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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-12-22 · 51 (22.12.1899) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
51 (22.12.1899)
Date
1899-12-22
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Dr. Bloch's Wochenschrift. «eite 379 Sir. seinem Elternhause, seinen Onkel, den „ausgearteten Zweig eines alten, edlen Stammes/ wie ihn die andern Familienglieder bezeichneten, gründlichst verachten gelernt. Er hatte bisher Onkel und Tante vollkommen ignorirt, dieselben nie besucht, er war dem Oheim, wenn er ihnr begegnete, ansgewichen, ja er hatte seine Ungezogenheit und Dreistigkeit so weit getrieben, daß er einmal, als er dem Baron nicht auszuweichen vermochte, diesem, trotzdem beide die Uniform trugen, nicht salutirte, so daß der Major einen Moment beabsichtigt hatte, ihn wegen subordinationswidrigen Benehmens anzuhalten, und dies nur aus dem Gründe unterließ, um den Scandal hierdurch nicht noch zu vergrößern. — Nun hatte Graf Zeno, als er sich einmal in einer — mit schöner Regelmäßigkeit wiederkehrenden — großen Geldverlegenheit befand, die, wie er später selbst gestand, „grandiose Unverschämtheit", Plötzlich, als wenn er stets in den intimsten Beziehungen zu seinem „lieben Onkel" und seiner „cliere tante“ gestanden, ein parfümirtes Billetchen an jenen zu schreiben, und ohne jede überflüssige Einleitung und Redeornamentik, schlankweg um ein Darlehen von dreihundert Dukaten zu ersuchen. Horneck und seine Frau spieen Gift und Galle, die Baronin zerriß den Brief in höchster Wuth in hundert Stücke, der Major vermaß sich hoch und theuer dem „Lumpenkerl", wie er seinen Schwestersohn liebevoll titulirte, wenn dieser es etwa wagen sollte, seine Bitte auch persönlich vorzutragen, den „Kragen zu brechen, daß es nur eine Passion sein sollte"; und die Majorin that etwas, was sie schon seit langen Jahren nicht gethan, nämlich: sie gab ihrem Gatten vollkommen Recht und munterte ihn auf, im gegebenen Falle bei seinem löblichen Vorhaben zu beharren. Der Baron und seine Frau hatten aber nicht erwartet, daß Graf Zeno seine Unverschämtheit so weit treiben und persönlich zu erscheinen wagen würde, und als eines Tages der junge Klinkow ein süßliches Lächeln in seinem abgelebten Gesichte bei Horneck und Frau erschien, war diese so überrascht, daß sie es widerstandslos geschehen ließ, daß er seinen gewichsten Schnurrbart auf ihre Hand drückte, und jener, seine Versicherung er fühle sich gedrängt, einmal nachzuseheu, wie sich der ..eher oncle“ und die „hochverehrte gnädige Frau Tante" befinden, nur mit einem unartikulirten Knurren beantwortete. Als aber Zeno nach einer kurzen Pause die wahre Absicht seines Besuches demaskirend mit der sanftesten Stimme, die er nur aufzubringeu vermochte, den Onkel um ein Darlehen von vierhundert Dukaten ansprach (die Differenz zwischen der mündlichen und schriftlichen Forderung erklärte er, der Wahrheit vollkommen entsprechend, durch mittlerweile eingetretenes erhöhtes Bedürsniß), war der Major (wie Graf Zeno im Weinhause im Kreise seiner Freunde zu deren höchstem Gaudium diese rührende Familienscene schilderte) „fuchsteufelswild" geworden, und hatte den offenbar aufrichtigen Wunsch ausgesprochen, er, Graf Zeno nämlich, solle sofort das Zimmer verlassen und sich zum Teufel Packen, hierbei in überquellender, verwandtschaftlicher Zärtlichkeit die ehrlich gemeinte Versicherung anfügend, daß es ihm — dem Baron — zum größten Vergnügen und zur höchsten Befriedigung gereichen würde, wenn sein liebwerthester Neffe auf der Treppe Hals und Beine brechen würde. Da sich Graf Zeno nicht beeilte, diesem freundschaftlichen Wunsche zu entsprechen; es vielmehr trotz des ersten mißlungenen Versuches, seine „ciceronische Beredtsamkeit" an dem „alten Beest", das er aber in seiner Ansprache nicht so, sondern „cliere tante“ titulirte, zu erproben, rief der Baron zwei riesige Diener, ehemalige Kürassiere und pfiff einem „Neufundländer", so groß wie „ein mäßig gewachsener Elephant" und munterte „Menschen und Thier" auf, dem Wunsche seines Neffen sich zu entfernen, in werkthätigster Weise Unterstützung zu leihen. Nun hatte sich Graf Zeno erhoben, und mit der größten Höflichkeit versichert, daß er unter solchen Umständen nicht daran denke, den Herrn Onkel länger durch seine Anwesenheit zu derangiren, und war artig salutirend zur Thüre geschritten, aber als er sich außer Handweite der beiden Hünengestalten und der Zahnweite des Neufundländers befand, vermochte er (wir bedienen uns in den Hauptmomenten nur seiner eigenen Worte) seine „Rachegefühle", gegen die beiden Hundeseelen, die „kanibalisch" genug waren, einen solchen „Prachtkerl von Neffen", wie er wegen „lumpiger vierhundert Goldfüchse jämmerlich d'ersaufen zu lassen", nicht länger zu bekämpfen und brachte jene dadurch zum Ausdruck, daß er die Zunge, so weit er dies zu thun vermochte, auf Onkel und Tante herausblöckte, dann aber im raschesten Galopp durch die Thüre flog, so daß der Stiefelknecht, welchen ihm der zärtliche Ohm nachschleudere, unschädlich an ihm vorübersauste. