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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-12-29 · 52 (29.12.1899) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
52 (29.12.1899)
Date
1899-12-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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•Jit. 52 Dr. Bloch's Wochenschrifr« Seite 989 mir natürlich nicht ein und ich fühle mich auch gar nicht beruken, unsere „Großen" in Schutz zu nehmen, wenn ich heute doch von ihnen gesprochen habe, so ist das nur deshalb geschehen, weil es mir wichtig erschien, die Meinung von der Indolenz der Großen zu beheben und die Gemeinde in Würde führen zu können, indem wir unsere wohlhabenden und reichen Mitglieder nicht nur zu höheren materiellen Leistungen, sondern auch für die directe persönliche Theilnahme heranziehen. Wenn von einem Herrn Redner ein Fall vorgebracht wurde, daß sich ein vermögendes Mitglied der Gemeinde wegen der Steuer vom Judenthum abgewendet habe, so muß ich vor Allem bitten, Abwesende nicht anzugreifen, weiters aber kann ich constatiren, daß Niemand wegen der Cultussteuer unsere altehrwürdige Religion, verlassen hat und daß wir somit an dem Uebertritt des Betreffenden nicht schuld sind. Gegenüber der Forderung nach Erhöhung der Maximalsteuer erlaube ich mir hier festzustellen, daß bei der letzten Versammlung unser größter Steuerträger — er und sein Bruder wurden auf den doppelten Betrag der früheren Steuerleistung erhöht — den Antrag gestellt hat — ich kann den Wortlaut auch nach dem Protokoll zur Verlesung bringen — daß die Steuerscala nicht nur nach abwärts zu erweitern wäre, sondern auch der Vorstand ermächtigt werde, die Scala der Cultussteuer nach aufwärts zu erhöhen. (Beifall). Was die Bemerkung des Herrn Dr. L ö w i n g e r betrifft, welcher das Gerücht zu Grunde liegt, daß der Vorstand die Agenden des Armenwesens einstellen wolle, so verrathe ich kein Geheimniß, daß thatsächlich innerhalb des Cultusvorstandes Stimmen laut geworden sind, welche die Meinung hegen, daß Wohlthätigkeit zu üben Sache des Einzelnen sei. Ich werde leider nicht mehr lange Gelegenheit haben, in Ihrem Vorstande zu verbleiben (Widerspruch), ich werde vielleicht noch die Reform bezüglich der Steuer und der Wahlen abwarten, aber lange werde ich nicht mitthun können, weil dieses mein Gesundheitszustand erfordert; wie ich jedoch meine Nachfolger zu kennen glaube, wird der Vorstand auch weiter Wohlthätigkeit üben und wird sie auch immer üben müssen (lebhafter Beifall), weil wir bei aller Anerkennung und Würdigung der Privatwohlthätigkeit, doch zum Theile im Wege der Steuergelder das repariren müßten, was der Einzelne oft unterläßt. (Lebhafte Zustimmung). Die heute hier vorgebrachten Aeußerungen sind gewiß auf fruchtbaren Boden gefallen und sie werden, zumal viele Mitglieder vom Vorstande anwesend sind, bei seinen Berathungen den Gegenstand reiflicher Erwägungen bilden. . Allerdings ist es schwer, nach allen Seiten hin gerecht zu werden, der Vorstand wird jedoch Alles, was hier pro und contra vorgebracht wurde, in Berathung ziehen und vielleicht zu Compromissen gelangen, die gewiß das Beste bezwecken sollen. Indem ich constatire, daß eine Abstimmung nicht vorgenommen werden kann, danke ich nochmals allen geehrten Herren für ihr Erscheinen und für die Erörterungen und erkläre die Sitzung für geschloffen. Aus der öffentlicher Plenarsitzung des Cultusvorstandes vom Mittwoch den 80. December unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath Klinger. Zu Beginn der Sitzung macht der Präsident Mittheilung von einem Legate des Herrn Adolf Stern im Betrage von 40.000 fl., wovon 30.000 fl. zur Errichtung einer Wohlthätigkeitsstiftung für Verarmte und 10.000 fl. zur Vertheilung an verschiedene jüdische Wohlthätigkeitsinstitute bestimmt sind. Der Präsident beantragt dem ehrenden Andenken des Legatars protokollarisch Ausdruck zu geben, welcher Antrag einstimmig angenommen wird. Nachdem die Familie des Legatars ein Verzeichniß der aus dem Legate von 10.000 fl. zu betheilenden Wohlthätigkeitsinstitute dem Vorstande behufs Kenntnißnahme der Art der Vertheilung vorgelegt und um dringliche Behandlung ersucht hat, wird das Vertretercollegium im Vereine mit der Rechtssection ermächtigt, ohne weitere Vorlage an das Plenum diese Angelegenheit selbstständig zu erledigen. Der Präsident theilt weiters mit, daß Herr Jaques Brandeis, welcher durch Jahrzehnte als Cultusvorstand fungirte, seit mehr als einem halben Jahrhundert im Bethausvorstand und seit vielen Jahren als Obmann desselben wirkt, in einer