Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 51 (22.12.1899)
- Date
- 1899-12-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seile 972 Dr. Bloch's Wochenschrift« 3lx 51 da alles ausverkauft war, aber noch lange wird es in der Erinnerung der Ostrauer fortleben, denn es war einzig in feiner Art. R. Klattau, 13. December. [0.=S.] (Spenden im Chor- und Gefangsverei n.) Die Eheleute Wilhelm und Anna B r u m m e l spendeten der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde ein prachtvolles Altardeckchen, die Eheleute Fritz und Mizzi Laschanskh eine herrliche, äußerst kostbare in modernem Stile der Secession verfertigte Altardecke. — Der hiesige israelitische Chor- und Gesangsverein hielt unter dem Vorsitze seines verdienstvollen Obmannes des Herrn Rudolf Fleischer am 9. d. M. seine ordentliche Generalversammlung ab, die sehr zahlreich besucht war. Bei derselben wurde das allseitige Profperiren des Vereines constatirt. Der letztere verfügt über eine Bibliothek von 500 Bänden; im Lereinslocale liegen etliche Zeitschriften auf. Die Chanukagruppe, deren Obmann Herr Wäschefabrikant Adolf Wiener ist, bekleidete heuer mit vollständigen Anzügen 9 Knaben und 5 Mädchen. Die Unterhaltungs- und Vergnügungsgruppe des Vereines, an deren Spitze Herr M.-U. Doctor Nathan Reiser steht, veranstaltete im Laufe des Jahres einige köstliche Unterhaltungsabende, die sehr zahlreich besucht waren und ein erkleckliches Reinerträgnis lieferten. Nachdem dem Vorstande das Absolutorium ertheilt worden war, wurde zum Obmanne Herr Rudolf Fleischer einstimmig gewählt. Als Ausschußmitglieder gingen aus der Wahlurne herver die Herren: Dr. Nathan Reiser, praktischer Arzt; Albert Schütz, k. k. Tabakhauptverleger; Jacob Lederer, Lederhändler; Fritz Laschanskh, Großhändler; Moses Berka, Schulleiter und Victor Vogl, Fabriksbuchhalter. Karlsbad. (25 Jahre Cuttusgemeindevorsteher.) Am 24. December dieses Jahres werden es volle 25 Jahre, daß Herr Ludwig M oser aus Karlsbad als Vorsteher der Karlsbader israelitischen Culiusgenieinde an der Spitze der Judenschast dieses Weltcurortes steht. Seine nahezu einsÜmmig erfolgte Wiederwahl am 26. November in den Gesammtausschuß legt Zeugniß ab von der immer wachsenden Verehrung, die ihm seine dankbare Gemeinde entgegenbringt. Es ist kein gewöhnliches, alltägliches Jubiläum, das mit diesem 25. Jahre gefeiert wird, nicht Schablonenarbeit und Ehre, die man sich mit einem solchen Zeiträume nur zu häufig ersitzt sollen gewürdigt und gerühmt werden, dieses Vierteljahrhundert ist ein Markstein für die Juden Karlsbads, denn es bedeutet die Entstehung, das erste kräftige Aufblühen der Gemeinde. — Der Ort Karlsbad gehörte zu jenen Städten, in denen Juden ehedem keinen dauernden Wohnsitz nehmen durften; nur im Sommer, in der Saison, war es einzelnen Juden gestattet, in Karlsbad Geschäfte zu betreiben. Dadurch enstand in dem nahen Lichtenst a d t eine ganz ansehnliche Gemeinde, deren Männer in und um Karlsbad eine immer stärker sich entwickelnde geschäftliche Thätigkeit unternahmen, während Frauen und Kinder in Lichtenstadt lebten. In ähnlicher Weise erblühte ein bald kräftigeres, bald schwächeres Gemeindeleben noch in anderen, in Karlsbads Nachbarschaft gelegenen Ortschaften, wie G i e ß h ü b l, K o s z l a n und L u ck. Die im Jahre 1848 verkündete Freizügigkeit brachte bald einige jüdische Familien nach Karlsbad, die jedoch, als nach einigen Jahren die Errungenschaften von 48 wieder zurückgenommen wurden, den Ort abermals verlassen mußten. Erst das Jahr 1862 brach endqiltig mit den alten Verboten und Grenzsperren, und mit diesem Jahre beginnt die Einwanderung der Juden nach Karlsbad aus den umliegenden Oertern, in denen sie der Noth gehorchend mit ihren Familien sich aufzuhalten gezwungen waren. Von R. Simon dem Gerechten, dem Hohe-Priester, vor dem die Sage Alexander den Großen in die Knie sinken läßt, hat die jüdische Tradition einen Lehrspruch erhalten, der thatsächlich ein Wahrzeichen des Judenthums geworden ist: „Auf drei Dingen beruht die ganze Weltordnung: auf Thora, Gottesdien st und Liebeswerken. Unter den härtesten Drangsalen haben die Juden des Mittelalters überall nach diesen drei Dingen gestrebt: ihre religiösen Gesetze halten zu können, Gotteshäuser erbauen zu dürfen und ihre Armen zu versorgen. — Die Juden, die allsommerlich entweder zur Cur oder zu geschäftlichen Zwecken in Karlsbad weilten, verleugneten nicht die Traditionen ihrer Urväter. Schon im Jahre 1825 erhielt der Großvater des Jubilars der Karlsbader Cultusgemeinde, David Moser, das Privilegium, in Karlsbad dauernd zu wohnen und ein