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. O. L. in Wien. Wir empfehlen dem Betreffenden, den jüdischen Eolonisten in Palästina sich anzuschließen. W. G. Die berühmte deutsche Geschichte der „Weiber von Weinsberg" die, ihre Männer auf oem Rücken tragend das belagerte Schloß verließen, nachdem ihnen der Kaiser den freien Abzug, mit allem was sie mit sich tragen können, gewährleistet hatte, ist von vielen Dichtern behandelt worden. Sie ist aber nicht historisch, sondern die Nachbildung einer im Midrasch vorkommenden Erzählung. I. H—nd. Das läßt sich ja alles gut lesen, aber Sie vergessen Eines, was übrigens schon Shakespeare gesagt hat: „Es ist ein Unterschied zwischen einer Raupe und einem Schmetterling; und doch war der Schmetterling eine Raupe." I. V. (II. Bez.) Nur berichtigen! Dem Verganiblatt kommt es nicht darauf an, ob es eine Lüge mehr oder weniger einbekennt. 9*. Herrn Strobach ist es in Graz genau so ergangen wie dem Dr. Lueger in Budweis. Nur war Lueger so klug und hat alles abgeleugnet. Historicus. Es steht außer Zweifel, daß Spinoza die kabbalistischen Lehren nicht nur kannte, sondern auch manches derselben für sein System benützte. I. W. Von dem Sultan B a j a s i d, der gastfreundlich den Juden Wohnsitze in seinen: Lande anwies, die der König Fernando aus Portugal vertrieben hatte, rührt das Wort: „Warum nennt mmi Fernando einen weisen König? Er hat doch sein Land arm gemacht und das meinige bereichert." Idem Herrn H r a b a haben seine Machenschaften mit dem jüdischen Geldmann nicht weiter geschadet. Die Herrschaften waren ja früher, solange es ihnen Vortheile brachte, alle mehr oder minder mit Juden liirt. L. Olmntz. Der 11. Teweth 5591 war am 30. December 1830. N. Taubes, Neusanvez. Der 2. Februar 1887 war Mittwoch am 8. Schewat 5647. I. M. Korneuburg. Die Geschichte der „ritterlichen" Denunciation können wir leider nicht publiciren. Das kann uns leider nicht zur Ehre gereichen. „Ein treuer Leser." Die Verleihung erfolgt in geheimer Sitzung und wenn der Vorstand eine Verlautbarung nicht veranlaßt, kann auch die Redaction nichts erfahren. A. S. in H. Das muß offenbar auf einem Jrrthum beruhen. Ein Eohen darf eine Witwe heiraten. I. M. Tie Apokryphischen Bücher erschienen im Jahre 1833 in hebräischer Uebersetzung von Salomon P l e ß n e r. I. H—g. Leopold Z n n z hat für die Anfangs der Dreißiger Jahre erschienene achte Auflage des Brockhaus'ichen Eonversationslexikons die Artikel über Juden, jüdische Literatur und andere diese Materie betreffende, geschrieben. H. W. Die Begeisterung mit der Nietzsche an zahllosen Stellen von dem Judenthum spricht, dürfte vielleicht noch dahin führen, daß kein deutsch-nationaler Racenfanatiker ihn als einen Deutschen gelten lassen wird. Gesucht absolvirter Handels-Akademiker mit guten Zeugnissen als Correpetitor. Adresse in der Bedaction. Kundmachungen Es ist ein Fanni Jeiteles Stipendium pr. fl. 84 — jährlich für einen Hörer der medicinischen Wissenschaften mosaischer Religion auf die Dauer der noch zurückzulegenden, gesetzlich vorgeschriebenen Studienzeit zu vergeben. Bewerber haben ihre Gesuche, belegt mit Studien-, Geburts-, Moralitäts- und Mittellosigkeitszeugnissen bis spätestens 15 Jänner 1900 bei der Eassa der israelitischen Eultusgemeinde in Wien, I., Seitenstettengasse 4 im I. Stock während der Amtsstunden von 9—12 Uhr Vormittag zu überreichen. Es sind zwei Fanni Jeiteles Stipendien 4 ft. 84.— jährlich für Hörer der juridisch-politischen Wissenschaften mosaischer Religion auf die Dauer ihrer noch zurücklegenden, gesetzlich vorgeschriebenem Studienzeit zu vergeben. Bewerber haben ihre Gesuche belegt mit Studien-, Geburts-. Moralitäts- und Mittellosigkeitszeugnissen bis spätenstens 15. Jänner 1900 bei der Eassa der israel. Eultusgemeinde in Wien, I., Seitenstettengasse 4 im I. Stock während der Amtsstunden von 9—12 Uhr Vormittags zu überreichen. Es sind die Zinsen der Fanni Jeiteles Ausstattungsstiftung im Betrage von ft. 284.— an eine arme hier ansässige Braut israelitischer Confession für das Jahr 1900 zu vergeben. Die Gesucke belegt mit Geburts-, Sitten und Mittellosigkeitszeugnissen, ferner mit dem Nachweise, daß die Bewerberin sich bereit.

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