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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-12-29 · 52 (29.12.1899) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
52 (29.12.1899)
Date
1899-12-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 52 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 983 arzt in Berlin (S. 26), Prof. Wirtz, Director der Reichsarzneischule in Utrecht (S. 25), Dr. Büttel. Bezirksthierarzt in Kissingen (S. 27), Trapp, Schlachthaus- Thierarzt in Straßburg i. E. (S. 37) und viele Andere. Und genau zu demselben Ergebnisse, d. h. zu der nachdrücklichen Verurtheilung einer jeden dem Schächtschnitt folgenden Betäubungs-Manipulation, gelangen die Meister der Wissenschaft, von denen nur erwähnt seien die Professoren der Physiologie Fick- Würzburg (S. 24), Hoppe-Seyler in Straßburg i. E. (S. 40), Heidenhain -Breslau (S. 42), Kühne- Heidelberg (S. 44), A u b e r t - Rostock (S. 44), Meißner- Göttingen (S. 44), H e n s e n - Kiel (S. 45), Grützner- Tübingen (S. 45), K o e st e r - Bonn (S. 46), Ro s enth al-Erlangen (S. 48), Eckhard- Gießen (S. 50), Lange ndorff- Rostock (S. 51), Szpilm an-Czernowitz (S. 55), P l a c e - Amsterdam S. 56) rc. Nur bewußte Verlogenheit kann bestreiten, daß die Wissenschaft, wie zu Gunsten des Schächtens überhaupt, so auch für die Zweckwidrigkeit und den thierquälerischen Charakter der nachträglichen Betäubung, wie sie in seiner rührenden Fürsorge für das Schlachtvieh der Wiener Stadtrath fordert und par ordre de Moufti der Wiener Thierschutzverein befürwortet, einmüthig sich ausgesprochen hat. Offenbar haben die Wiener Machthaber das Bedürfniß, einen neuen Proceß vor dem Verwaltungsgerichtshof zu verlieren, denn diese oberste Gerichtsbehörde hat in der Schächtfrage ja bereits wiederholt gesprochen. Ueber den Rrlrgionsweitzlel Von Dr. A. Eitelberg. Vor Kurzem hat Herr Gemeinderath L u c i a n Brunner die Anregung gegeben, es möchten in Ihrem geschätzten Blatte alle Jene genannt werden, die sich bewogen fühlen, das Judenthum gegen eine andere Religion zu vertauschen. Ich sage absichtlich: „Gegen eine andere" und nicht gegen die christliche, weil diese Individuen jedweden Religionswechsel einzugehen bereit wären, wenn er ihnen nur den entsprechenden Vortheil in Aussicht stellen würde. Herr Lucian Brunner ist gewiß kein Zelot. Ich bin es, soweit ich mich kenne, auch nicht. Aber ich höre aus dieser Forderung den Aufschrei eines Charakters, und d e r hat mich so sympathisch berührt. Wahrhaftig, die gegenwärtige Generation ist nicht danach angethan, demjenigen, dem das Wesen mehr gilt als der Schein, eine besondere Achtung einzuflößen. Wir haben eine schwere Menge großer Gelehrter, bedeutender Künstler, doch wir sind bettelarm an Charakteren. Wir besitzen Geist, aber keine Seele. Der einzelne Mensch mag ja dabei materiell prosperiren, indeß die Menschheit ihrem Ruine entgegeneilt. Denn das wollen sich, die es angeht, merken: Noch niemals ist ein wirklich erhabener Gedanke zur vollen Reife gediehen, ohne daß das Herz bei ihm Pathe gestanden wäre! Die Superklugen mögen noch so verschmitzt dazu lächeln, die echte Glückseligkeit wird der Menschheit nur aus der Ethik erblühen. Und Religion ist eine, dem menschlichen Innenleben angepaßte Ethik. Man kann für seine Person sogar Atheist sein, und; man wird doch vor dem ethischer Kern, den jede fortgei schrittene Religion in sich birgt, die tiefste Ehrfurcht empfinden. I Millionen Menschen ist sie allein Stab und Stütze in den j mannigfachen Drangsalen des Lebens; ohne sie würden diese I Armen freudlos dahinwelken, trostlos vergehen. Ich rede i natürlich von inniger Religiosität, nicht vom Formenkram. I So frei ich selbst auch denke, ich möchte sie jetzt noch nicht missen, und noch für lange Zeit hinaus nicht. Mir bedeutet sie eine beträchtliche Etappe auf dem herrlichen Gebiete der Ethik, welches kommende Generationen ganz zu erobern werden streben müssen. Ethisches Empfinden