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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-12-29 · 52 (29.12.1899) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
52 (29.12.1899)
Date
1899-12-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 52 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 993 gänge, die nicht nach Jedermans Geschmacke sind. Es ist für das Wohl und Wehe der Gemeinde nicht gleichgiltig, sondern von hoher Bedeutung, daß diese opferwilligen und opferfähigen Männer hier sitzen, unsere Bedürfnisse erfahren. Wir werden die Einigkeit der Gemeinde gewiß nicht stören, wenn wir dazu beitragen, daß die Großen den Kleinen helfen und Alle einander nahe gebracht werden. (Lebhafter Beifall.) Es erfolgt hierauf die Abstimmung. Antrag Stern wird - mit allen Stimmen gegen zwei abgelehnt; der Antrag des Präsidenten mit 13 gegegen 8 zum Beschlüsse erhoben. Zum Schlüsse der Sitzung wirft der Präsident kais. Rath .Heinrich Klinger einen Rückblick auf die Borgäng eim abgelaufenen Jahre. Die bemerkenswerthen Geschehnisse waren sehr trüber Natur und unter ihnen am Bedauerlichsten der Proceß in Kuttenberg und die Vorgänge in Böhmen und Mähren. Der Wiener israelitische Cultusvorstand hat diesen Ereignissen die lebhafteste' Theilnahme gewidmet. Zeugniß davon war auch die imposante Protestversammlung im Musikvereinssaal, um deren Veranstaltung der I. Vice-Präsident, Herr Dr. Alfred Stern, ein hohes Verdienst und den Dank der Gemeinde sich erworben. (Lebhafter Beifall.) Der Präsident erinnert an die gnädigen Worte aus dem allerhöchsten Munde des Kaisers voll väterlicher Güte und Theilnahme für die Leiden unserer Glaubensbrüder in Oesterreich. Seit uralten Zeiten sind die Juden treu zu Kaiser und Reich gestanden und unsere Loyalität und Treue wird nicht wanken bei allem Wandel und Wechsel der Zeiten. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Der Präsident läßt sodann durch den kais. Rath Dr. Lieben den Bericht über die Thätigkeit des Vorstandes im abgelaufene Jahre verlesen: I. S e c t i o n: Behufs Besetzung der durch das Ableben des Obercantors I. Goldstein freigewordenen Stelle im Leopoldstädter-Tempel wurde ein Concurs ausgeschrieben und finden bereits derzeit die Probevorträge der angemeldeten Candidaten statt. Die durch die Pensionirung des Rabbinats-Assessors Herrn Jacob Fleißig freigewordene Stelle im Rabbinate wurde dem bisherigen Oberrabbiner in Jvesanr, Mayer Mayersohn verliehen. Den Vereinsbethäusern für die Bezirke II (Große Schiffgasse) IV und V, VI und VII, IX, X wurde die Ermächtigung zur Vornahme von Aufgeboten und Trauungen ertheilt und ihren Rabbinern die Führung der Trauuugsmatriken und Ausstellung von Trauungszeugnissen übertragen. Der Vorstand hat auch im heurigen Jahre seine volle Aufmerksamkeit den religiösen Institutionen der Gemeinde zugewendet. Die Regelung der Koscherfleischfrage, der Mohelimangelegenheit, der Angelegenheit des rituellen Bades und der Mazzot hat den Vorstand in zahlreichen Sitzungen beschäftigt und ist mit Bestimmtheit zu hoffen, daß diese Angelegenheiten in nächster Zeit zu gedeihlichen Resultaten führen werden. Der Rabbiner des Tempelvereines, II., Große Schiffgasse 8, Herr Simon Fürst, wurde zum Gemeinderabbiner bestellt. Dem Tempelbauvereine Simmering wurde durch die Gewährung einer einmaligen größeren Subvention die Möglichkeit gegeben, das Tempelgebäude fertigzustellen. Dasselbe wurde bereits zu den heurigen hohen Feiertagen der Benützung übergeben. II. Section: Als Vertreter des israelitischen Religionsunterrichtes im Wiener Bezirksschulrathe wurde an Stelle des Herrn Baurathes Stiaßny, welcher nach langjähriger Wirksamkeit sein Mandat zurückgelegt hatte, Herr Dr. Markus Spitzer gewählt. Die bereits im Vorjahre stattgehabte Ausspeisung armer Schulkinder der Brigittenau wurde auch heuer fortgesetzt. Die Leitung derselben hat Herr Dr. Berger unter Mitwirkung des Brigittenauer Frauen-Wohlthätigkeitsvereines und erhält seit Monaten täglich eine namhafte Anzahl von Kindern warme Mittagskost. Zur Heranbildung von israelitischen Religionslehrern wurde an der israelitisch-theologischen Lehranstalt ein Curs activirt, an welchem derzeit 11 Herren theilnehmen. Zur Förderung des Besuches wurden seitens der Cultusgemeinde 2000 fl. ö. W. zur Ertheilung von Stipendien an Hörer des Curses bewilligt. lieber die Ausschreibung der Oberlehrerstelle für die Volksschule