Zuschrift den Entschluß mitgetheilt hat, wegen vorgerückten Alters sein Ehrenamt niederzulegen. Mit Rücksicht aus die außerordentlichen Verdienste des Herrn Brandeis, beantragt das Vertretercollegium in voller Uebereinstimmung mit dem Anträge des Bethausvorstandes, Herrn Brandeis in exceptioneller Weise zu ehren und ihn znm Ehrenpräsidenten des Bethausvorstandes zu ernennen. Der Antrag wird einstimmig zum Beschlüsse erhoben. Es folgt hierauf die Berathung des Budgets pro 1900. Der Präsident bemerkt, daß infolge der bis in die letzten Tagen währenden Berathungen der Steuereinschätzungs-Commissionen die Fertigstellung des Voranschlages pro 1900 eine Verzögerung erfahren habe, und ertheilt dem Obmanne der Finanzsection, kaiserlicher Rath Moriz Hirsch, das Wort zur Erstattung seines Referates. Nach den Darlegungen des Referenten benöthigte die erste Section im Jahre 1899 einen Zuschuß von 109.061 fl. 50 kr., und für das Jahr 1900 ist ein Zuschuß von 102.915 fl. 50 kr. präliminirt. Scheinbar eine Verminderung, thatsächlich aber nicht, da im vorigen Jahre diverse außerordentliche Ausgaben, wie Adaptirungen der Bethäuser eingestellt waren, die Heuer entfielen. Herr Dr. Spitzer knüpft an das Budget der ersten Section folgende Bemerkungen: Das Bestreben des Vorstandes müsse darauf gerichtet sein, den Gottesdienst in der Gemeinde auf jener Höhe zu erhalten, auf welche er von Mannheimer und Sulzer gestellt wurde. Der mustergiltigen Schöpfung dieser beiden Männer ist es zu danken, daß in unserer Gemeinde der Ruf nach einer Reform des Gottesdienstes durch Orgel und Damenchor nicht erklungen ist. Im Weiteren bespricht der Redner die Calamität der provisorischen Andachtsstätten für die hohen Feiertage und wünscht, daß dieselben durch Subventionirung der ständigen Bethäufer womöglichst beschränkt werden. Mit der Koscherfleischfrage sei es in der Gemeinde schlecht bestellt. Es müssen soviel Koscher-Fleischbänke vorhanden sein als nöthig sind, um die Anforderungen des Publikums zu befriedigen. Zum Schluffe betont Dr. Spitzer die Nothwendigkeit der Erbauung einer Mikwah und der baldigsten Completirung des Rabbinatscollegiums. Der Präsident bemerkt, daß auf die Anregungen Dr. Spitzer's in dem vorliegenden Budget bereits Rücksicht genommen wurde. Der Antrag des Herrn Oberfinanzrath Dr. Rappaport auf Zusammenfassung sämmtlicher in den einzelnen Sectionen eingestellten Reserven in eine einzige, allgemeine Reserve wird abgelehnt und sohin das Budget der ersten Section mit einem von Herrn Dr. Rappaport beantragten Abstriche per 150 fl. genehmigt. Referent kais. Rath Hirsch: Die II. Section bedurfte im Jahre 1890 einen Zuschuß von 86.867 fl., für das Jahr 1900 ist ein Zuschuß von 101.370 fl. präliminirt. Die Erhöhung ist bedingt durch größere Auslagen für den Religiousunterricht, Gehaltserhöhungen der Religionslehrer durch Borrücken einzelner Lehrkräfte in höhere Gehaltsstufen, die Auslagen für die Einführung des neuen Relrgionslehrbuches, durch Einstellung einer Post von 2000 fl. für den Religionslehrcurs am Rabbiner- Seminar rc. Bicepräsident Dr. K o h n erörtert die Ursachen der höheren Ausgaben für den Religionsunterricht. Dr. Spitzer bespricht mannigfache Schäden des Religionsunterrichtes, die hauptsächlich in der geringen Anzahl der Lehrstunden begründet sind, plaidirt weiters für Vermehrung und Reorganisation der Bibelschulen, sowie für Einrichtung von Lehrstätten, wo auch die erwachsenen Gemeindemitglieder ihr Wissen an jüdischer Literatur und Geschichte bereichern können. An der weiteren Debatte betheiligen sich Herr Director Simon. Doc. Dr. Grünfeld und Dr. Steiner, welch letzterer in warmen Worten für die Religionslehrer eintritt, welche in Anbetracht des geringen Ausmaßes von 2 Stunden wöchentlich das Möglichste leisten. Mit großer Befriedigung könne constatirt werden, daß der Religionsunterricht in den letzten Jahren wirkliche Erfolge erziele. Hierauf wird das Budget der ll. Section genehmigt. Die HI. Section bedurfte im Jahre 1899 einen Zuschuß von 123.554 35 fl., pro 1900 ist ein Zuschuß von 217.881 fl. präliminirt. Die Erhöhung ist bedingt durch die erhöhten Kosten, welche das neuerbaute Siechenhaus, sowie die Erweiterung des Spitales verursachen. Der Präsident nimmt Anlaß in warmen Worten der Thätigkeit des Comites im Altersversorgungshause, insbesondere des erfolgreichen Wirkens der diesem Comitä angehörenden Damen zu gedenken. Es entspinnt sich sohin eine lebhafte Debatte, an welcher sich die Herren Salo Cohn, Dr. Berger, Dr. Grüufeld

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