Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 51 (22.12.1899)
- Date
- 1899-12-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51 Dr. Blortz's Wochenschrifl. Seite £>71 einen geräumigen Speisesaal, sowie eigene Bäder. Alle Räume sind luftig und hell und fand der von den Herren Ingenieurs Fleischt und Gall ausgesührte Bau seitens der zur Feier Erschienenen allgemeine Anerkennung. Brünn. (Jüdische Lesehalle und Volksbibliothek.) Nach einem kurzen Traume von Gleichwerthigkeit und Gleichberechtigung sind wieder traurige Tage für die Juden gekommen; Vorurtheile, welche wir längst vergessen glaubten, leben wieder auf und werden zu neuen Angriffspunkten wider uns. Je häufiger, je erbitterter diese Angriffe werden, umsomehr thnt es noth, daß sich die Juden mit den Waffen des Geistes rüsten, umso dringender bedürfen sie der Bildung und Selb sterziehung in ethischerundintellectueller Richtung. Als ein vorzüglichstes Mittel zur Gewinnung dieser Lebensgüter betrachten wir die Gründung einer jüdischen Lesehalle und Bolksbibliothek. einer Stätte, wo unsere jüdischen Brüder, und insbesondere die wirthschaftlich schwächeren für ihren Geist Stärkung, für ihr Gemüth Erbauung, für ihr Herz Muth und Selbstvertrauen finden sollen, um sich z u moderne n, durch Bildung f r e i g e w o r d e n e n Menschen zu eutwickeln.dieimKampfeum dasDasein vollwert hi g und g e r ü st e t d a st e h e n. Die Lesehalle soll uns die reichen Schätze jüdischen Wissens eröffnen, die Kenntniß unserer Geschichte und Literatur vermitteln. Jüdische Zeitschriften aus allen Ländern sotten uns mit der Lage unserer Brüder in der Nähe und Ferne vertraut und für ihre Leiden und Wünsche empfänglich machen. Der Bücher- und Zeitungstisch soll möglichst reichhaltig ausgestattet, die Culturerrungenschaften aller Völker erreichbar gemacht werden; alle bedeutsamen Erscheinungen auf dem Gebiete der Künste und Wissenschaften, der Literatur und Politik sollen hier ihren Platz finden und die Wanderbibliothek soll wie ein befruchtender Strom jedem Hause, das danach verlangt, seine Wohlthaten spenden und sich mit der Zeit auch über das ganze Land ergießen. Eine Reihe von Vorträgen ist in Aussicht genommen, welche verschiedenen Gebieten angehörig und planmäßig angeordnet für unsere Heranwachsende Jugend und vornehmlich für Jene bestimmt sind, die frühzeitig zum Erwerbe des Lebensunterhaltes genöthigt, die Zeit und die Mittel zu ihrer geistigen Fortbildung nicht hinreichend aufbringen konnten. Auch Fach- und Sprachcurse dürften sich nach Bedarf hier anschließen. Dies sind in großen Zügen entworfen die Ziele unseres Vereines. Wir betrachten die Errichtung der „Jüdischen Lesehalle und Bolksbibliothek" als eine ebenso humane wie socialpolitisch erstrebenswerthe That. Wir, die Unterzeichneten, wollen keine Mühe scheuen, damit unsere Anstalt in dem edlen Wettstreit um die Verbreitung der Volksbildung in unserer Stadt in erster Reihe genannt werde. Ob dies Streben uns gelingt, hängt von der Theilnahme und Unterstützung ab, die wir bei der Brünner Judenschaft finden. Um diese Theilnahme und Unterstützung bitten wir hiedurch. Alois Brecher, Professor Mor. Brecher, JDDr. Mich. Feith, Cand. Jur. Berth. Feiwel, Phil. Dr. Max Grünfeld, Max H i ck e l, Phil & MDr, E. Löwenstein, Dr. Emil P o l l a ck, Wilhelm Sonderling, Ludwig S t r a ß e r, Med. Dr. Sig. S t r a ch, Med. Dr. D. Weiß, Alois W i tr o f s k y, JUDr. Emil Wolf, JUDr. Sigmund Wolf. Czaslau. (Ein Schattenbild.) Löbliche Redaction! Des Kosmographs färben- und abwechslungsreiche Bilder sind jetzt sehr modern. In Ihrem geschätzten Blatte werden allwöchentlich neue Bilderserien gebracht, wohl zumeist Schattenbilder, aber scharf ausgeprägt. Gestatten Sie mir nun, Ihnen ein der Wirklichkeit abgelesenes Bild einzusenden, welches an Düsterkeit und Dunkelheit alles übertrifft, und dennoch gleichzeitig ein grelles Licht auf unsere sogenannten Glaubensbrüder wirft. In unserer czechischen (neuestens gleichbedeutend mit clerical-antisemitischen) Stadt ist eine große Fabrik, deren Begründer ein Jude war, dessen beide Söhne (jetzige Besitzer) auch noch in der jüdischen Matrik nicht gestrichen sind. Der eine derselben ist sogar (gewiß nur in Anbetracht der hohen Cultussteuer), im Vorstand der Cultusgemeinde. Der andere ist Witwer und Vater zweier Knaben im Alter von 6 und 4 Jahren. Diese ließ er jüngst taufen. Die Entwicklung der socialen Verhältnisse erweckt in manchem Elternherzen ernste Besorgniß um die Zukunft ihrer Familie, und der Glaube wird abgeworfen wie ein abgetragener Rock. Nun aber tritt der Bacillus des unjüdisch jüdischen Asus auf. Im hiesigen Wochenblättchen, das sich nach langer Chamäleonsgesinnung