jüdisches R estaurationsgeschäft zu führen. Im Jahre 1847 gründeten mehrere opferwillige Prager Juden in Karlsbad ein ^irdisches Curhaus, das armen Juden unentgeltlich Pflege und Unterkunft geben sollte. Mit diesem Curhause war ein kleines Gotteshaus verbunden, in welchem in den Sommermonaten die Andächtigen sich versammelten, um Dank und Gebet an dem heilbringenden Thermenorte zu Gott emporzusenden. Einige Jahre vergingen, eine ganz stattliche Zahl Juden wohnte schon in Karlsbad, aber eine Gemeinde war noch nicht vorhanden. Diese wurde im Jahre 1869 gegründet. Schon in dieser Zeit widmet unser Jubilar sein lebhaftes Interesse dem jüdischen Gemeindeleben. Im Hause des Vaters, Lazar Moser, concentrirte sich so eigentlich die ganze Judenschaft, Curbedürftige und Geschäftsleute fanden sich in der Moser'schen Restauration zusammen, und den allgemeinen, am liebsten besprochenen Gesprächsstoff bildete immer wieder das Judenthum. Kein Wunder, daß der Sohn des Hauses, Ludwig Moser, schon früh dem Gemeindeleben sich zuwendet und an dessen Aufblühen regen Antheil nimmt. Er wurde auch bald in den engeren Vorstand gewählt. Die erste Sorge der neuerstandenen Gemeinde war natürlich die Erbauung eines würdigen Gotteshauses, und wer immer die Gelegenheit hat, die Synagoge in Karlsbad zu sehen, wird bekennen, daß das Ziel in einem selten glücklichen Maße erreicht wurde. Leider weiß ein Geschlecht, das sich mit dem Ererbten freut, nie hoch genug das Verdienst jener zu schätzen, die das Ererbte erworben haben. Welchen Sorgen und Anfeindungen sich diese wenigen Männer aussetzten, die gleich von Anfang den richtigen Gedanken hatten, ein monumentales Gotteshaus zu bauen, hört sich heute wie ein Märchen an! Ihre Geschäfte, ihre Familien haben sie vernachlässigt, um sich nur in den Dienst dieses Werkes zu stellen! Allen voran ging Ludwig Moser. Als er am 24. December 1874 zum Vorsteher der damals noch kleinen Gemeinde gewählt wurde, durfte er schon auf eine begeisterte und erfolgreiche Thätigkeit im Interesse dieser Gemeinde zurückblicken. Er und seine Freunde, von denen mehrer auch heute noch an der Führung unserer Cultusgemeinde theilnehmen, haben alle Schwierigkeiten geebnet, welche sich massenhaft der jungen Gemeinde und ihrem großen Tempelbaue entgegenstellten. In Verbindung mit ihrem klugen, die Verhältnisse weise erwägenden Rabbilwr Dr. Plaut gelang es ihnen, eine Synagogennnd Gemeindeordnung einzuführen, die auch heute noch mustergiltig geblieben ist, deren stiller Einfluß auf zahlreiche Gemeinden anerkannt zu werden verdient. Aber auch die Gemeindeverwaltung ist unter der Führung L u d w ig M o s e r's eine solche geworden, wie sie selbst allergrößte Gemeinden nicht viele besitzen. In der kurzen Spanne von 30 Jahren ist die Karlsbader Cultusgemeinde eine der blühendsten Oesterreichs geworden. Das dankt sie zum großen Theile Ludwig M o s e r, der mit richtigem Blicke für die Zukunft Karlsbad auch für die Judenheit dieses Ortes an diese Zukunft appellirt hat, und das, wie der Erfolg lehrt, mit vollem Rechte. — Daß diese Gemeinde ihr Pensionsstatut besitzt, das pium desiderium noch so vieler großer Gemeinden, ist selbstverständlich. — Nun geht die Gemeinde, würdig den Traditionen des Judenthums, an die Erbauung ihres großen Curhospitals, das berufen sein soll, die dritte Aufgabe einer jeden jüdischen Gemeinde, die Uebung von Liebeswerken, zu erfüllen. Hoffentlich wird es dem Jubilar beschieden sein, eine lange Reihe von Jahren hindurch auch dieses neue Werk der jüdischen Gemeinde in Karlsbad emporblühen, gedeihen zu sehen. — Mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde dieses Weltcurortes bleibt der Name Ludwig Moser unzertrennlich verknüpft, und die Ehrung, welche ihm am 30. December, an welchem Tage die Gemeinde das Jubiläumsfest begeht, von allen Seiten entgegengebracht wird, ist eine wahrhaft verdiente und nur ein schwacher Ausdruck der Dankbarkeit, die der selbstlosen, hingehendsten Thätigkeit dieses Mannes die Gesammtjudenheit Karlsbads schuldet. Berlin. Seit Jahr und Tag maßt sich die „Kreuzzeitung" eine Art Censoramt über die deutsche Presse an. Bringt eine Zeitung eine religiöse oder Festbetrachtung, so wird diese mäkelnd darauf geprüft, ob sie den in den freiherrlich Hammerstein'schen Kreisen mit dem Giltigkeitsstempel versehenen Anschauungen gemäß ist, und im Falle der Verneinung, wird hartes Gericht über die Frevlerin gehalten, die in die Domäne der „Kreuzzeitung" hat'Einbruch üben und dabei verdächtige Waare einschmuggeln wollen. Die abgekanzelte Zeitung wird natürlich als „jüdisch" zu den Verdammten geworfen.