läßt sich ebensowenig anbefehlen, als etwa ein kunstsinniges Verständnis, dessen ja auch viele „Gebildete" entrathen. Aber gesagt muß es diesen Pseudo-Philosophen einmal werden, daß sie an einem Gebrechen des Geistes leiden, welches den klaren Blick des Seelenforschers viel mehr verletzt, als ein körperliches es je zustande brächte. Ach, es ist so unendlich traurig, daß j u st die Stände, welche sich gerne das Epitheton ornans „die besseren" mit Nachsicht der Taxen beilegen, und die in der That der großen Volksmasse mit leuchtendem Beispiele vorangehen sollten, zumeist einen so geringen ethischen Sinn bekunden. Man hört oft klagen, daß heutzutage keine Autorität mehr gelte. Die Klage ist berechtigt, nur hat sie ihre Begründung in einem erschreckenden Mangel an Autoritäten. Lasset nur wieder Männer hervortreten, deren Geist bis zu den Sternen ragt, und deren Herz dennoch bei den Menschen weilt, und die Autorität wird ihre ursprüngliche Macht sofort zurückgewinnen. Das ist eben der Prüfstein alles Erhabenen und Edlen, daß von ihm ein Zauber ausstrahlt, der, ungewollt und nicht erst in Scene gesetzt, die Herzen der Menschen mit unwiderstehlicher Gewalt gefangen nimmt. Und nun wird man verstehen, warum sich meine Seele empört, wenn Männer, die vermöge ihres Wissens und ihrer Bildung als Muster vornehmer Gesinnung den geistig niedriger Stehenden dienen sollten, sich als nichts Anderes entpuppen, wie als Heuchler und Lügner. Wohlgemerkt, ich erörtere die Frage weder vom jüdisch-nationalen, noch vom jüdisch-consessionellen Standpunkte. Es ist mir absolut gleichgiltig, welcher Religionsgenoffenschaft der Convertit früher angehört hat, und welcher er sich, um gewisse materielle Vortheile zu ergattern, nunmehr zuwendet. Das Gemeine und Verwerfliche liegt einfach jedesmal darin, daß mitEtwas, das Tausenden und Abertausenden heilig ist, ganz abscheulicher Schacher getrieben wird. Vom viel geschmähten Grafen Ta affe erzählt man, daß er seinerzeit einen jüdischen Bewerber um ein Primariat, welcher seiner Bitte durch den Vorweis eines frisch erworbenen Taufscheines besonderen Nachdruck zu verleihen hoffte, mit der treffenden Antwort abblitzte: „Bei der Besetzung von Stellen sehe ich blos auf die Tüchtigkeit und nicht auf die Consession". T a a f f e meinte wohl auch die Tüchtigkeit des Charakters. Diese Antwort konnte nur ein Mann sormuliren, dem der hohe Werth der Ethik für die Erziehung des Menschengeschlechtes keineswegs entgangen ist. Warum sollte man das Kind nicht auch bei seinem rechten Namen nennen dürfen? Geradezu einer umnoralischen Handlung macht sich schuldig, wer einen Menschen fördert, der sich einzig und allein durch seine Charakterlosigkeit zu empfehlen weiß. Ich wiederhole es, mich geht die theologische Seite der Frage gar nichts an, ich betrachte diese ausschließlich vom ethischen Gesichtspunkte. Es steht für mich außer Zweifel, daß man in einer jeden der drei monotheistischen Religionen und vielleicht noch in mancher anderen selig werden kann. Ja, man kann es auch noch, ohne daß man sich zu irgend einer der herrschenden Religionen bekennt, sobald man jene Höhe des Menschenthums erklommen hat, anf der man anders als „gottgefällig" zu handeln, nicht mehr fähig ist. Sind aber alle, zumindest die monotheistischen Religionen ethisch gleichwertig, warum sollte es dann ein Verbrechen gegen das sittliche Princip sein, die eine Consession gegen die andere auszutauschen, wenn daraus für unser materielles Wohl oder unseren Ehrgeiz ein respectabler Nutzen erwächst? Diesem Einwande, der mir gegenüber schon des Oeftercn erhoben wurde, will ich hier ein für alle Mal zu begegnet! versuchen. Vollzöge sich der Wandel einfach auf die Art, daß Jemand heute beispielsweise als Jude sich zur Ruhe begibt, um am nächsten Morgen ohne vorhergegangenen rituellen Act als Christ zu erwachen, so wäre darüber kein Wort zu verlieren. So liegen aber die Dinge

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