dem Antisemitismus voll und ganz iu seiner geistigen Niedrigkeit erschloß, veröffentlichten nun Vater und Oheim (!) eine Danksagung, welche wir nun in wortgetreuer Uebersetzung weiteren Kreisen zugänglich machen. (Czechisches Original liegt bei.) Dieselbe lautet: Wir erfüllen hiemit unsere liebe Pflicht, indem wir auf diesem Wege den heißen Dank aussprechen dem hochehrwürdigen Herrn P. I. F. Dechant in Cz. für die weihevolle Ceremonie der h. Taufe, durch welche unsere Söhnchen (!) und Neffen A. und G. ausgenommen wurden in den Schoß der katholischen Kirche, weiter dem sehr geehrten Herrn I. P. und dessen großmüthiger Frau Gemahlin, welche den Täuflingen Gevatter standen, und allen Gläubigen, welche so zahlreich sich an den eindrucksvollen Ceremonien in der Decanalkirche betheiligten. A. M. Vater, F. M. Oheim (!) Ein Koliner demokratisches Blatt schrieb hierüber: Die Czaslauer Clericalen haben einen fetten Lachs gefangen. Dieses — Bild bedarf keines Commentars. Doch eine Bemerkung sei uns noch gestattet: Hätten die Herren Vater und Oheim nur ein einzigesmal versucht, ihr für religiöse Gefühle, wie man sieht, überaus empfängliches Herz dem eigenen, schwer bedrängten Glauben zu öffnen, der ihnen von ihrer glaubenstreuen Mutter auf dem Sterbebette als heiliges Bermächtniß hinterlassen wurde, wären sie sicherlich eingedenk gewesen, daß sie trotz alledem Juden sind, daß man ihnen ohne Rücksicht auf die prunkvollen Vorbereitungen zur Taufe der Kinder bei einem Brande auf ihrem Felde in jüngster Zeit dieselben zarten Schmeicheleien gewidmet hat, wie sie uns hierzulande von großen und kleinen Buben allstündlich ans Ohr klingen. Ob der überglückliche Vater auch dann dem Herrn Dechant nach der Taufe der Kinder die Hand geküßt hätte, ist eine andere Frage. Uebcigens kommen wird einst der Tag! E i n I u d e. Neuhaus (Böhmen). Bei der am 17. December a. c. stattgefundenen Cultusgemeindewahl, wurden nachstehende Herren gewählt: In den Cultusvorstand: Leopold Fleischer, Heinrich Fantl, Bernard Peschek, Sigmund Singer. In den verstärkten Vorstand: Marcus Ornstein, David Schwarz, Jacob Gröger, Eduard Herrmann. Als Ersatzmänner: Jacob Rabl, Adolf Lederer. In die Umlags-Commission: Salomon Kohn, Leopold Winternitz, Adolf Stampf, Adolf Pokorny. Als Revisoren: Ignatz Feigl, Moritz Weil. Bei der hierauf vorgenommenen engeren Wahl wurde der um die Cultusgemeinde so verdienstvolle Herr Leopold Fleischer abermals zum Vorsteher gewählt, und wäre es zu wünschen, daß es demselben noch viele Jahre gegönnt sein möchte, dieses Ehrenamt zu bekleiden. Mähr.-Ostrau. Sonntag, den 10. d. M. veranstaltete der Ausschuß des hiesigen israelitischen Frauenvereines unter der Leilung des Herrn Professor S ch w a r z, einen Bazar, dessen Erträgnis; zur Gründung eines Fonds für Bespeisunz armer lsraelitischer Schulkinder bestimmt wurde Und fürwahr, die Bemühungen dieser edlen Frauen und ihres Beirath Herrn Professor Schwarz wurden, Tank der Opferfreudigkeit unserer Bevölkerung, vom größten Erfolge gekrönt, denn ein Reinerträgniß von nahezu fl. 2000 war das glänzende Resultat dieses Wohlthätigkeitssestes. Besonders erwähnenswerth ist, daß auch die christliche Bevölkerung unserer Stadt sich an diesem humanen Werke sowohl durch Spenden als durch Besuch betheiligte. Herr und Frau Petzak, welcher ersterer Pächter der Gastwirthsch ist des deutschen Hauses ist. standen dem rührigen Comite in uneigennützigster Weise wacker zur Seite. Die Tecoration besorgte Herr K a r p e l, Tapezierer unentgeltlich. — Wir wollen jetzt noch über die einzelne Gruppirung der Zelte kurz berichten. In der Mitte des Saales fesselte unseren Blick der reizende Blumenpavillon von Frau Tr. Reik, welche unterstützt von ebenso reizenden Blumenmädchen in Alt-Wiener Tracht ihre Sträußchen serlboten. In unmittelbarer Nähe war das Epheu umrankte Zelt von Frau Dr. Spira und Frau Dr Kafka, welche umgeben von feschen Mädchen in hannakischer Tracht, die herrlichsten Früchte zu sehr mäßigen Preisen abgaben. In den beiden Buffets fungirten mit rühmenswerther Ausdauer und Eleganz die Tamen Lina Krasny und Frau Professor Schwarz Buffets I, Buffets II Frau Rosa Lichtenstern und Dr. Klein. Vorzüglich nebenan gruppirt war der Bierschank, da man von den vorzüglichen an den Buffets verabreichten Delicateffen den Durst stillen konnte, an dem Frau Carla Roth und Frau Förster in trefflicher Weise ihres Amtes walteten. In der Conditorei waren Frau Dr. Hilf und Frau Jda Kafka eifrig bemüht, die Anzahl der Käufer zu befriedigen und auch Frau Bellak im Glückshafen hatte ihre liebe Noth, den Wünschen der glücklichen Gewinner gerecht zu werden. Bereits um 8 Uhr endigte das schöne Fest,