen, Gordon-Hochländer, und selbst die Krim-Medaille war zu bemerken. Der Rabbiner der Synagoge von Walworth, F. L.