II., Czerningasse, in welcher Ausschreibung die für den Oberlehrer dieser Schule nach dem Gesetze erforderliche Befähigung zur Ertheilung des israelitischen Religionsunterrichtes nicht gefordert wurde, hat der Vorstand an den Bezirksschulrath das Ansuchen gestellt, die Ausschreibung richtigzustellen. Nachdem diesem Ansuchen nicht stattgegeben wurde, wurde die Vorstellung an den Laudesschulrath und nach Abweisung desselben an das Cnltusministerium erhoben. Da auch diese Vorstellung abgewiesen wurde, erhob Herr Vicepräsident Dr. Gustav Kohn namens der Cultusgemeinde die Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof, welcher in günstigem Sinne entschied. Demnach muß die Ausschreibung der genannten Stelle für einen jüdischen Oberlehrer erfolgen. (Lebhafter Beifall.) Vor Kurzem wurden 4 Religionslehrer an Mittelschulen, darunter 2 Wiener zu wirklichen Lehrern an Mittelschulen ernannt. Der Vorstand begrüßt diese Thatsache umsomehr, als er seit Jahren wiederholt schriftlich und mündlich Gelegenheit genommen hat, competenten Ortes dahin zu wirken, daß die sociale Stellung der Religionslehrer an Mittelschulen entsprechend gestaltet werde. III. Section. Zum Andenken an weil. Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth wurde die Errichtung eines Institutes von Pflegerinnen beschlossen und ist die Heranbildung jüdischer Pflegerinnen eingeleitet. Für das aus Anlaß des Kaiser-Jubiläums zu erbauende Siechenhaus haben die eingeleiteten Spenden eine Summe von ca. ö. W. fl. 67.000 ergeben. Die Erweiterungsbauten im israel. Spitale sehen ihrer Vollendung entgegen. Frau Bar. Hirsch hat in ihrem Testamente der israel. Cultusgemeinde Wien ein Legat von Frcs. 100.000 für Wohlthätigkeitszwecke vermacht. Zur Unterüsttzung armer israel. Wöchnerinnen wurde unter der Aegide der Cultusgemeinde und unter Mitwirkung der Wiener Frauen-Wohlthätigkeitsvereine eine Centralstelle angebahnt. Zur Errichtung eines Kinderspitales wurde von einem ungenannt sein wollenden Wohlthäter durch Herrn Emanuel Baumgarten der Betrag von fl. 50.000 gespendet. In Bezug auf das Armenwesen, respective Verabreichung von Unterstützungen, ist die Einführung von freiwilligen Armenpflegern in Vorbereitung. IV. S e c t i o n: Die Zinsen der Dr. S. Goldschmidt'schen Verlassenschaft im Capitalbetrage von fl. 538.800 Nominale, wurden mehreren Unterrichts-, beziehungsweise Wohlthätigkeits Jnstitutionen zugewendet. Im Sinne des Statutes wurden die Einschätzungen für das nächste Triennium vorgenommen, nachdem vorher das Cultussteuer-Maximum von fl. 3000 auf fl. 6000 erhöht wurde. Die Neueinschätzungen machten insgesammt 58 Sitzungen der betreffenden Steuer-Bezirks-Collegien nothwendig. Um die Höchstbesteuerten den erhöhten Steuern leichter zugänglich zu machen, wurden denselben in mehreren zahlreich besuchten Versammlungen die Lage der Gemeinde ausfirhrlich dargelegt. Die Versammlung anerkannte durch ihren Referenten die Nothwendigkeir der Steuererhöhungen und empfahl dem Vorstande die Einführung der 5 fl. Steuer, die Vermehrung der Vorstandsmandate und die Wahl nach Wahlkategorien. Baron Rothschild empfiehlt das Steuermaximum noch über 6000 fl. zu erhöhen. Um die Ansicht der minder- und niedrigbesteuerten Kategorien über die empfohlenen Aenderungen kennen zu lernen, wurden auch Angehörige dieser Kategorien zu einer Conferenz eingeladen. V. Section: Herr Baron Albert von Rothschild hat im Vorjahre eine Stiftung für arme jüdische Künstler mit dem Capitale von Kronen 200.000 begründet, das erste Erträgniß dieser Stiftung wurde bereits heuer an Bildhauer, Maler, Architekten und Musiker vertheilt. Die an dem Polnaer Morde angeknüpste Ritualmordhetze hat den Vorstand zu wiederholten und energischen Kundgebungen veranlaßt. Vorerst wurde in öffentlicher Plenarsitzung in Gemeinschaft mit dem Rabbinate ein Protest gegen die Beschuldigungen beschlossen, in den Tagesblättern veröffentlicht und den Ministern, sowie dem Statthalter zugemittelt. Die hierauf im großen Musikvereinssaale abgehaltene äußerst zahlreich besuchte Protestversammlung gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung. VI. Section: Der Vorstand hat beschlossen, die Grätisgräber-Gruppen am Centralftiedhofe durch Bäume ausschmücken zu lassen. Herr Vorsteher Salo Kohn hat sich in dankenswertber Weise bereit erklärt, für den Fall, als die vom Vorstände be-

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